Stemdeck ist ein Open Source Tool, das Songs in Stems zerlegt (also einen Musiktrack in seine einzelnen Spuren wie etwa Gesang, Schlagzeug, Bass, Gitarre, Klavier, und Sonstiges), die dann einzeln bearbeitet, neu abgemischt oder separat in anderen Projekten verwendet werden können - ideal zB fürs Sampling. Seit unserer letzten News über Stemdeck Anfang Juni hat sich einiges getan und es sind viele interessante Features dazugekommen.

Die Nutzung des Tools ist denkbar einfach - man zieht eine Audiodatei ins Programm - verarbeitet werden MP3, WAV, FLAC, M4A, sogar ein MP4-Video - oder fügt einen YouTube- oder SoundCloud-Link ein. StemDeck trennt den Track dann in die einzelnen Instrumental- und die Gesangsspuren auf. Anschließend erhält man einen browserbasierten Mixer im DAW-Stil, wo jeder Stem stummgeschaltet oder solo angehört werden, die Lautstärke angepasst, ein Abschnitt geloopt und dann einzelne Stems oder ein eigener Mix exportiert werden kann. Jede extrahierte Spur besitzt eine eigene Pegelanzeige. Außerdem erkennt StemDeck BPM und Tonart und erzeugt einen Click-Track, der dem tatsächlichen Song folgt, sowie einen Count-in zum Üben.
Stemdeck als Server im lokalen Netzwerk
Seit der Version 0.7.0 vom Juni sind zahlreiche Funktionen dazugekommen. So kann StemDeck in einem lokalen Netzwerk verfügbar gemacht werden und dann von jedem Gerät im Heimnetz aus angesprochen werden mittels einer für Touch-Bedienung optimierten mobilen Oberfläche. Am Smartphone lässt sich die Bibliothek durchsuchen, mischen und Stems extrahieren - während die eigentliche Verarbeitung weiterhin auf dem Rechner stattfindet.
Einige der weiteren Neuerungen:
- Import von ganzen Playlisten von Songs von YouTube und SoundCloud
- Per Import-Warteschlange können Tracks im Hintergrund verarbeitet und deren Reihenfolge neu angeordnet werden - sie bleibt auch nach Neustart erhalten
- automatischer GPU-zu-CPU-Fallback, falls die Berechnung auf der Grafikkarte scheitert.
- Neuer „Best“-Modus für Separation von saubereren Stems
- Beat-Grid-Editor, um die Erkennung manuell zu korrigieren
- Unterstützung von YouTube Import auch von Livestream- und Premiere-Links, Embed-Links sowie der Datenschutz-Domain youtube-nocookie.com
- Maximale Tracklänge wurde auf 60 Minuten erhöht, sodass auch komplette Alben und lange Sets hineinpassen
Alle Neuerungen finden sich hier.
GPU-Beschleunigung
StemDeck erkennt automatisch die beste verfügbare Recheneinheit: NVIDIA-GPUs werden per CUDA beschleunigt, Apple-Silicon-Macs nutzen die integrierte GPU, auf allen anderen Systemen übernimmt die CPU. Auf Hardware mit GPU läuft die Stem-Trennung zügig - wer nur CPU hat, muss mit längeren Wartezeiten rechnen.

Warum StemDeck auch für Filmemacher interessant ist
Stem-Trennung ist nicht nur für Musiker nützlich. Auch in der Film- und Videoproduktion kann sie helfen, vorhandene Musik- oder Tonspuren flexibler zu bearbeiten. So lassen sich etwa Instrumentalversionen erzeugen oder einzelne Elemente einer Musikspur reduzieren, wenn sie im Schnitt stören. Nützlich kann StemDeck zudem bei dokumentarischen oder Event-Aufnahmen sein, in denen Sprache und Hintergrundmusik bereits gemischt vorliegen. Die Trennung ist kein Wundermittel, kann aber eine brauchbare Basis für weitere Tonbearbeitung liefern. Wer eigene oder lizenzierte Produktionsmusik an den Schnitt anpassen will, erhält mit isolierten Stems mehr Spielraum als mit einer fertigen Stereodatei - etwa um einzelne Instrumente auszublenden oder Songteile neu zu arrangieren.
Installation
Stemdeck arbeitet rein lokal und benötigt so - anders als Cloud-Dienste wie Moises oder LALAL.AI - kein Abo und keinen Internetzugriff, somit fallen keine Gebühren an. StemDeck läuft unter Windows, macOS und Linux, und zum selbst hosten gibt es auch ein Docker-Image. Ein Caveat: StemDeck befindet sich noch im Alpha-Stadium, es gibt also noch einige Ecken und Kanten. Und obwohl die Qualität der Stem-Separation für ein Open-Source-Tool wirklich gut ist, kann sie bei sehr dichten Mixes nicht mit den kostenpflichtigen Cloud-Diensten mithalten.


















