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Auftragslage weiter Rückläufig?



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iasi
Beiträge: 25038

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von iasi »

Jalue hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 02:21 Ich möchte hier nochmal einen dranhängen, erscheint mir iasis "Schlusswort" doch gar zu euphemistisch, wobei wir ihm vermutlich alle gerne zustimmen würden.
iasi hat geschrieben: Do 06 Jun, 2024 17:39 Interessant finde ich dabei, dass nun ein Punkt erreicht ist, bei dem Massenkündigungen nicht mehr möglich sind.
Echt jetzt? Derzeit werden überall Jobs gestrichen, und zwar, nach Maßstäben unserer eher kleine Branche, durchaus in "Massen". Letztlich haben wir es mit einer Strukturkrise zu tun, vergleichbar mit dem, was während der Umstellung von analog auf digital geschah, nur lautet der Gamechanger jetzt KI.
Ja jetzt.
Seien es Unternehmen oder der Staat, wenn Kosten bzw Ausgaben reduziert werden sollen, wird der Weg des geringsten Widerstandes eingeschlagen und nicht mittel- oder gar langfristig gedacht.
Mal eben eine Maßnahme beenden, bei der nur die Auftragsvergabe gestopt werden muss, ist viel einfacher, als im eigenen Haus zu kehren.
Die Einzelkämpfer und Unternehmen, die von diesen Auftragsvergaben abhängig sind, trifft es dann.
Ist der Kosteneinsparungszyklus dann beendet, werden diese Maßnahmen jedoch wieder gestartet und die Vergabe wird aufgrund des "Fachkräftemangels" teurer.
Denn der "Fachkräftemangel" entsteht, weil viele Einzelkämpfer und Unternehmen diesen Zyklus nicht überstanden haben.
Jalue hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 02:21
iasi hat geschrieben: Do 06 Jun, 2024 17:39 Auch die Dienstleister, die momentan keine Aufträge erhalten, werden wahrscheinlich nur eine kurze Durststrecke überstehen müssen. Und da die Konkurrenz und somit das Angebot schrumpfen wird, dürften dann gute Zeiten für die Verbliebenen folgen.
Erneuter Einspruch. Volkswirtschaft ist vor allem Psychologie und ohne ein mächtiges Signal ist kaum mit einem Aufschwung zu rechnen. Stand jetzt könnte das ein Frieden in der Ukraine sein oder ein Regierungswechsel hierzulande, doch beides ist nicht in Sicht. Mithin wird die Durstrecke eher nicht "kurz" ausfallen und die Zahl der "Verbliebenen", die eine Flaute bis Ende 25' mit Rücklagen abwettern können, dürfte überschaubar sein.

Let's face it, viele von uns werden sich neu aufstellen müssen.
Und wieder - es sind nicht solche Faktoren wie KI oder Ukraine-Krieg.
Es ist generell ein Zyklus höherer Inflation, deren Bekämpfung durch die Notenbanken ein Abbremsen der Wirtschaft bewirkt. Lange Zeit lag die Inflationsrate unter den angestrebten 2% - die Gegenbewegung war abzusehen.
Die Notenbanken beginnen nun langsam von der Bremse zu gehen, da sich die Inflation wieder der Zielmarke annähert.
Die Verbraucher wiederum sind aktuell im Sparmodus, was jedoch nicht lange anhalten wird, da die Lohnanpassungen zu wirken beginnen.
Ein Regierungswechsel würde hier auch nichts ändern.

Was sich jedoch nach solchen abrupten Ausschlägen gezeigt hat, waren die starken Erholungsphasen, die folgten.

Entsprechend dem Ausschlag nach unten, folgt ein Wachstumsschub:
Screenshot 2024-06-11 at 08-19-46 wirtschaftswachstum deutschland - Google Suche.png
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.



macaw
Beiträge: 1397

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von macaw »

@Jalue
Ich glaube die Entlassungen werden eher in überschaubaren Mengen von KI verursacht sondern mehr durch hohe Inflation und Anstieg der Kosten, wirtschaftliche Unsicherheit die wiederum durch die politische Unsicherheit kommt wegen der Ukraine usw. usf. und all das oben drauf zu den Nachwirkungen von Corona.



Frank Glencairn
Beiträge: 23811

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von Frank Glencairn »

Es ist einfach wieder mal an der Zeit - Kondratjew/Schumpeter Zyklen bei der Arbeit.

Kondratjew veröffentlichte 1926 in der Berliner Zeitschrift Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik seinen Aufsatz Die Langen Wellen der Konjunktur. Hierin stellte er anhand empirischen Materials aus Deutschland, Frankreich, England und den USA fest, dass die kurzen Konjunkturzyklen (siehe auch Schweinezyklus) von langen Konjunkturwellen überlagert werden. Diese 40 bis 60 Jahre dauernden Langen Wellen bestehen aus einer länger andauernden Aufstiegsphase und einer etwas kürzeren Abstiegsphase. Die Talsohle wird durchschnittlich nach 52 Jahren durchschritten.

Kondratjew konnte zu diesem Zeitpunkt zweieinhalb solcher Langen Wellen feststellen, wobei er davon ausging, dass sich die dritte Welle Ende der 1920er Jahre ihrem Ende zuneigen würde, was mit dem Börsenzusammenbruch und der Weltwirtschaftskrise auch eintraf. Ursache für diese Langen Wellen sieht er in Gesetzesmäßigkeiten des Kapitalismus, während neue Techniken nicht Ursachen, sondern Folgen der Langen Wellen seien.

Charakteristika der einzelnen Wellen sind, dass in den Aufschwungsperioden die Jahre mit guter Konjunktur überwiegen und in den Abschwungsphasen – wenn ein Überhang an Rezessionsjahren herrscht – meist wichtige Entdeckungen und Erfindungen gemacht werden, so genannte Basisinnovationen. Diese treten stets dann auf, wenn ein Mangel, beziehungsweise ein durch weitergehende Produktivitätssteigerung nicht mehr zu befriedigender Bedarf, entstanden sei.

Die Errichtung der europäischen Eisenbahnen wurde demnach deshalb entscheidend vorangebracht, weil die bislang vorhandenen Transportmöglichkeiten (Pferdegespanne auf Landstraßen und ähnliches) nicht mehr in der Lage waren, die bereits industriell hergestellten Waren ausreichend auf den Märkten zu verteilen.

Joseph Schumpeter
Joseph Schumpeter prägte 1939 in seinem Werk über Konjunkturzyklen für diese Langen Konjunkturwellen den Begriff der Kondratjew-Zyklen und stellte heraus, dass die Basis für diese Langen Wellen grundlegende technische Innovationen seien, die zu einer Umwälzung in der Produktion und Organisation führen. Er prägte für diese den Begriff der Basisinnovationen, wobei er offenließ, was zu deren Entstehung und damit zu einem neuen Kondratjew-Zyklus führt. Für ihn war hierbei nicht die Entdeckung einer Basisinnovation ausschlaggebend, sondern deren breiter Einsatz.
Ich denke allerdings daß das ganze noch komplexer ist, weil von weiteren Wellen überlagert.
Ich hab vor kurzem "The Forth Turning" von Strauss und Howe gelesen, die ihren eigenen - sehr interessanten - Ansatz haben.
Die Autoren gründen ihre Beobachtungen auf der Basis der geschichtlichen Entwicklung Amerikas, wobei sie bis ins 15. Jahrhundert zurückblicken. Bis zur Gegenwart ergaben sich 5 vollendete Säkula.
Das 6. begann mit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Projeziert man eine durchschnittliche Zyklusdauer von 80 Jahren in die Zukunft, ergibt sich ein Krisenhöhepunkt um das Jahr 2025. Dies entspricht einem Kriseneintritt, oder eines "Forth Turnings", um das Jahr 2005. Dies korreliert zeitnah mit der Finanzkrise 2008/2009.
Krisen werden durch einen Katalysator initiiert, wobei die Autoren hier, hypothetisch, einen terroristischen Akt oder ein Virus anführen, was rückblickend, angesichts der Entwicklungen, frappierend erscheint.
Wenig hoffnungsvoll ist ebenso die Erkenntnis, dass jedes Säkulum mit einem großen Krieg endete, welcher zur Entwicklung einer neuen Gesellschaftsordnung führte. Was noch vor Kurzem unmöglich erschien, ist aus aktueller Sicht greifbar nahe.
Sapere aude - de omnibus dubitandum



berlin123
Beiträge: 885

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von berlin123 »

Jalue hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 02:21 Volkswirtschaft ist vor allem Psychologie und ohne ein mächtiges Signal ist kaum mit einem Aufschwung zu rechnen. Stand jetzt könnte das ein Frieden in der Ukraine sein oder ein Regierungswechsel hierzulande, doch beides ist nicht in Sicht.
Der Regierungswechsel ist doch ziemlich sicher. Der wird voraussichtlich aber nichts an der Frage der Energiekosten ändern oder Fachkräftemangel in betroffenen Branchen beenden. Aber wie du schon sagst könnte er einen psychologischen Effekt haben.



macaw
Beiträge: 1397

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von macaw »

Viele werden sich freuen, daß die Ampel endlich weg ist und die Grünen mitsamt ihrer Mischpoke einen ordentlich reinbekommt. Dann kommt aber schon bald der Kater, weil auch die neue Regierung nicht übermächtig ist, sondern am Ende auch nur innerhalb sehr enger Grenzen agieren kann, vor allem, wenn vieles ohnehin nicht in deren Händen liegt...



berlin123
Beiträge: 885

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von berlin123 »

macaw hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 09:09 Viele werden sich freuen, daß die Ampel endlich weg ist und die Grünen mitsamt ihrer Mischpoke einen ordentlich reinbekommt. Dann kommt aber schon bald der Kater, weil auch die neue Regierung nicht übermächtig ist, sondern am Ende auch nur innerhalb sehr enger Grenzen agieren kann, vor allem, wenn vieles ohnehin nicht in deren Händen liegt...
Günstigeres Gas und Öl bekäme man eben auch nur bei einer 180-Grad Wende gegenüber Russland. Und die wird es auch mit der CDU nicht geben solange der Krieg läuft. Merz schlägt ja noch einen etwas härteren Ton an als Scholz.



Bluboy
Beiträge: 4562

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von Bluboy »

berlin123 hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 09:13
macaw hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 09:09 Viele werden sich freuen, daß die Ampel endlich weg ist und die Grünen mitsamt ihrer Mischpoke einen ordentlich reinbekommt. Dann kommt aber schon bald der Kater, weil auch die neue Regierung nicht übermächtig ist, sondern am Ende auch nur innerhalb sehr enger Grenzen agieren kann, vor allem, wenn vieles ohnehin nicht in deren Händen liegt...
Günstigeres Gas und Öl bekäme man eben auch nur bei einer 180-Grad Wende gegenüber Russland. Und die wird es auch mit der CDU nicht geben solange der Krieg läuft. Merz schlägt ja noch einen etwas härteren Ton an als Scholz.
In welcher Koalition will Merz den Kanzler werden ?



DKPost
Beiträge: 958

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von DKPost »

macaw hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 09:09 Viele werden sich freuen, daß die Ampel endlich weg ist und die Grünen mitsamt ihrer Mischpoke einen ordentlich reinbekommt. Dann kommt aber schon bald der Kater, weil auch die neue Regierung nicht übermächtig ist, sondern am Ende auch nur innerhalb sehr enger Grenzen agieren kann, vor allem, wenn vieles ohnehin nicht in deren Händen liegt...
Da würde ich mich nicht zu früh drauf freuen. Bei der Europawahl wählen viele Leute Kleinparteien, die sie bei einer Bundestagswahl nicht wählen würden. Diese Mal waren es fast 17%. Und viele davon an "grünenähnliche" Parteien.



berlin123
Beiträge: 885

Re: Auftragslage weiter Rückläufig?

Beitrag von berlin123 »

Bluboy hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 09:32
berlin123 hat geschrieben: Di 11 Jun, 2024 09:13

Günstigeres Gas und Öl bekäme man eben auch nur bei einer 180-Grad Wende gegenüber Russland. Und die wird es auch mit der CDU nicht geben solange der Krieg läuft. Merz schlägt ja noch einen etwas härteren Ton an als Scholz.
In welcher Koalition will Merz den Kanzler werden ?
Nimmt man die letzte Sonntagsfrage, und die FDP wäre knapp draussen, dann kommen CDU+SPD zusammen auf über 52% der Bundestagsmandate. Schafft die FDP 5%, dann kämen CDU+SPD+FDP auf über 55% der Sitze.

Und das obwohl sowohl AfD als auch BSW in der Sonntagsfrage ein paar Punkte besser abschnitten als bei der Europawahl.
https://www.wahlrecht.de/umfragen/



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