Der bekannte Filmemacher Darren Aronofsky (unter anderem Pi, Requiem for a Dram, The Wrestler, The Whale, Black Swan) hat zum Anlass des bevorstehenden 250. Jahrestags der amerikanischen Revolution eine Serie von Kurzfilmen produziert, die Aufsehen erregt - nicht wegen ihrem Inhalt, sondern weil sie vollständig per KI generiert wurde. Er ist damit unseres Wissens der erste prominente Hollywoodregisseur, der voll auf KI als alleiniges Produktionstool setzt.
Die „An diesem Tag ... 1776“ getaufte, per KI animierte Serie wird von Aronofskys kürzlich (in Partnerschaft mit Google DeepMind und Salesforce) gegründetetem KI-Filmstudio Primordial Soup produziert - gesponsert von Salesforce. Jede Woche wird auf dem YouTube-Kanal des Time Magazine eine neue Episode in Form eines 3 bis 5 Minuten langen Kurzfilms veröffentlicht. Kern sind jeweils historische Ereignisse der amerikanischen Revolution der entsprechenden Woche vor 250 Jahren, zum Leben erweckt durch per KI erschaffene und animierte berühmte Persönlichkeiten und Spielszenen - sozusagen historische Höhepunkte in Häppchenform.

Die Bilder der Clips wurden von Künstlern vollständig mittels Googles Deepmind Video-KI Veo sowie anderen KI-Tools erstellt und dann in der Postproduktion geschnitten, gemischt und farbkorrigiert. Die Stimmen - das lebendigste Element der Clips - allerdings werden von Menschen gesprochen, genauer gesagt Synchronsprechern, die in der amerikanischen Schauspieler- und Sprechergewerkschaft SAG-AFTRA organisiert sind - ein Erfolg ihres erfolgreichen Streiks im November 2023. Auch das Drehbuch ist - noch - von Menschen geschrieben ebenso wie der Soundtrack vom Filmkomponisten Jordan Dykstra komponiert wurde.
Eine solche (Mini-)Serie hätte als echte Filmproduktion aufgrund des historischen Settings viel Geld gekostet - mit KI lässt sich das ganz natürlich viel billiger verwirklichen bzw. rendern: Keine aufwändigen historischen Schauplätze, keine Schauspieler, keine Kostüme. Jede Szene kann per Prompt einfach generiert werden.
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Doch der ästhetische Preis dafür ist hoch: die fotorealistischen Bilder sind ein Mittelding zwischen gefilmt und gerendert und gerade die Gesichter fallen in das altbekannte Uncanny Valley: die Augen sind tot und die Mimik wirkt irgendwie unheimlich. Der Look erinnert teilweise an die Cutszenen von Spielen. Die einzelnen Einstellungen sind zwar dramatisch "beleuchtet", aber gestalterisch gleichzeitig meist uninteressant. Man wird beim Anblick der Bilder erinnert an den Trainingsvorgang der Video-KI, der sich in dem zutiefst oberflächlichen Gutaussehen der Clips widerspiegelt. Das Resultat des Inputs bestbewerteter Bilder ist ein Durchschnitts-Look, in dem die Besonderheiten der einzelnen Bilder verlorengegangen sind in einem langweiligen Framing.
Zwar ist die technische Qualität der KI-Bilder - dank des stetigen schnellen Fortschritts - besser als noch vor kurzem, aber einige Merkmale bleiben, etwa die nur wenige Sekunden langen Einstellungen, typisch für die aktuellen Video-KIs, die automatisch das etwas atemlose Tempo diktieren.
Ben Bitonti, President of TIME Studios, sieht das natürlich anders: „Dieses Projekt gibt einen Einblick, wie eine durchdachte, kreative und von Künstlern geleitete Nutzung von KI aussehen kann – nicht als Ersatz für Handwerkskunst, sondern als Erweiterung der Möglichkeiten, die es Geschichtenerzählern ermöglicht, Wege zu beschreiten, die ihnen zuvor einfach verschlossen waren.“
Beim Ansehen der Clips erschließt sich uns nicht so ganz, warum ausgerechnet Aronovsky - einer der eigenwilligsten Regisseure Hollywoods - mit diesem Projekt in die Rolle eines KI-Vorreiters schlüpft. Klar - eine echte Produktion wäre extrem viel aufwändiger geworden, aber das jetzt vorgestellte KI-Produkt wirkt extrem uninspiriert. Es mag ein neuer Weg in Bezug auf Produktionskosten und -schnelligkeit sein, aber es zeigt keinerlei neue kreative Dimensionen auf. Vielleicht war es einfach nur ein Test, wie billig man produzieren kann und was dem Publikum zuzumuten ist. Die Kommentare unter den Videos auf YouTube jedenfalls sind voller Kritik - es wird interessant, was das professionelle Hollywood zu seinem "Experiment" sagen wird. Technisch gesehen wird der nächste KI-Film natürlich besser sein - aber ob er aber auch sehenswert sein wird?


















