Ein amerikanisches Startup namens Ponder.ai wirbt damit, der „weltweit erste agentenbasierte Video-Editor" zu sein. KI-Unterstützung bei der Videobearbeitung per KI ist gerade von mehreren Anbietern gestartet worden, aber laut eigenen Aussagen soll Ponder.ai über Automatisierungen einzelner simpler Tasks weit hinausgehen, indem der Agent beim Clips aus dem vorliegenden Videomaterial auswählt und selbstständig einen ersten Rohschnitt produziert.

Was Ponder.ai verspricht
Laut Website analysiert das cloudbasierte Tool jeden hochgeladenen Clip und soll Kamerabewegung, Bildkomposition, Motivfokus, Szenentyp, Tempo, emotionale Stimmung sowie Audioqualität erkennen, dann das Material durch strukturierte, durchsuchbare Metadaten ergänzen und letztlich daraus automatisch einen ersten Rohschnitt erstellen. Dieser kann dann per Textprompts bearbeitet werden und so zum Beispiel das Tempo gestrafft, Szenen neu angeordnet, Pausen gekürzt oder Übergänge geglättet werden. Die vom User gemachten Edits sollen dabei erhalten bleiben - Ponder.ai betont, dass das Tool ein Assistent für Kreative sein soll, kein Ersatz.
Der Export erfolgt dann als Projektdatei für Premiere Pro, DaVinci Resolve oder Final Cut Pro. Unterstützte Formate sind MP4, MOV, ProRes sowie H.264/H.265. Eine Offline-Funktion gibt es bislang nicht. Darüber hinaus soll Ponder.ai im Laufe der Zusammenarbeit mit dem User einen persönlichen „Editor-Agenten" aufbauen, indem der jeweilige Arbeitsstil über Zeit erlernt wird – basierend auf früheren Projekten und getroffenen Entscheidungen.

Ponder Manifest: Nieder mit den Gatekeepern
In einem eigenen Manifest argumentiert der CEO von Ponder.ai, dass KI Kreative nicht ersetzt, sondern die Filmproduktion demokratisiert durch erschwinglichen Zugang zu den Produktionsmitteln. Ponder.AI positioniert sich dabei als Werkzeug für die 95% des Filmteams, die bislang keine kreative Kontrolle am Set hatten und will ihnen ermöglichen, unter Umgehung der klassischen Gatekeeper, hohe Budgets oder Studio-Strukturen eigene professionelle Projekte umzusetzen. Die vereinfachte Postproduktion soll nur der erste Schritt sein.

Das Argument der "Demokratisierung" wird ja sehr gerne angeführt, wenn es um KI geht, allerdings wurde es auch schon vor 25 Jahren ins Feld geführt mit Einzug der digitalen Videoformate - damals eher zu recht, denn sowohl die Kamera als auch das Schnittprogramm wurden als Produktionsmittel plötzlich deutlich erschwinglicher als zuvor.
Verschwiegen wird im Manifest wiederum auch ein ganz anderer Punkt: Umfassende KI-Tools wie Ponder können natürlich auch dazu genutzt werden, um die Produktion von vielen Arten von Videoclips so weit zu automatisieren, dass Kapital und KI eine unheilige Allianz eingehen, die Kreative für die Massenproduktion von sogenanntem Content ganz überflüssig machen. Und warum sollte Ponder.ai die im Laufe der Zeit gesammelten Daten, wie menschliche Crator oder Cutter ihre Filme bearbeiten nicht dafür einsetzen, eine noch autonomere Videoschnitt-KI zu trainieren, die dann gar keinen menschlichen Input braucht?
Was das Tool tatsächlich leistet, lässt sich bislang kaum unabhängig beurteilen – die verfügbaren Eindrücke stammen ausschließlich aus eigenem Marketingmaterial, einem Testimonial-Video.
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KI-Agenten in der Videobearbeitung liegen im Trend
Agentenbasierte KI im Videoschnitt ist gerade ein heißes Thema: So hat Adobe den Firefly AI Assistant gestartet, der komplexe Workflows in den unterschiedlichen Creative-Cloud-Apps vereinfachen soll, Avid hat in Partnerschaft mit Google einen ähnlichen KI-Assistenten für sein Schnittprogramm Media Composer vorgestellt und mit FireCut gibt es ein KI-basiertes Plugin für DaVinci Resolve, das beim Videoschnitt helfen soll.

In diesem Umfeld startet Ponder.ai mit dem Anspruch, nicht nur einzelne Arbeitsschritte zu automatisieren, sondern gleich den gesamten Workflow vom Rohmaterial zum Rohschnitt zu übernehmen. Das Versprechen von Ponder.ai ist gewaltig, zielt es doch nicht nur auf den vereinfachten und automatisierten Umgang mit verschiedenen Werkzeugen, sondern die KI soll auch ästhetische Entscheidungen treffen - eigentlich ein zentraler Aspekt des Filmemachens und der menschlichen Kreativität bei der Filmproduktion.
Nur PR-Testimonials
Allerdings ist bisher das einzige verfügbare Video, das Ponder.ai in der Praxis zeigt, ein vom Unternehmen selbst produziertes Testimonial-Video. Darin äußern sich sechs Filmemacher – darunter ein YouTuber und mehrere freie Editoren – durchweg enthusiastisch ("36 bis 48 Stunden Arbeit, die ich in etwa einem halben Tag erledigen konnte!"). Die Aussagen sind eindrucksvoll formuliert: Zeitersparnis von Stunden auf Minuten, saubere Cuts, die direkt verwendbar seien.
Was jedoch fehlt, ist jede kritische Einordnung: Die Teilnehmer wurden von Ponder ausgewählt, das Videomaterial war offensichtlich kuratiert, und unbekannt bleibt, wie viele Versuche, wie viel Nachbearbeitung und welche Ausgangsmaterialqualität hinter den gezeigten Ergebnissen stecken.
Erst ein unabhängiger Praxistest wird also zeigen, wie zuverlässig Ponder.ai wirklich Schnittaufgaben selbstständig durchführt, und: Wie verhält sich Ponder.ai bei schwierigem Material – schlechter Belichtung, viel Handkamera, unstrukturierten Interviews? Wie belastbar ist das „Stil lernen"-Versprechen nach wenigen Projekten? Wie groß ist der Nachbearbeitungsaufwand nach einem KI-generierten Rohschnitt tatsächlich?
Zugang und Preis
Ponder.ai ist derzeit als Early Access verfügbar, die Preise für monatliche Abos mit unterschiedlich vielen AI-Credits und Exporten reichen von 30 bis rund 600 Dollar - sind aber ohne Erfahrungswerte, wie viele Credits ein bestimmter Arbeitsvorgang verbraucht wie z.B. das Sichten von 1 Stunde Rohmaterial, nicht aussagekräftig.


















