Logo Logo
/// 

Das Problem der deutschen Filmlandschaft



Noch was unklar? Dann in unserem Forum nachfragen
Zum Original-Thread / Zum Filmemachen-Forum

Frage von Frank Glencairn:


Gesucht werden: Heimatbezogene Stoffe, gerne in Mundart, Komödie - maximal Darmedy,
ernste Theme, leicht angepackt, mit Augenzwinkern - am Ende Auflösung und Heilung aller Konflikte.
Oder historisches, Krisenzeiten die lange genug zurück liegen, damit uns die filmische Beschäftigung damit nicht mehr verunsichern muß.
Damit ist so ziemlich alles über die Deutsche Filmförderung gesagt.







Antwort von 7River:

Irgendwie auch ganz amüsant, was da so gefordert wird. Und was fabriziert wird…Zurücklehnen und zuschauen.



Antwort von Saint.Manuel:

Ich bekomme ja schon bei den Übersetzungen englischsprachiger Filmtitel das Kotzen, oder spätestens wenn im Deutschen noch ein weiter Satz hinzugefügt wird. Aber wundern darf sich bzgl. des Deutschen Films niemand mehr, wenn ein derartiges Konstrukt dahintersteht.
Und Böhmermann hat recht, Toni Erdmann war leider eine Ausnahme.








Antwort von 7River:

Der Film "Rampage" von Uwe Boll musste in Deutschland geschnitten und mit einem alternativen Ende versehen werden. Das war ja gerade die Pointe, dass der Attentäter davon kommt, und das eigentlich erschreckende daran.

Um in Deutschland gezeigt zu werden, muss der Attentäter am Ende sterben. Fertig. Dass das die Filmgeschichte ad absurdum führt, leuchtet doch eigentlich ein.



Antwort von Cinemator:

Was Spielfilme angeht, bin ich ja nur interessierter Konsument. Deutsche Kinofilme oder TV-Filme gucke ich mir grundsätzlich nicht mehr an. Wenn ich allein schon den Titel oder den behandelten Stoff höre, bekomme ich einen roten Hals. Aus meiner Sicht ist da nichts mehr zu retten.



Antwort von Frank Glencairn:

Cinemator hat geschrieben:
Aus meiner Sicht ist da nichts mehr zu retten.
Jedenfalls nicht mit den üblichen Verdächtigen, die heute Förderung für ihre Machwerke bekommen.
Es gibt in Deutschland jede Menge guter Leute - von Drehbuch bis Post - die absolut in der Lage sind,
auf internationalem Niveau zu Produzieren, wenn man sie denn ließe.



Antwort von elephantastic:

Ist die Finazierung vom Spielfilmen denn von Förderung abhängig? Gibt es dann keine anderen Geldgeber?
Falls jetzt irgendein Regissuer/Produzent (weiß nicht wer da zuständig) ist an eine "Bank" rangeht und einen Film drehen will, der Geld einbringt, sollte das doch auch funktionieren oder? Also klappt ja in Hollywood auch...



Antwort von Cinemator:

Die guten Filmleute in Deutschland sind dann wohl nur fachlich gut, aber keine harten Geschäftsleute, die wissen, wie man Geld einsammelt oder wie man entsprechende Geldbeschaffer für sich arbeiten läßt. Filmprojekte, die vom deutschen Staat mit öffentlichem Geld betreut werden, landen garantiert in provinzieller Muffigkeit. Ich denke, an der Stelle müßte gedreht werden. Aber das muß wohl erstmal ins Bewußtsein vordringen. Langer Weg.



Antwort von Frank Glencairn:

Ja, geht schon. Ich hab schon mehrere Spielfilme die privat finanziert waren gedreht, aber das sind dann halt - ob des Budgets - ehere Kammerspiele.
Macht halt einen Unterschied ob du 30.000 oder 30 Millionen zur Verfügung hast. Bei 30.000 kannst du halt ne ganze Menge erst gar nicht machen, und das sieht man den Filmen halt auch an. Ne Bank gibt dir erst mal gar nix für einen Film, weil du den Gewinn nicht garantieren kannst. Also will die Bank dann auch entsprechende Haftung/Sicherheiten, und auf sowas läßt sich keiner der noch ganz bei Verstand ist, für einen Film ein.



Antwort von roki100:

also wenn in Deutschland filme so gut wären wie das traditionelle, über alles mögliche zu meckern und meckern, wären manche davon auch in Filme machen, garantiert: Weltmeister!
Vll. müssen einige also einfach nur die Prioritäten ändern. :)

Ich finde alg. nicht nur Filme, sondern irgendwelche Serien, TV Shows etc. ist sehr sehr schlecht. Entweder stimmt mit mir etwas nicht, oder mit deutsche TV. Denn wenn ich deutsche TV schaue, dann irgendwie nur Paul Panzer! :)

Lieblings Sender habe ich auch, das ist TLC (angeblich Sender für Frauen) und Arte. Auf TLC schaue ich z.B. gerne "in 90 Tage zum Alter". Das wäre doch etwas für DE TV auch gut, denn schließlich beobachte ich das manchmal vom Fenster, wie der deutsche Nachbarn erst ne Thai Girl hier her holt...sich dann trennt... dann eine aus demokratische Republik Kongo oder ähnliches, die ihn nach kürzester Zeit verlässt usw. So was wäre doch für deutsche TV super, etwas mehr Realität, statt etwas so typisches "Bauer sucht Frau" schauspielerei.



Antwort von Sammy D:

Saint.Manuel hat geschrieben:
Ich bekomme ja schon bei den Übersetzungen englischsprachiger Filmtitel das Kotzen, oder spätestens wenn im Deutschen noch ein weiter Satz hinzugefügt wird. Aber wundern darf sich bzgl. des Deutschen Films niemand mehr, wenn ein derartiges Konstrukt dahintersteht.
Und Böhmermann hat recht, Toni Erdmann war leider eine Ausnahme.
Ganz genau! Verhunzte Titel und Untertitel werden meisten von den Letztverantwortlichen produziert, die von Sprache und Kultur keinen blassen Schimmer haben.
Einer meiner Kollegen wollte seine Übersetzung des Manga "Chihiro" zurückziehen, da der Editor-in-Chief der Meinung war, "Chirohiro und die Reise ins Zauberland" sei eingänglicher als eine richtige und adäquate Übersetzung des Originaltitels. Es wurde mit rechtlichen Schritten gedroht und der geänderte Titel schließlich akzeptiert.
Genau so stelle ich mir den Ablauf einer Filmförderung vor. Konservative Lemminge mit null Ahnung entscheiden darüber, was der Deutsche sehen darf und was ihm zuzumuten ist.



Antwort von dosaris:

elephantastic hat geschrieben:
Ist die Finazierung vom Spielfilmen denn von Förderung abhängig? Gibt es dann keine anderen Geldgeber?
Falls jetzt irgendein Regissuer/Produzent (weiß nicht wer da zuständig) ist an eine "Bank" rangeht und einen Film drehen will, der Geld einbringt, sollte das doch auch funktionieren oder? Also klappt ja in Hollywood auch...
doch, gibt es.
Vor einigen Jahren wurde erkennbar, dass viele Hollywood-Produktionen fest in der Hand von Mafia & Co sind.
Damit lässt sich ideal Geld waschen und so die Herkunft verschleiern.

Alternativ/zusätzlich ist es gängig, für je einen Film eine eigene Fa zu gründen.
Wenn die Produktion Profit abwirft wird dieser in priv Taschen geleitet,
wenn nicht dann legt man einen Konkurs hin und verteilt die Verluste auf andere.

Es gibt da reichlich Gestaltungsmöglichkeiten.
Man muss sich halt nur entscheiden, ob man das so will.








Antwort von cantsin:

"Sammy D" hat geschrieben:
Saint.Manuel hat geschrieben:
Ich bekomme ja schon bei den Übersetzungen englischsprachiger Filmtitel das Kotzen, oder spätestens wenn im Deutschen noch ein weiter Satz hinzugefügt wird. Aber wundern darf sich bzgl. des Deutschen Films niemand mehr, wenn ein derartiges Konstrukt dahintersteht.
Und Böhmermann hat recht, Toni Erdmann war leider eine Ausnahme.
Ganz genau! Verhunzte Titel und Untertitel werden meisten von den Letztverantwortlichen produziert, die von Sprache und Kultur keinen blassen Schimmer haben.
Ich bin ja aus den goldenen Zeiten des Trash- und Genrekinos der 70er und 80er Jahren durchaus ein Fan der deutschen Over-the-top-Filmtitel, die probierten, noch eine Sensationalismus-Schippe obendrauf zu legen. Beispiele:

- Boot Hill = Der Hügel der blutigen Stiefel
- The Hills Have Eyes = Der Hügel der blutigen Augen
- Love Camp = Die Todesgöttin des Liebescamps
- Beautiful Girl Hunter = Exzesse im Folterkeller
- Tremors = Im Land der Raketenwürmer
- Cliffhanger = Cliffhänger (nur in der ersten Trailer-Version)



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
Cinemator hat geschrieben:
Aus meiner Sicht ist da nichts mehr zu retten.
Jedenfalls nicht mit den üblichen Verdächtigen, die heute Förderung für ihre Machwerke bekommen.
Es gibt in Deutschland jede Menge guter Leute - von Drehbuch bis Post - die absolut in der Lage sind,
auf internationalem Niveau zu Produzieren, wenn man sie denn ließe.
Sie könnten eigentlich, nur wollen sie eben ihre Tarifgage, ihr Catering und vor allem die gleiche bürgerliche Absicherung, wie die Beamtenseelen in der Filmförderung und den ÖR.
Man will schließlich auch so ein schönes Haus haben, wie der Aufsteiger bei Daimler.
Wer heute deutsche Filme macht, sind Narzissten.

Fakt ist doch:
Niemand hält die guten Leute ab.



Antwort von iasi:

dosaris hat geschrieben:
elephantastic hat geschrieben:
Ist die Finazierung vom Spielfilmen denn von Förderung abhängig? Gibt es dann keine anderen Geldgeber?
Falls jetzt irgendein Regissuer/Produzent (weiß nicht wer da zuständig) ist an eine "Bank" rangeht und einen Film drehen will, der Geld einbringt, sollte das doch auch funktionieren oder? Also klappt ja in Hollywood auch...
doch, gibt es.
Vor einigen Jahren wurde erkennbar, dass viele Hollywood-Produktionen fest in der Hand von Mafia & Co sind.
Damit lässt sich ideal Geld waschen und so die Herkunft verschleiern.

Alternativ/zusätzlich ist es gängig, für je einen Film eine eigene Fa zu gründen.
Wenn die Produktion Profit abwirft wird dieser in priv Taschen geleitet,
wenn nicht dann legt man einen Konkurs hin und verteilt die Verluste auf andere.

Es gibt da reichlich Gestaltungsmöglichkeiten.
Man muss sich halt nur entscheiden, ob man das so will.
Ach. Dann hatte Fassbinder also von den Mafiosis das Geld für "Angst essen Seele auf"?!
Und es ging ihm nur darum, Geld zu waschen?!



Antwort von freezer:

iasi hat geschrieben:
Sie könnten eigentlich, nur wollen sie eben ihre Tarifgage, ihr Catering und vor allem die gleiche bürgerliche Absicherung, wie die Beamtenseelen in der Filmförderung und den ÖR.
Ist ja auch völlig verwerflich eine Bezahlung für seinen Arbeit an einem Film zu wollen. Während in den USA ja sämtliche Filme außerhalb der gewerkschaftlich organisierten Gagen produziert werden und keiner von der Crew was zum Fressen bekommt - außer er richtet sich daheim ein Jauserl ...



Antwort von markusG:

roki100 hat geschrieben:
Ich finde alg. nicht nur Filme, sondern irgendwelche Serien, TV Shows etc. ist sehr sehr schlecht.
Ist natürlich wieder bissl Geschmacksache, aber ich finde mit Netflixproduktionen bzw. mit Co-Produktionen tut sich was. Schade dass Tribes of Europe so verhunzte Dialoge hatte, das wäre echt mal ein interessantes Setting gewesen.

https://www.youtube.com/watch?v=kzV74VC7djY



Antwort von iasi:

freezer hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:
Sie könnten eigentlich, nur wollen sie eben ihre Tarifgage, ihr Catering und vor allem die gleiche bürgerliche Absicherung, wie die Beamtenseelen in der Filmförderung und den ÖR.
Ist ja auch völlig verwerflich eine Bezahlung für seinen Arbeit an einem Film zu wollen. Während in den USA ja sämtliche Filme außerhalb der gewerkschaftlich organisierten Gagen produziert werden und keiner von der Crew was zum Fressen bekommt - außer er richtet sich daheim ein Jauserl ...
Wenn du Bezahlung willst, dann musst du eben stumpfen Blödsinn produzieren. Jemand der stupide Tätigkeiten am Band macht, tut dies auch nur wegen der Bezahlung.

Bei geförderten deutschen Filmen werden alle ordentlich nach Tarif bezahlt und auch wie vorgeschrieben am Set versorgt. Also warum dann die Klagen?
Wer mehr möchte, als nur einen bezahlten Job, der sollte sich eben auch mal Gedanken darüber machen, was er selbst einzubringen bereit ist.



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:

Niemand hält die guten Leute ab.
Die Abwesenheit von entsprechender Finanzierung.

iasi hat geschrieben:

Wer mehr möchte, als nur einen bezahlten Job, der sollte sich eben auch mal Gedanken darüber machen, was er selbst einzubringen bereit ist.
Wenn ich die ganzen "Rückstellungen" (sprich Gratisarbeit) für die ich in laufe meier Karriere "was eingebracht" habe tatsächlich bekommen hätte, dann könnte ich bequem in Rente gehen.

Ich glaube jeder der lange genug in dieser Branche war, weiß daß so gut wie nirgendwo so viel "eingebracht" wird wie beim Film (und daß nirgendwo so wenig für die Einbringer raus springt).



Antwort von Sammy D:

cantsin hat geschrieben:
...

Ich bin ja aus den goldenen Zeiten des Trash- und Genrekinos der 70er und 80er Jahren durchaus ein Fan der deutschen Over-the-top-Filmtitel, die probierten, noch eine Sensationalismus-Schippe obendrauf zu legen. Beispiele:

- Boot Hill = Der Hügel der blutigen Stiefel
- The Hills Have Eyes = Der Hügel der blutigen Augen
- Love Camp = Die Todesgöttin des Liebescamps
- Beautiful Girl Hunter = Exzesse im Folterkeller
- Tremors = Im Land der Raketenwürmer
- Cliffhanger = Cliffhänger (nur in der ersten Trailer-Version)
Das kann man gut finden - ja - vielleicht für B-Movies durchaus angemessen, aber für mich ist das in den meisten Fällen einfach ein linguistischer Ass-Rape. "... des Grauens", "des Schreckens", "...zum Verlieben" sind einfach Missgeburten aus den Köpfen von ahnungslosen Entscheidern.
Um bei "Chihiro" zu bleiben. Der Originaltitel ist sehr tiefsinnig, kulturspezifisch und eigentlich unübersetzbar, zumindest direkt nicht. Der englische Titel "Spirited Away" hat zumindest noch ein Hauch an Originalität, aber "Reise ins Zauberland" hat weder mit Inhalt noch mit dem intendierten Sinn des Originals zu tun, und ist so generisch, dass man ihn unter jeden Titel setzen könnte.
"Narnia - Die Reise ins Zauberland", "The Hobbit - Die Reise ins Zauberland", "GNTM- Die Reise ins Zauberland".



Antwort von pillepalle:

Ich glaube nicht das es nur an der Finanzierung liegt. Das europäische Kino war doch eigentlich auch nie für seine Blockbuster-Qualitäten und großen Budgets bekannt. Und trotzdem hat es auch ein paar sehr gute Filme hervor gebracht. Was sind denn schon 3 Millionen Förderung im Durchschnitt? Dann kostete die gesamte Produktion vielleicht 10 Millonen? Jedenfalls immer noch weit von den Budgets des amerikanischen Merchandising-Kinos entfernt. Dem nachzueifern wird kaum die Lösung sein. Wieviel Geld kann man denn überhaupt in Deutschland oder Europa mit einen Kinofilm einspielen? Das geht doch wirklich nur mit einem großen weltweiten Vermarktungsapparat dahinter. Wenn man so etwas machen möchte, muss man eben nach Amerika gehen, wie es einige Europäer ja auch gemacht haben.

Die im Beitrag berechtigte Kritik ist eher, dass zuviele Leute mitreden wollen und schräge Auflagen an die Finanzierung gekoppelt werden, am Ende dabei aber meist nur Murks heraus kommt. Niemand möchte ein Risiko eingehen und man vergibt die Mittel nur an Leute mit 'Erfolgaussicht'. Also immer die gleichen 5 Nasen die in Deutschland Filme machen. Das es eine Auswahl geben muss ist schon klar, aber man muss doch nicht immer weiter Leute fördern, die man bereits seit Jahren fördert. Das etablierte Leute gefördert werden finde ich daran verkehrt. Nicht das man prinzipiell Fördermittel vergibt.

VG








Antwort von cantsin:

Das tieferlegende Problem IMHO ist, dass die allgemeine Kinokultur in D extrem schwach ist, und zwar schon seit Jahrzehnten, wenn man sie mit anderen Indutrieländern vergleicht.

Vor Corona gingen Deutsche durchschnittlich 1,4mal pro Jahr ins Kino. In Frankreich liegt der Schnitt bei 1,9 Kinobesuchen, in Großbritannien bei 2,6, in den USA bei 3,7, in Südkorea sogar bei 4,4 (alle Zahlen aus dem Jahr 2019).

Dann muss man sich nicht wundern, dass in diesen Ländern auch auf der Produktionsseite eine lebendigere Kinokultur herrscht, und dass umgekehrt in Deutschland Produzenten das Risiko minimieren, indem sie harmlose, provinzielle, auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner funktionierende Komödien drehen lassen.



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:

Niemand hält die guten Leute ab.
Die Abwesenheit von entsprechender Finanzierung.
Du meinst: Geld von anderen Leuten.
"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:

Wer mehr möchte, als nur einen bezahlten Job, der sollte sich eben auch mal Gedanken darüber machen, was er selbst einzubringen bereit ist.
Wenn ich die ganzen "Rückstellungen" (sprich Gratisarbeit) für die ich in laufe meier Karriere "was eingebracht" habe tatsächlich bekommen hätte, dann könnte ich bequem in Rente gehen.

Ich glaube jeder der lange genug in dieser Branche war, weiß daß so gut wie nirgendwo so viel "eingebracht" wird wie beim Film (und daß nirgendwo so wenig für die Einbringer raus springt).
Und wieder redest du von Arbeit und Bezahlung.

Und natürlich gibt es andere Bereiche, in denen noch mehr "eingebracht" wird wie beim Film. Eben überall da, wo sich Menschen für etwas engagieren und weitergehende Ziele verfolgen, als Geld und gesellschaftlichen Erfolg.



Antwort von Frank Glencairn:

pillepalle hat geschrieben:
Wieviel Geld kann man denn überhaupt in Deutschland oder Europa mit einen Kinofilm einspielen?
Das ist eine gute Frage, und die Antwort ist: so gut wie nix, weil der Markt zu klein ist.
Die zweite Antwort ergibt sich daraus: wenn du nicht drauf zahlen willst, mußt du auf englisch drehen.

Außerdem muß dein Ziel sein, die Leute zu unterhalten, zu unterhalten und zu unterhalten,
was sämtliche persönliche Agenden und Anliegen kategorisch ausschließt.

Der Film muß vom ersten Drehbuchentwurf bis zum letzten Mausklick in der Post auf das Publikum abgestimmt sein.
Was die Filmemacher wünschen oder wollen spielt keine Rolle, nur der Wunsch des Publikums zählt, den das sind die einzigen die dafür zahlen (oder halt auch nicht).

Filme gegen das Publikum kann man eben nur mit Förderung machen - was natürlich bedeutet daß auch diejenigen die den Film nicht sehen wollen, gezwungen werden dafür zu bezahlen: Das führt dann zu genau den Zuständen die wir heute haben.



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:


Und wieder redest du von Arbeit und Bezahlung.
Falsch. Ich rede von Arbeit und Nichtbezahlung.
iasi hat geschrieben:

Du meinst: Geld von anderen Leuten.
Ja, so wie Bauarbeiter ein Haus mit dem Geld anderer Leute bauen.



Antwort von iasi:

pillepalle hat geschrieben:
Ich glaube nicht das es nur an der Finanzierung liegt. Das europäische Kino war doch eigentlich auch nie für seine Blockbuster-Qualitäten und großen Budgets bekannt. Und trotzdem hat es auch ein paar sehr gute Filme hervor gebracht. Was sind denn schon 3 Millionen Förderung im Durchschnitt? Dann kostete die gesamte Produktion vielleicht 10 Millonen? Jedenfalls immer noch weit von den Budgets des amerikanischen Merchandising-Kinos entfernt. Dem nachzueifern wird kaum die Lösung sein. Wieviel Geld kann man denn überhaupt in Deutschland oder Europa mit einen Kinofilm einspielen? Das geht doch wirklich nur mit einem großen weltweiten Vermarktungsapparat dahinter. Wenn man so etwas machen möchte, muss man eben nach Amerika gehen, wie es einige Europäer ja auch gemacht haben.

Die im Beitrag berechtigte Kritik ist eher, dass zuviele Leute mitreden wollen und schräge Auflagen an die Finanzierung gekoppelt werden, am Ende dabei aber meist nur Murks heraus kommt. Niemand möchte ein Risiko eingehen und man vergibt die Mittel nur an Leute mit 'Erfolgaussicht'. Also immer die gleichen 5 Nasen die in Deutschland Filme machen. Das es eine Auswahl geben muss ist schon klar, aber man muss doch nicht immer weiter Leute fördern, die man bereits seit Jahren fördert. Das etablierte Leute gefördert werden finde ich daran verkehrt. Nicht das man prinzipiell Fördermittel vergibt.

VG
Du hast in GB eine funktionierende Filmwirtschaft. Dies liegt nicht an der englischen Sprache.
In Deutschland gibt es keine Filmproduzenten mehr, die auf einen Filmstock als Kapital und somit Absicherung zur Finanzierung neuer Produktionen zurückgreifen können.
Alles hängt nur noch am Steuer- und Gebührentropf.

Es gibt auch niemanden mehr, der wirklich das Risiko einer unabhängigen Produktion eingehen würde.
Den Filmemachern brennt nichts mehr auf den Nägeln, für das sie alles in den Ring werfen würden.



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:

Es gibt auch niemanden mehr, der wirklich das Risiko einer unabhängigen Produktion eingehen würde.
Den Filmemachern brennt nichts mehr auf den Nägeln, für das sie alles in den Ring werfen würden.
Doch, natürlich gibt es die - ich hab genug davon mitgemacht.

Nägelbrennen ist aber ein ziemlich sicheres Rezept für einen Totalflop und Ruin.



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:


Und wieder redest du von Arbeit und Bezahlung.
Falsch. Ich rede von Arbeit und Nichtbezahlung.
Ja - über nicht erhaltene Bezahlung - also über Bezahlung.

Frag dich mal, warum du nicht über die Produktionen redest, für die du dich eingesetzt hast.
Warum redest du nicht über die Anzahl der Menschen, die du mit diesen Produktionen erreicht hast?

Stundensätze und Bezahlung statt Inhalte und Aussagen.



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:


Frag dich mal, warum du nicht über die Produktionen redest, für die du dich eingesetzt hast.
Warum redest du nicht über die Anzahl der Menschen, die du mit diesen Produktionen erreicht hast?
Das sind genau diese Produktionen - bei all denen war allen Beteiligten von Anfang an klar, daß das Wort "Rückstellung" im Vertrag
nur Schönsprech für "es wird nix geben" war.

Viele hab ich mit diesen Nagelbrand Produktionen nicht erreicht.

Und dummerweise kann ich mit Inhalten und Aussagen nicht an der Tanke und im Supermarkt bezahlen.



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:

Es gibt auch niemanden mehr, der wirklich das Risiko einer unabhängigen Produktion eingehen würde.
Den Filmemachern brennt nichts mehr auf den Nägeln, für das sie alles in den Ring werfen würden.
Doch, natürlich gibt es die - ich hab genug davon mitgemacht.
Ich rede nicht von den Eintrittskarten ins Filmgeschäft und den Spaß am Filmemachen.
All die Kurzfilme dienen doch letztlich nur dafür, denn wer Zuschauer mit seinem Werk erreichen möchte, der wählt nicht diese Nischenform.








Antwort von pillepalle:

Eben. Ich denke das Filme gefördert werden sollten die nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, oder seichte Unterhaltung mit dem 'garantiertem' Publikumserfolg bemüht sind. Für die sich eben nicht so leicht eine Finanzierung finden läßt. Das wird aber meist nicht gemacht.

Das Problem hierzulande ist nur, dass sich auch für kommerzielle Projekte, denen es nur um Unterhaltung geht keine Finanzierung finden läßt, weil es keine richtige Filmindustrie gibt. Und die greifen dann die Fördermittel ab. Ich fürchte nur der Prozess, in Deutschland eine gut funktionierende Filmindustrie aufzubauen, dauert jahrzehnte.

VG



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:


Frag dich mal, warum du nicht über die Produktionen redest, für die du dich eingesetzt hast.
Warum redest du nicht über die Anzahl der Menschen, die du mit diesen Produktionen erreicht hast?
Das sind genau diese Produktionen - bei all denen war allen Beteiligten von Anfang an klar, daß das Wort "Rückstellung" im Vertrag
nur Schönsprech für "es wird nix geben" war.

Viele hab ich mit diesen Nagelbrand Produktionen nicht erreicht.
Dann waren diese Produktionen letztlich nur Selbsterfahrungstripps. Wenn von Anfang an klar ist, dass "es wird nix geben", bedeutet dies übersetzt: Das schaut sich eh niemand an.



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:

All die Kurzfilme dienen doch letztlich nur dafür, denn wer Zuschauer mit seinem Werk erreichen möchte, der wählt nicht diese Nischenform.
Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo über Kurzfilme gesprochen zu haben.



iasi hat geschrieben:

Dann waren diese Produktionen letztlich nur Selbsterfahrungstripps. Wenn von Anfang an klar ist, dass "es wird nix geben", bedeutet dies übersetzt: Das schaut sich eh niemand an.
Ja, genau das passiert wen man nicht an Arbeit und Bezahlung denkt, sondern sich nagelbrennend "einbringt".

Jetzt hast du es endlich kapiert.



Antwort von iasi:

pillepalle hat geschrieben:
Eben. Ich denke das Filme gefördert werden sollten die nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, oder seichte Unterhaltung mit dem 'garantiertem' Publikumserfolg bemüht sind. Für die sich eben nicht so leicht eine Finanzierung finden läßt. Das wird aber meist nicht gemacht.

Das Problem hierzulande ist nur, dass sich auch für kommerzielle Projekte, denen es nur um Unterhaltung geht keine Finanzierung finden läßt, weil es keine richtige Filmindustrie gibt. Und die greifen dann die Fördermittel ab. Ich fürchte nur der Prozess, in Deutschland eine gut funktionierende Filmindustrie aufzubauen, dauert jahrzehnte.

VG
Daher muss man eben neue Formen finden.

Filmschaffende, die ihre Tätigkeit als mehr als den reinen, sicheren Broterwerb betrachten, sollten gemeinsam ein Projekt stemmen, das aber eben auch darauf abzielt, ein Publikum zu erreichen, also Verwertungschancen bietet.
Kurzfilme waren und sind hier die falsche Wahl.

Man muss eben bereit sein, mehr als ein paar Tage zu investieren.



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:

All die Kurzfilme dienen doch letztlich nur dafür, denn wer Zuschauer mit seinem Werk erreichen möchte, der wählt nicht diese Nischenform.
Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo über Kurzfilme gesprochen zu haben.



iasi hat geschrieben:

Dann waren diese Produktionen letztlich nur Selbsterfahrungstripps. Wenn von Anfang an klar ist, dass "es wird nix geben", bedeutet dies übersetzt: Das schaut sich eh niemand an.
Ja, genau das passiert wen man nicht an Arbeit und Bezahlung denkt, sondern sich nagelbrennend "einbringt".

Jetzt hast du es endlich kapiert.
Wenn ich nur 6 Drehtage investiere, kann ich eben auch nichts vom Ergebnis erwarten.

Wer halbe Sachen macht, darf sich nicht wundern, wenn die Mühe letztlich umsonst war.



Antwort von pillepalle:

Ich denke man muss vor allem auch in Sachen Marketing etwas cleverer werden. Vielleicht auch nicht nur an klassische Kinobesucher als Einnahmequelle denken, sondern moderne Medien mitnutzen. Auch wenn das für einen Cineasten eine bittere Wahrheit sein mag. Und Frank hat schon recht. Ohne eine gewisse Option auch international erfolgreich zu sein, wird man über eine bestimmte Größe nie hinaus kommen. Aber das geht alles nicht von Null auf Hundert, sondern muss mühselig aufgebaut werden... oder eben auch nicht.

VG



Antwort von Frank Glencairn:

pillepalle hat geschrieben:


Das Problem hierzulande ist nur, dass sich auch für kommerzielle Projekte, denen es nur um Unterhaltung geht keine Finanzierung finden läßt, weil es keine richtige Filmindustrie gibt. Und die greifen dann die Fördermittel ab. Ich fürchte nur der Prozess, in Deutschland eine gut funktionierende Filmindustrie aufzubauen, dauert jahrzehnte.

Da hast du völlig recht. Wir hatten allerdings vor dem Krieg und in den 50er Jahren eine extrem erfolgreiche Filmwirtschaft auf internationalem Niveau.
Erst als dann Mitte/Ende der 60er Jahren die Anliegen- und Belehrungsfilmer übernommen hatten, hat der deutsche Film das Publikum weitgehend vertrieben - die Leute haben sich dann halt dem internationalem Angebot zugewandt, das ihre Bedürfnisse nach Unterhaltung bedient.
Wie immer gabs ein paar Ausnahmen, aber die sind halt bloß ein Tropfen auf dem Stein.



Antwort von iasi:

pillepalle hat geschrieben:
Ich denke man muss vor allem auch in Sachen Marketing etwas cleverer werden. Vielleicht auch nicht nur an klassische Kinobesucher als Einnahmequelle denken, sondern moderne Medien mitnutzen. Auch wenn das für einen Cineasten eine bittere Wahrheit sein mag. Und Frank hat schon recht. Ohne eine gewisse Option auch international erfolgreich zu sein, wird man über eine bestimmte Größe nie hinaus kommen. Aber das geht alles nicht von Null auf Hundert, sondern muss mühselig aufgebaut werden... oder eben auch nicht.

VG
Vielleicht sollte man auch mehr darauf abzielen möglichst viele Zuschauer zu erreichen.
Und dabei aber immer die zentrale Frage im Auge behalten:
Warum will ich eigentlich viele Zuschauer erreichen?
Geht es mir um Einnahmen und Erfolg?
Oder habe ich etwas zu sagen?



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:

Wenn ich nur 6 Drehtage investiere, kann ich eben auch nichts vom Ergebnis erwarten.

Wer halbe Sachen macht, darf sich nicht wundern, wenn die Mühe letztlich umsonst war.
Ich mach dir einen Vorschlag iasi - beim nächsten Spielfilm den ich mache bringst du dich 3 Monate lang erst mal gratis ein, und zwar so daß der Film garantiert jede Menge Leute mit deinen Anliegen und Inhalten erreicht, und somit garantiert ein Kassenschlager in Deutschland wird.
Dein Job ist, jeden der Beteiligten - vom Drehbuchautor, Unterbringung, Transport, Location, Studio, Bauten, bis zum Caterer - alle davon zu überzeugen, daß sie ebenfalls 3 Monate lang nicht nur gratis arbeiten, sondern auch ihr Material und ihre Kosten selbst bezahlen.
Geld gibt's für dich natürlich nie, weil über Arbeit gegen Geld zu reden is ja völlig kleinkariert, da es ja nicht um Einnahmen oder Erfolg geht, sondern nur darum, was du zu sagen hast.

Wenn ich so lese, was du hier so die letzten Jahre zu sagen hattest, bin ich ziemlich sicher, daß es mindestens einen Oscar dafür gibt.

Oh mann....

Zuschauer erreicht man am besten dadurch, daß man sie bestmöglichst für ihr Geld unterhält, nicht dadurch das man ihnen die eigene Agenda den Rachen hinunter presst.








Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
pillepalle hat geschrieben:


Das Problem hierzulande ist nur, dass sich auch für kommerzielle Projekte, denen es nur um Unterhaltung geht keine Finanzierung finden läßt, weil es keine richtige Filmindustrie gibt. Und die greifen dann die Fördermittel ab. Ich fürchte nur der Prozess, in Deutschland eine gut funktionierende Filmindustrie aufzubauen, dauert jahrzehnte.

Da hast du völlig recht. Wir hatten allerdings vor dem Krieg und in den 50er Jahren eine extrem erfolgreiche Filmwirtschaft auf internationalem Niveau.
Erst als dann Mitte/Ende der 60er Jahren die Anliegen- und Belehrungsfilmer übernommen hatten, hat der deutsche Film das Publikum weitgehend vertrieben - die Leute haben sich dann halt dem internationalem Angebot zugewandt, das ihre Bedürfnisse nach Unterhaltung bedient.
Wie immer gabs ein paar Ausnahmen, aber die sind halt bloß ein Tropfen auf dem Stein.
Der deutsche Film steckte damals tief in der Krise.
Ganz ähnlich wie heute.
Seichte Unterhaltung zog nicht mehr.

Erst der Neue Deutsche Film brachte wieder Schwung in das siechende Elend.



Antwort von pillepalle:

iasi hat geschrieben:
Vielleicht sollte man auch mehr darauf abzielen möglichst viele Zuschauer zu erreichen.
Und dabei aber immer die zentrale Frage im Auge behalten:
Warum will ich eigentlich viele Zuschauer erreichen?
Geht es mir um Einnahmen und Erfolg?
Oder habe ich etwas zu sagen?
Wenn es darum ginge was man zu sagen hat, dürften 80% aller amerikanischen Filme nicht Produziert werden :) Kino muss nicht immer kritisch oder bedeutungsschwanger sein und darf auch nur unterhalten. Deshalb gehen die meisten ja ins Kino, um unterhalten zu werden. Aber das muss man eben im Idealfall aus eigener Kraft erreichen und nicht mit einem 'Erfolg durch Förderung', wie es hierzulande oft der Fall ist. Von mir aus können hier gerne 100 Klamaukkömödien im Jahr produziert werden (was auch eine Art Filmindustrie schaffen würde), solange sie nicht gefördert werden. Denn der 'Quatsch' ist eigentlich nicht förderungswürdig. Ich fürchte man wird wirklich erstmal klein anfangen müssen und das über viele Jahre aufbauen.

VG



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:

Wenn ich nur 6 Drehtage investiere, kann ich eben auch nichts vom Ergebnis erwarten.

Wer halbe Sachen macht, darf sich nicht wundern, wenn die Mühe letztlich umsonst war.
Ich mach dir einen Vorschlag iasi - beim nächsten Spielfilm den ich mache bringst du dich 3 Monate lang erst mal gratis ein, und zwar so daß der Film garantiert jede Menge Leute mit deinen Anliegen und Inhalten erreicht, und somit garantiert ein Kassenschlager in Deutschland wird.
Dein Job ist, jeden der Beteiligten - vom Drehbuchautor, Unterbringung, Transport, Location, Studio, Bauten, bis zum Caterer - alle davon zu überzeugen, daß sie ebenfalls 3 Monate lang nicht nur gratis arbeiten, sondern auch ihr Material und ihre Kosten selbst bezahlen.
Geld gibt's für dich natürlich nie, weil über Arbeit gegen Geld zu reden is ja völlig kleinkariert, da es ja nicht um Einnahmen oder Erfolg geht, sondern nur darum, was du zu sagen hast.

Wenn ich so lese, was du hier so die letzten Jahre zu sagen hattest, bin ich ziemlich sicher, daß es mindestens einen Oscar dafür gibt.
Ich bin bereit mehrere Monate und Material in ein solches Projekt zu investieren, wenn mich das Projekt auch überzeugt.

Und wenn ich vom Thema und dem Ansatz überzeugt bin, dann bin ich auch davon überzeugt, dass es Zuschauer findet.
Und wenn es Zuschauer findet, dann kann ich auch mit Einnahmen rechnen.

Aber es geht mir eben nicht um diese Einnahmen und auch nicht um Auszeichnungen für mich, wenn ich einen Film mache, sondern um den Film und seine Aussage.

Leute, die ich überreden muss, weil sie denken, sie müssten auf etwas verzichten, brauch ich nicht.
Die sollen sich Kunden suchen, bei denen sie Stundensätze abrechnen können, oder sich bei einer geförderten Produktion bewerben, bei der sie Tarifgagen erhalten.
Auch Leute, die das nur aus Lust und Spaß machen wollen oder etwas für ihre Vita wollen, stehen nicht wirklich hinter einem solchen Projekt.



Antwort von pillepalle:

@ iasi

So eine Gruppe von Enthusiasten zu finden, dürfte Dir allerdings kaum gelingen. Denn einserseits sollen sie sich solidarisch und uneigennützig einbringen, andererseits sollen dann aber auch alle nach Deiner Pfeife tanzen, denn Du machst ja keine Kompromisse bei Deinem Film. Wenn man alles selber entscheiden möchte, ist Geld immer noch das einfachste Mittel andere davon zu überzeugen und die eigenen Ideen umzusetzen :)

VG



Antwort von iasi:

pillepalle hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:
Vielleicht sollte man auch mehr darauf abzielen möglichst viele Zuschauer zu erreichen.
Und dabei aber immer die zentrale Frage im Auge behalten:
Warum will ich eigentlich viele Zuschauer erreichen?
Geht es mir um Einnahmen und Erfolg?
Oder habe ich etwas zu sagen?
Wenn es darum ginge was man zu sagen hat, dürften 80% aller amerikanischen Filme nicht Produziert werden :) Kino muss nicht immer kritisch oder bedeutungsschwanger sein und darf auch nur unterhalten. Deshalb gehen die meisten ja ins Kino, um unterhalten zu werden. Aber das muss man eben im Idealfall aus eigener Kraft erreichen und nicht mit einem 'Erfolg durch Förderung', wie es hierzulande oft der Fall ist. Von mir aus können hier gerne 100 Klamaukkömödien im Jahr produziert werden (was auch eine Art Filmindustrie schaffen würde), solange sie nicht gefördert werden. Denn der 'Quatsch' ist eigentlich nicht förderungswürdig. Ich fürchte man wird wirklich erstmal klein anfangen müssen und das über viele Jahre aufbauen.

VG
Man muss schon differenzieren.

Überwältigungskino sehen sich die Leute natürlich gern an. Ich auch. Man bekommt eben etwas geboten.
Aber es gibt eben auch viele Filme, die sich die Menschen ansehen, weil diese Filme etwas zu sagen haben und dazu die Filmsprache eben auch gekonnt nutzen.



Antwort von dienstag_01:

Der deutscher Film ohne Oscar schreckt mich nicht.
Der deutsche Film mit weniger Zuschauern als amerikanische Blockbuster schreckt mich auch nicht.
Viel gruseliger finde ich, was Böhmermann sehr schön herausarbeitet, in welcher Art Welt die mit Höchstfördersummen dann doch irgendwie zum Kassenschlager gepushten deutschen Filme angesiedelt sind.



Antwort von iasi:

pillepalle hat geschrieben:
@ iasi

So eine Gruppe von Enthusiasten zu finden, dürfte Dir allerdings kaum gelingen. Denn einserseits sollen sie sich solidarisch und uneigennützig einbringen, andererseits sollen dann aber auch alle nach Deiner Pfeife tanzen, denn Du machst ja keine Kompromisse bei Deinem Film. Wenn man alles selber entscheiden möchte, ist Geld immer noch das einfachste Mittel andere davon zu überzeugen und die eigenen Ideen umzusetzen :)

VG
Wie kommst du denn darauf, dass alle nach meiner Pfeife tanzen sollen?

Was sollte ich denn z.B. der Ton-Crew vorpfeifen? Die sind die Könner in ihrem Bereich und die haben das Gehör.
Dass die Ton-Leute ausgeschlafen, pünktlich und vorbereitet zu Drehbeginn erscheinen, ist selbstverständlich. Das liegt schließlich im Interesse aller.



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:

Erst der Neue Deutsche Film brachte wieder Schwung in das siechende Elend.
Der "Neue Deutsche Film" (JDF) war nicht nur die Verkörperung des siechenden Elends, sondern der Todesstoß für die deutsche Filmwirtschaft.
Größtenteils unanschaubare, selbstgefällige, selbstwichtige Streifen nach deren Genuß man kurz davor ist sich die Pulsadern zu öffnen - handwerklich unterste Schublade als angebliche "Kunst" verbrämt, Nabelschau, politischer Aktivismus und Therapiefilm, in dem Filmemacher ihr eigenes Versagen auf Kosten des Publikums aufarbeiten.

Die Forderung, der "Revolutionären" um Joe Hembus, die Filmemacher müßten finanziell unabhängig werden, endete darin, daß deren Filme, die gar nicht erst unterhalten sollten, sondern laut dem Oberhausener Manifest, "Denkanstöße" auslösen, durch das Bundesinnenministerium (also die Steuerzahler) mit entsprechenden Summern gefördert wurden.

Kein Wunder daß die Luftnummer schon Mitte der 70er krachend gescheitert ist - keiner wollte das Zeug sehen, selbst die Lederhosen Filme waren erfolgreicher. 79 versuchte eine handvoll verzweifelter Filmemacher mit der "Hamburger Erklärung" den JDF nochmal erfolglos wiederzubeleben, aber das war das Publikum längst von den "Revolutionären" verscheucht, und zu US Produktionen mit Unterhaltungsgarantie abgewandert.



Antwort von pillepalle:

@ iasi

Ja, wenn es um technische Dinge geht vielleicht, aber nicht um gestalterische/künstlerische Entscheidungen. Basisdemokratie, bei der jeder macht was ihm gefällt, funktioniert beim Film nicht. Vielleicht sagt Dir der Stylist er hätte lieber rosa Vorhänge, oder das Make-Up macht Dir Katzenaugen, weil die gerade angesagt sind. Am Ende arbeiten Dir alle Leute zu. Sie können sich zwar einbringen, aber machen nicht das, was sie vielleicht gut finden. Und genau darin liegt die Schwierigkeit. Alle Anderen von der eigenen Idee zu überzeugen.

VG








Antwort von Jott:

Und wie soll die unbezahlt arbeitende Crew (was ja per se ausschließt, dass es gute Leute sind, denn sonst hätten sie ja Jobs) verpflichtet werden, zwingend zum Dreh aufzukreuzen? Auch wenn die Freundin Geburtstag hat? Auch wenn ein bezahlter Job rein kommt? Via Vertrag? Den möchte ich sehen.



Antwort von dienstag_01:

Jott hat geschrieben:
Und wie soll die unbezahlt arbeitende Crew (was ja per se ausschließt, dass es gute Leute sind, denn sonst hätten sie ja Jobs) verpflichtet werden, zwingend zum Dreh aufzukreuzen? Auch wenn die Freundin Geburtstag hat? Auch wenn ein bezahlter Job rein kommt? Via Vertrag? Den möchte ich sehen.
Auch wenn du dir das so gar nicht vorstellen kannst, das geht. Kostet viel Kraft, aber hat auch Vorteile.



Antwort von Jott:

Ich kann‘s mir in der Tat nicht vorstellen. Es sei denn, alle wohnen und essen bei Mama, die auch noch das Auto zahlt.

Ich bezahle meine Crews, bekomme gute Leute, auf die ich mich voll verlassen kann. Und fahre prima damit. Andere Perspektive halt.



Antwort von Cinemator:

Zugute halten kann man sich: In einer winzigen Diaspora mit den letzten Romantikern zu leben.



Antwort von pillepalle:

Ich weiß nicht wie es beim Film ist, aber in der Fotografie arbeiten bei freien Arbeiten/Projekten meist Leute auf einem ähnlichen Niveau zusammen. Ich denke mal beim Film wird das ähnlich sein. Wenn also Wes Anderson ein paar Buddies für ein eigenes Projekt sucht, wird er andere Leute finden die sich dazu bereit erklären, als wenn ich das tue ;)

VG



Antwort von Frank Glencairn:

Jott hat geschrieben:
Ich kann‘s mir in der Tat nicht vorstellen. Es sei denn, alle wohnen und essen bei Mama, die auch noch das Auto zahlt.
Die Vorstellung Spitzenleute würden über Monate gratis an einem Film arbeiten, und dann auch noch die Kosten für alles selbst tragen, nur weil das was iasi zu sagen hat so unheimlich wichtig ist - sorry aber hier bewegen wir uns bereits tief im sozialistischen Lalaland Territorium.
Das ist alles so realitätsfern, abgehoben und größenwahnsinnig, daß es eigentlich keiner weiteren Diskussion bedarf.



Antwort von pillepalle:

Das Ding ist, die guten Leute schauen sich erstmal Deine Arbeiten an (wenn überhaupt) und entscheiden dann, ob sie Dir zutrauen was gutes zu machen und das auch für sie was gutes bei der Zusammenarbeit heraus springt. Und das wäre nur die erste Hürde für iasi :)

VG



Antwort von dienstag_01:

Jott hat geschrieben:
Ich kann‘s mir in der Tat nicht vorstellen. Es sei denn, alle wohnen und essen bei Mama, die auch noch das Auto zahlt.

Ich bezahle meine Crews, bekomme gute Leute, auf die ich mich voll verlassen kann. Und fahre prima damit. Andere Perspektive halt.
Mit temporärer Arbeit ohne Bezahlung spricht man sich nicht generell für Arbeit ohne Bezahlung aus.
Wenn aber die die Alternative zu einem Film mit Budget nur gar kein Film heißt, kann man sich ja auch mal bissel strecken.
Nicht jeder, das ist mir klar.



Antwort von Jott:

Da ich weiß, wie komplex eine solche Teamleistung ist - und Iasi träumt auf Hollywoodniveau - würde ich dazu gerne mal eine nicht geflunkerte Success Story hören. Also nicht Studentenfilm in den Semesterferien, sondern zu einem Film mit Kinoauswertung mit Gewinn und entsprechender anschließender Ausschüttung an die Crew. Also kein Schnorr-Projekt.

Ich lass mich gerne überzeugen, dass es solche Idealisten-Romantik tatsächlich gibt.








Antwort von markusG:

elephantastic hat geschrieben:
Ist die Finazierung vom Spielfilmen denn von Förderung abhängig? Gibt es dann keine anderen Geldgeber?
Ich werfe da mal Crowdfunding in den Ring:
https://www.watson.ch/leben/filmeund ... ich-wurden
https://www.startnext.com/blog/Blog-Det ... a1099.html

Halte ich auch für wesentlich demokratischer als die deutschen Fördertöpfe.



Antwort von dienstag_01:

Jott hat geschrieben:
Da ich weiß, wie komplex eine solche Teamleistung ist - und Iasi träumt auf Hollywoodniveau - würde ich dazu gerne mal eine nicht geflunkerte Success Story hören. Also nicht Studentenfilm in den Semesterferien, sondern zu einem Film mit Kinoauswertung mit Gewinn und entsprechender anschließender Ausschüttung an die Crew. Also kein Schnorr-Projekt.

Ich lass mich gerne überzeugen, dass es solche Idealisten-Romantik tatsächlich gibt.
Bei mir gab es keine Gewinnausschüttung, wieso auch, war nie angedacht.
Festivals ja, Kino bissel.



Antwort von iasi:

Jott hat geschrieben:
Da ich weiß, wie komplex eine solche Teamleistung ist - und Iasi träumt auf Hollywoodniveau - würde ich dazu gerne mal eine nicht geflunkerte Success Story hören. Also nicht Studentenfilm in den Semesterferien, sondern zu einem Film mit Kinoauswertung mit Gewinn und entsprechender anschließender Ausschüttung an die Crew. Also kein Schnorr-Projekt.

Ich lass mich gerne überzeugen, dass es solche Idealisten-Romantik tatsächlich gibt.
So ein Quatsch immer mit eurem Hollywood.

Das Problem ist ja gerade, dass immer versucht wird Hollywood nachzuäffen. Wobei dann nicht mal klar ist, was Hollywood denn eigentlich ist.
Das ist wie mit diesem nebulösen "cinematisch".

Einen unabhängigen Film, bei dem nicht bei Fördergremien Gelder beantragt werden müssen, hat doch nichts mit Hollywood-Megaproduktionen zu tun.

Budget ist zudem relativ.
Wie auch bei einer GmbH muss ja nicht das Stammkapital mit Barmitteln eingebracht werden.
Ich wundere mich auch immer, dass nur in diesen Chef-Beschäftigten-Kategorien gedacht wird.
So unter dem Motto: Da ist der Produzent, der die Leute umsonst abreiten lassen will und dann das ganze Geld einsteckt.
Kreative Leute sollten zudem auch nicht nur Weisungsempfänger sein, denn sonst wird das Ergebnis ein Konservenprodukt.



Antwort von iasi:

dienstag_01 hat geschrieben:
Jott hat geschrieben:
Da ich weiß, wie komplex eine solche Teamleistung ist - und Iasi träumt auf Hollywoodniveau - würde ich dazu gerne mal eine nicht geflunkerte Success Story hören. Also nicht Studentenfilm in den Semesterferien, sondern zu einem Film mit Kinoauswertung mit Gewinn und entsprechender anschließender Ausschüttung an die Crew. Also kein Schnorr-Projekt.

Ich lass mich gerne überzeugen, dass es solche Idealisten-Romantik tatsächlich gibt.
Bei mir gab es keine Gewinnausschüttung, wieso auch, war nie angedacht.
Festivals ja, Kino bissel.
Was war denn angedacht?



Antwort von dienstag_01:

iasi hat geschrieben:
dienstag_01 hat geschrieben:

Bei mir gab es keine Gewinnausschüttung, wieso auch, war nie angedacht.
Festivals ja, Kino bissel.
Was war denn angedacht?
Festivals. Und mal gucken, was geht.
Das ganze Projekt kam aus einem Kurzfilm. Dafür gibt es sowieso eigentlich kaum Verwertungsmöglichkeiten. Braucht man sich also keine Gedanken machen ;)



Antwort von iasi:

dienstag_01 hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:


Was war denn angedacht?
Festivals. Und mal gucken, was geht.
Das ganze Projekt kam aus einem Kurzfilm. Dafür gibt es sowieso eigentlich kaum Verwertungsmöglichkeiten. Braucht man sich also keine Gedanken machen ;)
Und dann mal gucken.
Ich kenne das.
Ein interessantes Projekt mit vielen motivierten Leuten und großem Einsatz.
Aber:
Man meinte in SD drehen zu müssen. Greenscreen inkl.
Vor allem aber: Die Rechtefrage mit dem Autor der Vorlage war nicht geklärt.

Das hatte mich dann dazu bewogen, nur ein wenig auszuhelfen, aber nicht einzubringen.

Es gibt so viele interessante und gute Filme und Serien, die man gar nicht mehr zu sehen bekommt, weil die Rechtefrage nicht geklärt ist. Übrigens auch bei großen Produktionen.

Kurzfilm bietet leider wirklich kaum Verwertungsmöglichkeiten. Bedauerlich nur, dass all die Kurzfilmmacher nicht die Energie aufbringen, statt sich eine Woche einen Monat einzubringen und einen Langfilm zu drehen.



Antwort von dienstag_01:

Ich hatte ja, wie gesagt, mit einem Kurzfilm begonnen. Den fertig gestellt und im nächste Jahr den nächsten Kurzfilm. Diesen schon mit dem Gedanken, die beiden vielleicht zu verknüpfen. Mit dem dritten wurde das dann ein richtiger Plan zu einem Episodenfilm. Die ersten beiden habe ich richtig als 16mm Kopien fertig gestellt (stellen lassen natürlich), die liefen auf Festivals. Das war auch immer Motivation. Die hat gereicht, bis das Gesamtwerk fertig war.



Antwort von DWUA y:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:

Erst der Neue Deutsche Film brachte wieder Schwung in das siechende Elend.
Der "Neue Deutsche Film" (JDF) war nicht nur die Verkörperung des siechenden Elends, sondern der Todesstoß für die deutsche Filmwirtschaft.
Größtenteils unanschaubare, selbstgefällige, selbstwichtige Streifen nach deren Genuß man kurz davor ist sich die Pulsadern zu öffnen - handwerklich unterste Schublade als angebliche "Kunst" verbrämt, Nabelschau, politischer Aktivismus und Therapiefilm, in dem Filmemacher ihr eigenes Versagen auf Kosten des Publikums aufarbeiten.


Die Forderung, der "Revolutionären" um Joe Hembus, die Filmemacher müßten finanziell unabhängig werden, endete darin, daß deren Filme, die gar nicht erst unterhalten sollten, sondern laut dem Oberhausener Manifest, "Denkanstöße" auslösen, durch das Bundesinnenministerium (also die Steuerzahler) mit entsprechenden Summern gefördert wurden.

Kein Wunder daß die Luftnummer schon Mitte der 70er krachend gescheitert ist - keiner wollte das Zeug sehen, selbst die Lederhosen Filme waren erfolgreicher. 79 versuchte eine handvoll verzweifelter Filmemacher mit der "Hamburger Erklärung" den JDF nochmal erfolglos wiederzubeleben, aber das war das Publikum längst von den "Revolutionären" verscheucht, und zu US Produktionen mit Unterhaltungsgarantie abgewandert.
Sowas kann man nicht unbeantwortet stehen lassen.
Man kann und muss dir für deine stets ehrlichen Outings danken; so auch diesmal.
Dass du es überhaupt wagst, solche kruden Ansichten in diesem Forum zu veröffentlichen? Respekt dafür!

Dann nenne doch einfach ein paar Namen als Vertreter deines o.g. "siechenden Elends" oder des "Todesstoßes" für den deutschen Film :

https://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Deutscher_Film

Sind sehr gespannt.



Antwort von cantsin:

"DWUA y" hat geschrieben:

Dann nenne doch einfach ein paar Namen als Vertreter deines o.g. "siechenden Elends" oder des "Todesstoßes" für den deutschen Film :

https://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Deutscher_Film

Sind sehr gespannt.
Ich bin mal in der Mitte zwischen Dir und Frank (und relativ nahe bei dem, was z.B. auch Dominik Graf in seinen Essays und in seinem Dokumentarfilm Verfluchte Liebe Deutscher Film konstatiert). Neben den Ausblinkern Fassbinder, Schlöndorff, Herzog gab's ja in der Neuen Deutschen Film-Zeit unglaublich viel Mittel- und Untermaß und vor allem schlechtes Handwerk, weil damals die Subventionen noch locker saßen und Filmhochschulabsolventen sich nicht erst langsam in der Industrie hocharbeiten mussten.

Namen des siechenden Elends in der Endphase des Neuen Deutschen Films wären dann z.B. Wolf Gremm ("Kamikaze 1989"), Vadim Glowna ("Dies rigorose Leben"), Helma Sanders-Brahms ("Deutschland bleiche Mutter"), Herbert Achternbusch ("Das Gespenst"), Rudolf Thome ("Berlin Chamissoplatz"), Margarete von Trotta ("Heller Wahn"). Und auch früher kann man bei Regisseuren wie Alexander Kluge, Helke Sander, Ulrike Ottinger oder (den in Deutschland arbeitenden) Straub/Huillet durchaus kritisch sein, dass da sprödes Thesenkino gemacht wurde, aber dann weder visuell/filmästhetisch, noch intellektuell auf dem Niveau von z.B. Godard oder Chris Marker. Bzw., wenn man sich einen Filmen wie z.B. "Bildnis einer Trinkerin" von Ottinger ansieht und nicht nur als Zeitdokument goutiert, ist da immer das latente Versprechen, dass sich aus diesen vielversprechenden Ansätzen mal irgendwann ein Arthouse-Kino oder intelligentes Genrekino auf höherem Niveau entwickelt. Aber dieses Versprechen wurde nie eingelöst; anders als z.B. in Großbritannien, wo vergleichbare Regisseure wie Sally Potter oder aktuell Steve McQueen sich in ihrer Karriere noch deutlich weiterentwickelt haben.

Auch Fassbinder war ja durchaus umstritten - und selbst abgelehnt von deutschen Filmkritikern aus dem Umkreis der intellektuellen "Filmkritik" - weil er nach dem "Hit-and-Miss"-Prinzip Filme 'raushaute, die hauptsächlich aus Dialogen in Schuss und Gegenschuss (bzw. Fernsehfilmästhetik) gedreht waren; während Herzogs Filme mit Bruno S. und Kinski politisch umstritten waren (bzw. als Ausbeutung der Darsteller und der Drehorte gesehen wurden).

Dominik Graf hat da IMHO schon einen Punkt, dass auch erfolgreiches Autoren-/Kunstkino nicht ohne Genrekino auskommt und darauf aufbaut. Deswegen sind seine bevorzugten Regisseure ja der frühe Lemke, Ronald Klick und Roger Fritz, andere, wobei man bei denen kritisch anmerken müsste, dass sie auch nicht auf dem Niveau von intelligenten Low Budget-Autoren-Genreregisseuren in den USA, Italien und heutzutage Südkorea arbeiteten. Fassbinder war selbst künstlerisch und kommerziell am erfolgreichsten in seinen (auch aufwendiger produzierten, an Douglas Sirk geschulten) Genre-Melodramen wie "Die Ehe der Maria Braun".

Das eigentlich Problem war, dass es im Deutschland seit den 60er/70er Jahren weder einen Arthouse-/Autoren-Film auf dem Niveau der französischen Nouvelle Vague oder von italienischen Regisseuren wie Fellini und Antonioni gab, noch einen kommerziellen Low Budget-Genrefilm z.B. auf dem Niveau der Giallo- und Mafiathriller, die in den 70ern in Italien von Fernando di Leo, Dario Argento und anderen gedreht wurden oder in Frankreich von Jean-Pierre Melville.

Man findet immer mal wieder einzelne Ausnahmen und Perlen, im B-Genrekino z.B. "Blutiger Freitag" von Rolf Olsen (übrigens nicht nur ein Genrekracher, der Tarantino 25 Jahre vorwegnimmt, sondern auch ein extrem politischer Film) oder im Autorenkino dann halt echte Glücksfälle wie "Die Blechtrommel".

In Deutschland begann allerdings auch das Kinosterben und der Paradigmenwechsel zum Fernsehen früher und radikaler als in anderen Ländern (siehe die von mir weiter oben geposteten Kinobesuchszahlen). Mittlerweile gibt's in ganz Europa praktisch keine kommerzielle Filmindustrie mehr, sondern ist alles von Regierungssubventionen abhängig, und müssen demnächst wohl auch die Kinos selbst subventioniert werden, um noch zu überleben.








Antwort von iasi:

Bernd Eichinger kam auch vom Neuen Deutschen Film.

Ebenso wie Edgar Reitz ...



Antwort von Frank Glencairn:

iasi hat geschrieben:
Bernd Eichinger kam auch vom Neuen Deutschen Film.
Na ja - als Produzent hat er mal Anfang der 70er Jahre ein paar solche Nummern mit Wenders, Reitz, Kluge und Klick probiert - aber nicht als Filmemacher oder Regisseur, und hat sich dann ganz schnell dem Unterhaltungskino gewidmet, wo er dann auch entsprechend erfolgreiche Filme produziert hat.
Eichinger war die meiste Zeit seiner Karriere hauptsächlich Produzent.
Regie hat er zum ersten mal bei Rosemarie gemacht, das war erst Mitte der 90er als der JDF schon lange tot war.
Zum zweiten mal hat er Regie bei Der große Bagarozi gemacht und das war's dann.

Insgesamt ist Eichinger, der hauptsächlich kommerzielles Unterhaltungs- und Popcorn Kino als Produzent gemacht hat, also ein denkbar schlechtes Beispiel.



Antwort von dienstag_01:

Der deutsche Film hat sich einige Kompetenz im Bereich der Vorabendkrimiserie erworben.
Vielleicht hilft dieses Wissen ja dem nächsten deutschen Oscarkandidaten. -



Antwort von iasi:

"Frank Glencairn" hat geschrieben:
iasi hat geschrieben:
Bernd Eichinger kam auch vom Neuen Deutschen Film.
Na ja - als Produzent hat er mal Anfang der 70er Jahre ein paar solche Nummern mit Wenders, Reitz, Kluge und Klick probiert - aber nicht als Filmemacher oder Regisseur, und hat sich dann ganz schnell dem Unterhaltungskino gewidmet, wo er dann auch entsprechend erfolgreiche Filme produziert hat.
Eichinger war die meiste Zeit seiner Karriere hauptsächlich Produzent.
Regie hat er zum ersten mal bei Rosemarie gemacht, das war erst Mitte der 90er als der JDF schon lange tot war.
Zum zweiten mal hat er Regie bei Der große Bagarozi gemacht und das war's dann.

Insgesamt ist Eichinger, der hauptsächlich kommerzielles Unterhaltungs- und Popcorn Kino als Produzent gemacht hat, also ein denkbar schlechtes Beispiel.
Klar war Eichinger Produzent.
Und er kam vom Neuen Deutschen Film.
Warum sollte er nicht als Beispiel taugen?

Er übernahm schließlich die am Boden liegende Constantin, ein siechendes Relikt der alten Zeit, und formte daraus die Neue Constantin.



Antwort von iasi:

dienstag_01 hat geschrieben:
Der deutsche Film hat sich einige Kompetenz im Bereich der Vorabendkrimiserie erworben.
Vielleicht hilft dieses Wissen ja dem nächsten deutschen Oscarkandidaten. -
Ich hab mir mal die TATORT-Historie angesehen.

Wenn zu Petersens Zeiten noch 32 Drehtage mit reichlich Außendrehs möglich waren, sind es heute nur noch 23 Drehtage und davon vielleicht 3 oder 4 Außendrehs.
Und vom Budget sind für die Post mickrige 2% vorgesehen.

Ach ja - und die deutsche Vorzeigeserie kommt gerade mal auf 15.500 Euro/Minute.



Antwort von DWUA y:

cantsin hat geschrieben:

...Das eigentlich Problem war, dass es im Deutschland seit den 60er/70er Jahren weder einen Arthouse-/Autoren-Film auf dem Niveau der französischen Nouvelle Vague oder von italienischen Regisseuren wie Fellini und Antonioni gab, noch einen kommerziellen Low Budget-Genrefilm z.B. auf dem Niveau der Giallo- und Mafiathriller, die in den 70ern in Italien von Fernando di Leo, Dario Argento und anderen gedreht wurden oder in Frankreich von Jean-Pierre Melville...
Wieso Problem? Wo?
Wer wollte sich denn schon mit Fellini oder Antonioni oder
Pasolini
Truffaut
Godard
Leone
Bunuel
Pollock
Melville
Polanski
Hitchcock
Kubrick
Bergmann
usw. vergleichen?

Niemand.
Also: Wo ist dein Problem?



Antwort von cantsin:

"DWUA y" hat geschrieben:
cantsin hat geschrieben:

...Das eigentlich Problem war, dass es im Deutschland seit den 60er/70er Jahren weder einen Arthouse-/Autoren-Film auf dem Niveau der französischen Nouvelle Vague oder von italienischen Regisseuren wie Fellini und Antonioni gab, noch einen kommerziellen Low Budget-Genrefilm z.B. auf dem Niveau der Giallo- und Mafiathriller, die in den 70ern in Italien von Fernando di Leo, Dario Argento und anderen gedreht wurden oder in Frankreich von Jean-Pierre Melville...
Wieso Problem? Wo?
Wer wollte sich denn schon mit Fellini oder Antonioni oder
Pasolini
Truffaut
Godard
Leone
Bunuel
Pollock
Melville
Polanski
Hitchcock
Kubrick
Bergmann
usw. vergleichen?

Niemand.
Also: Wo ist dein Problem?
Irgendwie hast Du einen äußerst merkwürdigen Kommunikationsstil...

Aber bitte: Es ging nicht um mein Problem, sondern die Probleme des deutschen Films. Und die beschreibst Du ja mit Deiner obigen Liste auch.

Mein Posting war übrigens eine Antwort auf Deine ursprünglich an Frank gerichtete Frage nach "ein paar Namen als Vertreter deines o.g. 'siechenden Elends' oder des 'Todesstoßes' für den deutschen Film". Mit Wolf Gremm, Helma Sanders-Brahms & Co. habe ich genau diese für den Neuen Deutschen Film benannt. Wobei das eigentliche Elend danach mit "Sören Buckmann" (Wortschöpfung von Christoph Schlingensief) & Co kam.



Antwort von dienstag_01:

cantsin hat geschrieben:
"DWUA y" hat geschrieben:


Wieso Problem? Wo?
Wer wollte sich denn schon mit Fellini oder Antonioni oder
Pasolini
Truffaut
Godard
Leone
Bunuel
Pollock
Melville
Polanski
Hitchcock
Kubrick
Bergmann
usw. vergleichen?

Niemand.
Also: Wo ist dein Problem?
Irgendwie hast Du einen äußerst merkwürdigen Kommunikationsstil...

Aber bitte: Es ging nicht um mein Problem, sondern die Probleme des deutschen Films. Und die beschreibst Du ja mit Deiner obigen Liste auch.

Mein Posting war übrigens eine Antwort auf Deine ursprünglich an Frank gerichtete Frage nach "ein paar Namen als Vertreter deines o.g. 'siechenden Elends' oder des 'Todesstoßes' für den deutschen Film". Mit Wolf Gremm, Helma Sanders-Brahms & Co. habe ich genau diese für den Neuen Deutschen Film benannt. Wobei das eigentliche Elend danach mit "Sören Buckmann" (Wortschöpfung von Christoph Schlingensief) & Co kam.
Mein Gott, cantsin, du bist doch nun ein kluger Mensch. Und trotzdem glaubst du, Filmemachern, deren Namen das Publikum kaum erinnern kann, den Untergang des deutschen Films, wie soll ich sagen, andichten zu können. Mann, Mann, Mann.



Antwort von cantsin:

dienstag_01 hat geschrieben:
Mein Gott, cantsin, du bist doch nun ein kluger Mensch. Und trotzdem glaubst du, Filmemachern, deren Namen das Publikum kaum erinnern kann, den Untergang des deutschen Films, wie soll ich sagen, andichten zu können. Mann, Mann, Mann.
Nee, habe ich ja gar nicht getan - für den Untergang des deutschen Films als solchen habe ich sie nicht verantwortlich gemacht, sondern nur für den künstlerischen Niedergang des Neuen Deutschen Films.








Antwort von dienstag_01:

cantsin hat geschrieben:
dienstag_01 hat geschrieben:
Mein Gott, cantsin, du bist doch nun ein kluger Mensch. Und trotzdem glaubst du, Filmemachern, deren Namen das Publikum kaum erinnern kann, den Untergang des deutschen Films, wie soll ich sagen, andichten zu können. Mann, Mann, Mann.
Nee, habe ich ja gar nicht getan - für den Untergang des deutschen Films als solchen habe ich sie nicht verantwortlich gemacht, sondern nur für den künstlerischen Niedergang des Neuen Deutschen Films.
Nicht besser.




Noch was unklar? Dann in unserem Forum nachfragen
Zum Original-Thread / Zum Filmemachen-Forum

Antworten zu ähnlichen Fragen:
Das Nolan-Virus jetzt auch im deutschen TV?
Display Problem beim Anschluß an das Kabelnetz
"Das vergessene deutsche Kino" - Filme aus der Weimarer Republik auf der Berlinale 2018
Wie löst Ihr das Problem mit den vielen Festplatten.
Red Raven/ Frage an Reduser - kennt jemand das Problem - Gegenlicht
Problem mit der DV now AV
Noch mal was zum Deutschen Film
Abrechnung mit dem deutschen Filmförderungssystem
Icon-Problem in der Timeline
Oculus Rift ab 20. September auch im deutschen Einzelhandel
2016 -- Minus für den deutschen Kinomarkt
Oscar 2018 für SFX an Deutschen Gerd Nefzer
Problem beim Filmen bei der Panasonic G6.
Problem bei der Wandlung AVI -> MPEG2
GROSSES PROBLEM: Eingescannte Fotos in der Timeline!
Nominierungen für den Deutschen Kamerapreis 2019 stehen fest
Das Verstummen der Hauptdarsteller
Das Ende der 3D-Fernseher...
Das Ende der Synchronsprecher?
Der Priester und das Pentagram
Das älteste Kino der Welt
DaVinci und AVID RoundUp Problem mit der Verlinkung
Problem bei der Übertragung vom Videorekorder zur TV-Karte
Wie schlagen sich die neuen spiegellosen Vollformat-Kameras am deutschen Markt?
Wie ist das mit der Audiowiedergabe bei Proxies?
Corona-Pandemie beschleunigt das Ende der klassischen Fotografie

















weitere Themen:
Spezialthemen


16:9
3D
4K
AI
ARD
ARTE
AVCHD
AVI
Adapter
Adobe After Effects
Adobe Premiere Pro
After effects
Akku
Akkus
Apple Final Cut Pro
Audio
Aufnahme
Aufnahmen
Avid
Avid Media Composer
Band
Bild
Bit
Blackmagic
Blackmagic DaVinci Resolve
Blackmagic Design DaVinci Resolve
Blende
Book
Brennen
Cam
Camcorder
Camera
Canon
Canon EOS
Canon EOS 5D MKII
Canon EOS C300
Capture
Capturing
Cinema
Clip
ClipKanal
Clips
Codec
Codecs
DSLR
Datei
Digital
EDIUS
ENG
EOS
Effect
Effekt
Effekte
Euro
Export
Fehler
Festplatte
File
Film
Filme
Filmen
Filter
Final Cut
Final Cut Pro
Format
Formate
Foto
Frage
Frame
GoPro
Grass Valley Edius
HDMI
HDR
Hilfe
Import
JVC
KI
Kabel
Kamera
Kanal
Kauf
Kaufe
Kaufen
Kurzfilm
Layer
Licht
Light
Live
Lösung
MAGIX video deLuxe
MPEG
MPEG-2
MPEG2
Mac
Magix
Magix Vegas Pro
Menü
Mikro
Mikrofon
Mikrophone
Monitor
Movie
Musik
Musikvideo
NAB
Nero
News
Nikon
Objektiv
Objektive
PC
Panasonic
Panasonic GH2
Panasonic HC-X1
Panasonic S1 mit V-Log
Panasonic S5
Pinnacle
Pinnacle Studio
Player
Plugin
Plugins
Premiere
Projekt
RAW
RED
Recorder
Red
Render
Rendern
Schnitt
Software
Sony
Sony HDR
Sound
Speicher
Stativ
Stative
Streaming
Studio
TV
Test
Titel
Ton
USB
Umwandeln
Update
Vegas
Video
Video-DSLR
Videos
Videoschnitt
Windows
YouTube
Zoom

Specialsschraeg
1. April - 30. September / Düsseldorf
Young Film Lab
19-30. Juni / Düsseldorf
24h to take
1-10. Juli / München
Filmfest München
14-18. Juli / Ludwigsburg
NaturVision Filmfestival
alle Termine und Einreichfristen