Eine sogar noch größere Kinosensation als Backrooms ist der Psycho-Horror-Thriller "Obsession": ebenso wie jener von einem jungen YouTuber gedreht, war jedoch das Budget von 750.000 Dollar weniger als ein Zehntel so groß, dabei hat der Film innerhalb von nur wenigen Wochen inzwischen international über 200 Millionen Dollar eingespielt - das über 250-fache seines Budgets.
Der 26-jährige Curry Barker, der als Regisseur, Produzent, Schauspieler, Comedian, Drehbuchschreiber und Editor tätig ist, hatte zuvor schon mehrere Comedy Sketches und Kurzfilme auf YouTube veröffentlicht. Der billig produzierte, aber nach Hollywood aussehende Horror-Kurzfilm "The Chair" (2023), der über 10 Millionen mal gesehen wurde, beeindruckte James Harris von der Produktionsfirma Tea Shop Productions so sehr, dass er ihm ein kleines Budget anbot, um daraus einen Spielfilm zu machen, aber Barker pitchte dann ein anderes Projekt, "Obsession". Zwischenzeitlich veröffentlichte Barker 2024 auf YouTube dann auch den 1-stündigen Found Footage Horrorfilm "Milk & Serial", sein Spielfilmdebüt.

Anders als bei Backrooms steht bei "Ossession" kein bekanntes Internet-Meme im Vordergrund (was per se für ein großes Publikum sorgt), sondern ein archetypisches Motiv der Märchen- und Mythentradition ("Das Tückische des Wunsches") wird neu interpretiert: Was ist, wenn ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung geht, aber dies zu anderen Ergebnissen führt, als man sich das vorgestellt hat? Der erfüllte Wunsch totaler Liebe wird Grundlage eines Horror-Trips: die ersehnte Liebe wird zur irren Obsession. Gedreht wurde "Obsession" mit einer ARRI Alexa 35 mit den lichtstarken Panavision Ultra Speed Lenses (weil viele Nachtszenen).
"The Chair" (2023):
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Ein Phänomen
Obsession gelang das Außergewöhnliche: Durch Mundpropaganda und eine für einen Horrorfilm außergewöhnlich gute Bewertung durch die Zuschauer steigerte er seit dem Startwochenende seine Zuschauerzahlen von Woche zu Woche - ganz entgegen dem normalen Trend eines guten Startwochenendes und dann allmählich abnehmender Zahlen, besonders bei Horrorfilmen.
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Der Erfolg der neuen "YouTuber"-Filme beruht auch auf der Tatsache, dass er zum Teil ein für das Kino bisher verloren geglaubtes Publikum in die Kinos holt: unter 30-Jährige. Diese entdecken das gemeinsame Kinoerlebnis dank dieser Filme neu. Für Hollywood ist der Erfolg dieses Indies geradezu ein Schock: der gerade gestartete "The Mandalorian and Grogu" aus dem Star Wars Universum wurde für 165 Millionen Dollar produziert und liegt jetzt gleichauf an der Kinokasse mit der 750.000 Dollar Produktion "Obsession". Kommerziell gesehen ist ein Erlös von dem über 250-fachen der Produktionskosten ein feuchter Traum Hollywoods und von dessen Investoren.
YouTuber erobern Hollywood
Eine weitere interessante Erkenntnis: Während Hollywood sich den Kopf darüber zerbricht, das TikTok / YouTube Publikum weg vom Smartphone ins Kino zu holen, ist für die neuen Filmemacher aus dem Netz der Bildschirm keine Konkurrenz zur Leinwand, sondern ein Bestandteil ihres Erfolgsweges: Creator werden bekannt über ihre Filme auf YouTube, bauen dort eine Fangemeinde und Bekanntheit auf und nehmen diese dann mit ins Kino, wenn ihr erster großer Film dort gezeigt wird - exklusiv, denn anders als manche Filme großer Studios ist der Film nur auf der großen Leinwand zu sehen und nicht auch parallel über das Netz.
"Milk & Serial" (2024):
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Die Fans sind davon nicht abgeschreckt, sondern - im Gegenteil - nutzen die Gelegenheit, mal wieder ins Kino zu gehen und den Film dann zusammen dort auf der großen Leinwand anzuschauen. Nach der Kinoauswertung ist der logische Weg ein VOD-Angebot per YouTube, wie Markiplier das mit seinem selbstproduzierten Film Iron Lung nun getan hat, das so auf einer neuen Ebene zu einer Konkurrenz für Abo-Streamingdienste werden könnte. Die beiden Überraschungserfolge machen den schon totgesagten Kinos wieder Hoffnung: der Abschied der jungen Generationen scheint doch nicht so unaufhaltsam zu sein, wie von manchen befürchtet.
Was diese jungen Regisseure auszeichnet ist die Tatsache, dass sie anders als ältere Filmer mit dem Netz aufgewachsen und auf YouTube groß geworden sind - sie verstehen die Internetkultur, weil sie mit ihr aufgewachsen sind, beherrschen das digitale Grassroots-Marketing und wissen, wie man eine Fangemeinde im Netz aufbaut, dem ihre Werke am Herzen liegen.
Aktuell hat Barker als Schreiber und Regisseur einen Reboot des Horror/Slasher-Klassikers "The Texas Chainsaw Massacre" - der Film, der ihn als 11-Jährigen dazu geführt hatte, dem Gruselgefühl nachgehen zu wollen - für die Indie-Produktionsfirma A24 gedreht, “Anything but Ghosts”, der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. "Obsession" läuft ab Donnerstag, dem 25. Juni auch hierzulande in den Kinos an, es gibt aber auch schon vereinzelte Previews vorher in manchen Kinos.


















