Überraschenderweise sind die RAM-Preise zum ersten Mal seit dem Beginn der Speicherkrise gerade gefallen. Amerikanische Medien berichten von drastischen Preissenkungen bei mehreren Händlern wie Amazon oder Newegg für DDR5 Kits. So sind etwa 6400MHz 32GB Corsair Vengeance DDR5 von 490 Dollar auf jetzt rund 380 Dollar gefallen und 16GB Module von 260 auf 220 Dollar.
Warum der Preissturz?
Zentral für die Speicherkrise ist die enorme Nachfrage nach RAM (und anderer Hardware wie GPUs und SSDs), welche durch den KI-Boom und die dafür benötigten Rechenzentren hervorgerufen wurde. Ganz konkret ausgelöst hatten die Speicherkrise zwei geheime Speicherdeals von OpenAI-CEO Sam Altmann, mit denen er auf einen Schlag rund 40% der globalen monatlichen DRAM-Produktion für zukünftig zu bauende gigantische neue Rechenzentren per Absichtserklärungen reserviert hatte. Das erzeugte Panik bei den Mitbewerbern, welche dann ebenfalls RAM in großem Maßstab kauften und so eine drastische Verknappung und Verteuerung (bis zu vierfach höhere Preise) von DRAM und dann in Folge auch von Produkten, welche dieses integrieren (wie etwa Grafikkarten) zur Folge hatte.

Zwei Ereignisse sollen nun verschiedenen Theorien nach für den Preisrutsch verantwortlich sein. Einerseits hatte Google vor wenigen Tagen den TurboQuant getauften Algorithmus veröffentlicht, welcher den Speicherbedarf für KI-Anwendungen um mindestens das 6-fache senken soll, ohne die Qualität der Ergebnisse nennenswert zu beeinflussen. Nach der Veröffentlichung dieses Algorithmus sind die Aktien von großen Speicherherstellern wie Micron, Hynix und Samsung deutlich gefallen (Samsung fiel um 4,8 % und SK Hynix um 6,23 %) - denn eine mögliche Auswirkung ist ein damit nun gedeckter Speicherbedarf. Andere Stimmen weisen aber darauf hin, dass der gesenkte Speicherbedarf zu niedrigeren Token-Preisen (also geringen Kosten für die Nutzung von KI) und so zu einer wachsenden Nutzung führen könnte, welche theoretisch den sinkenden Speicherbedarf wieder ausgleichen könnte.
// Top-News auf einen Blick:
- Adobe MotionStream - künftig Echtzeit-Kontrolle über KI-Videogenerierung?
- DJI Osmo Pocket 4 bekommt 107 GB Speicher - bald Pocket 4 Pro mit Dual-Kamera
- DJIs neue Einsteiger-Drohne Lito kommt am 23. April - mit OcuSync 5?
- Blackmagic Camera 3.3 macht iPhone zur Studiokamera - plus Steuerung per Apple Watch
- GoPro MISSION 1 Pro - 8K-Actioncams mit 1-Zoll-Sensor und MFT-Mount
- Die Riedel Group übernimmt Traditionshersteller ARRI

Ein weiterer möglicher Faktor ist andererseits die Tatsache, dass OpenAI den Bau mehrerer Rechenzentren abgesagt hat, was darauf hindeutet, dass es mit dem bisher vorherrschenden, optimistischen KI-Wachstum nicht mehr weitergeht und die Prognosen eines stetig steigenden Speicherbedarfs aufgrund immer weiterer neuer Rechenzentren nicht mehr zutrifft. Die Nachfrage sinkt also und ergo auch der Preis.
Dies sind nur Theorien und die Wechselwirkungen komplex, noch scheinen die RAM-Preise in Deutschland nicht gefallen zu sein, aber wenn sie es tun, sollte man bei Bedarf zuschlagen, denn es ist nicht klar, ob sie dann auch wirklich weiter fallen: abgesehen von den beiden genannten Faktoren droht der Chipproduktion eine neue Krise durch den Ausfall der Heliumlieferungen in Folge des Iran-Kriegs; das Edelgas ist für die Herstellung von Chips notwendig. Stark steigende Energiepreise könnten zudem die grundlegende Kalkulation der KI-Investitionen in Frage stellen und die KI-Blase zum platzen bringen - dann wäre die Hardware-Nachfragekrise durch KI zwar schnell vorbei, aber die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen wären enorm.


















