r.p.television hat geschrieben:Aha.
r.p.television auf einige Deiner Fragen möchte ich Dir gerne eine Antwort geben.
1.) Eine Mittelformatkamera hat tatsächlich keine größere Tiefenschärfe als eine Kleinbildkamera (Vollformatkamera)! Die Tiefenschärfe eine 50mm f1:2.8 Objektiv ist bei Gleicher Blende sowohl bei einer Mittelformatkamera wie bei einer Kleinbildkamera exakt gleich. Es ist ja auch das gleiche Objektiv! Allein der Aufnahmewickel ist bei beiden Formaten ein andere. Bei einer Kleinbildkamera (36x24mm) hat erzeugt ein 50mm Objektiv einen Aufnahmewinkel von ca. 46° und bei einer Mittelformatkamera (56x56mm) erzeugt ein 50mm Objektiv einen Aufnahmewinkel von ca. 76°. Die Schärfentiefenverhältnisse der einzelnen Objekte bleiben innerhalb der Abbildung jeweils exakt gleich.
Zwei Bäume, die mit einem Abstand von 5 Meter hintereinander stehen, sind im Verhältnis zueinander, jeweils genauso scharf oder unscharf, egal ob sie mit einer Mittelformatkamera oder einer Kleinbildkamera aufgenommen wurden. Vorausgesetzt, es wurde beide male das gleiche Objektiv mit identischem Blendenwert verwendet.
Was sich alleine ändert, ist Maß mit dem das Motiv das Format füllt - oder nicht füllt. Würde man aus einer Mittelformataufnahme ein Kleinbildformat durch Beschnitt heraus vergrößern, würde man das gleiche Bild erhalten, das man auch mit einer Kleinbildkamera direkt erhält! Darum ist das Aufnahmeformat auch gänzlich uninteressant bezüglich der Bildwirkung.
(Von den potentiellen Auflösungsunterschieden an dieser Stelle einmal abgesehen. Die bestehen natürlich weiterhin. Zumindest wenn man die jeweils aktuellste Technik zu einem bestimmten Zeitpunkt untereinander in Vergleich setzt. Und es ist natürlich auch nur eine Binsenweisheit, dass eine aktueller MFT-Sensor im Jahr 2015 eine beträchtlich höhere Auflösung hat, als ein Vollformatsensor vor 10 Jahren.)
Das einzige was daher die Bildgestaltung ausmacht ist das Objektiv - oder genauer gesagt die Objektivbrennweite im Verhältnis zum Aufnahmeformat!
So komme ich zu Deiner zweiten Frage: "Und warum kann man bei einem großen Sensor beispielsweise näher an ein Gesicht herangehen ohne Verzerrung als bei kleinen Sensoren?"
Das kann man natürlich nicht! Wenn schon, dann ist das Gegenteil nämlich der Fall.
Kann man mit einer Kleinbildkamera bestückt mit einem 50mm Objektiv zum Beispiel immer noch eine einigermaßen verzerrungsfrei Portraitaufnahme formatfüllende machen, würde das bei einer Mittelformatkamera bestükt mit einem 50mm Objektiv und einer formatfüllenden Aufnahme nämlich schon zu einigen "Verzerrungen" führen.
Kommen wir zu Deiner dritten Frage: " Das liegt doch nicht an den Objektiven alleine sondern dass diese weniger zusammenstauchen müssen wenn der Sensor größer ist." Würde diese Annahme zutreffen, könnte man mit einer Super35 Kamera wirklich verzeichnungsfrei wohl nur noch Fliegen und Schmetterlinge aufnehmen. Da nur diese in etwa so groß wie der Sensor sind. Bei Landschaftsaufnahmen müsste es nach Deiner Überlegung jedenfalls zu unerträglichen "Stauchungen" kommen (Übrigens, egal mit welchem Aufnahmeformat. Da ein Aufnahmeformat ja niemals groß genug sein könnte, um die Unendlichkeit dazustellten. [Diese bizarre Auffassung hätte allein in einem übergeordnet, philosophischen Sinne noch eine bemerkenswerte Relevanz! Damit nähern wir uns dann aber bereits beträchtlich schamanischen Weltauffassungen an, nicht aber den Gesetzmäßigkeiten der modernen Physik])
Mit diene Anregungen solltest Du noch einmal darüber nachdenken ob Deine im Folgenden zitierte Aussage wirklich Sinn macht. Denn dann erlaube ich mir doch die Frage, wie groß eigentlich die Sensorfläche sein müsste, um den Sternenhimmel abzubilden?
" Natürlich kann ein Sensor nicht um ein Objekt herumkucken, denn das würde ja bedeuten dass man Lichtstrahlen verbiegen kann. Aber es ist ein entscheidender Unterschied ob alle Lichtstrahlen auf einen kleinen Punkt oder einen großen Punkt projeziert werden."
Zu Deinem Beispiel mit der Alexa 65 bleibt mir nur zu sagen, dass mir prinzipiell kein Grund einfallen würde, warum man diese Aufnahmen nicht auch mit einem MFT Sensor hätte machen können sollen. Vorausgesetzt natürlich dass man über die richtigen Objektive verfügt.
Mag sein, dass die Auflösung eine MFT-Sensors aktuell noch nich mit dem einer Alexa 65 mithalten kann. Dies wirt sich in wenigen Jahren bereits geändert haben.
Die vorgebliche Raumtiefe, die Du in den Bildern zu erkennen vermagst, erklären sich aus einer überzeugenden Bildkomposition, eine dynamischen Schnittfolge, dem Bildseitenverhältnis von 2,35:1, dem geschickten Einsatz der subtilen Tiefen(-un)schärfe, der unterkühlten Farbgebung und nicht zuletzt der Lichtverhältnisse bei der Aufnahme. Das ist alles keine Zauberei und hat nichts mit "Bildstauchungen" (was immer das ist) zu tun.