Klar treibt der Film das Thema etwas auf die Spitze - ich habe jetzt auch nur den Trailer gesehen, der auf mich aber nicht eklig wirkt. Der Satz im Film "Wer mit Körperflüssigkeiten ein Problem hat, kann es mit dem S.x eigentlich ganz bleiben lassen." trifft es auf den Punkt.
Der ganze derzeitige Intimbereichs-Rasierwahn, parfümierte Slipeinlagen (wo eine klarwasser-gewaschene, gesunde Mu...i doch von Natur aus herrlich duftet), Botox-Spritzen und Cellulite-Cremes - das ist für mich pervers.
Siehe hierzu, was Charlotte Roche dazu selbst sagt:
So, ich war nun gestern endlich im Film drin. Nachdem ich das Buch gelesen hatte und es super fand, war ich umso mehr auf die Filmumsetzung gespannt. Und was soll ich sagen: Sie hat mich sehr enttäuscht! Ich fand den Film zwar weder ekelig oder abstoßend, sondern hat er mich letzten Endes einfach nur gelangweilt. Er wurde dem Buch, meiner Meinung nach, einfach nicht gerecht. Zum Einen war mir das ganze einfach irgendwie zu poppig, das Schnittverhältnis bzw. deren Rhythmus im Gesamten viel zu unausgewogen (mir schien als sei sich dort kein wirkliches Konzept ausgedacht worden zu sein), die Kamera hat nicht genügend Atmosphäre eingefangen und dieser ausgelutschte blaue Anamophic Flare, der so direkt aus Magic Bullet Looks hätte stammen können, ging auch überhaupt nicht. Hinzukommt, dass mir die Protagonisten Helen nicht authentisch genug war, was nicht an der Schauspielerin an sich sondern vielmehr an der Arbeit des Regisseurs lag. Für mich wirkte es so, als würde das Buch einfach nicht ernst genug behandelt und das eigentliche Drama um Helens Kindheit zu leichtherzig umgesetzt worden zu sein. Die Tiefe die im Buch zu erkennen ist, wurde hier einfach nicht deutlich genug herausgearbeitet. Es wirkte eher so: Das Buch war ein riesiger Hype, der Film bekommt bestimmt den gleichen Hype, also lass uns das ganze alles überspitzen und schön hip und poppig umsetzten. Den eigentlich Kern der Geschichte suchte ich vergeblich. Schade.
Ich denke, jemand der von den Bildern schnell geschockt wird, kann hier eventuell einen schönen und lustigen Abend bekommen, aber jemand der da etwas härter gesotten ist und versucht mehr von der eigentliche Geschichte zu erkennen, wird hier schnell enttäuscht werden. Und das liegt nicht an den "Schockbildern" (von mir aus hätten da auch noch mehr drinnen sein können), sondern einfach nur an der halbherzigen Umsetzung.
Nachdem ich seinem vorherigen Film "Kriegerin" schon nichts abgewinnen konnte und mich "Feuchtgebiete" nun auch enttäuscht hat, kommt für mich David Wnendt erst einmal auf die Blacklist.
Hallo Clemens,
Off-Topic on
Zitat:
"Zuletzt bearbeitet von Clemens Schiesko am Mi 03 Oktober, 1990 03:23, insgesamt 666-mal bearbeitet"
Zitat ende.
Sag mal, bist du Zeitreisender ? "1990" ? Und 666-mal bearbeitet ? Wow, das nenne ich Einsatz ;)
Off-Topic off
Sehr gute Rezension und ich habe weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen. Mich würde nun interessieren wie du den Film bewertet hättest, wenn du zuerst den Film gesehen hättest und dann das Buch gelesen hättest, wie hätte der Film dann abgeschnitten ?
MLJ hat geschrieben:Mich würde nun interessieren wie du den Film bewertet hättest, wenn du zuerst den Film gesehen hättest und dann das Buch gelesen hättest, wie hätte der Film dann abgeschnitten ?
Ja, und dann fühlen wir uns alle mal als Frösche und schreiben eine Filmkritik. Oder erst als Lurche? Verflixt, völlig durcheinander. Aber tolle Frage.
Wäre ich nochmals 14, hätte ich mir den Film schon längst angesehen (aber vielleicht ist er ja erst ab 16 oder 18)!
Stichwort 'Aufklärung' (nach Kant (1784, Zitat) 'der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, wobei 'Unmündigkeit' das Unvermögen ist, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen' (Zitat Ende)).
Ich wollte wissen - aus jugendlich-medizinischem Interesse ('Doktor-Spiele') - wo welche Körper-Flüssigkeiten und -Schleime produziert werden und wo und wann sie dann austreten ('Die Liebe tritt durchs Auge ein und durch ... aus') und wie unverklemmte und entdeckungsfreudige Mädchen und Jungen so sind.
Und ich stellte mir vor, ich sei ein schlüpfriger Frosch beim Erkunden der Feuchtgebiete.
Aber da diese Erkundungsreisen seither, wenn nicht den Reiz an sich, so doch den Reiz des Unbekannten eher verloren haben, komme ich ohne den Film aus.
Ihn nicht gesehen zu haben, bereitet mir keine Alpträume, kein Gefühl, ganz Wesentliches zum menschlichen Körper verpasst zu haben oder gar Gewissensbisse, mich als Weichei nicht mutig den überdeutlichen Bildern ausgesetzt zu haben.
Hätte ich eine Tochter im interessierten Alter, würde ich es ihrer freien Entscheidung überlassen, sich diese etwas exhibitionistische Aufklärungsstunde zu Gemüte zu führen oder die Details eher einem medizinischen Fachbuch oder einem Gespräch mit ihrer Ärztin oder erfahrenen Freundin zu entnehmen.
Ich bevorzuge weiterhin etwas subtilere, filmische Ansätze, als mit der Endoskop-Kamera zwischen gespreizte Beine zu blicken oder weitere Ausscheidungs- und erogene Zonen zu erkunden.
Nicht, weil das prinzipiell tabu oder unappetitlich wäre - es macht medizinisch und zum Kennenlernen des eigenen Körpers durchaus Sinn - nein, weil mir die Reduktion aufs Genitale/Anale/Körperfeuchte für 2 Stunden Film nicht genügt. Brauche ich Oswald Kolle oder 'Dr. Sommer', brauche ich Charlotte Roches (über)explizite ((Selbst)Bedienungs)Anleitungen und Bekenntnisse für mein erfülltes (cineastisches et al.) Leben?
Aber ich schreibe das, ohne den Film gesehen zu haben - Kritiker: Feuer frei!
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