Das Ende von OpenAIs Video-KI Sora kam überraschend, vor allem auch für Disney, das erst vor wenigen Monaten einen Deal über 1 Milliarde Dollar rund um Sora abgeschlossen hatte. Gerüchten nach erfuhr Disney kurz nach einer gemeinsamen Sitzung mit Vertretern von OpenAI, bei der noch zusammen an einem Projekt gearbeitet wurde, von dem Ende von Sora.

Disneys Strategie für eine Zukunft mit KI liegt damit in Scherben. Aus dem ursprünglichen Plan, Knowhow rund um generative Video-KI von OpenAI gegen eine Investition samt Firmenanteil zu erhalten, um diese Technologie selbst einsetzen zu können, wird nichts. Und auch die Hoffnung, Disneys wertvolle IP, also bekannte Figuren aus den verschiedensten Content-Universen von Disney wie zum Beispiel aus den klassischen Animationsfilmen wie Mickey Mouse, Donald Duck, Lilo, Stitch, Arielle, Cinderella sowie Figuren aus Pixar-Hits wie Monster AG und Toy Story bis hin zu den bekannten Figuren aus Star Wars und aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) in von Usern generierten Content und so auch Geld umzumünzen, ist erstmal zerborsten. Mit der OpenAI Sora App sollten User KI-Kurzvideos mit populären Disney-Figuren erstellen, woraufhin Disney die besten dieser Videos auf seinem Streaming Portal Disney+ veröffentlichen und so von der "crowdgefundeten" Kreativität profitieren wollte.

Disney-CEO Bob Iger verlautete zur Vereinbarung noch stolz: Die Verbindung von Disneys ikonischen Geschichten und Charakteren mit OpenAIs bahnbrechender Technologie legt Vorstellungskraft und Kreativität direkt in die Hände der Disney-Fans – auf eine Weise, wie wir es noch nie zuvor erlebt haben. So können sie auf noch intensivere und persönlichere Art mit den Disney-Figuren und -Geschichten in Verbindung treten, die sie lieben.
Consumer sind keine Creator
Doch das Ganze beruhte womöglich auf einer Fehleinschätzung: der überwiegende Teil der Zuschauer will einfach nur zuschauen und nicht selbst tätig werden. Nur ein kleiner Prozentsatz ist für die zu sehenden Inhalte auf TikTok, Instagram Reels oder auch YouTube verantwortlich - ein soziales Netzwerk, das davon ausgeht und zur Funktion abhängig ist, dass User ständig individuelle Memes mit sich und Disney Charakteren generieren, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die meisten User sind Consumer und keine Creator, doch die Aussicht auf kostenlosen Content, um den die Hollywood Studios schon seit langem die großen sozialen Netzwerke bzw. Videoportale wie TikTok, Instagram oder YouTube beneiden, war anscheinend zu verlockend.
Kein Sora für Hollywood
Ein anderer Aspekt des gescheiterten Deals betrifft den Plan, die Sora-Technologie im großen Maßstab bei der professionellen Filmproduktion einzusetzen: Disney muss sich jetzt einen neuen Partner aus der Branche mit genügend KI-Knowhow suchen und die bisherigen Investitionen in die Arbeit mit OpenAI abschreiben. Für OpenAI wiederum war anscheinend die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit einem der großen Hollywoodstudios doch nicht erfolgs- bzw. ertragsversprechend genug.

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Runway Lionsgate Deal - auch gescheitert?
Doch dieses Scheitern deutet womöglich auf ein größeres Problem von Hollywood mit Video-KIs hin, denn auch um den im September 2024 groß angekündigten Deal der Video-KI Runway mit dem Filmstudio Lionsgate ist es still geworden; er stockt und wird womöglich ebenfalls scheitern. Dort war der Plan, ein eigenes Videomodell mit den Inhalten von Lionsgate zu trainieren, um rechts- und stilsicher generative KI in der Filmproduktion einzusetzen mit dem Ziel, Zeit und Geld zu sparen. Es war vorgedacht, das neue Modell zunächst für Preproduction-Aufgaben wie das Storyboarding oder die Previsualisierung einzusetzen, und es dann auch für Hintergründe und Spezialeffekte wie Explosionen zu nutzen, um "Millionen und Millionen von Dollar" einzusparen.
Das Problem: der Filmkatalog von Lionsgate reichte nicht zum Training eines eigenen Videomodells aus - dem Vernehmen nach wäre nicht einmal das noch viel größere Archiv von Disney genug gewesen. Damit fehlt die Basis einer eigenen Video-KI mittels einer urheberrechtlich "sauberen" Herkunft des Trainingsmaterials für die von Lionsgate angestrebte kommerzielle Nutzung.
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Netflix macht es anders
Der große Konkurrent Hollywoods ist dabei schon einen Schritt weiter und zeigt den wahrscheinlicheren Weg für die Nutzung von KI in der professionellen Filmproduktion, der allerdings auch viel bescheidener ist. Netflix hatte Anfang März 2026 das vom bekannten Schauspieler und Filmregisseur Ben Affleck gegründete Unternehmen InterPositive für 600 Millionen Dollar übernommen, welches KI-Tools speziell für professionelle Filmproduktionen entwickelt. Video-Modelle werden hier nicht eingesetzt, um neuen Content generieren, sondern um in Form von maßgeschneiderten Werkzeugen bei einzelnen Aufgaben in der Produktion eines Films helfen.
Hier wird ein eigenes KI-Modell anhand des vorhandenen Materials Films trainiert und so ganz speziell an diesen angepasst, zum Beispiel in Bezug auf dessen Look und das visuelle Vokabular der Kameraleute und Regisseure, und kann so passende Ergebnisse liefern. Das Modell kann diese durch den Input von Dailies erworbene "Wissen" dann in der Postproduktion für alle einzelnen Schritte im klassischen Workflow wie Schnitt, Farbkorrektur, VFX und mehr einsetzen.
Diese Werkzeuge sind dann aber so konzipiert, dass die kreativen Entscheidungen strikt in den Händen der Künstler bleiben. Hier soll KI nicht Künstler ersetzen, sondern deren Arbeit erleichtern - ein etwas anderes Ziel als die Hollywood-Studios es vor Augen zu haben scheinen. Diese scheinen die neue Technologie nicht ganz verstanden zu haben und lassen sich von ihrer Gier leiten, Geld zu einzusparen. Sie scheinen dabei das Potential von KI als simplem - nicht revolutionärem, sonder evolutionärem - Werkzeug im Dienste des klassischen Filmhandwerks zu übersehen.
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