Die für die Vergabe der Oscars zuständige Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat letzten Freitag eine Reihe neuer Regeln beschlossen, die unter anderem als Reaktion auf den Einsatz von KI in der Filmproduktion klarstellen, dass nur von Menschen geschriebene Drehbücher sowie echte Menschen als Schauspieler für Oscars in Frage kommen.
Präzedenzfall Val Kilmer
Angesichts des stetig wachsenden Einsatzes von KI auf allen Ebenen der Filmproduktion war eine solche Klarstellung überfällig. Nach den Kontroversen um die "KI-Schauspielerin" Tilly Norwood gipfelt die Tendenz aktuell in dem Projekt, eine KI-generierte Replik von Val Kilmer im Independent-Film “As Deep as the Grave” in einer Hauptrolle einzusetzen. Kilmer wollte im Film mitspielen, war aber kurz vor dem Beginn der Dreharbeiten gestorben. Seine Erben haben sich das Projekt auf die Fahne geschrieben und wollen ebenso wie der Drehbuchschreiber und Regisseur Coerte Voorhees, dass Kilmer in Form einer KI-generierten Version seiner selbst "mitspielt".

Kein allgemeines KI-Verbot für die Oscars
Die Academy erlässt aber kein generelles Verbot für den Einsatz generativer KI sowie anderer digitaler Werkzeuge, sondern sagt ausdrücklich, dass deren Einsatz die Chancen auf eine Nominierung weder schmälert noch verbessert. Bei jeder Einreichung wird genau geprüft werden, inwiefern ein Mensch zentral verantwortlich für das Werk bzw. die Performance war. Um das sicherzustellen, behält sich das Oscar-Komitee vor, von zur Nominierung vorgeschlagenen Filmen zusätzlich Informationen einzuholen über das jeweilige Ausmaß der Verwendung von KI in der Produktion. Indirekt heißt das, dass die Verwendung von KI als kreatives Werkzeug (wie zum Beispiel Ben Afflecks, von Netflix gekauftem KI-Startup InterPostivie) wohl klar geht, solange ein Mensch die eigentliche kreative Arbeit ("human authorship") leistet.

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Wie unheimlich ist ein Schauspieler-Zombie?
Ein KI-Zombie von Val Kilmer allerdings würde zwar als Trainingsmaterial auf seiner bisherigen kreativen schauspielerischen Leistung beruhen, aber die eigentliche Performance im neuen Film wäre nicht die seine, sondern eher die einer virtuellen Handpuppe. Nach der Malcolm-Measure of creepiness für die Wiederbelebung toter Schauspieler wäre das Projekt wohl noch ok, aber ein fader Beigeschmack bleibt natürlich.
Und nach dem früheren - letztlich erfolglosen - Versuch James Dean für einen Film digital auferstehen zu lassen, folgen im Zuge der immer besseren und einfacher anzuwendenden KI natürlich weitere Versuche, berühmte Stars in völlig neuen Filmen mitspielen zu lassen - die Versuchung des Geldes ist sowohl für Produzenten als auch die Erben wohl zu verführerisch.

So sah sich die Academy wohl genötigt, die neuen Regeln zu erlassen, die wohl noch vor wenigen Jahren selbst eher in einem Science-Fiction-Film vermutet worden wären als in der Realität: "Only roles credited in the film’s legal billing and demonstrably performed by humans with their consent will be considered eligible." Inzwischen nämlich können KIs Drehbücher schreiben und von virtuellen Schauspielern belebte Film(chen) samt Dialogen und Actionszenen selbstständig generieren - nur per Prompt.
Ist der Schöpfer 100% ein Mensch? Oder nur zu 87% ?
Interessant wird sein, wann in Zukunft die Academy so einen "Audit" eines zur Nominierung vorgeschlagenen Films veranlassen und wie dieser aussehen wird, um sicherzustellen, dass die kreative Leistung durch einen Menschen erbracht wurde. Vermutlich müsste dann jeder Arbeitsschritt in der Produktion nachvollziehbar gemacht werden, um dem Preiskomitee eine exaktere Einschätzung vom Einsatz digitaler generativer KI in einem konkreten Fall zu geben. Was dann unter erlaubten KI-Einsatz fällt, wird jeweils vom Einzelfall abhängen - die Möglichkeiten von KI als Werkzeug in allen möglichen Arbeitsschritten ist zu differenziert, um allgemeine Regeln formulieren zu können.


















