Maxon stellt Autograph – ein professionelles Werkzeug für Motion Graphics und VFX/Compositing – ab sofort kostenlos für Einzelpersonen zur Verfügung. Mit einem ebenfalls kostenlosen MyMaxon-Account kann sich jeder die professionelle Motion-Design- und Compositing-Software herunterladen – ohne zeitliche Begrenzung und ohne Haken.
Als das Programm Anfang 2023 von der französischen Firma Left Angle erstmals vorgestellt wurde, schrieben wir bei slashCam: "Autograph will laut Webseite nicht weniger als die neue führende Anwendung zur Erstellung digitaler Bewegtbild-Inhalte werden". Hinter der Entwicklung steckte mit Alexandre Gauthier-Foichat der Erfinder und Hauptentwickler von Natron, dem Open-Source-Nuke-Clone. Autograph war von Beginn an als Alternative zu den etablierten Größen konzipiert – irgendwo zwischen After Effects und Nuke angesiedelt. Allerdings auch zum professionellen Lizenzpreis.

Im Juni 2025 kam dann eine überraschende Wende: Maxon übernahm das Autograph-Team von Left Angle, während Left Angle seinen Betrieb einstellte. Was viele bereits befürchteten – das stille Ende eines vielversprechenden Tools – erwies sich jedoch als Neustart unter dem Dach des Cinema-4D-Herstellers. Die erste Maxon-eigene Version trägt die Versionsnummer 2026.0.0 und wurde am 15. April 2026 veröffentlicht. Und jetzt unter einer komplett kostenlosen Lizenz für Einzelpersonen.
Was kann Autograph?
Autograph ist als hybride Software konzipiert, die Elemente aus verschiedenen Welten vereint. Wie After Effects arbeitet es layer-basiert mit einer klassischen Timeline. Unter der Haube rechnet das Programm jedoch in 32 Bit pro Kanal und beherrscht ein umfassendes Farbraum-Management – eher die Domäne von Nuke, wie auch die nahtlose 3D-Integration. Denn Autograph verfügt über einen integrierten 3D-Workspace, der auf OpenUSD basiert – dem von Pixar entwickelten Standard für den Austausch von 3D-Daten. Damit lassen sich Vektor-Shapes und Text extrudieren, Kompositionen als Texturen verwenden und echte Multi-Pass-Renders direkt im Compositing verarbeiten – alles in einer einzigen Applikation. Ein integrierter Echtzeit-Renderer namens Filament sorgt dabei für sofortiges visuelles Feedback.

Echte Alleinstellungsmerkmale sind das "Responsive Aspect Design" und der native Cloner. Erstere Funktion erlaubt es, Layout-Elemente relativ zu Frame-Dimensionen zu positionieren – ein einziges Projekt lässt sich so für verschiedene Ausgabeformate (16:9, 1:1, 9:16 etc.) rendern, ohne Layouts duplizieren zu müssen. Der Cloner (früher Instancer genannt) ermöglicht die schnelle Erzeugung komplexer, iterativer Animationen.
Dank der vollen OpenFX-Unterstützung können Drittanbieter-Plugins von Boris FX, RE:Vision Effects und anderen genutzt werden. Maxon Studio ist nativ integriert und erlaubt das einfache Durchsuchen und Anwenden von Red-Giant-Effekten direkt in Autograph.
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Bemerkenswert ist auch die weitreichende GPU-Beschleunigung. Gegenüber After Effects soll sich Autograph deutlich responsiver anfühlen.

Keine finanziellen Einstiegshürden
Mit der nun überraschenden kostenlosen Verfügbarkeit senkt Maxon die Einstiegshürde für das Programm auf Null. Keine Testversion mit 30 oder 90 Tagen – sondern dauerhaft kostenlos. Das erinnert an Blackmagics Strategie mit Fusion in Resolve – und könnte durchaus ähnliche Wellen schlagen. Autograph positioniert sich damit als ernstzunehmende Alternative zu After Effects, gerade für Freelancer, kleine Studios und Einsteiger, die keine monatlichen Abo-Kosten tragen möchten oder können.

Die Systemanforderungen sind für ein Compositing-Programm angemessen: Mindestens 16 GB RAM, Apple Silicon M1 oder besser unter macOS, unter Windows eine GPU mit mindestens 4 GB VRAM (NVIDIA Maxwell oder neuer bzw. AMD RX 570/580).
Ob Autograph tatsächlich zum "Nuke-Killer" oder "After-Effects-Bezwinger" wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Ein professionelles Compositing-Tool mit diesem Feature-Set war zuvor noch nie kostenlos verfügbar. Wer also schon immer mal in eine leistungsfähige Compositing-Umgebung reinschnuppern oder seinen Workflow erweitern wollte, hat außer Zeit wenig zu verlieren.
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