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Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?



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Jalue
Beiträge: 1392

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von Jalue »

Darth Schneider hat geschrieben: Fr 24 Nov, 2023 17:01 Ist doch schön wenn einige das noch so machen, und das alte Knowhow nicht verloren geht.
Absolut, denn was ich durchaus vermisse: Den Mindset, der bei "Film"-Produktionen vorherrschte. Da sind die Euros (bzw. damals DM) ja schon beim Dreh buchstäblich durch die Arris gerieselt und entsprechend diszipliniert ist man an die Sache herangegangen: Erst ne Stellprobe, dann Durchlaufproben, dann wurde gedreht, und zwar allenfalls dreimal.

Heute scheint das "Staubsauger-Prinzip" zu dominieren, am besten nehmen 3-6 Kameras alles gleichzeitig auf, sogar im journalistischen Bereich oder bei preiswerten Corporate Videos. Ein Grund, warum ich Jobs als reiner Schnittredakteur inzwischen konsequent verweigere (habe keinen Bock, mich durch hunderte GB visuellen Durchfalls von "Nachwuchstalenten" zu fräsen) und möglicherweise auch ein Grund, warum manche Regisseure wieder auf Film drehen.



Rick SSon
Beiträge: 1352

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von Rick SSon »

Dafür, dass hier alle so auf Film schimpfen sehe ich im Social Media Land bei gehypten creatorn aber ne ganze menge digitales voodoo, damit die sony am ende aussieht wie film.

Man könnte es eher als albern betrachten digital „clean“ aufzuzeichnen, nur um am ende mit 35 nodes und einer menge strom, der dafür durch die workstation fließen muss das bild zu degradieren.

Also da würde ich jederzeit lieber direkt in dem look aufzeichnen, den ich erreichen will.

und ja, dann kann man sich nicht nochmal alles 15x anders überlegen. Is aber egal, das is sowieso unprofessionell.



Rick SSon
Beiträge: 1352

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von Rick SSon »

Jalue hat geschrieben: Sa 25 Nov, 2023 01:44
Darth Schneider hat geschrieben: Fr 24 Nov, 2023 17:01 Ist doch schön wenn einige das noch so machen, und das alte Knowhow nicht verloren geht.
Absolut, denn was ich durchaus vermisse: Den Mindset, der bei "Film"-Produktionen vorherrschte. Da sind die Euros (bzw. damals DM) ja schon beim Dreh buchstäblich durch die Arris gerieselt und entsprechend diszipliniert ist man an die Sache herangegangen: Erst ne Stellprobe, dann Durchlaufproben, dann wurde gedreht, und zwar allenfalls dreimal.

Heute scheint das "Staubsauger-Prinzip" zu dominieren, am besten nehmen 3-6 Kameras alles gleichzeitig auf, sogar im journalistischen Bereich oder bei preiswerten Corporate Videos. Ein Grund, warum ich Jobs als reiner Schnittredakteur inzwischen konsequent verweigere (habe keinen Bock, mich durch hunderte GB visuellen Durchfalls von "Nachwuchstalenten" zu fräsen) und möglicherweise auch ein Grund, warum manche Regisseure wieder auf Film drehen.
Ja, das Wort „Drehverhältnis“ kennt keiner mehr. Ich drehe in der Regel zwischen 2-3:1, selbst bei Events und kotze immer über die 300 clips von den anderen.

Aber das geht ganz klar aus dem Unvermögen hervor sich nicht entscheiden zu wollen und zu müssen. Man entscheidet nicht mehr, dass man etwas nicht braucht, man „nimmt das mal lieber mit“. Das es am Ende in der Post unnötig Geld kostet den Mist zu sichten, daran denkt irgendwie niemand.



Jalue
Beiträge: 1392

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von Jalue »

Rick SSon hat geschrieben: Sa 25 Nov, 2023 21:06 Aber das geht ganz klar aus dem Unvermögen hervor sich nicht entscheiden zu wollen und zu müssen. Man entscheidet nicht mehr, dass man etwas nicht braucht, man „nimmt das mal lieber mit“. Das es am Ende in der Post unnötig Geld kostet den Mist zu sichten, daran denkt irgendwie niemand.
Ich finde dieses Vorgehensweise nicht nur komplett unökonomisch (keine Ahnung, wann ich das letzte Mal einen Kollegen gesehen habe, der mit so etwas wie einem Script zum Dreh erschien - ich selbst mache das bei Filmen über drei Minuten routinemäßig, einfach weil es enorm Zeit spart), ich empfinde sie vor allem als zutiefst respektlos gegenüber dem Drehteam und den Kollegen in der Post.

Solche "KollegInnen" nehmen das aber gar nicht wahr, vielmehr sehen sie den fertigen Film, den X Ungenannte mühevoll aus der Materialmasse herausgefräst haben und dann ihren eigenen "possessory credit" (... eine Reportage von/ ein Film von ...). Die aus ihrer Sicht logische Schlussfolgerung lautet; "Wow, ich bin ja echt ein Ausnahmetalent", von daher und als -zugegebenermaßen steile- These: Vielleicht ist Drehen auf Film für manche Regisseure eine Art Notwehr, denn ich könnte mir denken, dass auch viele Schauspieler dem "einfach-draufhalten-Virus" mittlerweile erlegen sind.
Zuletzt geändert von Jalue am Sa 25 Nov, 2023 23:30, insgesamt 1-mal geändert.



MK
Beiträge: 3997

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von MK »

Rick SSon hat geschrieben: Sa 25 Nov, 2023 21:06 Ja, das Wort „Drehverhältnis“ kennt keiner mehr. Ich drehe in der Regel zwischen 2-3:1, selbst bei Events und kotze immer über die 300 clips von den anderen.
Kenne ich noch vom Trailerschnitt... das muss rein und das muss rein und das muss rein... wie lang soll der am Ende sein? 30 Sekunden... :D



macaw
Beiträge: 1036

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von macaw »

Der größte Witz ist allerdings, daß die am Set es trotz digitaler Aufzeichnung dennoch oft und immer öfter nicht schaffen ordentliche Aufnahmen zu machen. Ich habe Verständnis, daß denen oft die Zeit fehlt, aber mittlerweile ist das Qualitätsniveau bei manchen Projekten so niedrig daß ich mich frage, warum man den Dreh nicht einfach sein lässt oder wenigstens den Workload für die Crew reduziert. So kommt es mir in der Werbung permanent unter, daß ich den schlechteren Take von mehreren für die Postpro nutzen musste. Die Performance ist in dem gewünschten Take dann zwar vielleicht besser, aber die Aufnahme eine Katastrophe. Beispiele: Keine Tracking-Marker zu sehen, Crew spiegelt sich im zu bewerbenden Auto auf voller Breite, massiv verwackelte Kamera, rauschende Aufnahmen weil der ND-Filter drin war und man die ISO hochgesetzt hat usw. usf.



Frank Glencairn
Beiträge: 22118

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von Frank Glencairn »

Ja, bei immer mehr Leuten frage ich mich, wie sie überhaupt an solche Jobs kommen - an der Kompetenz kanns jedenfalls nicht liegen.

Hab gerade die Post von ner National Geographics Docu hinter mir, wo ich mehr Schadensbegrenzung als Editing/Color gemacht habe.
Sapere aude - de omnibus dubitandum



iasi
Beiträge: 23819

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von iasi »

macaw hat geschrieben: So 26 Nov, 2023 20:59 Der größte Witz ist allerdings, daß die am Set es trotz digitaler Aufzeichnung dennoch oft und immer öfter nicht schaffen ordentliche Aufnahmen zu machen. Ich habe Verständnis, daß denen oft die Zeit fehlt, aber mittlerweile ist das Qualitätsniveau bei manchen Projekten so niedrig daß ich mich frage, warum man den Dreh nicht einfach sein lässt oder wenigstens den Workload für die Crew reduziert. So kommt es mir in der Werbung permanent unter, daß ich den schlechteren Take von mehreren für die Postpro nutzen musste. Die Performance ist in dem gewünschten Take dann zwar vielleicht besser, aber die Aufnahme eine Katastrophe. Beispiele: Keine Tracking-Marker zu sehen, Crew spiegelt sich im zu bewerbenden Auto auf voller Breite, massiv verwackelte Kamera, rauschende Aufnahmen weil der ND-Filter drin war und man die ISO hochgesetzt hat usw. usf.
Aber die Crew war vollzählig am Set und jede Position konnte abgehakt werden. Und das Catering war sicherlich auch gut.
Dass dann wenig Zeit für die eigentliche Aufnahme bleibt, da das Budget nun mal begrenzt ist, führt dann leider zu Kompromissen bei der Qualität. ;):)



iasi
Beiträge: 23819

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von iasi »

Jalue hat geschrieben: Sa 25 Nov, 2023 23:15
Rick SSon hat geschrieben: Sa 25 Nov, 2023 21:06 Aber das geht ganz klar aus dem Unvermögen hervor sich nicht entscheiden zu wollen und zu müssen. Man entscheidet nicht mehr, dass man etwas nicht braucht, man „nimmt das mal lieber mit“. Das es am Ende in der Post unnötig Geld kostet den Mist zu sichten, daran denkt irgendwie niemand.
Ich finde dieses Vorgehensweise nicht nur komplett unökonomisch (keine Ahnung, wann ich das letzte Mal einen Kollegen gesehen habe, der mit so etwas wie einem Script zum Dreh erschien - ich selbst mache das bei Filmen über drei Minuten routinemäßig, einfach weil es enorm Zeit spart), ich empfinde sie vor allem als zutiefst respektlos gegenüber dem Drehteam und den Kollegen in der Post.

Solche "KollegInnen" nehmen das aber gar nicht wahr, vielmehr sehen sie den fertigen Film, den X Ungenannte mühevoll aus der Materialmasse herausgefräst haben und dann ihren eigenen "possessory credit" (... eine Reportage von/ ein Film von ...). Die aus ihrer Sicht logische Schlussfolgerung lautet; "Wow, ich bin ja echt ein Ausnahmetalent", von daher und als -zugegebenermaßen steile- These: Vielleicht ist Drehen auf Film für manche Regisseure eine Art Notwehr, denn ich könnte mir denken, dass auch viele Schauspieler dem "einfach-draufhalten-Virus" mittlerweile erlegen sind.
Der Zeitfaktor spielt hier stark hinein.
Der Zwang möglichst viel Material in möglichst kurzer Zeit zu schaffen.
Es schwingt immer die Angst mit, zu viel Zeit zu benötigen, wenn man eine Aufnahme ordentlich vorbereitet und mehrmals wiederholt, bis alles passt.

Da macht sich dann schnell das Gefühl breit, dass es genügen muss, wenn der Schauspieler seinen Text flüssig aufsagt. Das reicht dann schon, um den Take zu nehmen.

Bei der Budgetkalkulation wird von dieser Arbeitsweise ausgegangen, weshalb dann wirklich nicht das Geld und somit die Zeit vorhanden ist, um Qualität statt Quantität zu liefern.



macaw
Beiträge: 1036

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von macaw »

Das bescheuertste was ich je erlebt habe war, daß die Crew für einen Rewe-Spot (und das war ein richtig teurer Spot)
mir einen Fernseher aufgenommen hat um da Bilder reinzusetzen:
- sie haben aus unerfindlichen Gründen ein Kinderprogramm abgespielt, was die Aufgabe unnötig verkompliziert hat (das Bild strahlte Licht auf die Umgebung)
- der Take war 25 Minuten lang
- am Ende habe ich ein Standbild genommen :-D
- der Insert zum Take (Nachrichtensprecherin) wurde sinnloserweise auch - wie der Spot - mit einer Alexa aufgenommen, mit Anamorphoten, was das Keying übertrieben schwierig machte



Frank Glencairn
Beiträge: 22118

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von Frank Glencairn »

Genau die Sorte hab ich oben gemeint.
Sapere aude - de omnibus dubitandum



roki100
Beiträge: 14920

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von roki100 »

Leider gibt es in jeder Abteilung bescheurte Fälle oder Arbeitsweise (von der Planung bis zum Ende), mit dem Unterschied, dass Deutschland m.M. ein bisschen mehr speziell ist. ;)
"Deine Zeit ist begrenzt. Verschwende sie nicht damit, das Leben eines Anderen zu leben"
(Steve Jobs)



iasi
Beiträge: 23819

Re: Werden die Oscars 2024 ein analoges Filmfest?

Beitrag von iasi »

macaw hat geschrieben: Mo 27 Nov, 2023 11:38
- der Insert zum Take (Nachrichtensprecherin) wurde sinnloserweise auch - wie der Spot - mit einer Alexa aufgenommen, mit Anamorphoten, ...
Ganz professionell und cinematisch



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