Der traditionsreiche australische Stativhersteller Miller Camera Support Equipment, bekannt als Miller Tripods, wird seinen Geschäftsbetrieb zum 30. September 2026 einstellen. Damit verschwindet nicht nur einer der historisch bedeutendsten Hersteller professioneller Kamerastative und Fluidköpfe vom Markt, sondern auch der Erfinder des Fluid-Heads, der seitdem für sanfte Kameraneigungen und -schwenks unverzichtbar geworden ist.
Die Eigentümer Mark und Diane Clementson, deren Familie Miller seit 55 Jahren führt, begründen in einem offenen Brief die Entscheidung mit ihrem Ruhestand - ein Käufer für die Firma wurde Berichten nach gesucht, aber nicht gefunden. Der letzte reguläre Handelstag soll der 25. September sein. In der Übergangsphase will Miller noch weiter Kunden betreuen und bestehende Verpflichtungen erfüllen, doch was die Schließung aber langfristig für Garantien und Ersatzteile bedeutet, lässt der Brief offen.

Miller und die Erfindung des Fluidkopfs
Die besondere Bedeutung von Miller reicht deutlich weiter zurück als die Gründung des Unternehmens im Jahr 1954: Robert Eric „Bob“ Miller arbeitete Mitte der 1940er Jahre in Sydney mit einem Fox-Movietone Newsreel-Team und suchte nach einer Möglichkeit, Filmkameras bei Schwenks und Neigungen gleichmäßiger zu bewegen. Gemeinsam mit seinem Vater Eric Miller entwickelte er dann einen Stativkopf, bei dem ineinander laufende Zylinder in einem viskosen Schmiermittel gedämpft wurden mit jeweils einem System für die horizontale und die vertikale Bewegung: der Fluidkopf war geboren. Das entsprechende australische Patent wurde 1946 angemeldet, ein US-Patent wurde 1949 erteilt.

Bis dahin wurden professionelle Filmkameras häufig mit Hilfe von aufwendigen, zahnradgetriebenen Köpfen sowie mechanischen Reibungs- und Gyro-Systemen geneigt und geschwenkt. Diese waren allerdings schwer und teuer, gleichmäßige Schwenks schwierig und kombinierte diagonale Bewegungen nur eingeschränkt möglich. Die neue Fluid-Dämpfung ermöglichte dagegen weiche, kontrollierte Pan- und Tilt-Bewegungen - ein Prinzip, das praktisch allen heutigen professionellen Videostativköpfen zugrunde liegt. Miller entwickelte das Prinzip später zu einstellbaren Fluid-Drag-Systemen weiter.
Vom Filmstativ zum ENG-Standard
Ab Ende der 1950er Jahre exportierte Miller seine Stativköpfe unter anderem in die USA, Europa und nach Asien und fertigte bald auch komplette Stative - die frühen Modelle besaßen noch massive Holzbeine. Mit dem Aufkommen portabler Videokameras in den 1970er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf ENG- und EFP-Anwendungen. Miller-Stative wurden dadurch insbesondere im Nachrichten-, Broadcast- und Dokumentarbereich über Jahrzehnte zu einem vertrauten Anblick.
Bekannt ist Miller vor allem im Broadcast- und ENG/EFP-Bereich mit Serien wie Solo, Compass/CompassX (CX), Arrow/ArrowX, HDC und den neueren AIR-Fluid-Heads, dazu Dollies, Spreader, Monopods und Pedestal-Systeme. Anders als zahlreiche traditionsreiche Marken der Branche blieb Miller dabei bis zuletzt ein unabhängiges australisches Familienunternehmen.

Abverkauf online
Zum Abschied hat Miller ab dem 1. September 2026 einen großen Abverkauf über seine Online-Stores für die USA, Europa und andere Regionen angekündigt, der attraktive Deals bieten soll (Käufer sollten sich bei möglichen Schnäppchen aber des Problems des mangelnden zukünftigen Supports gewahr sein, sofern dieser nicht von einer andere Firma übernommen werden sollte). Der europäische Store wird morgen freigeschaltet. Hier unser Test des Miller CX2 75mm Fluidkopfs zusammen mit dem Sprinter II Carbon Stativ

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