Es ist mir ja fast ein wenig peinlich, wenn ich nach 30 Jahren Berufspraxis sowas frage – aber hat jemand Erfahrung mit Breitnieren als Kameramikrofon?
Bisher hatte ich ausschließlich Richtrohre und Supernieren als Kameramikrofon im Einsatz, zum Beispiel ein Schoeps MK 41 mit CMC 6 und Cut 60 dazwischen, und darüber dann ein Rycote Baby Ball mit Fell.
Jetzt brauche ich aber was noch kompakteres, und da frage ich mich, ob ein DPA 2015 mit Rycote Super Softie eine Idee sein könnte. Breite Nieren sind nicht ganz so windanfällig, und die Schlitze sind so kurz, dass sie absolut betriebssicher vom Softie überdeckt werden. Beim Sony ECM-XM1 ist genau das ein Problem, da findet der Wind immer einen Weg, weil die Schlitze lang und die Überdeckung äußerst knapp ist.
Das DPA 2015 liefert auch keinen extrem hohen Ausgangspegel, so dass die Aussteuerungsautomatiken einer FX 6 oder FX 9 da keine Probleme haben werden und selbst bei lauten Maschinen nichts zerren wird.
Mir ist das auch ganz recht, wenn die Richtwirkung nicht ganz so stark ist. Es soll ja wirklich nur als Kameramikrofon dienen. O-Töne angele ich mit MKH 8060 im Korb mit Fell oder mit MKH 50 im Baby Ball mit Fell.
Da ich ein großer Fan der Mikrofone aus Gefell bin, ginge natürlich auch ein M 330 mit ähnlichen Eigenschaften und Abmessungen, aber das ist immerhin rund 50 Prozent teurer, und bei Kameramikrofonen würde ich die Kirche ganz gerne im Dorf lassen. Deren neues Modulsystem scheidet auch aus, weil die Mikrofone schlichtweg zu kurz sind. Für Windschutz und Halterung ist nun mal eine gewisse Mindestlänge erforderlich.
Dein Gefell M300 hat mir bei deiner Reportage auf Fehmarn ausgesprochen gut gefallen.
Ich würde mir den Mehrpreis zum DPA ans Bein binden, ich denke, du wirst es nicht bereuen...
Ich habe auch noch nie eine breite Niere als Kameramikro eingesetzt, aber es wird schon seine Gründe haben, warum man es seltener einsetzt. Es kommt ja auch immer ein wenig darauf an, was einem bei einer Aufnahme wichtig ist. Du hast eben weniger direktes Signal diskreter Schallquellen. Normalerweise möchte man ja eher das Gegenteil, die Umgebungsgeräusche reduzieren, um das 'Wesentliche' zu betonen. Das Verhältnis von Direkt- und Diffusschall wird realistischer sein, aber Realismus ist ja meist nicht das was man anstrebt.
Klanglich ist das sicher ausgewogener und besser als richtendere Mikrofone und weniger windempfindlich sind sie auch. Aber Atmotöne in Mono sind nicht besonders attraktiv, weil sie keine umhüllende Wirkung mehr haben. Und sobald du mehrkanalig arbeitest, brauchst du wieder größere Abstände zwischen den Mikrofonen, als bei richtenderen Kapseln. Das wird dann schnell unpraktisch. Die räumliche Darstellung ist frequenzabhängig mit dem Abstand der Kapseln und auch über Trennscheiben lachen sich die tiefen Frequenzen eher kaputt, weil sie gar kein Hinderniss darstellen. Unter einem gewissen Mindestabstand wirst du also immer nur in den hohen Frequenzen einen Stereoeffekt haben und je tiefer es wird, desto eher klingt es dann wieder Mono.
Es gibt übrigens auch Halterungen für kurze Mikros (z.B. von Cinella), aber spezielle Halterungen sind dann auch wieder teurer, als welche von der Stange. Versuch macht kluch... probiere es doch einfach mal aus :)
Es geht ja wirklich nur um den bildbezogenen Anteil aus der Mitte, also direkt auf der Kamera mache ich kein Stereo. Ich habe früher mal mit XY- und MS-Stereomikrofonen experimentiert, dies dann aber wieder verworfen. Vor allem MS ist durch die Acht extrem windempfindlich, da versagen alle Softies und Supersofties.
Wenn ich also mal Stereo-Atmos aufnehme, dann getrennt von der Kamera mit zwei Neumann KM 83 im Korb mit Fell. Die sind da beide in entgegengesetzter Richtung auf der gleichen Achse drin, also kein korrektes AB, aber die Ergebnisse klingen super.
Manchmal nutze ich ein Audio Technica BP 4025 für sowas, also XY, aber da muss auf jeden Fall ein Baby Ball mit Fell ran, also auch nicht die ganz kleine kompakte (aber dennoch windsichere) Lösung.
Ich werde das mit dem DPA mal probieren. Und was ich bei nächster Gelegenheit auch mal probieren werde: O-Ton in einem Innenraum mit dem Gefell M 310 angeln. Mein MKH 50 hat einen Defekt und muss zu Sennheiser, daher wäre das M 310 die Vertretung.
Eher was für Amateure, die ein Mikrofon auf einen Blitzschuh setzen und in einen (bei keiner meiner Kameras vorhandenen) 3,5mm-Klinkeneingang stecken wollen. Ein Lautstärkeregler ist auch eher eine Fehlerquelle. Außerdem: Bei viel Wind reicht da mit Sicherheit auch kein Softie oder Super Softie.
Also das ist nichts, was für mich irgendwie eine Lösung sein könnte.
Ich habe ja zwei M310er und nutze das natürlich auch zum Angeln. Bin super zufrieden mit ihnen. Vielleicht ist die Schoeps MK41 noch eine Spur besser (hab sie nie selber direkt verglichen), aber für alles was ich mache mehr als gut genug.
Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mir die MK 41 von allen meinen Supernieren klanglich am wenigsten gefällt. Mittelfristig würde ich mich davon vielleicht sogar trennen.
Mit den beiden M 310 bist Du hervorragend bedient.
Die M310 klingen auf jeden Fall nie scharf/spitz und haben ein gutes Low-End (letzteres ist zugegebenermaßen für Sprachaufnahmen weniger wichtig). Und falls du dir eins holst, berichte mal über deinen Eindruck. Andere Meinungen zu hören ist immer interessant.
Mach's nicht wieder unnötig kompliziert - Just do it und probiere es ;-)
Es steht nirgends das man sowas nicht darf!
Natürlich taugt auch eine breite Niere als "on camera" Atmo - du bekommst halt nur etwas mehr off-axis als gewohnt was je nach Situation dennoch total okay ist.
Viele nutzen solche "on camera Mikrofone" ja auch direkt für Sprachaufnahmen wenn's schnell gehe soll, was bei dir ja praktisch gar nicht der Fall ist durch all dein anderes vorhandenes Equipment.
Wichtiger als das Mic für "on camera" ist dann eigentlich eher die Halterung/Aufhängung um möglichst wenig Geräusche von der Kamera/Operator einzufangen.
Soundtechnisch wirst du du in der gewählten Preisklasse und für diesen Zweck kaum noch echte Nieten finden.
pillepalle hat geschrieben: ↑Fr 10 Apr, 2026 07:25
Ach... du hast schon eins :) Und? Wie gefällt es dir?
Das DPA ist sicher auch keine schlechte Wahl. Ist vermutlich eher eine Preisfrage. Die 2000er Serie ist die günstigere bei denen.
Ich finde es klanglich schöner als das Schoeps MK 41, das hat so eine "Härte" im mittleren Frequenzbereich, die ich dann später ausfiltern muss. Beim Gefell ist das nicht der Fall. Das nutze ich derzeit an der FX 6 als Kameramikrofon mit einem kleinen Softie drauf, allerdings eher so auf Fachkonferenzen und nicht draußen bei Wind und Wetter. Eine Breitniere wäre da sicher weniger anfällig.
Allerdings spricht außer dem niedrigeren Preis noch etwas für das DPA 2015: da scheint der Übertragungsbereich eher so bei 40 Hz einzusetzen, so dass das Risiko geringer ist, dass beispielsweise Gleisbaumaschinen mit tieffrequenten Anteilen den Eingang der Kamera überfahren. Kugeln ohne schaltbare Bassabsenkung würden das machen.
Daher kann ich mit meinen KM 83 keine Atmos in der U- oder Straßenbahn aufnehmen, jedenfalls nicht ohne SQN und dessen Bassabschwächer.
rush hat geschrieben: ↑Fr 10 Apr, 2026 07:30
Wichtiger als das Mic für "on camera" ist dann eigentlich eher die Halterung/Aufhängung um möglichst wenig Geräusche von der Kamera/Operator einzufangen.
Absolut! Wobei ich da an jeder Kamera eigentlich ganz gute Lösungen habe, wenn auch mit kleinen Einschränkungen in der Handhabung. Ist aber verschmerzbar. Am besten ist es bei der C 300 mk iii gelöst, das ist aber nicht auf die FX 6 und die FX 9 übertragbar (also auf die FX 9 noch eher als auf die FX 6).
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