Copyright-Claims von A24 Klaut Hollywood das Backrooms-Meme?


UPDATE 19.Juli: Wie erwartet hat A24 nach der Intervention von Kane Parsons verkündet, dass das Ganze ein Fehler war und folgendes Statement veröffentlicht:

Wie Kane Parsons klargestellt hat, ist Backrooms nur ein Teil eines unendlich viel größeren Ökosystems voller kreativer Menschen, die jedes Recht dazu haben, ihre eigene Version der Geschichte zu erzählen.



Gestern wurden wir auf eine automatisierte Beschwerde aufmerksam gemacht, die im Namen von A24 und dem Backrooms-Film bei Redbubble eingereicht worden war. Wir haben sofort damit begonnen, sie rückgängig zu machen und das Angebot wiederherzustellen.



A24 erhebt keinerlei Eigentumsansprüche auf die gelbe Tapete, den ursprünglichen Beitrag, in dem sie zu sehen war, oder auf eines der Werke der Community, die seitdem darauf aufbauend entstanden sind. Wir werden auch weiterhin die Künstlerinnen und Künstler unterstützen, die sich – wie Kane – davon inspirieren ließen.



Auf Nachfrage von Kotaku betonte A24 erfreulicherweise sogar, dass auch zukünftige Werke (wie etwa Videos), die sich auf den Backrooms-Film beziehen, nicht fürchten müssen, wegen Copyrightverstößen abgemahnt zu werden. Das bedeutet, das A24 jetzt verstanden hat, dass es als Filmstudio nur symbiotisch profitieren kann von einem lebendigen und sich ständig frei weiterentwickelnden Backrooms-Meme.



Die Originalmeldung: Kane Parsons Film Backrooms läuft seit Ende Mai in den Kinos (Deutschlandstart war der 17. Juni) und ist ein gewaltiger Erfolg: Rund 360 Millionen Dollar hat der Film inzwischen weltweit eingespielt. Damit ist er mit großem Abstand der erfolgreichste Film in der Geschichte des Independent-Studios A24 - und das bei einem Budget von nur rund 10 Millionen Dollar.



Klaut Hollywood das Backrooms-Meme?


Grundlage des Films ist ein 2019 auf dem Internetforum 4chan anonym gepostetes Foto eines fahlgelben, neonbeleuchteten, menschenleeren Hinterzimmers, das durch den Kommentar eines anderen anonymen Users zu einem Internet-Meme wurde. Der damals erst 17-jährige Kane Parsons produzierte dann 2022 einen auf diesem Meme basierenden, größtenteils in Blender gerenderten Kurzfilm, den er auf YouTube veröffentlichte - ein viraler Hit, der inzwischen über 80 Millionen Views gesammelt hat. Darauf wurde auch A24 aufmerksam und bot dem inzwischen 18-jährigen Parsons an, die Regie über einen Backrooms-Kinofilm zu übernehmen, der daraufhin mit einem Budget von rund 10 Millionen Dollar produziert wurde.




Das Konzept der Backrooms an sich wurde dagegen von vielen Usern im Netz gemeinsam entwickelt und ist seit dem ersten Foto zu einem Quell von Crowd-Kreativität geworden, welche immer neue Variationen von darum kreisenden Bildern, Games, einer eigenen fantastisch-enzyklopädischen Website und vielem anderem mehr hervorgebracht hat. Die über Jahre von vielen Millionen gesehenen Meme-Variationen haben das Backrooms-Meme nicht nur groß gemacht, sondern sind auch zum Teil für den Erfolg des Films verantwortlich: Dank des Memes ist er nicht irgendein Horrorfilm eines Unbekannten, sondern wurde von Millionen sehnlichst erwartet, die mit der unheimlichen Welt der Backrooms längst vertraut waren.






A24 verschickt Copyright-Beschwerden gegen Fan-Werke

Man sollte meinen, A24 wäre glücklich über diese symbiotische Beziehung zu einem Internet-Meme: Der Film profitiert von dessen Bekanntheit, die Gemeinde der Backrooms-Fans erhält weiteren Stoff. Doch das Filmstudio scheint das nicht so zu sehen und will laut dem Magazin Kotaku offenbar ab sofort Herr über das per se copyright-freie Backrooms-Meme sein. Im Netz sind jetzt mehrere Fälle bekannt geworden, in denen die "A24 Films LLC" Copyright-Beschwerden gegen Entwickler von Backrooms-Games und gegen Künstler eingereicht hat.





So berichtet etwa ein Künstler auf Reddit, dass A24 seine an das originale 2019er-Bild angelehnten Backrooms-Wallpaper-Designs per Copyright-Claim von der Print-on-Demand-Plattform Redbubble entfernen ließ - Designs, die nach seinen Angaben nicht auf dem Film oder dessen Merchandise beruhen. Noch drastischer traf es das Indie-Studio Davilkus Games: Dessen Entwickler berichten von drei Copyright-Strikes Anfang Juli, in deren Folge ihr Google-Play-Entwicklerkonto gesperrt wurde; ihr Spiel "Exit the Backrooms: Level 94" musste in "Liminal Complex: Level 94" umbenannt werden. Laut Davilkus waren am selben Morgen mindestens drei weitere kleine Indie-Entwickler von einer stillen Löschwelle ihrer Backrooms-Games betroffen - größere Studios mit Backrooms-Spielen blieben auffällig verschont. Wohlgemerkt: Getroffen werden damit Werke, die nicht auf den urheberrechtlich geschützten Bildern des Films beruhen, sondern unabhängig davon und zum Teil schon lange vor dem Film als Teil des Backrooms-Memes entstanden sind. Auf eine Anfrage von Kotaku, ob die Claims tatsächlich vom Studio stammen, hat A24 bislang nicht reagiert.




Wem gehört ein Internet Meme?

Damit scheint sich ein grundsätzlicher Konflikt anzubahnen: Das Internet macht ein Meme groß, ein Filmstudio produziert einen darauf basierenden Film - und beansprucht danach das Copyright über das Meme selbst. Ein an sich absurder Vorgang, denn (anonyme) Memes sind per se copyright-frei und werden genau deswegen von vielen Co-Kreatoren immer weitergesponnen; erst durch die sich gegenseitig befruchtenden Ideen und die nicht enden wollenden Variationen werden sie überhaupt groß.



 The photo where it all began
Das Foto, mit dem alles begann


Würde die kommerzielle Verwertungslogik eines Filmstudios hier greifen und juristisch durchgesetzt, wäre das das Ende der fruchtbaren Beziehung Hollywoods zum Netz als Quell neuer und erfolgreicher Filmideen: Die Symbiose würde sich in eine parasitäre Beziehung verwandeln - und alle Fans eines Memes müssten dessen Filmadaption fürchten, weil sie sein Ende bedeuten würde. Aus der klassischen Hollywood-Verwertungslogik heraus ist die Motivation von A24 zwar nachvollziehbar - sie verkennt aber völlig, dass der von A24 produzierte Film das Backrooms-Meme nicht geschaffen hat, sondern von ihm profitiert.



Immerhin: Kane Parsons selbst hat sich inzwischen eingeschaltet und in dem betreffenden Reddit-Thread kommentiert, er gehe der Sache nach - das "sollte nicht passieren". Bleibt zu hoffen, dass er den Studio-Juristen erklären kann, was für ein schlechter Schachzug das Beharren auf einem Copyright an den Backrooms wäre - ein großer Shitstorm der eigenen Fangemeinde wäre die absehbare Folge.


ähnliche News //
Umfrage
    Welches System nutzt Du hauptsächlich für den Videoschnitt?







    Ergebnis ansehen

slashCAM nutzt Cookies zur Optimierung des Angebots, auch Cookies Dritter. Die Speicherung von Cookies kann in den Browsereinstellungen unterbunden werden. Mehr Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung. Mehr Infos Verstanden!
RSS Suche YouTube Facebook Twitter slashCAM-Slash