Was auf den ersten Blick nur wie ein weiteres Feature-Update aussieht, könnte sich bei genauerem Hinsehen als strategische Kampfansage an den etablierten Platzhirschen Adobe Lightroom erweisen. Die zentrale Frage lautet: Bietet Blackmagic mit mit der neuen Photofunktion in Resolve 21 wirklich eine umfassendere, intelligentere und vor allem überzeugende Lösung für Fotografen?
Die Marketing-Idee: Der Foto-Workflow aus Hollywood
Bisher war DaVinci Resolve die erste Adresse für Video- und Filmprofis, die Farbkorrektur und Editing auf Hollywood-Niveau suchen. Das Programm hat über die Zeit immer mehr Räume hinzugewonnen, die mittlerweile über die Ursprungsidee des Color Gradings weit hinausgehen. So ist Resolve mittlerweile auch ein kompletter Video-Editor, ein Compositing-System und eine Audio-Workstation, die unter der Haube Mediendaten zwischen diesen Applikationen zur Bearbeitung hin- und herschieben kann.
Und in vielen Bereichen macht Blackmagic mit seinen Räumen bereits seit längerem Adobes Creative Cloud direkte Konkurrenz: Fusion kann After Effects ersetzen, der Editing Raum konkurriert mit Premiere und Fairlight positioniert sich gegen Audition. Interessanterweise hatte Blackmagic jedoch bislang noch keine Alternative für Photoshop im Angebot, obwohl Medienschaffende jeglicher Couleur fast zwingend auch eine Bildbearbeitung benötigen bzw. nutzen.
Siehe hierzu auch unseren aktuellen Workshop Clip zum neuen Photo Room in Resolve von der NAB hier:
Noch interessanter ist daher, dass der neue Photo-Raum gar kein Photoshop-Clone sein will, sondern vielmehr eine Alternative zu Adobes Lightroom darstellt. Sehr wahrscheinlich hebt sich Blackmagic weitere Schritte in Richtung Photoshop noch für die Zukunft auf, aber die neue, eigenständige "Photo"-Seite ist auch jetzt schon kein einfaches Foto-Tool, sondern eine durchaus ernstzunehmende Arbeitsumgebung für Fotografen. Sie ermöglicht den Import und die Verwaltung von RAW-Dateien gängiger Hersteller wie Canon, Nikon und Sony und bindet diese bestmöglich in den bestehenden Workflow des Programms ein.
Man darf die Photo Seite zuerst einmal wie einen Importer und RAW-Entwickler für Fotos sehen. Wer anschließend seine Bilder mit Tools aus Hollywood graden will, landet damit dann auch in einer typischen Timeline für Video- und Film. Nur eben mit Einzelbildern in der Zeitleiste. Dies ist dann Vor- und Nachteil zugleich: Denn der Workflow passt weniger zu Einzelbildern, doch wer vom Grading kommt, dürfte es mögen, auf diesem Weg auch seine Fotos zu bearbeiten. Wer dagegen Lightroom kennt, muss für Resolve erst einmal umdenken bzw. umlernen.
Anstatt sich mit den Schiebereglern von Lightroom zu begnügen, erhalten Fotografen sogar Zugriff auf einen knotenbasierten Workflow über Nodes, der in Hollywood-Kreisen seit Jahren als der Goldstandard für präzise Farbkorrektur betrachtet wird. Diese Herangehensweise ist eine völlig andere Philosophie: Man "komponiert" quasi eine Grading-Pipeline, in der jeder Knoten spezifische Aspekte des Bildes isoliert und verfeinert. Das Ergebnis ist eine beispiellose Kontrolle und Flexibilität, die weit über das hinausgeht, was mit herkömmlichen Reglern möglich ist.

















