Wer Audiospuren in ihre Bestandteile zerlegen will, etwa einzelne Spuren mit jeweils dem Gesang, Drums, Bass, Gitarre oder Piano extrahieren, greift meist zu Cloud-Diensten wie Moises oder LALAL.AI. Diese kosten aber Geld, verlangen einen Account und man muss dazu seine Audiodatei auf einen fremden Server hochladen.
Das neue Open Source Tool StemDeck (Windows/macOS) geht einen anderen Weg: es läuft vollständig lokal, benötigt keinen Account und ist vollkommen kostenlos. Interessant ist es nicht nur für Musiker und Produzenten, sondern auch für Videoproduzenten - etwa um Instrumentalversionen eines Audiotracks zu erzeugen oder um Sprache aus gemischten Aufnahmen freizustellen.
Zwar bieten auch professionelle Tools wie iZotope RX oder Steinberg SpectraLayers lokale Stem-Trennung, sie kosten aber mehrere hundert Euro. StemDeck ist dazu eine kostenlose Alternative mit einer einfachen Oberfläche - ohne Installation von DAW oder Plugin.

Was StemDeck kann
StemDeck trennt eine Audio-Datei mittels des Meta-AI-Modells Demucs in bis zu sechs Stems: Vocals, Drums, Bass, Gitarre, Piano und einen „Other"-Kanal für alles Übrige. Als Eingabe akzeptiert das Tool sowohl MP3- und WAV-Dateien per Drag-and-Drop als auch eine YouTube-URL als Direktimport. Die Verarbeitung geschieht ausschließlich auf dem eigenen Rechner.
Die Oberfläche von StemDeck erinnert an eine abgespeckte DAW: Ein Waveform-Editor zeigt alle Stems als übereinanderliegende Spuren, inklusive Zoom, Loop-Funktion und einem Playhead-Overlay. Pro Stem gibt es Mute, Solo, einen Volume-Fader und Live-VU-Meter mit Peak-Hold. Wer nur einen Teil der Stems braucht, wählt diese per Buttons aus - StemDeck erstellt dann zusätzlich eine „Original"-Spur, die den Rest des Songs ohne die ausgewählten Elemente enthält - praktisch zum A/B-Vergleich. Am Ende lässt sich der gewünschte Mix als einzelne WAV-Datei herunterladen. Ergänzend analysiert StemDeck BPM, Tonart und Lautstärkepegel (LUFS), was praktisch für Remixes und Transkription sein kann.

GPU-Beschleunigung
StemDeck erkennt automatisch die beste verfügbare Recheneinheit: NVIDIA-GPUs werden per CUDA beschleunigt, Apple-Silicon-Macs nutzen die integrierte GPU, auf allen anderen Systemen übernimmt die CPU. Auf Hardware mit GPU läuft die Stem-Trennung zügig - wer nur CPU hat, muss mit längeren Wartezeiten rechnen.
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Installation
Das Tool ist für Windows (x64, mit optionalem CUDA-Paket), macOS (Apple Silicon und Intel) als fertiger Installer verfügbar - beim ersten Start wird einmalig das ca. 170 MB große Demucs-Modell heruntergeladen. Alternativ können technisch versierte Nutzer StemDeck auch per Docker oder Python als lokalen Webdienst betreiben, der dann über den Browser aufgerufen wird.
Warum StemDeck auch für Filmemacher interessant ist
Stem-Trennung ist nicht nur für Musiker nützlich. Auch in der Film- und Videoproduktion kann sie helfen, vorhandene Musik- oder Tonspuren flexibler zu bearbeiten.
So lassen sich etwa Instrumentalversionen erzeugen oder einzelne Elemente einer Musikspur reduzieren, wenn sie im Schnitt stören. Nützlich kann StemDeck zudem bei dokumentarischen oder Event-Aufnahmen sein, in denen Sprache und Hintergrundmusik bereits gemischt vorliegen. Die Trennung ist kein Wundermittel, kann aber eine brauchbare Basis für weitere Tonbearbeitung liefern.
Wer eigene oder lizenzierte Produktionsmusik an den Schnitt anpassen will, erhält mit isolierten Stems mehr Spielraum als mit einer fertigen Stereodatei – etwa um einzelne Instrumente auszublenden oder Songteile neu zu arrangieren.
Ein weiterer Vorteil ist die lokale Verarbeitung: Bei vertraulichem oder unveröffentlichtem Material müssen Audiodateien nicht an einen Cloud-Dienst hochgeladen werden. Ob dies im Einzelfall vertraglich ausreicht, hängt jedoch von den jeweiligen Produktions- und Lizenzbedingungen ab.
Vergleich mit kommerziellen Alternativen
Der Entwickler von StemDeck gibt selbst an, dass StemDeck kein Konkurrenzprodukt zu kommerziellen Diensten sei, sondern eine solide Alternative für den Heimgebrauch. Die Trennqualität von Demucs ist demnach zwar gut, erreicht aber wie es scheint nicht immer jene der proprietären, kommerziellen Dienste. Wer Batch-Verarbeitung, Mobile-Apps, mehr Stems oder besonders hohe Qualität braucht, ist mit den kostenpflichtigen Angeboten besser bedient. Wer aber Stems für persönliche Übungszwecke, Transkription oder kreatives Remixing lokal und datenschutzkonform verarbeiten will, kann das mit StemDeck machen - kostenlos.
StemDeck steht unter Apache-2.0-Lizenz und befindet sich noch im Alpha-Stadium.

















