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ARRI AMIRA – DOK Referenzdesign?



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Newsmeldung von slashCAM:


https://images.slashcam.de/texte/1501-- ... -FRONT.jpg
Der kleine "Cine"-Sommer von slashCAM ist nach Ursa 4.6K, Panasonic Varicam LT und RED SCARLET-W mittlerweile bei ARRI angekommen. Genauer gesagt bei der ARRI AMIRA, die den im Cine-Bereich vielfach bewährten ALEV III CMOS Sensor der ALEXAs verbaut hat, jedoch als Single Operator Camera für Anwendungen mit kleiner Crew entworfen wurde – sei es im DOK, ENGENG im Glossar erklärt oder Industriefilmbereich. Hier unser Praxistest mit der ARRI AMIRA.

Hier geht es zu Artikel auf den slashCAM Magazin-Seiten:
Praxistest: ARRI AMIRA – DOK Referenzdesign?




Antwort von Drushba:

Eine tolle Qualität und vermutlich mit das Beste, was auf dem Markt ist, keine Frage. Wer aber auf Dokfilmfestivals geht, sieht, daß die meisten Dokfilme mit kleinen und "gewöhnlichen" Cams wie 5D, GH4 oder C100 aufgenommen worden sind. Der Grund hierfür liegt darin, daß diese aus einer ganzen Reihe von Gründen für eine dokumentarische Arbeit praktischer sind. Sei es, daß sie unauffälliger sind oder auch nur über einen längeren Zeitraum einfacher, weil billiger verfügbar bleiben. Die Budgets sind im Dokfilmbereich meist niedrig, oft wird auch privat finanziert vorgedreht, bevor eine Förderung mit an Bord kommt.

Wer dokumentarisch dreht (nicht: Reportagen, Essayfilme oder Dokumentationen, das wird oft mit "Dokumentarfilm" verwechselt) muß längere Zeit oder zumindest mehrmals an einem Ort sein um seinen Protagonisten folgen zu können und dabei behutsam in den Mikrokosmos eindringen. Zudem ist das "Etablieren" der Kamera eine ganz feste Arbeitsgröße. Wenn das nicht erfolgt, d.h. keine Gewöhnung der Protagonisten an das Setup geschieht, wird man keine natürlichen Momente und Szenen beobachten können. Eine große Kamera wie die Amira ist da ungefähr genauso unpraktisch wie die alten 16mm Mühlen, die meist einfach zu auffällig waren. Ein "DOK-Referenzdesign" wäre gegeben, wenn die Cam bei gleicher Bildqualität kleiner als ein Henkelmann wäre, denn selbst diese sind meist schon zu groß um in Armenien jemanden auf den Pferdemarkt zu folgen oder in Nigeria ohne Aufsehen zu erregen im Bus mitzufahren.

Die Amira scheint mir eher eine B-Cam bei szenischen Produktionen zu sein, wo kein Assi benötigt wird (der ja kein eigenes Bedienpanel hat) oder bei statischen Reisedokumentationen, den erwähnten Reportagen (mit drübergesprochenem Text, wo das Bild nahezu beliebig montiert werden kann), Imagefilmen etc.

Hätte ich die Möglichkeit, würde ich für meinen nächsten Dokfilm auch eher zur Alexa Mini greifen, die mir nochmal leichter ins Fluggepäck zu passen scheint, als diese formmässige Dino-Cam aus vergangen Tagen. Trotzdem Danke für den Test, in Punkto Bildqualität animiert die Cam zum Träumen;-)



Antwort von PrincipeAzzurro:

Ja, die Amira wäre ein Traum auch für uns - aber sie hat zwei erhebliche Schwächen: sie ist um einiges zu teuer, um sie für eine Dok-Firma wie uns (und viele viele andere auch) kaufen zu können; vor allem aber ist sie leider trotz allem viel zu groß, um in unseren Einsatz-Gebieten (Mittlerer Osten, Afrika) im Straßenbild zu verschwinden - oder zumindest nicht sofort (und unangenehm) aufzufallen. Sie ist also eine Dok-Kamera nur bedingt, bei einer bestimmten Art von Projekt und in Territorien, wo man "Kameras gewohnt ist". Dies ist der einzige, aber ein mE. wichtiger Punkt, den ich bei eurem - ansonsten absolut tadellosen und umfangreichen - Bericht hinzufügen möchte.





Antwort von PrincipeAzzurro:

Wer dokumentarisch dreht (nicht: Reportagen, Essayfilme oder Dokumentationen, das wird oft mit "Dokumentarfilm" verwechselt) muß längere Zeit oder zumindest mehrmals an einem Ort sein um seinen Protagonisten folgen zu können und dabei behutsam in den Mikrokosmos eindringen. Zudem ist das "Etablieren" der Kamera eine ganz feste Arbeitsgröße. Wenn das nicht erfolgt, d.h. keine Gewöhnung der Protagonisten an das Setup geschieht, wird man keine natürlichen Momente und Szenen beobachten können. Eine große Kamera wie die Amira ist da ungefähr genauso unpraktisch wie die alten 16mm Mühlen, die meist einfach zu auffällig waren. Ein "DOK-Referenzdesign" wäre gegeben, wenn die Cam bei gleicher Bildqualität kleiner als ein Henkelmann wäre, denn selbst diese sind meist schon zu groß um in Armenien jemanden auf den Pferdemarkt zu folgen oder in Nigeria ohne Aufsehen zu erregen im Bus mitzufahren.
Exakt genau so sehe ich das auch - mit anderen Ländern im Fokus (Saudi, Jordanien, Kuwait, Afghanistan, Ägypten, Äthiopien, Kaschmir…) aber vom Prinzip her aus der gleichen Ecke kommend. Daher werden wir wohl weiterhin mit kleinen Kameras beim Handling und vor allem im Blendenumfang Kompromisse machen müssen...



Antwort von rob:

Hallo Drushba,
Hallo PrincipeAzzurro,

Vielen Dank für Euer Feedback.

Schauen wir mal, was IBC und Photokina dieses Jahr bringen - vielleicht sind da ja auch nochmal neue, kompaktere Formfaktoren im hochqualitativen Segment dabei.

Allerdings muss man auf der anderen Seite auch sagen, dass eine ganze Reihe von hervorragenden Dokumentationen auch mit "großer" Kamera gemacht wurden - ich würde es also nicht als zwingendes Ausschlusskriterium sehen - (aber ich verstehe auch gut den Punkt, auf den Straßen Afrikas nicht als "Mr Hollywood" wahrgenommen werden zu wollen ...)

Viele Grüße

Rob



Antwort von Jott:

Wo bleibt der beliebte ProRes-Verriss: uralte DCTDCT im Glossar erklärt aus dem letzten Jahrhundert, riesige 16x16 MPEGMPEG im Glossar erklärt 2-Makroblöcke, proprietärer Intermediate-Codec nur für schwache Rechner, schlechter als AVCHDAVCHD im Glossar erklärt, Apple-Verarschung und überhaupt? :-)



Antwort von mash_gh4:

über die zweifelhafte ergonomie der noch kleineren alternativen und deren auswirkung auf das dokumentarische arbeiten könnte man allerdings sicher genauso kritisches urteil fällen.



Antwort von Funless:

Wo bleibt der beliebte ProRes-Verriss: uralte DCTDCT im Glossar erklärt aus dem letzten Jahrhundert, riesige 16x16 MPEGMPEG im Glossar erklärt 2-Makroblöcke, proprietärer Intermediate-Codec nur für schwache Rechner, schlechter als AVCHDAVCHD im Glossar erklärt, Apple-Verarschung und überhaupt? :-)

Nicht zu vergessen Meehh ist ja kein echtes 4K, da kommt am Ende ja höchstens nur FHD raus!! :-)

BTT:

Auch von mir danke für den Test, fand ich sehr aufschlussreich und interessant eben auch in Anbetracht dessen, dass ich als Hobbyfilmer so eine Amira selber wohl nie in meiner Hand, respektive auf meiner Schulter, halten werde.



Antwort von Jott:

Im Ernst: das ist eine klasse Kamera. Auch oft bei Werbeproduktionen zu sehen.

Und was den Formfaktor angeht: ist ein Wohlfühlfaktor zum Beispiel für alle PDW-700/850-Freunde, die auch mal filmischer drehen wollen. Die haben keinerlei Probleme damit und würden was "Kleines" sowieso nur mit spitzen Fingern anfassen. Diese Klientel schockt auch der Preis nicht weiter.



Antwort von Drushba:

über die zweifelhafte ergonomie der noch kleineren alternativen und deren auswirkung auf das dokumentarische arbeiten könnte man allerdings sicher genauso kritisches urteil fällen.

Die Juryentscheidungen der bedeutendsten Dokfilmfestivals weltweit sprechen da meist eine andere Sprache. Die besten Dokfilme entstehen oft genug mit geringem Budget, aber mit großem filmischen Können und die letzten Jahre über weitgehend auf DSLRs und Henkelmännern. Die Wahl der Ausrüstung passt sich da der Aufgabestellung an. Früher sagte man "nur der schlechte Handwerker schimpft aufs Werkzeug", das bleibt wohl auch so. Teure und klobige Großkameras, welche eher den Kameramann wichtig machen als den Film, sehe ich daher eher im Lokalfernseh-, TV- und EB-Bereich, nicht aber dort, wo Preise gewonnen werden. Ausnahmen bestätigen die Regel natürlich ;-)

Mal als Beispiel die letzten Gewinner des Dok Leipzig (wobei ich nicht weiß, mit welchen Cams das gedreht wurde, aber beides kann prinzipiell mit Henkelmännern und DSLRs gedreht werden):
https://vimeo.com/159594973
http://www.inter-film.org/filmarchiv/2015/bracia



Antwort von Helge Renner:

Die Dokumentarfilme in den Kinos und auf den A-Festivals der vergangenen zwei Jahre, die mich interessierten, wurden meist mit recht "auffälligen" Kameras gedreht, oft C300 (z.B. "Wie die Anderen", http://dok.at/film/wie-die-anderen/) oder Amira ("Fuocoammare", ). Oder der aktuelle "Meine Brüder und Schwestern im Norden" (http://www.meinebruederundschwesternimnorden.de), Sony A7S, Pocket, beide auffällig geriggt ("All These Sleepless Nights", ). In der Auswahl sind auch Filme, die teils stark inszeniert sind, gelaufen sind sie allerdings auf Dokfilmfestivals. Soweit ich sehen kann, gibt es eine Korrelation von talentierten Filmemacher-innen, aufwendiger Kameratechnik, gutem Handwerk, guten Bildern und guten Geschichten, was in der Summe gute Filme ergibt. Die Größe und Auffälligkeit der Kamera ist hingegen zweitrangig. Solange nicht die Notwendigkeit besteht, unbemerkt zu filmen, ist es egal, wie groß die Kamera ist. Wenn man es als Dokumentarfilmer nicht schafft, dass die Kamera die Protagonisten nicht stört, dann hat man andere Probleme, als die Größe der Kamera. Ich finde, man sollte sich immer für die Kamera entscheiden, die das bestmögliche Bild im Rahmen des Budgets und der sonstigen Dreherfordernisse ermöglicht. Die Amira ist für viele Drehs zu teuer, aber es ist gut zu wissen, was möglich wäre und es schadet nicht, nach möglichst gut aussehenden Bildern zu streben. Mir fehlt dieses Streben vor allem bei Filmen aus Deutschland sehr.



Antwort von HollywoodHanky:

Wir nutzen die Amira auch durchgängig als Fiktionskamera, als leichtere Alexa. Workflow bleibt derselbe wie bei der Hauptalexa, von daher fluppt das Ganze einfach nur durch.



Antwort von PrincipeAzzurro:

Die Größe und Auffälligkeit der Kamera ist hingegen zweitrangig. Solange nicht die Notwendigkeit besteht, unbemerkt zu filmen, ist es egal, wie groß die Kamera ist. Wenn man es als Dokumentarfilmer nicht schafft, dass die Kamera die Protagonisten nicht stört, dann hat man andere Probleme, als die Größe der Kamera.
Ganz ohne Polemik und nur aus meiner eigenen Wahrnehmung der Realität und Erfahrung der letzten Jahre: von "Zweitrangigkeit" kann überhaupt nicht die Rede sein. Auch geht es nicht in erster Linie darum, "versteckt" zu drehen, sondern die Lebenssituationen Deiner Protagonisten und deren Umfeld durch Kameras nicht komplett zu verändern. Denn das Ur-Dilemma eines jeden Dokumentaristen liegt genau hier: wie stark verändere ich durch meine Präsenz die Authentizität meines Sujets, seiner Aussagen un Art und Weise zu sprechen, seines Umfeldes (Familie etc) und so weiter? Das Zusammenspiel der Präsenz von "Fremden" am Ort (also die Team-Größe, Art der Ausrüstung, das persönliche Auftreten und der Umgang mit den Menschen am Ort) stehen in unmittelbarem Verhältnis mit dem Resultat im Film. Auch mit "kleinen" Kameras ist die einzige Möglichkeit normalerweise, Deine Umgebung langsam an Dich (und: das Team der "Weißhäutigen", die Ausrüstung mit Rucksäcken voller Objektive, Mikrofone und überhaupt "Technik") zu gewöhnen, sodass nach ein paar Stunden (oder Tagen, oder Wochen…) das ursprüngliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist - zumindest einigermaßen.
Und dann hast Du meist ein inhaltliches Problem, was nicht zu unterschätzen ist und meist sehr viel länger braucht, um "ausgeglichen" zu werden: denn sehr oft sprechen Deine Protagonisten beim ersten Gespräch über ihr "Thema" in einer völlig anderen, meist sehr viel ungefilterten, unbefangenen Art, als sie es nach einer gewissen "Gewöhnung" an Dich (dein Team etc) tun. Und natürlich willst Du (meist) diese erste Begegnung im Film, denn dabei benutzten die Protagonisten "ihre" Worte, "ihre" Sprache etc, während nach soundsoviel Tagen der "Gewöhnung" fast zwangsläufig eine Art von gegenseitiger Beeinflussung stattfindet. Denn so wie Du zum Beispiel von dem kaschmirischen Bootsmenschen und seiner Lebensart beeindruckt bist und sie versuchst möglichst authentisch zu filmen, so ist auch er (der Kaschmiri) von Dir "beeindruckt" (da kommt einer 10.000km aus Europa um mich zu filmen) und versucht, sich Dir zu "nähern", es Dir "recht zu machen" usw.
Noch anders sieht es aus, wenn Du in Ländern drehst, wo die Menschen entweder keine Kameras gewohnt sind, oder durch die politische bzw. politisch-religiöse Situation ihres Landes bzw. Kulturkreises Kameras "als solche" verboten oder verpönt sind. Geh mal in Saudi-Arabien - auch in Riyadh - mit einer Amira durch die Strassen der Altstadt - selbst wenn Du eine Drehgenehmigung hast, wird Dein Auftauchen mit einem solchen Teil sehr viel eher dazu führen, dass die Menschen vor Dir "fliehen", als wenn Du mit einer DSLR oder einer BMPCC daher kommst. Denn "Bilder" sind in ihrem Glauben "schlecht" und nicht verankert, sondern explizit verboten bzw. durch dieses lange Verbot auch gesellschaftlich komplett verpönt. Und bis Du ihnen "erklärt" hast, dass Du erstens offiziell filmen darfst und zweitens ihnen mit Deiner Kamera nicht "die Seele wegnimmst" (authentisches Zitat), ist durch genau diese Art von Gespräch ein riesiger Teil der ursprünglichen Unbefangenheit bereits "verschwunden" - sehr oft unwiederbringlich. Und genau hier hilft eine kleine BMPCC sehr viel mehr als eine 60cm+ Amira, diese Art von Gespräch oder Diskussion zu verkürzen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Das ist die - leider doch etwas längere - Antwort auf den Satz, dass Größe und Auffälligkeit der Kameras "zweitrangig" sind. Ich könnte mehr und länger schreiben, ist aber nicht der Ort / der Zeitpunkt dafür…



Antwort von rob:

Hallo Dirk,

spontan Mal von meiner Seite: Vielen Dank für deinen umfangreichen Input.

Die Diskussion um dokumentarisches Arbeiten und Kameratechniken ist immer wieder spannend - gerade vor dem Hintergrund sich kontinuierlich weiterentwickelnder technischer Möglichkeiten.

Viele Grüße

Rob



Antwort von Frank Glencairn:

Sorry Dirk, aber das ist ein Dogma aus den 60er Jahren, wo man am liebsten eine laufende Kamera mit Superweitwinkel in eine Ecke gestellt hätte, und dann das Set verlassen hätte, nur um ja nix zu verfälschen.

Ich hab ne Menge Dokus in allen möglichen Ländern gemacht, einige davon haben internationale Preise gewonnen.

Alle waren von vorne bis hinten gescriptet. Alle wurden nicht nur mit einer, sondern teilweise mit 3 großen (Epic/RedOne z.B.) bis zum Anschlag geriggten Kameras gedreht. Zu keinem Zeitpunkt hatte irgendjemand ein Problem mit der Anwesenheit von 3 Kameras, 3 Operatoren, entsprechend Licht und Ton. Nichts von dem was du sagst, deckt sich mit meiner Erfahrung.



Antwort von PrincipeAzzurro:

Nichts von dem was du sagst, deckt sich mit meiner Erfahrung.
Lieber Frank, ich hasse Dogmen, mein Standpunkt ist nicht "aus den 60ern" und ich denke meine Sprache und Ausdrucksweise auch nicht… denn in dieser Diskussion ging es mir auch nicht darum, beim Drehen "nicht anwesend zu sein" (das berühmte "fly on the wall"), sondern inwiefern die Präsenz GROSSER Kameras mehr oder weniger "stört". Nach meiner Erfahrung tut sie es, und zwar zum Teil ganz gewaltig.
Unsere Filme sind eben nicht "von vorne bis hinten gescripted" wie Deine zu sein scheinen. Das macht sie weder besser noch schlechter, sondern schlicht anders. Das meine Erfahrung anders ist als Deine, werden auch noch so viele Preise nicht ändern (hier könnte man ein -weiteres- Fass aufmachen über den "Zusammenhang" von Qualität und Erfolg - mache ich aber nicht und es gehört hier auch nicht hin, schon gar nicht coram publico sondern wenn Du willst gerne mal persönlich, finde ich sowieso immer spannend). Nur so viel: natürlich habe ich Dich aus Neugier gegooglet, konnte aber keinen Doku finden, der in den von mir angesprochenen Regionen (Mittlerer Osten - nicht Dubai, sondern Yemen, Saudi, Irak, Agfhanistan - und Afrika - nicht Downtown Nairobi sondern plattes Land Äthiopien u.ä.) gedreht wurde, wo wir uns "gerne" aufhalten. Ihr und wir machen eben andere Arten von Filmen - und das ist gut so!



Antwort von sgywalka is back:

Und so ist für jeden etwas dabei und wir haben eine BandbreiteBandbreite im Glossar erklärt, die jedes Butget und jeden Einsatz ermöglicht, zu Land, zu Wasser, unter Wasser, in der Luft, im Weltenall, bald am Mars..
Wir haben wür drei kleiner Dokus wenig Butget, eine C100(1) ist es und es passt schon.
Aber neulich bei einer Besprechung ein anderes Team kennen gelernt, USA-1er Manschaft, die die Olymoiniken nachbereiten, ja 5 Red, 2 kleinere und Graffel ohne Ende.

Sound dazu : die schönen Gusseiernen Kassen mit Silberpatina.. drückst du...

" RATTTER KLING.... AUFGEH.... PRASSEL..."
Und der Geruch von Dollarscheinen, so drall und viel, wie die besten Callgirls aufgreiht
und der Las-Vegas-Bock mit glühendem Brusthaar die erste anleckt... Den Schein, den Grünen..
( graunehaft wäre um eure Pahantasiien zu zer stö ren HILLARY CLINTON am 100erter..
wäre das was?) ( Frank geht ins Klosrer..:) ) srry



Antwort von rideck:

@ Frank Glencairn

Naja wenn Du schon Preise damit gewonnen hast, dann kann man natürlich nicht anders drehen ;) Ich muss PrincipeAzzurro recht geben, es gibt auch andere Dokufilme, ich habe solche Filme kennengelernt. Sicherlich habe ich nicht deine Erfahrung in dem Bereich und sicher auch nicht diese großen Produktionen. Aber es gibt sensible Themen das kannst DU nicht mit 3 Kameras aufkreuzen, da gebe ich dir Brief und Siegel drauf.



Antwort von nic:

Ich habe dazu auch eine Meinung. Und die ist die einzig Wahre.



Antwort von rush:

@ Frank: Das sich an einer gescripteten Doku niemand über mehrfach geriggte Kameras stört sollte wohl logisch und nachvollziehbar sein...

Allerdings ist es traurig das sich deine Aussagen dann offenbar einzig und allein auf gescriptete Sachen beziehen und du den anderen Bereich der dokumentarischen Arbeit völlig ausklammerst. Ein wenig mehr Tolleranz auch anderen Bereichen gegenüber hat noch niemanden geschadet - aber die Diskussion hatten wir ja schon zu Haufe... dasselbe Spiel wie du der Meinung bist das interne ND's nicht nötig sind... wenn sie aber vorhanden sind, kann man sich doch darüber freuen - und wenn du sie kacke findest, zwingt dich ja auch niemand sie zu nutzen sondern beim variablen ND-Fader zu bleiben. Es gibt nicht immer nur links und rechts und schon gar nicht im DOK Bereich.



Antwort von Funless:

Also dass ein (interessanter und äußerst lesenswerter) Hands-On Testbericht einer Arri Amira in eine frontenverhärtende Grundsatzdiskussion über die Philosophie von Dokumentarfilmen ausartet, gibt's wohl scheinbar echt nur bei slashCAM. *Kopfschüttel**



Antwort von Drushba:

Also dass ein (interessanter und äußerst lesenswerter) Hands-On Testbericht einer Arri Amira in eine frontenverhärtende Grundsatzdiskussion über die Philosophie von Dokumentarfilmen ausartet, gibt's wohl scheinbar echt nur bei slashCAM. *Kopfschüttel**

Das man unter Filmern nur über Specs redet, aber nicht über die Philosophie des Filmens, gibts flächendeckend wohl nur in Deutschland, dem Land der mediengestaltenden Maschinenbauer...

Die französische Filmhochschule La Femis erwartet einen klugen, mind. 10-seitigen Essay als Bewerbung, eine ebenso kluge Filmkritik und ein mindestens zweijähriges geisteswissenschaftliches Studium, die deutschen Filmhochschulen technisch perfekte Videos. Wessen Filme hinterher am Weltmarkt wohl besser funktionieren?



Antwort von PrincipeAzzurro:

ausartet *Kopfschüttel**
Was mich wundert ist Dein "Kopfschütteln" und das unsägliche Wort "ausartet". Aber mal ehrlich, und um Drushba's treffenden Kommentar zu "vereinfachen" (con permesso): geht's Dir wirklich nur um die Ausrüstung? Gar nicht um das, was man damit macht? Machst Du den Film, weil Du das Equipment hast oder benutzt Du das Equipment, um Deine Story zu erzählen?
Der Inhalt bestimmt die Mittel und nicht andersrum - ausser in Produktvideos vielleicht. Was die Jungs von Slashcam ja auch als eines der Themen in den Mittelpunkt des Berichtes gestellt haben, und was "wir" - bisher finde ich ziemlich spannend - hier diskutieren.



Antwort von Funless:

Ich würde es äußerst begrüßen und fände es mehr als cool wenn Ihr beide mein Posting richtig lesen würdet.

Wie ich oben schon geschrieben habe handelt es sich hier um einen Hands-On Testbericht, was ich grundsätzlich sowieso besser finde als die trockenen und schnöden Spec-Tests die man i.d.R. hier und auch sonstwo zu lesen bekommt.

Und letztendlich ist es völlig Wurscht mit welchem Equipment man seinen Film realisiert, jeder entscheidet dies völlig individuell nach Budget, persönlichen Präferenzen und Art des Projekts.

Worüber ich den Kopf geschüttelt habe ist diese ständige Positionierung hier, der Drang nach einem Flame getrieben vom Zwang der Rechtfertigung der eigenen Meinung welche dogmatisiert wird.

Letztendlich bleibt es jedoch nur eben eine Meinung weil es unterschiedliche Erfahrungen gibt und es sollte kein Dogma sein.

Meine Meinung, take it or leave it, ist beides okay für mich.



Antwort von Jott:

Idee: Dokumentarfilm über Dokumentarfilmer, ihre Philosophie, ihre Technik und ihr Ego.



Antwort von mash_gh4:

Idee: Dokumentarfilm über Dokumentarfilmer, ihre Philosophie, ihre Technik und ihr Ego.

das würde ich deswegen gut finden, weil dort wenigstens jener "exotismus" wegfällt, der leute immer wieder dazu verführt, möglichst weit weg zu fahren, um in der ferne ihre kameras zu verstecken bzw. eindrücke zu sammeln, zu denen sie möglichst wenig direkten bezug besitzen oder ein gewachsenes verständnis mitbringen. in dieser hinsicht ist es mir dann oft fast lieber, es bleibt bei der üblichen "nabelschau" und die betreffenden kollegen halten wenigstens ganz nebenbei auch ein bisschen was von jener eine welt fest, von der sie tatsächlich eine ahnung haben.



Antwort von Drushba:

Idee: Dokumentarfilm über Dokumentarfilmer, ihre Philosophie, ihre Technik und ihr Ego.

Gegenvorschlag: Dokumentarfilm über sackdoofe Konsumzombies, welche irgendwas mit Medien machen wollen und sich auf der Suche nach Sinn schlußendlich eine Kamera kaufen, um endlich auch mal selbst mitlügen zu können. ;-)

Das Problem an solch einem Film über Opfer (wie bei jedem Dokumentarfilm) ist, daß er entlarvend sein muß, um gut zu sein. Dafür ist neben Techniken auch die Haltung des Filmemachers entscheidend. Das Publikum riecht es, wenn Filme konstruiert sind oder es dem Filmemacher egal ist, was er montiert. Das Publikum zappt dann weg und lässt keine Begeisterung aufkommen. Im Gegensatz zum Propagandafilm, der den Anschein erwecken möchte wahr zu sein, tritt das Genre des Dokumentarfilms mit dem Versprechen und dem Selbstanspruch an, die Wahrheit zu erzählen.

Wie das filmisch umzusetzen geht und wo die Grenzen sind, ist Gegenstand der Filmtheorie, welches zum Handwerkszeug eines guten Dokfilmers gehört. Darüber unterhält man sich in anderen Ländern sehr kontrovers, ja studiert die Materie teilweise so intensiv wie bei uns die Codecs. Und da jeder, der hierzulande eine Kamera bestellt, ohnehin schon alles weiß, noch bevor er den Teltec-Bestellbutton gedrückt hat, ist es natürlich uncool sich über Hintergünde des Dokfilmens zu unterhalten. Damit müssen Filmer leben. Daher ein Vorschlag: Die großen Bescheidwisser unter den Kamerabesitzern könnten ja einfach weghören, wenn sich ein paar lifestyle-ignorante Dokfilmer über die Möglichkeiten und Grenzen der Amira unterhalten. Das wäre sogar angenehmer für beide Seiten. Und eines sollten sie gerne mal versuchen: Einen Dokfilm über Dokfilmer zu machen, wie oben gefordert. Auf das Ergebnis warten wir gespannt ;-)



Antwort von nic:

Und da jeder, der hierzulande eine Kamera bestellt, ohnehin schon alles weiß, noch bevor er den Teltec-Bestellbutton gedrückt hat, ist es natürlich uncool sich über Hintergünde des Dokfilmens zu unterhalten.

Also wir bestellen bei Teltec ja nur telefonisch... Und wenn sich Menschen mit Erfahrung in dokumentarischem Arbeiten über die Hintergründe des Dokfilmens unterhalten, lese ich still und heimlich mit und hoffe die eine oder andere Weisheit zu erhaschen.

Besserwissergeprotze ist leider merklich weniger inspirierend.



Antwort von domain:


Im Gegensatz zum Propagandafilm, der den Anschein erwecken möchte wahr zu sein, tritt das Genre des Dokumentarfilms mit dem Versprechen und dem Selbstanspruch an, die Wahrheit zu erzählen.

Ein gewisses Desinteresse stellte sich bei Fern- oder Naturdokus schon seit einiger Zeit bei mir ein. Eigentlich immer das Gleiche, selten mal eine Ausnahme. Man ist schon irgendwie überfüttert.
Aus meiner Sicht beinahe schon interessanter die Nahdokus wie von Franz Xaver Gernstl etc. oder von Sarah Wiener, obwohl diese ziemlich affektiert daherkommt.
Sie sind deshalb m.E. ansprechender, weil in "normalen" und uns bekannten Regionen eher Fremdartiges dokumentiert wird, als in fremden Regionen eine verstehenwollende Nähe suggeriert wird.



Antwort von Jott:

Idee: Dokumentarfilm über Dokumentarfilmer, ihre Philosophie, ihre Technik und ihr Ego.

Gegenvorschlag: Dokumentarfilm über sackdoofe Konsumzombies, welche irgendwas mit Medien machen wollen und sich auf der Suche nach Sinn schlußendlich eine Kamera kaufen

Auch nicht schlecht.



Antwort von Drushba:


Im Gegensatz zum Propagandafilm, der den Anschein erwecken möchte wahr zu sein, tritt das Genre des Dokumentarfilms mit dem Versprechen und dem Selbstanspruch an, die Wahrheit zu erzählen.

Ein gewisses Desinteresse stellte sich bei Fern- oder Naturdokus schon seit einiger Zeit bei mir ein. Eigentlich immer das Gleiche, selten mal eine Ausnahme. Man ist schon irgendwie überfüttert.
Aus meiner Sicht beinahe schon interessanter die Nahdokus wie von Franz Xaver Gernstl etc. oder von Sarah Wiener, obwohl diese ziemlich affektiert daherkommt.
Sie sind deshalb m.E. ansprechender, weil in "normalen" und uns bekannten Regionen eher Fremdartiges dokumentiert wird, als in fremden Regionen eine verstehenwollende Nähe suggeriert wird.

Dein Desinteresse ist IMHO berechtigt. Allerdings sind diese Formate meist auch keine richtigen "Dokumentarfilme", sondern seltsame Mischungen aus gescriptetem TV und gefällig montierten Szenen ohne dokumentarische Momente. Diese TV-Formate wirken schon durch drübergesprochene Kommentare beliebig. Dabei dürfte es sich auch meist um Dokumentationen statt um Dokumentarfilme handeln, bei Sarah Wiener eher um Reportagen. Aus meiner Sicht ist der Unterschied zwischen Dokumentarfilm und Dokumentation ähnlich wie zwischen Literatur und Groschenromanen, welchen das "literarische" bzw. "echte" fehlt, die aber schneller zu konsumieren sind. Ein echter Dokumentarfilm handelt zudem von Menschen und nicht von Sachthemen. Ein echter Dokfilm kann so viel mehr sein, wirkt IMHO aber auch im Kino meist besser als auf der heimischen Glotze.



Antwort von dienstag_01:

Das Problem an solch einem Film über Opfer (wie bei jedem Dokumentarfilm) ist, daß er entlarvend sein muß, um gut zu sein.

tritt das Genre des Dokumentarfilms mit dem Versprechen und dem Selbstanspruch an, die Wahrheit zu erzählen.

Wahrheit muss also entlarvend sein. Oder muss entlarvt werden. Sonst ist der Film nicht gut.
Woher ist das? Aus den *5 Tipps zu ihrem Erfolg als Dok-Filmer*? Marketingabteilung? Fördermittellatein?
Filmtheorie kann es ja nicht sein, da werden ja auch richtige Filme geguckt.

Du arbeitest in dem Metier?
Was soll man sagen.



Antwort von Drushba:



Wahrheit muss also entlarvend sein.

Besser ist das.

Du arbeitest in dem Metier?
Was soll man sagen.

Ich verkaufe hauptberuflich Gartenschläuche. Du hast mich durchschaut. Aber da hier jeder mitmachen darf, wollt ich halt auch mal.



Antwort von dienstag_01:

Ich verkaufe hauptberuflich Gartenschläuche. Du hast mich durchschaut. Aber da hier jeder mitmachen darf, wollt ich halt auch mal.
DAS ist jetzt wirklich entlarvend ;)



Antwort von Helge Renner:

Dass es hier im Slashcam Forum den Leuten hauptsächlich um Specs und Technik geht, ist doch nicht verwunderlich. Es ist ja kein Forum für Filmkritik. Ich lese es auch wegen der Informationen über Ausrüstung. Allerdings kommt mir hierbei der Bildeindruck immer zu kurz. Da haben dann z.B. eine Samsung NX1, Lumix GH4 ein toppaufgelöstes 4K Bild, aber ob dieses Bild nach Video oder nach Film aussieht, wie die Farben, der Lichterverlauf und das Rauschen in den Schatten aussieht, findet keine Erwähnung. Für mich sind dies wichtige informationen, weil sie die Filmästhetik beeinflussen. Nun könnte jemand einwenden, dies seien alles subjektiv unterschiedlich erfahrbare Kameraeigenschaften. Genauso subjektiv unterschiedlich sind aber auch die Ergonomie von Kamera, und darüber wird in den Berichten durchaus geurteilt. Mit den neuen Kameraberichten geht es ein wenig in diese Richtung, mit ist aber zuviel Tele mit unscharfem Hintergrund dabei, da sehen auch weniger schöne Kameras gut aus. Interessanter sind Totalen mit hohen Kontrasten und vielen bewegten Bilddetails, die den CodecCodec im Glossar erklärt herausfordern, Dämmerungsbilder von Personen, so dass man das Verhalten bei Lowlight samt Rauschen und evtl. Blockartefakten beurteilen kann. Da wäre für die schon recht guten Slashcam Tests noch Luft nach oben.

Also dass ein (interessanter und äußerst lesenswerter) Hands-On Testbericht einer Arri Amira in eine frontenverhärtende Grundsatzdiskussion über die Philosophie von Dokumentarfilmen ausartet, gibt's wohl scheinbar echt nur bei slashCAM. *Kopfschüttel**

Das man unter Filmern nur über Specs redet, aber nicht über die Philosophie des Filmens, gibts flächendeckend wohl nur in Deutschland, dem Land der mediengestaltenden Maschinenbauer...

Die französische Filmhochschule La Femis erwartet einen klugen, mind. 10-seitigen Essay als Bewerbung, eine ebenso kluge Filmkritik und ein mindestens zweijähriges geisteswissenschaftliches Studium, die deutschen Filmhochschulen technisch perfekte Videos. Wessen Filme hinterher am Weltmarkt wohl besser funktionieren?



Antwort von Helge Renner:

Hallo Dirk,

ich komme erst jetzt zum Antworten. Für euren Einsatzfall mag das mit der unauffälligen Technik stimmen, man kann es aber nicht verallgemeinern. Bei meinen Projekten ist es eher eine Frage der Sperrigkeit und Tragbarkeit.

Davon abgesehen verändert jedes Filmteam, selbst Einpersonenproduktionen mit Kleinstkamera die Situation vor der Kamera. Dokumentarfilm dokumentiert auch immer den Einfluss der anwesenden Filmemacher auf den Film mit. Sofern die Protagonisten nicht gehirntot sind, bekommen sie ja mit, das gefilmt wird. Man kann als Filmemacher diesen Effekt nur minimieren, aber nicht beseitigen.

Dokumentarfilm ist also immer auch inszeniert, selbst wenn er völlig ungescriptet ist. Die Größe der Kamera bleibt dabei aus meiner Erfahrung ein sekundäres Problem. Es kommt natürlich auch darauf an, wie viel Zeit man vor und während der Dreharbeiten mit den Protagonisten verbringt. Wenn man Leute recherchiert, die vor allem noch aus völlig anderen Kulturkreisen kommen, einfliegt, filmt und wieder abdüst, dann ist das sicher eine andere Situation, als wenn man längere Zeit mit den selben Leuten filmt.

Interviews sind sowieso ein Sonderfall. Ich persönlich sehe lieber Filme mit möglichst wenig Interviews und viel Handlung, es sei denn, sie sind von Errol Morris. Interviews höre ich mir lieber im Radio an, z.B. Lebenslinien auf DLF. Warum in Deutschland soviel illustrierte Interviews produziert werden, die man dann Dokumentarfilm nennt, erschließt sich mir nicht so richtig. Noch schlimmer wird es, wenn ein paternalistischer Kommentar hinzu kommt. So altbacken wie die deutschen Fernsehdokus sind, so erfolglos sind deutsche Dokumentarfilme gemessen am Volumen von Filmförderung und Rundfunkbeitrag auf internationalen Festivals. Deshalb finde ich die Diskussion über Filmästhetik sehr bereichernd und freue mich, dass sich eine solche unter diesem Amira Testbericht entspinnt.

Viele Grüße
Helge

Die Größe und Auffälligkeit der Kamera ist hingegen zweitrangig. Solange nicht die Notwendigkeit besteht, unbemerkt zu filmen, ist es egal, wie groß die Kamera ist. Wenn man es als Dokumentarfilmer nicht schafft, dass die Kamera die Protagonisten nicht stört, dann hat man andere Probleme, als die Größe der Kamera.
Ganz ohne Polemik und nur aus meiner eigenen Wahrnehmung der Realität und Erfahrung der letzten Jahre: von "Zweitrangigkeit" kann überhaupt nicht die Rede sein. Auch geht es nicht in erster Linie darum, "versteckt" zu drehen, sondern die Lebenssituationen Deiner Protagonisten und deren Umfeld durch Kameras nicht komplett zu verändern. Denn das Ur-Dilemma eines jeden Dokumentaristen liegt genau hier: wie stark verändere ich durch meine Präsenz die Authentizität meines Sujets, seiner Aussagen un Art und Weise zu sprechen, seines Umfeldes (Familie etc) und so weiter? Das Zusammenspiel der Präsenz von "Fremden" am Ort (also die Team-Größe, Art der Ausrüstung, das persönliche Auftreten und der Umgang mit den Menschen am Ort) stehen in unmittelbarem Verhältnis mit dem Resultat im Film. Auch mit "kleinen" Kameras ist die einzige Möglichkeit normalerweise, Deine Umgebung langsam an Dich (und: das Team der "Weißhäutigen", die Ausrüstung mit Rucksäcken voller Objektive, Mikrofone und überhaupt "Technik") zu gewöhnen, sodass nach ein paar Stunden (oder Tagen, oder Wochen…) das ursprüngliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist - zumindest einigermaßen.
Und dann hast Du meist ein inhaltliches Problem, was nicht zu unterschätzen ist und meist sehr viel länger braucht, um "ausgeglichen" zu werden: denn sehr oft sprechen Deine Protagonisten beim ersten Gespräch über ihr "Thema" in einer völlig anderen, meist sehr viel ungefilterten, unbefangenen Art, als sie es nach einer gewissen "Gewöhnung" an Dich (dein Team etc) tun. Und natürlich willst Du (meist) diese erste Begegnung im Film, denn dabei benutzten die Protagonisten "ihre" Worte, "ihre" Sprache etc, während nach soundsoviel Tagen der "Gewöhnung" fast zwangsläufig eine Art von gegenseitiger Beeinflussung stattfindet. Denn so wie Du zum Beispiel von dem kaschmirischen Bootsmenschen und seiner Lebensart beeindruckt bist und sie versuchst möglichst authentisch zu filmen, so ist auch er (der Kaschmiri) von Dir "beeindruckt" (da kommt einer 10.000km aus Europa um mich zu filmen) und versucht, sich Dir zu "nähern", es Dir "recht zu machen" usw.
Noch anders sieht es aus, wenn Du in Ländern drehst, wo die Menschen entweder keine Kameras gewohnt sind, oder durch die politische bzw. politisch-religiöse Situation ihres Landes bzw. Kulturkreises Kameras "als solche" verboten oder verpönt sind. Geh mal in Saudi-Arabien - auch in Riyadh - mit einer Amira durch die Strassen der Altstadt - selbst wenn Du eine Drehgenehmigung hast, wird Dein Auftauchen mit einem solchen Teil sehr viel eher dazu führen, dass die Menschen vor Dir "fliehen", als wenn Du mit einer DSLR oder einer BMPCC daher kommst. Denn "Bilder" sind in ihrem Glauben "schlecht" und nicht verankert, sondern explizit verboten bzw. durch dieses lange Verbot auch gesellschaftlich komplett verpönt. Und bis Du ihnen "erklärt" hast, dass Du erstens offiziell filmen darfst und zweitens ihnen mit Deiner Kamera nicht "die Seele wegnimmst" (authentisches Zitat), ist durch genau diese Art von Gespräch ein riesiger Teil der ursprünglichen Unbefangenheit bereits "verschwunden" - sehr oft unwiederbringlich. Und genau hier hilft eine kleine BMPCC sehr viel mehr als eine 60cm+ Amira, diese Art von Gespräch oder Diskussion zu verkürzen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Das ist die - leider doch etwas längere - Antwort auf den Satz, dass Größe und Auffälligkeit der Kameras "zweitrangig" sind. Ich könnte mehr und länger schreiben, ist aber nicht der Ort / der Zeitpunkt dafür…



Antwort von handiro:

Content rules. Ich habe diese ganze re-enactment Abteilung satt. Die 3 Stimmen die man immer hört auch. Ich liebe die schweizer Schule: Kommentare höchstens als Text im Bild. Den Rest muss das Filmmaterial hergeben. Insofern finde ich solche Diskussionen immer gut auch wenn es nur peripher um die Arri geht und abrutscht. Auch ich mag den "fly on the wall" Aspekt. Das ist IMHO immer spannender als gescripted. Es gibt aber ein paar Kameramänner die können das auch mit ner Amira ;-)



Antwort von Frank Glencairn:

Aus meiner Sicht ist der Unterschied zwischen Dokumentarfilm und Dokumentation ähnlich wie zwischen Literatur und Groschenromanen, welchen das "literarische" bzw. "echte" fehlt, die aber schneller zu konsumieren sind. Ein echter Dokumentarfilm handelt zudem von Menschen und nicht von Sachthemen.

Für mich gibt es 2 Kategorien (egal wie man sie jetzt nennen mag) die einen haben den Anspruch aufzurütteln, anzuklagen, Zeichen zu setzen, Bewußtsein für irgendwas zu erzeugen und natürlich zu belehren, während die anderen einfach nur unterhalten wollen.

Erstere Kategorie braucht für gewöhnlich irgendeine unterdrückte/geschundene Opfer-Gruppe, oder eine entsprechende Opfer-Location (abgeholzter Regenwald, Fracking Gasfeld etc). Auf dem Rücken der Opfer wird dann oft unter dem Vorwand des "awareness generating" Trittbrettfahrermäßig ein Film gedreht. Dieses Rezept, zusammen mit anklagendem Kommentar, Kinder-Kulleraugen und rührseliger Musik, ist eine ziemliche Garantie, für jede Menge Förderung, Festivals und Preise.

Die zweite Kategorie braucht keine Opfer, sondern kommt mit einem interessanten Thema aus, das visuell möglichst ansprechend, unterhaltsam und kurzweilig umgesetzt wird, ohne irgendeinen Weltverbesserungsanspruch.



Antwort von iasi:

Aus meiner Sicht ist der Unterschied zwischen Dokumentarfilm und Dokumentation ähnlich wie zwischen Literatur und Groschenromanen, welchen das "literarische" bzw. "echte" fehlt, die aber schneller zu konsumieren sind. Ein echter Dokumentarfilm handelt zudem von Menschen und nicht von Sachthemen.

Für mich gibt es 2 Kategorien (egal wie man sie jetzt nennen mag) die einen haben den Anspruch aufzurütteln, anzuklagen, Zeichen zu setzen, Bewußtsein für irgendwas zu erzeugen und natürlich zu belehren, während die anderen einfach nur unterhalten wollen.

Erstere Kategorie braucht für gewöhnlich irgendeine unterdrückte/geschundene Opfer-Gruppe, oder eine entsprechende Opfer-Location (abgeholzter Regenwald, Fracking Gasfeld etc). Auf dem Rücken der Opfer wird dann oft unter dem Vorwand des "awareness generating" Trittbrettfahrermäßig ein Film gedreht. Dieses Rezept, zusammen mit anklagendem Kommentar, Kinder-Kulleraugen und rührseliger Musik, ist eine ziemliche Garantie, für jede Menge Förderung, Festivals und Preise.

Die zweite Kategorie braucht keine Opfer, sondern kommt mit einem interessanten Thema aus, das visuell möglichst ansprechend, unterhaltsam und kurzweilig umgesetzt wird, ohne irgendeinen Weltverbesserungsanspruch.

Dir kommt scheinbar nicht in den Sinn, dass es auch Dokus gibt, denen es um ein Thema geht.

Was du unter der ersten Kategorie siehst, ist doch eigentlich gerade die Unterhaltungsschiene. Wer nur Klischees bedient, der hat doch nicht wirklich etwas zu sagen und die Doku wird zum Selbstzweck - eben zur Unterhaltung.

Wenn ich an Dokus wie "Töte zuerst" denke, ist da ein Thema - zuerst und zuletzt.



Antwort von Drushba:


Für mich gibt es 2 Kategorien (egal wie man sie jetzt nennen mag) die einen haben den Anspruch aufzurütteln, anzuklagen, Zeichen zu setzen, Bewußtsein für irgendwas zu erzeugen und natürlich zu belehren

Hm, genau dies würde ich ja gerade nicht unter "Dokumentarfilm" subsumieren, sondern unter den gescripteten Formaten wie Dokumentation oder Essayfilm, also TV-Mainstream, welcher nicht abbildet was die Kamera vorfindet, sondern was dem Wunsch des Filmers oder des Redakteurs enspricht. Im Grunde ist dies Propagandafilm und ein größtmöglicher Gegensatz zum (beobachtenden) Dokumentarfilm und dessen Anspruch, zu zeigen was ist und nichts weiter als das was ist.

Die Wahrheit und Poesie kommt bei diesen von Dir zitierten "Dokus" (grauenhaftes Wort, weil so beliebig) nicht aus der leisen Beobachtung und damit aus den Protagonisten, sondern aus der Montage und den Behauptungen der Macher. Nicht das gezeigte ist wahr, sondern nur der Wunsch des Filmers, uns zu einer Meinung zu bewegen. Auf guten Festivals sehe ich das weniger.

"Direct cinema" bzw. das "Fly-on-the-Wall" Prinzip ist und war hingegen eine gute Richtung, die ich im ganzen Meer der medialen Lügen immer noch am liebsten sehe, eben weil sie direkt ist, ohne Script und ohne Kommentar auskommt und - Ehrlichkeit des Dokfilmers vorausgesetzt - tatsächlich nur zeigt, was ist. Diese ist nicht einfach zu machen, eben weil es innere Haltung, Respekt und äussere Balance des Filmers benötigt, um Menschen überhaupt dazu zu bringen, sich vor der Kamera über Wochen und Monate zu öffnen. Auch im Schnitt sollte man IMHO nicht der Versuchung erliegen, Szenen zu mischen, auch wenn sich das gerade anbietet. Zum Glück wird diese Richtung immer noch gemacht, wenn auch leider nicht oft in Reinform. Der beobachtende Dokumentarfilm ist regelmässig auf guten Festivals zu sehen, wo die Vertreter seiner Gattung meist auch die Preise abräumen.

Ein sehr schönes Beispiel finde ich "Cinema mon Amour", die Geschichte eines rumänischen Kinoamanagers, der mit seinen Leuten um sein Kino kämpft. Hier geht es nicht um Politik, sondern darum wie Menschen bzw. menschliche Charaktere mit Leidenschaft für ein Ziel eintreten, welches eigentlich schon verloren ist. Nebenbei beobachtet man ganz unspektakuär rumänische Mentalität aus der Binnenperspektive und lernt an diesem kleinen beobachtenden Film eine ganze Menge über das Land und Menschen bzw. menschliche Haltungen an sich (auch wenn der Trailer unterlegte Interviewpassagen beinhaltet, der Film als Ganzes kommt mit wenigen davon aus):
http://cinemamonamour.com/#trailer
Gedreht übrigens auf der C100/300.

PS: Hatte jetzt mal eine Amira auf der Schulter - gefühlt schwerer als eine alte Beta SP - wie will man mit so einem Klops den ganzen Tag rumrennen und filmen? Da würde ich entscheidende Situationen schon aus Faulheit, Schulterschmerz oder Müdigkeit verpassen :)



Antwort von Jake the rake:

Artist unknown...



Antwort von domain:


Hm, genau dies würde ich ja gerade nicht unter "Dokumentarfilm" subsumieren, sondern unter den gescripteten Formaten wie Dokumentation oder Essayfilm, also TV-Mainstream, welcher nicht abbildet was die Kamera vorfindet, sondern was dem Wunsch des Filmers oder des Redakteurs enspricht...
Die Wahrheit und Poesie kommt bei diesen von Dir zitierten "Dokus" (grauenhaftes Wort, weil so beliebig) nicht aus der leisen Beobachtung und damit aus den Protagonisten, sondern aus der Montage und den Behauptungen der Macher. Nicht das gezeigte ist wahr, sondern nur der Wunsch des Filmers, uns zu einer Meinung zu bewegen.
"Direct cinema" bzw. das "Fly-on-the-Wall" Prinzip ist und war hingegen eine gute Richtung:)

Die differenzierenden "Schubladierungen" in Unterkategorien vom Allgemeinbegriff Doku bringen aber nicht viel.
So kann speziell die Wahrheit bei gescripteten Dokus sogar noch stärker und mehr verdichtet zum Ausdruck gebracht werden. Zuvor muss natürlich eine Menge an Beobachtungen und Analysen stattgefunden haben, wie z.B. bei Ulrich Seidls Paradies Liebe.
Vieles auch selbst beobachtet und schon immer für eine (teilweise gespielte) Doku für würdig empfunden.



Antwort von Drushba:


Die diversifizierenden "Schubladierungen" in Unterkategorien vom Allgemeinbegriff Doku bringen aber nicht viel.
Ich denke genau diese Unterscheidung bringt Licht in das Debakel, welches durch das Unwort "Doku" gestiftet wird. Seit den zwanziger Jahren wird darüber gestritten, wie ein Dokumentarfilm gedreht werden soll, damit eben das Manipulative wegfällt, welches den Blick auf das real Seiende verstellt. Dies geschah nicht zuletzt vor dem Hintergrund des ersten Weltkriegs und seiner Lügenpropaganda, welche den Film mit scheinbar realen Bildern auf allen Seiten dazu nutzte, die Massen auf den Gegner einzupeitschen. Jede Diktatur, jede politische Strömung nutzt das Medium Film, um ihre Sicht darzulegen. Kommentare werden über beliebig gedrehte Bilder gelegt, um uns im jeweiligen Sinne zu manipulieren. Da hat sich seit hundert Jahren nichts verändert und das trotz des Widerstands von Generationen von Filmemachern, welche bewusst das Genre des Dokumentarfilms entwickelten, um etwas dagegen zu halten, eben zu zeigen was ist und nicht das Gezeigte zu benutzten um uns zu manipulieren. Auf der anderen Seite haben wir Redakteure, die nichts von Film verstehen und munter alle Formen der Manipulation (Scripten, Szenen nachstellen etc.) in das Lügencocktail einmischen lassen, welches sie dann "Dokumentarfilm" nennen.

So kann speziell die Wahrheit bei gescripteten Dokus sogar noch stärker und mehr verdichtet zum Ausdruck gebracht werden. Zuvor muss natürlich eine Menge an Beobachtungen und Analysen stattgefunden haben, wie z.B. bei Ulrich Seidls Paradies Liebe.
Vieles auch selbst beobachtet und schon immer für eine (teilweise gespielte) Doku für würdig empfunden.

Hier haben wir schon wieder das Wort "Doku" als Synonym für alles, was eben nicht "dokumentarisch" ist. "Gescriptete Dokus" sind ohnehin meist Filme über Sachthemen und damit keine Dokumentarfilme sondern Dokumentationen. Das sind Begriffe, die in der Filmtheorie und Filmgeschichte nicht ohne Grund unterschieden werden. Ein klassischer Dokumentarfilm beobachtet das was ist, nimmt nichts davon weg und fügt auch nichts hinzu. Es bringt rein gar nichts für die Wahrheitsfindung, Meinungen zu bebildern, welche man auch als Text bzw. Essay für eine Zeitung schreiben könnte. Das ist pure Manipulation, wohingegen der Dokumentarfilm ja genau das Gegenteil davon erreichen will. Und in einem Meer der medialen Lügen kann der beobachtende Dokumentarfilm eben die kleine Insel sein, welche zeigt, was wirklich ist. In der Regel wird dies über ruhige Beobachtungen von Menschen erreicht und dabei keine Kommentare, Offtexte oder ähnliches verwendet. Generationen von Filmemachern haben sich hierfür eingesetzt. "Neue Sachlichkeit", "Direct Cinema", Cinéma Verité" sind die Ergebnisse dieser Diskussionen, wie erreicht werden kann, dass ein Film möglichst nicht manipulativ gedreht wird.

Das Tragische ist die Ignoranz vieler heutiger Filmer, ihre Weigerung, eben nicht mehr Philosoph zu sein, Unterscheidungen zu suchen und sich mit der Wirkung der Bilder auseinanderzusetzen. Auch dass aus Unwissenheit hier permanent Begriffe vermischt werden, alles "Dokumentarfilm" genannt wird, wodurch letztendlich die Ergebnisse von fast einhundertjährigen und sehr fruchtbare Debatten und Entwicklungen vernichtet werden. Das ist ein Rückschritt, für den aber nicht zuletzt auch Sender als Auftraggeber und deren ignorante Redakteure verantwortlich sind. Allerdings nennen diese ja neuerdings auch Nachrichtenbeiträge "Kurzfilme" um sich zu adeln ;-



Antwort von domain:

Wertfreie und nur beobachtende Dokumentation halte ich für schlicht unmöglich.
Schon allein zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort man mit sgn. wertbefreiten Aufnahmen beginnt ist beabsichtigt.
Immer steckt eine gewisse Vorstellung von den gewünschten Aufnahmen dahinter und das allein schon bedeutet eine gewisse Zielgerichtetheit.
Jeder Filmschaffende hat eine Vision von seinen noch zu machenden Aufnahmen.
Keine Rede von absolut reinen, wertfreien, nicht vorhersehbaren und auf sich zukommenlassenden Ereignissen.



Antwort von handiro:

+1! @ Drushba! Die offensichtliche Manipulation in "Dokumentationen" und "Berichterstattung" ist genau das, was dem Namen "Dokumentarfilm" schadet :-)

So gehört für mich beim Dokumentarfilm dazu, dass SPONTANEITÄT und Zufall wichtige Elemente sind. Ich liebe solche Momente wo dann eben auch mal der vorhandene Kamerabediener angesprochen wird und das NICHT rausgeschnitten wird.

Sowas läuft im TV höchstens mal morgens um drei Uhr auf Phoenix...



Antwort von Frank Glencairn:



Es bringt rein gar nichts für die Wahrheitsfindung, Meinungen zu bebildern, welche man auch als Text bzw. Essay für eine Zeitung schreiben könnte. Das ist pure Manipulation, wohingegen der Dokumentarfilm ja genau das Gegenteil davon erreichen will. Und in einem Meer der medialen Lügen kann der beobachtende Dokumentarfilm eben die kleine Insel sein, welche zeigt, was wirklich ist. In der Regel wird dies über ruhige Beobachtungen von Menschen erreicht und dabei keine Kommentare, Offtexte oder ähnliches verwendet.

Seh ich anders. Wir haben vor ein paar Jahren für Arte einen 50 Minuten Film über die Arbeit der Jungs der Lawinenkontrolle in Kanada gedreht. Wenn da kein Sprecher, und keine Interviews drin gewesen wären, dann wäre das ganze völlig unverständlich und unanschaubar geworden. Manch Zusammenhänge muß man halt einfach erklären, weil sie allein durch das Anschauen sonst rätselhaft bleiben.



Antwort von Jott:

Als Nicht-Dokumentarfilmer würde ich mal behaupten, dass ein Film grundsätzlich per se etwas Manipuliertes ist. Sein muss. Durch Kameraführung, Schnitt (besonders manipulativ!) und Ton. Die Welt wird in ein Rechteck gepackt, so wie es der Regisseur/Kameramann für richtig hält, egal welcher hehren Denkrichtung er nacheifert.

Die "echteste" Doku über meinetwegen ein afghanisches Dorf wäre wohl heute, eine kleine 360 Grad-Kamera auf einem menschenhohen Stab am Dorfplatz in den Lehm zu stecken. Dann eine Woche warten, bis sich alle dran gewöhnt haben, und dann einen Tag von Morgengrauen bis Sonnenuntergang laufen lassen. Nichts schneiden, nichts bearbeiten. Ein Tag im Dorf. Fertig. Der Zuschauer darf selbst entscheiden, wo er hinguckt und sich gerne auch real langweilen, wenn in der Mittagshitze stundenlang niemand aufkreuzt.



Antwort von Drushba:


Seh ich anders. Wir haben vor ein paar Jahren für Arte einen 50 Minuten Film über die Arbeit der Jungs der Lawinenkontrolle in Kanada gedreht. Wenn da kein Sprecher, und keine Interviews drin gewesen wären, dann wäre das ganze völlig unverständlich und unanschaubar geworden. Manch Zusammenhänge muß man halt einfach erklären, weil sie allein durch das Anschauen sonst rätselhaft bleiben.

Ohne ihn gesehen zu haben - ich vermute mal, der Sachaspekt stand im Vordergrund und nicht die Beobachtung der Menschen und ihrer Haltungen. Dann wäre Dein Film meiner Meinung nach ein typisches Beispiel für Dokumentation/ Reportage im Unterschied zu beobachtendem Dokumentarfilm. Dokumentation oder Reportagen benötigen Kommentare, Interviews etc., werden dadurch aber im Grunde beliebig. Es gibt aber durchaus klassische Dokfilmer, die über die Beobachtung der Menschen auch das Thema miterzählt hätten, nur ist dies gerade bei Arte schwer durchzusetzen. Beispiel aus den Bergen: "Tablau Noir" - Film über eine Zwergschule in Frankreich: Kein einziges Interview, kein Offtext und trotzdem wissen wir am Ende mehr über den kleinen Mikrokosmos, als wenn uns jemand den Erklärtext dazu vorgelesen hätte.

https://www.youtube.com/watch?v=FD7gBlRpQJM

Solche Filme werden von Arte aber in der Regel für lächerliche Summen angekauft, und meist erst nachdem sie bereits einen erfolgreichen Festivallauf hatten. Ein Grund, warum der Dokumentarfilmbereich nach wie vor ideell ist.

Die "echteste" Doku über meinetwegen ein afghanisches Dorf wäre wohl heute, eine kleine 360 Grad-Kamera auf einem menschenhohen Stab am Dorfplatz in den Lehm zu stecken. Dann eine Woche warten, bis sich alle dran gewöhnt haben, und dann einen Tag von Morgengrauen bis Sonnenuntergang laufen lassen. Nichts schneiden, nichts bearbeiten. Ein Tag im Dorf. Fertig. Der Zuschauer darf selbst entscheiden, wo er hinguckt und sich gerne auch real langweilen, wenn in der Mittagshitze stundenlang niemand aufkreuzt.

Nein, das alte "Überwachungskamerabeispiel" ist eben ein klassisches Beispiel dafür, wie ein Dokumentarfilm nicht sein kann. Wir wollen nicht die Draufsicht auf die Dinge, sondern die Einsicht. Dazu müssen wir Nähe zu unseren Protagonisten herstellen, viel Zeit mitbringen, die Abläufe kennenlernen, Stories sehen, unsere Sicht verlassen, ihre Sicht einnehmen und dahinter das universell gültige Menschliche entdecken, welches uns mit einem afrikanischen Dorf ebenso verbindet wie mit einer Großstadt á la Tokyo. Das geht durchaus, auch wenn 100% nie erreicht werden, da gebe ich Dir Recht, da auch Dokumentaristen individuelle Menschen mit kultureller Vorprägung sind. Ein Deutscher Dokumentarist würde im Detail eventuell länger bei der Technik des Feuermachens zusschauen, ein Franzose eher beim Kochen und dabei andere Substories entdecken;-) Und trotzdem würde sich aus der Gesamtheit - die ehrliche Haltung der Macher vorausgesetzt - in beiden Fällen ein ziemlich wirkliches Bild oder zumindest ein faszinierender Ausschnitt aus der Wirklichkeit eines afrikanischen Dorfes und ihrer Menschen ergeben, welches eine bloße Laber-Dokumentation oder Reportage nie erfüllen könnte.



Antwort von dienstag_01:

@Drushba

Eine Doku (ich bleib mal bei dem Wort) mit Voice-Over, Montage etc. ist per se respektlos, ohne Haltung und kann niemals poetisch sein?
Umgekehrt bringt der Verzicht auf diese Mittel uns automatisch Wahrheit und schließt Manipulation aus?

Ich respektiere Haltung sehr. Und ich hab auch gar nichts gegen Dogmen. Aber vielleicht sollte man die einfach nur für sich persönlich zum Maßstab machen und nicht für alle (siehe die Gruppe um L. v. Trier). Regeln, denen man folgt, die man sich aber nicht selbst auferlegt hat, sind das Ergebnis von Anpassung. Mit Haltung im Sinne von in der Persönlichkeit verwurzelten Kriterien hat das nichts zu tun.

Man sollte auch nie die Machtkomponente unterschlagen. Wer Sendeplätze vergibt, hat Macht. Versteht jeder. Aber Festivalpreise wollen uns auch was sagen. Mitunter viel.



Antwort von mash_gh4:

ich glaube, dass man das erfolgsrezept in diesen dingen nicht so einfach festlegen kann. es gibt ganz verschiedene zugänge, wie einzelne vorbilder in dieser frage ihrem ziel näher gekommen sind. sehr oft auch in form einer langsamen weiterentwicklung, so dass sich in ihrem werk recht unterschiedliche ausprägungen und versuche aufzeigen lassen.

ich würde als einen, der vermutlich wichtigsten deutschen vertreter dieses genres, den peter nestler nennen, und seine filme unbedingt jedem ans herz legen!

er ist im übrigen auch ein wunderbares beispiel dafür, dass gute filmarbeit selten mit jubelndem erfolg und materieller gratifiktion bedankt wird. vielmehr bedarf es wohl ausgeprägter starrköpfigkeit und überdurchschnittlichem durchhaltevermögen, seinen weg derart unbeirrt zu verfolgen. gerade diese wirklich beeindruckenden vorkämpfer haben sehr oft einen beträchtlichen preis dafür gezahlt, nicht mit dem strom zu schwimmen. dafür sieht man in ihren werken, wie gekonnt sie sich zu positionieren verstanden haben, um ganz einfachen dingen und zuständen eine stimme zu verleihen, die gewöhnlich ausgeklammert bleibt.



Antwort von Frank Glencairn:


Ohne ihn gesehen zu haben - ich vermute mal, der Sachaspekt stand im Vordergrund und nicht die Beobachtung der Menschen und ihrer Haltungen. Dann wäre Dein Film meiner Meinung nach ein typisches Beispiel für Dokumentation/ Reportage im Unterschied zu beobachtendem Dokumentarfilm. Dokumentation oder Reportagen benötigen ...

Beispiel aus den Bergen: "Tablau Noir" - Film über eine Zwergschule in Frankreich: Kein einziges Interview, kein Offtext und trotzdem wissen wir am Ende mehr über den kleinen Mikrokosmos, als wenn uns jemand den Erklärtext dazu vorgelesen hätte.

Nö, wie ich schon geschrieben hatte, es ging um die Menschen, die diesen Job machen.
Aber dazu muß man nicht zwingend immer Papperaziartig aus dem Hintergrund schießen, wie ein Sniper, immer in der Hoffnung, das irgendwas passiert.

Auch wenn Tablau Noir versucht den "fly on the wall" Eindruck zu vermitteln, natürlich war das meiste vorher geplant und abgesprochen.
Also in der Art wie, wir fahren da jetzt mit dem Auto entlang, dann stoppst du, machst die Scheibe runter und sprichst mit dem Traktorfahrer, der da steht (und der wußte natürlich auch vorher bescheid), sonst hätte er zuerst gefragt warum der Beifahrer ne Kamera auf ihn hält.
Mann spürt das auch, daß sich alle ständig der Kamera bewußt sind, und sich entsprechend verhalten. Also eigentlich genau das Gegenteil von diesem Dokumentarfilmer Anspruch.

Wenn sowas überhaupt klappt, dann mit einer 600er BrennweiteBrennweite im Glossar erklärt aus dem Hinterhalt - so wie bei einem Tierfilm.Aber warum soll man so was machen wollen, wenn ich auch viel inhaltlich interessanteres, und visuell ansprechenderes Material drehen kann?

Auch wenn du das abstreitest, IMHO ist diese Art zu drehen nicht nur ein selbstauferlegtes Dogma, das aus einer Ideologie heraus geboren ist , es schränkt einen auch noch unnötig in seiner filmischen und visuellen Ausdrucksweise ein. Nicht umsonst sind alle Versuche das Rad neu zu erfinden (Cinema Verite, Dogma, New Cinema usw.) grandios gescheitert, und man ist nach einem kurzen Hype, weitgehend wieder zur klassischen Form zurück gekehrt.



Antwort von rob:

Da ja auch schon ein Paar große Dokumentarfilmer genannt wurden: Hier noch ein weiterer der ganz Großen in Deutschland: Volker Koepp:

Und ein Interview mit ihm zu seinen Interviewtechniken - kommen auch einige der in diesem Thread bereits genannten interessanten Fragestellungen (Inszenierung, Multi-Kamera Setups, etc. ) darin vor:

https://youtu.be/ZE96u93druk

Persönlich fällt es mir schwer, Volker Koepp mit einer der hier genannten DOK-Film Kategorien zu belegen. Er hat ja sowohl viel Gespräch in seinen Filmen als auch einen "romantischen" Zugang zur Naturdarstellung. Interessant finde ich bei ihm die häufige Selbstreferenz in der Gesprächssituation: Also das Gespräch als gefilmtes Interview selbst in der Gesprächssituation zu benennen ...

Viele Grüße

Rob



Antwort von Frank Glencairn:

Ehrlich gesagt finde ich gerade Koepp's Interviewtechnik extrem grausig. Immer wenn er hinter der Kamera (natürlich ohne eigenes Mikro - hat man ja nicht nötig) hervor plärrt, und schwachsinnige Fragen wie "was ist das für eine Zeitung, und wie heißt die Überschrift?" stellt, kommt bei mir der fremdschäm Reflex hoch.

Da wird versucht auf Teufel-komm-raus, mit allen Mitteln irgendwas aus den armen Leuten raus zu pressen. Seine Interview Partner kommen mir immer wie Affen vor, die vorgeführt werden.



Antwort von Jott:

Immer wenn er hinter der Kamera (natürlich ohne eigenes Mikro - hat man ja nicht nötig) hervor plärrt

Ja, grausig, ohne Mikro. Ich habe aus Neugier gerade ein paar Trailer geguckt. Was soll so was? Nicht meine Welt.



Antwort von domain:

In welche Schublade wäre eigentlich Ulrich Seidls neueste Doku "Safari" einzuordnen?
Ein Film über die bezahlenden Waidlöcher in Afrika.
Läuft außer Konkurrenz auch bei den Filmfestspielen in Venedig. Viele der gestellten Aufnahmen sind eindeutig schon aus fotografischer Sicht vorher überlegt und kadriert. Er kommt ja aus der fotografischen Ecke. Spezieller Kompositionsstil: zentrisch bei den szenischen Aufnahmen.
Jedenfalls alles andere als Fly on the Wall-Aufnahmen. Aber auch Fliegen und speziell Gelsen sitzen ja nicht zufällig auf Mauern, in deren Umgebung es interessant stinkt und Vielversprechendes zu erwarten ist :-)



Ein m.E. perfekter Trailer, sowohl in der Bildauswahl als auch im Ton und überhaupt stilistisch.
Ich frage mich nur, wie es möglich ist, dass jemand trotz gescripteter und gestellter Aufnahmen die Realität meiner Meinung nach besser und dichter erfassen kann, als jemand mit einer nur neutral beobachtenden Fly-Kamera auf der Mauer.



Antwort von Frank Glencairn:

In welche Schublade wäre eigentlich Ulrich Seidls neueste Doku "Safari" einzuordnen?

In die Schublade, so geht Doku 2016.

In meinen Augen um Längen besser als Koepp, und die anderen üblichen Verdächtigen Alt68er Doku-Filmer.



Antwort von Helge Renner:

Wobei Ulrich Seidl niemals von sich sagen würde, er machte Dokumentarfilme.

In welche Schublade wäre eigentlich Ulrich Seidls neueste Doku "Safari" einzuordnen?

In die Schublade, so geht Doku 2016.

In meinen Augen um Längen besser als Koepp, und die anderen üblichen Verdächtigen Alt68er Doku-Filmer.



Antwort von domain:

Damit sind wir wieder beim Schubladisieren :-) Bringt das was?
Jedenfalls zählt er, genauso wie Volker Koepp zur Gruppe der Dokumentaristen als Oberbegriff.



Antwort von rob:

Denke auch, dass Schubladen bei dem Thema schwierig sind.

Und zu Volker Koepp: Klar gehört er zu einer älteren Generation von Filmemachern (- Koepp hat schon Filme gemacht, da gab"s mich noch gar nicht) Und auch wenn 68er Bashing irgendwie gerade hipp ist, finde ich dass das Label "68er" bei den aktuellen Filmen von Koepp überhaupt nicht zutrifft

Grade das Fehlen von dogmatischen Positionen wie das bereits genannte "fly on the wall" Konzept á la F. Wiseman oder plumper politischer Agitation zeichnen die Koepp-Filme der letzen Jahre aus. Zumindest die, die ich im Kino gesehen habe.

Auf den neuen Seidl bin ich allerdings auch gespannt - der müsste demnächst in die Kinos kommen ...

Viele Grüße

Rob



Antwort von Drushba:

Damit sind wir wieder beim Schubladisieren :-) Bringt das was?

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt ;-)

Und überhaupt: CodecCodec im Glossar erklärt ist CodecCodec im Glossar erklärt, Kamera ist Kamera. Film ist Film. Denke nicht, daß das Schubladisieren da etwas bringt.



Antwort von Helge Renner:

Schubladisieren ist das, was du hier mit Ulrich Seidl machst.
Ich war mal auf einer mehrstündigen Masterclass mit ihm und kann dich versichern, dass er sich nicht als Dokumentarist versteht. Ich finde übrigens auch nicht, dass er in diese Schublade passt. Seidl castet die Protagonisten seiner Filme und sagt ihnen, welche Handlungen von Ihnen er gerne wie filmen möchte. Seine Filme sind damit bestenfalls eine Dokumentation der Seidlischen Sicht auf die Welt. In abgeschwächter Form trifft dies auf sehr viele Dokumentarfilme zu, und zwar seit Nanook of the North, dem allerersten sogenannten Dokumentarfilm. Dieser Begriff ist schwierig, weil er bei den Zuschauern eine Authentizitätserwartung schürt, der er nicht gerecht werden kann. Zur Rettung des Begriffs könnte man anführen, dass der Wortteil "Film" verdeutlichen sollte, dass es sich um ein Werk handelt, bei dem selektiert und inszeniert wird. Daher ist Dokumentarfilm immer noch der bessere Begriff als Dokumentation oder Doku, weil letztere diese Tatsache zu verschleiern versuchen.

Damit sind wir wieder beim Schubladisieren :-) Bringt das was?
Jedenfalls zählt er, genauso wie Volker Koepp zur Gruppe der Dokumentaristen als Oberbegriff.



Antwort von mash_gh4:

so sehr ich auch die beschäftigung und querbezüge zur filmgeschichte schätze, so sehr würde ich deine strenge begriffliche trennung nicht unbedingt teilen. ich seh überhaupt kein problem darin, "doku" einfach als kurzform von "dokumentation", aber auch "dokumentarfilm", zu verstehen. an solchen begrifflichkeiten feinheiten sollte die kommunikation wirklich nicht scheitern.

ich hab auch kein großes problem damit, wenn das entsprechende feld relativ weit gefasst ist. da fällt eine ganze menge darunter, die mich nicht wirklich anspricht. ulrich seidel z.b. ist mir viel zu leicht verdaulich und mainstreamkompatibel, als dass ich mich ernsthafter mit seinen filmen auseinandersetzen würde. ich sehe das also genau umgekehrt zum frank glencairn.

der große dokukmentarfilmfan bin ich aber ohnehin nicht. ich schätze diese nische bzw. einzelne arbeiten und vertreter aus dieser ecke eigentlich fast nur deshalb, weil sich hier noch immer freiräume abseits der großen materialschlacht und industriellen produktion auftun. ob's mich dann aber tatsächlich beeindruckt, hat hauptsächlich damit zu tun, wie sehr die betreffenden akteure diese freiräume tatsächlich zu nutzen wissen, um auch in filmischer hinsicht -- d.h. in der spezifischen sprache dieses mediums -- etwas ernstzunehmendes zu schaffen. so lange das resultat nur als handwerklich routiniert umgesetzter mainstream zu verstehen ist, interessiert es mich einfach nicht weiter.



Antwort von Helge Renner:

Mit dem Begriff Dokumentarfilm kann ich aus den oben dargelegten Gründen leben, auch weil mir kein besserer Begriff einfällt. Dokumentation und Doku aber sollten mit Film nicht assoziiert werden und es ist sehr bedauerlich und für die Filmkunst in Deutschland bezeichnend, das Fernsehleute und Filmkritiker meistens von Dokumentation sprechen und schreiben, wenn sie Dokumentarfilme meinen. So z.B. die Direktorin des Grimme Instituts in einem längeren Interview zur Situation des Fernsehens in Deutschland.


Dabei ist unter den fünf Grimmepreisträgern der Kategorie "Wettbewerb Information & Kultur/Spezial" keine einzige Dokumentation, stattdessen eine investigative Reportage, ein innovatives TV-Kurzformat und drei lange Dokumentarfilme. Aber bereits der Name dieser Preiskategorie verrät, dass der Dokumentarfilm auch beim Grimmepreis keine Lobby hat.

In der ARD Mediathek bekommt man den Vorschlag "ausgewählte Dokus" und findet darunter eine Ansammlung von Reportagen mit Erzählonkelstimme und einen stilistisch mutlosen Dokumentarfilm über ein kleines Mädchen in Burma deren Originalstimme von einem deutschen Mädchen überquatscht wird. Man fragt sich warum, hat die ARD eine so hohe Quote von Analphabeten unter ihren Zuschauern?
http://www.ardmediathek.de/tv/Ausgewähl ... d=33649086

Eine Dokumentation ist z.B. die filmisch umfassende Aufnahme und Wiedergabe einer Konferenz so dass man alle Beiträge schön sehen und hören kann. Das hat nichts mit Film und wirklich überhaupt nichts mit Kunst zu tun. Und Doku ist eine Abkürzung von Dokumentation, schließlich heißt es die Doku, nicht der Doku. (Gelegentlich höre ich sogar "Doku-Film". Dann entsichere ich meine Browning.)
Begriffe sind nicht egal, denn wenn begrifflich nicht zwischen Dokumentation und Dokumentarfilm differenziert wird, dann werden unformatierte Autorenfilme mit formatierten 08/15 Informationssendungen in einen Topf geworfen (um bei den Waffenbildern aus imperialistischen Zeiten zu bleiben).

Sinnvoller wäre eine Differenzierung wie beim Spielfilm. Dort unterscheidet man auch zwischen Fernsehfilmen und Kinofilmen, wobei die allermeisten Fernsehfilme genauso von der Stange sind, wie die Fernsehdokus. Gelegentlich läuft mal ein Kinofilm, an denen das Fernsehen beteiligt war. Ebenso ist es bei Dokumentarfilmen. Kreative Dokumentarfilme laufen vor allem auf Festivals und gelegentlich im Kino, im Fernsehen werden sie höchstens in den dritten Programmen sowie Spartensenern nach Mitternacht versteckt, währen die immer gleichen Leute ihre Visage zur besten Sendezeit in die Talkshowkameras halten oder Kommisar xyz zum Millionsten mal vorführt, dass die Reichen moralisch verwerflich weil potentiell kriminell sind, damit sich Michel und Michaela nicht darüber ärgern, dass die Reichen immer reicher werden, während die Armen immer zahlreicher werden. Und so bestimmt das TV-Sein das Bewusstsein.

Im Gegensatz zu Dokumentationen bevormunden Dokumentarfilme ihr Publikum nicht mithilfe eines Specherkommentars, der vorgibt, wie die Bilder zu verstehen sind. Deshalb ist die Begriffliche Differenzierung wichtig.

so sehr ich auch die beschäftigung und querbezüge zur filmgeschichte schätze, so sehr würde ich deine strenge begriffliche trennung nicht unbedingt teilen. ich seh überhaupt kein problem darin, "doku" einfach als kurzform von "dokumentation", aber auch "dokumentarfilm", zu verstehen. an solchen begrifflichkeiten feinheiten sollte die kommunikation wirklich nicht scheitern.

ich hab auch kein großes problem damit, wenn das entsprechende feld relativ weit gefasst ist. da fällt eine ganze menge darunter, die mich nicht wirklich anspricht. ulrich seidel z.b. ist mir viel zu leicht verdaulich und mainstreamkompatibel, als dass ich mich ernsthafter mit seinen filmen auseinandersetzen würde. ich sehe das also genau umgekehrt zum frank glencairn.

der große dokukmentarfilmfan bin ich aber ohnehin nicht. ich schätze diese nische bzw. einzelne arbeiten und vertreter aus dieser ecke eigentlich fast nur deshalb, weil sich hier noch immer freiräume abseits der großen materialschlacht und industriellen produktion auftun. ob's mich dann aber tatsächlich beeindruckt, hat hauptsächlich damit zu tun, wie sehr die betreffenden akteure diese freiräume tatsächlich zu nutzen wissen, um auch in filmischer hinsicht -- d.h. in der spezifischen sprache dieses mediums -- etwas ernstzunehmendes zu schaffen. so lange das resultat nur als handwerklich routiniert umgesetzter mainstream zu verstehen ist, interessiert es mich einfach nicht weiter.



Antwort von domain:

Rechtlich interessant ist ja, dass dokumentarischen Filmen urheberrechtlich keine eigenständige Schöpfungshöhe zugeschrieben wird und sie demnach regelmäßig nur als beliebige Laufbilder eingestuft werden.

Ansonsten hat Sergej Eisenstein 1925 ganz gut erkannt:
"Für mich ist es ziemlich egal, mit welchen Mitteln ein Film arbeitet, ob er ein Schauspielerfilm ist mit inszenierten Bildern oder ein Dokumentarfilm. In einem guten Film geht es um die Wahrheit, nicht um die Wirklichkeit."



Antwort von Drushba:

Rechtlich interessant ist ja, dass dokumentarischen Filmen urheberrechtlich keine eigenständige Schöpfungshöhe zugeschrieben wird und sie demnach regelmäßig nur als beliebige Laufbilder eingestuft werden.

Das stimmt nun mal gar nicht! Ein Dokumentarfilm unterliegt aufgrund seiner geistigen Schöpfungshöhe demganz normalen Urheberrecht.

Ansonsten hat Sergej Eisenstein 1925 ganz gut erkannt:
"Für mich ist es ziemlich egal, mit welchen Mitteln ein Film arbeitet, ob er ein Schauspielerfilm ist mit inszenierten Bildern oder ein Dokumentarfilm. In einem guten Film geht es um die Wahrheit, nicht um die Wirklichkeit."

Eisenstein war in erster Linie Propagandafilmer. Seine "Wahrheit" sollte der frühen Sowjetunion nutzen, sie ins beste Licht rücken. Die "Wirklichkeit" interessierte in offenkundig nicht wirklich. Dass seine filmischen Einfälle dabei so gut waren, daß "Panzerkreuzer Potemkin" u.a. Filmgeschichte schrieben, steht auf einem anderen Blatt.

Interessanter ist Wertow, der Gegenspieler von Eisenstein, den Eisenstein mit dem obigen Zitat erwischen wollte. Wertow verachtete den Spielfilm und versuchte sich am "Faktenfilm", "wo Lachen und Weinen, Sterben und Steuerzahlen nicht den Anweisungen eines Filmregisseurs unterworfen sind". Dafür wurde er in der Stalinzeit gemobt und nur deswegen nicht hingerichtet, weil er bereits zu berühmt war. Wertows "Faktenfilm", eine wichtige Variante, wenn auch nicht unproblematische Urform des Dokumentarfilms, zeigte nämlich auch das Elend der Sowjetunion bisweilen ungeschminkt.

Wertow glaubte daran, daß die Wirklich stark genug ist, um damit Propaganda zu betreiben, während Eisenstein auf die Lüge der Inszenierung setzte. An die Kraft der Wirklichkeit glauben auch heute lebende Dokumentarfimer, wenn auch die ernst zu nehmenden damit keine Propaganda betreiben wollen.

Das Beispiel von Wertow und Eisenstein zeigt auch, wie früh sich das Genre Dokumentarfilm von den bewußten Lügen des Inszenierens absetzen wollte und die ungeschminkte Wirklichkeit dagegen setzte. Daran hat sich bis heute im Grunde nichts geändert.



Antwort von Helge Renner:

Bereits das Aufstellen oder Hinhalten einer Kamera samt Wahl eines Bildausschnitts und dem Drücken von Record und Stop ist eine Form der Inszenierung von Wirklichkeit.

Das Beispiel von Wertow und Eisenstein zeigt auch, wie früh sich das Genre Dokumentarfilm von den bewußten Lügen des Inszenierens absetzen wollte und die ungeschminkte Wirklichkeit dagegen setzte. Daran hat sich bis heute im Grunde nichts geändert.



Antwort von Drushba:

Bereits das Aufstellen oder Hinhalten einer Kamera samt Wahl eines Bildausschnitts und dem Drücken von Record und Stop ist eine Form der Inszenierung von Wirklichkeit.
]

Man kann es auch wie die Konservativen machen und bei Diskussionen über Moral das Absolute einfordern, verbunden mit dem Hinweis, daß dies eh nie zu erfüllen ist und daher jeder Anspruch auf Gerechtigkeit unnütz sei. Das ist ein retorischer Trick und so kommt mir diese Argumentation vor, die sich auch durch den ganzen Thread zieht. Was sollen wir daraus folgern? Das Dokfilmen ganz zu lassen? Zum Glück stimmt diese Unterstellung ganz einfach nicht. Wer einen FrameFrame im Glossar erklärt bestimmt, wählt Wirklichkeit aus, aber inszeniert diese nicht (es sei denn, er legt es darauf an). Ich habe etliche dokumentarische Situationen erlebt, wo Protagonisten ganz in ihren Gesprächen und Tätigkeiten versunken waren, ohne daß ich in irgendeiner Form störte oder beinflusste. Ich würde dies sogar als den dokumentarischen Normalzustand bezeichnen. Der Bildausschnitt war so gewählt, daß er das Geschehen zeigt. Etwas Kadrage dazu, mehr nicht. Auch zufällige Begegnungen des Protagonisten mit Fremden, die ganz einfach hinnehmen, daß eine Kamera dabei ist. Wenn Bauern auf einem Markt sich aufgeregt über den Preis einer Kuh unterhalten und sich dabei sogar persönlich angehen, nimmt niemand den Dokfilmer war. Und selbst wenn, hat dies dann keinen Einfluss auf das Verhalten der Protagonisten, weil die emotionale Anspannung über den Preis der Kuh eben das Drumrum überlagert :-) Das geht auch in leiseren Situationen. Es gibt natürlich Filmer, die sich gerne selbst inszenieren (geht ganz leicht mit übergoßem Team oder übergroßer Kamera, lauter Klappe ohne Einfühlungsvermögen etc.;-), die können das natürlich nicht und benötigen (wie oben ein Filmer von sich schreibt) ein 600er um weit genug weg zu sein, damit sie nicht stören. Wer bereit ist, sich zurück zu nehmen, kann das hingegen schon, ohne zu inszenieren.



Antwort von Helge Renner:

Weder ist das Quatsch noch ist es eine Frage der Moral. Wenn du deine Kamera auf etwas richtest, dann ist das deine selektive Sicht auf eine Wirklichkeit und bereits damit ist es unsinnig, von "der Wirklichkeit" zu sprechen. Dann werden die Szenen geschnitten und in eine dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge gebracht, und fertig ist die Inszenierung. Daran ist absolut nichts schlechtes, aber es ist naiv, sich dessen nicht bewusst zu sein. Von mir aus kann man Inszenierung auch durch Manipulation ersetzen.

Bereits das Aufstellen oder Hinhalten einer Kamera samt Wahl eines Bildausschnitts und dem Drücken von Record und Stop ist eine Form der Inszenierung von Wirklichkeit.
]

Quatsch. Man kann es auch wie die Konservativen machen und bei Diskussionen über Moral das Absolute einfordern, verbunden mit dem Hinweis, daß dies eh nie zu erfüllen sei und daher jeder Anspruch auf Gerechtigkeit unnütz sei. Das ist ein retorischer Trick und so kommt mir diese Argumentation vor, die sich auch durch den ganzen Thread zieht. Was sollen wir daraus folgern? Das Dokfilmen ganz zu lassen? Zum Glück stimmt diese Unterstellung ganz einfach nicht. Wer einen FrameFrame im Glossar erklärt bestimmt, wählt Wirklichkeit aus, aber inszeniert diese nicht (es sei denn, er legt es darauf an). Ich habe etliche dokumentarische Situationen erlebt, wo Protagonisten ganz in ihren Gesprächen und Tätigkeiten versunken waren, ohne daß ich in irgendeiner Form störte oder beinflusste. Ich würde dies sogar als den dokumentarischen Normalzustand bezeichnen. Der Bildausschnit war so gewählt, daß er das Geschehen zeigt. Etwas Kadrage dazu, mehr nicht. Auch zufällige Begegnungen des Protagonisten mit Fremden, die ganz einfach hinnehmen, daß eine Kamera dabei ist. Wenn Bauern auf einem Markt sich aufgeregt über den Preis einer Kuh unterhalten und sich dabei sogar persönlich angehen, nimmt niemand den Dokfilmer war. Und selbst wenn, hat dies dann keinen Einfluss auf das Verhalten der Protagonisten, weil die emotionale Anspannung über den Preis der Kuh eben das Drumrum überlagert :-) Das geht auch in leiseren Situationen. Es gibt natürlich Filmer, die sich gerne selbst inszenieren (geht ganz leicht mit übergoßem Team oder übergroßer Kamera, lauter Klappe ohne Einfühlungsvermögen etc.;-), die können das natürlich nicht. Wer bereit ist, sich zurück zu nehmen, hingegen schon.



Antwort von Drushba:

Weder ist das Quatsch noch ist es eine Frage der Moral. Wenn du deine Kamera auf etwas richtest, dann ist das deine selektive Sicht auf eine Wirklichkeit und bereits damit ist es unsinnig, von "der Wirklichkeit" zu sprechen. Dann werden die Szenen geschnitten und in eine dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge gebracht, und fertig ist die Inszenierung. Daran ist absolut nichts schlechtes, aber es ist naiv, sich dessen nicht bewusst zu sein. Von mir aus kann man Inszenierung auch durch Manipulation ersetzen.

Inszenierung ist meiner Meinung nach, wenn ich eingreife. Z.B. wenn ich sage "komm jetzt noch mal durch diese Türe, ich hatte die Kamera gerade aus, als du reinkamst." Wiederholungen oder bewußte Inszenierungen halte ich beim beobachtenden Dokumentarfilm persönlich für völlig daneben - zudem geübte Zuschauer dies auch merken würden.

Das "Wirkliche" ist ganz einfach da, ob ich die Kamera nun draufhalte oder nicht. Es sind keine Quantenzustände die sich bei Beobachtung sofort ändern, es gibt genügend Puffer von situativer, emotionaler Überlagerung seitens der Protagonisten. Wenn diese in ihrer Welt bleiben können, vergessen sie ganz oft die Kamera und es entstehen die filmischen Momente, die so wertvoll sind.

Ein weiteres Problem und von Dir zurecht angesprochen, ist der Schnitt, verbunden mit diesem sogar in hochkarätigen Workshops geäußerten, aber nicht minder ekelhaftem Zwang zur Dramaturgie. Meiner Meinung nach ergibt sich die Dramaturgie aus dem Geschehen. War ich da, um Schlüsselmomente aufzunehmen ist es gut, wenn nicht, dann eben nicht. Wenn ein Film nicht aufgeht, geht er nicht auf. Dafür gibt es zur Not die Tonne (und von dieser Gebrauch zu machen, hat einen hohen pädagogischen Wert, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Fast alle meine "Filmhochschulversuche" wanderten da rein ;-). Hier sehen wir eher das Spannungsfeld von Auftragsproduktionen, wo im Schnitt inszeniert werden muß, damit das Endergebnis rund wird und gefällt.



Antwort von domain:

Die Frage ist m.E. immer, wie hoch der Anteil an gestalterischem Eigeninput bei dokumentarischen Filmen (nicht Dokumentarfilmen) ist.
Angenommen, man möchte nur einen Vortrag oder ein Bühnschauspiel in voller Länge und in Totale aufnehmen und wiedergeben. Keine spezielle Lichtsetzung und neben dir haben u.U. noch andere Kameramänner ihren Standort bezogen, die genau dieselben Aufnahmen machen.
Wo ist da der schöpferische Akt, die Handschrift des Autors?
Sind der Titel, der Nachspann oder einige kürzende Schnitte schon ein schöpferischer Akt?
Entspricht nicht dem Wesen des Urheberrechtes, das das verlangt, max. Leistungsschutz möglich.



Antwort von Helge Renner:

Weder ist das Quatsch noch ist es eine Frage der Moral. Wenn du deine Kamera auf etwas richtest, dann ist das deine selektive Sicht auf eine Wirklichkeit und bereits damit ist es unsinnig, von "der Wirklichkeit" zu sprechen. Dann werden die Szenen geschnitten und in eine dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge gebracht, und fertig ist die Inszenierung. Daran ist absolut nichts schlechtes, aber es ist naiv, sich dessen nicht bewusst zu sein. Von mir aus kann man Inszenierung auch durch Manipulation ersetzen.

Inszenierung ist meiner Meinung nach, wenn ich eingreife. Z.B. wenn ich sage "komm jetzt noch mal durch diese Türe, ich hatte die Kamera gerade aus, als du reinkamst." Wiederholungen oder bewußte Inszenierungen halte ich beim beobachtenden Dokumentarfilm persönlich für völlig daneben - zudem geübte Zuschauer dies auch merken würden.

Das "Wirkliche" ist ganz einfach da, ob ich die Kamera nun draufhalte oder nicht. Es sind keine Quantenzustände die sich bei Beobachtung sofort ändern, es gibt genügend Puffer von situativer, emotionaler Überlagerung seitens der Protagonisten. Wenn diese in ihrer Welt bleiben können, vergessen sie ganz oft die Kamera und es entstehen die filmischen Momente, die so wertvoll sind.

Ein weiteres Problem und von Dir zurecht angesprochen, ist der Schnitt, verbunden mit diesem sogar in hochkarätigen Workshops geäußerten, aber nicht minder ekelhaftem Zwang zur Dramaturgie. Meiner Meinung nach ergibt sich die Dramaturgie aus dem Geschehen. War ich da, um Schlüsselmomente aufzunehmen ist es gut, wenn nicht, dann eben nicht. Wenn ein Film nicht aufgeht, geht er nicht auf. Dafür gibt es zur Not die Tonne (und von dieser Gebrauch zu machen, hat einen hohen pädagogischen Wert, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Fast alle meine "Filmhochschulversuche" wanderten da rein ;-). Hier sehen wir eher das Spannungsfeld von Auftragsproduktionen, wo im Schnitt inszeniert werden muß, damit das Endergebnis rund wird und gefällt.

Das von dir beschriebene Eingreifen ist natürlich ein viel stärker Eingriff, als die Wahl des Bildausschnitts. Persönlich finde ich das inszenieren von Szenen, oder besser gesagt das Schaffen eines geplanten Rahmens, in dem sich dann etwas ungescriptetes abspielt, interessant. Auch dabei kann Wahres herauskommen. Nicht gut finde ich es, wenn man schon beim zuschauen weiss, dass die Kamera nicht schon bei der vom Protagonisten zu aufzufindenden Person hinter der noch zu öffnenden Tür steht und die Begrüßung wird gespielt und so weiter. Das ist plump und die ARD Mediathek Dokus sind voll davon.

Beim Schnitt weiß ich nicht, wie du der Dramaturgie entgehen willst. Oder ordnest du alle Szenen schön chronologisch an? So weit ging ja nicht mal die zweifelhaften Dogumentary Regeln Lars von Triers.



Antwort von Frank Glencairn:

Also Probleme habt ihr....

Der eine hängt sich an Wörtern und Begrifflichkeiten auf, der andere daran, wie oft ich jemand durch ne Tür kommen lasse (ich mache das, so oft wie es für den Film nötig ist)

Für mich zählt nur eines, den Zuschauer möglichst hochwertig zu unterhalten, weil genau dafür bezahlt er mich. Was wir hier machen ist eine Dienstleistung, kein selbstverliebter Selbstzweck, der sich an selbstauferlegten Dogmen entlang hangelt, und obendrein noch die Produktion erschwert.

Aber jedem das seine.



Antwort von Drushba:



(ich mache das, so oft wie es für den Film nötig ist)

Für mich zählt nur eines, den Zuschauer möglichst hochwertig zu unterhalten,

Naja, irgendwer muß ja auch das Instant-Fernsehzeugs machen, was man vom Wegzappen kennt :)



Antwort von domain:

Eigentlich scheint es nur ein Problem von Helge Renner und Drushba zu sein, den puristischen Abgrenzern und Kategorisierern zwischen den sich verwischenden Bereichen im Doku-Sektor ;-)



Antwort von Drushba:

Eigentlich scheint es nur ein Problem von Helge Renner und Drushba zu sein, den puristischen Abgrenzern und Kategorisierern zwischen den sich verwischenden Bereichen im Doku-Sektor ;-)

In einer Zeit der allgemeinen Bereitschaft zur medialen Lüge ist das eher ein größeres Problem. Nun gut, die Masse will seit altersher lieber Brot und Spiele. Dafür gibts ja dann die anderen Experten. Aber eines stimmt nicht: Dass der ungescriptete Dokumentarfilm kein Publikum hätte. Es wird allgemein von einer Renaissance des Dokumentarfilms gesprochen und die Dok-Festivals erleben einen enormen Zulauf. Ich gehe davon aus, daß es eben doch einen Durst nach Wahrheit bzw. Wirklichkeit jenseits der gescripteten Formate gibt, der erst durch das Nullmedium TV genährt wird. Und das ist gut so, denn diese Renaissance des Echten bzw. die Dok-Festivals und Onlinekanäle zeigen zum Einen, daß nicht allen alles egal ist und bieten Dokumentarfilmern bzw. deren Arbeiten eine breite, anspruchsvolle Plattform, in einer Dimension, die vor Jahren nicht denkbar gewesen wäre :)

PS: Ein eher absurder Trend hingegen ist, daß auf Festivals die Filme vor vollem Haus in Reinform laufen, das Interesse groß ist, die Lizenzverkäufe gut funktionieren, die Redaktionen der TV-Sender dann aber gekürzte Versionen mit Voice Over herstellen lassen, ganz so, als würde man das Publikum ohnehin nicht ernst nehmen. Was natürlich durchaus den Realitäten entsprechen könnte... ;)



Antwort von domain:

Stimmt schon. Aber was ist die Wahrheit?
Die gefilmte und zunächst belanglos erscheinende Wirklichkeit oder die vorverdaute, verdichtete, gescriptete und z.T. gespielte Wahrheit, wie bei Seidl.
Ok, seine Langfilme sind nicht mehr so mitreißend, speziell nicht Paradies Hoffnung mit den dicken Mädchen.
Aber es ist Kunst: stilistische Extravaganz in Kombination mit verdichteten Aussagen. Und speziell bei Paradies Liebe hat er ins Schwarze getroffen. Selbst noch viel Außergewöhnlicheres beobachtet.
Selbst Michael Haneke schätzt seine Filme sehr, egal in welche Schublade man sie einordnen möchte.



Antwort von Master:

Frank hat recht. Die Filmerei dient in erster Linie der Unterhaltung des zahlenden Konsumenten. Das ist eine Dienstleistung wie Schornsteinfegen oder Mülltonnen leeren auch. Der Kunde will sich die Hände nicht schmutzig machen und bezahlt dafür seine Schergen die ihm alles mit der Kamera einfangen und ihm Mundgerecht servieren. Aufs Sofa.
Wer das Verhältnis Kunde (Boss) und Dienstleister (Scherge) nicht begreift und meint er wäre was besonderes und filmender Künstler hat schon verloren.



Antwort von Helge Renner:

Eigentlich scheint es nur ein Problem von Helge Renner und Drushba zu sein, den puristischen Abgrenzern und Kategorisierern zwischen den sich verwischenden Bereichen im Doku-Sektor ;-)

Immerhin hat es gereicht, um den Amira Thread auf drei Seiten auszudehnen ;)



Antwort von Helge Renner:

Eigentlich scheint es nur ein Problem von Helge Renner und Drushba zu sein, den puristischen Abgrenzern und Kategorisierern zwischen den sich verwischenden Bereichen im Doku-Sektor ;-)

In einer Zeit der allgemeinen Bereitschaft zur medialen Lüge ist das eher ein größeres Problem. Nun gut, die Masse will seit altersher lieber Brot und Spiele. Dafür gibts ja dann die anderen Experten. Aber eines stimmt nicht: Dass der ungescriptete Dokumentarfilm kein Publikum hätte. Es wird allgemein von einer Renaissance des Dokumentarfilms gesprochen und die Dok-Festivals erleben einen enormen Zulauf. Ich gehe davon aus, daß es eben doch einen Durst nach Wahrheit bzw. Wirklichkeit jenseits der gescripteten Formate gibt, der erst durch das Nullmedium TV genährt wird. Und das ist gut so, denn diese Renaissance des Echten bzw. die Dok-Festivals und Onlinekanäle zeigen zum Einen, daß nicht allen alles egal ist und bieten Dokumentarfilmern bzw. deren Arbeiten eine breite, anspruchsvolle Plattform, in einer Dimension, die vor Jahren nicht denkbar gewesen wäre :)

PS: Ein eher absurder Trend hingegen ist, daß auf Festivals die Filme vor vollem Haus in Reinform laufen, das Interesse groß ist, die Lizenzverkäufe gut funktionieren, die Redaktionen der TV-Sender dann aber gekürzte Versionen mit Voice Over herstellen lassen, ganz so, als würde man das Publikum ohnehin nicht ernst nehmen. Was natürlich durchaus den Realitäten entsprechen könnte... ;)

Um so mehr wundert man sich, dass das Fernsehen diese Blüte des Dokumentarfilms komplett verpennt. Vielleicht liegt das auch ein bisschen an den Produzenten und Filmemachern, die von diesem Fernsehen so konditioniert haben wurden, dass sie sich nichts anderes mehr vorstellen können...



Antwort von Helge Renner:

Frank hat recht. Die Filmerei dient in erster Linie der Unterhaltung des zahlenden Konsumenten. Das ist eine Dienstleistung wie Schornsteinfegen oder Mülltonnen leeren auch. Der Kunde will sich die Hände nicht schmutzig machen und bezahlt dafür seine Schergen die ihm alles mit der Kamera einfangen und ihm Mundgerecht servieren. Aufs Sofa.
Wer das Verhältnis Kunde (Boss) und Dienstleister (Scherge) nicht begreift und meint er wäre was besonderes und filmender Künstler hat schon verloren.

Den mündigen zahlenden Konsumenten gibt es beim öffentlich rechtlichen Fernsehen nicht. Das bekommt sein Geld ja automatisch. Die Quote misst nur das, was geschaut wird und geschaut werden kann nur das, was angeboten wird. Da es in diesem Angebot fast keine guten Filme gibt, egal ob Spiel- oder Dokumentar, gibt es keine Zuschauer, die sich für solche Filme interessieren würden. Die schauen diese Filme im Netz, auf Festivals oder im Kino. Und dort geht es dann um Unterhaltung des zahlenden Konsumenten.



Antwort von PrincipeAzzurro:

Lese mit Erstaunen. Und freue mich zunächst über die mittlerweile 3 Seiten.
Noch immer bin ich mit vielem nicht einverstanden, was hier teils geschrieben steht - Frank Glencairn, mit Dir leider vor allem, denn "Unterhaltung" steht für mich wirklich am Ende des Dok-Filmens als Diamantspitze des Eisberges, aber nicht am Anfang. Trotzdem kann ich nur alle Meinungen hier trotzdem akzeptieren, auch im Sinne des alle bereichernden Pluralismus.

Wir haben aber ein wenig den Faden verloren. Es geht um eine (große) Kamera, die von SC in einem Artikel als "DOK Referenzdesign" vorgestellt und durch das schlaue Fragezeichen ("?") am Ende des Titels durchaus zur Debatte gestellt wurde. Jetzt sind wir ein wenig bei dokumentaristisch-weltanschaulichen Allgemeinheiten angekommen. Gäbe es einen Thread-Admin, wären etliche der letzten Beiträge als "Off Topic" gekennzeichnet...

Daher verabschiede ich mich an diesem Punkt aus der Debatte, kann's mir aber nicht verkneifen, nach drei Seite Thread zu fragen: wann kommt der erste Eintrag unter Godwin's Law…?
Hihi…!



Antwort von mash_gh4:

auch wenn die diskussion hier natürlich schon ziemlich weit vom ursprünglichen thema abgedriftet ist, finde ich sie trotzdem soannend.

ein paar kurze stichworte und assoziationen, zu all dem, was ich hier offenbar wieder versäumt habe:

1.)

zur frage der schöpfungshöhe bzw. dem künstlerischen nutzung völlig unverfälschter aufnahmen aus dem alltag, würde ich u.a. auf auf die künstlerische aktion "Surveillance/Überwachung" vom robert adrian x verweisen, die weit über den naiven gebrauch entsprechender bilder hinaus geht:

"1981 Surveillance/Überwachung, a work for Television (live). Images from the surveillance monitors in the central control room of the Vienna subway system were transmitted live into the program breaks on ORF FS2 (Austrian National TV) on June 16 ,1981."

http://alien.mur.at/rax/SURVEILLANCE/SU ... -main.html
http://www.aec.at/aeblog/de/2015/02/21/ ... -turns-80/
http://austria-forum.org/af/Wissenssamm ... ert_Adrian

2.)

zum dogma der reinszenierung bzw. der wiederholung des einzigartigen:

ist es nicht ironie der geschichte anzusehen, dass schon im bereits genannten ersten großen beispiel eines dokumentarfilms, flathertys "nanook of the north", das ursprüngliche filmmaterial bei einem brand zerstört wurde, und all die uns überlieferten aufnahmen aus einem späteren zweiten anlauf stammen? ;)

3.)

zu domains wunderbarem eisenstein-zitat:

ich würde da gar nicht so sehr im sowjetischen umfeld nach gegenspielern und entsprechnungen suchen (obwohl natürlich die dort entwickelte filmsprache ein ausgesprochen interessantes gegestück zu den allgegenwärtigen regeln des hollywood kinos bildet), sondern eher an robert bresson denken, der bekanntlich immer nach kinematografischen umsetzungsmöglichkeiten gesucht hat, einer deratigen "wahrheit" euch im narrativem umfeld näher zu kommen. seine kritik in den "notizen zum kinematographen" richtet zwar in erster line gegen gegen theatralische formen des schauspiels und der inszennierung, gehen aber immer wieder auch ganz dezidiert auf einen unverfälschten "blick" bzw. eine adäquate nutzung der kamera ein.

4.) das bringt mich schließlich zurück zur bedeutung der kamera in diesem spiel:

so ganz vernachlässigbar ist der technische fortschritt und die tatsächliche eignung entsprechenden geräts natürlich auch im dokumentarischen umfeld nicht. die revolutionären entwicklung mobiler audio-aufnahme- bzw. synchronisationstechniken rund um "primary" sind ja hinlänglich bekannt. ich persönlich würde allerdings den fortschritt, der mit den ergonomischen optimierung der aatons verbunden waren, als noch viel wichtiger und wegweisender herausstreichen:

http://www.redsharknews.com/production/ ... gone-wrong
https://cinemagodardcinema.wordpress.co ... uc-godard/

in dieser hinsicht schaute es leider gegenwärtig nicht so toll aus. technische vorzüge, wie sie die amira unwidersprochen bietet, sind einfach nicht der springende punkt. auch mit anderem -- tlw. deutlich günstigerem equipment --, kann man heute erstaunliche qualität erzielen. aber in puncto ergonomie -- der art und weise, wie sich kameras in eine natürliche sehen und bewegen am körper fügen -- wirkt das meiste weiterhin mehr oder weniger unbrauchbar.



Antwort von Frank Glencairn:

a
in dieser hinsicht schaute es leider gegenwärtig nicht so toll aus. technische vorzüge, wie sie die amira unwidersprochen bietet, sind einfach nicht der springende punkt. auch mit anderem -- tlw. deutlich günstigerem equipment --, kann man heute erstaunliche qualität erzielen. aber in puncto ergonomie -- der art und weise, wie sich kameras in eine natürliche sehen und bewegen am körper fügen -- wirkt das meiste weiterhin mehr oder weniger unbrauchbar.

Und wo genau siehst du den großen Unterschied in der Ergonomie zwischen einer Amira und einer Aaton?



Antwort von Drushba:


Daher verabschiede ich mich an diesem Punkt aus der Debatte, kann's mir aber nicht verkneifen, nach drei Seite Thread zu fragen: wann kommt der ersten Eintrag unter Godwin's Law…?
Hihi…!

Verabschiede mich auch aus diesem Thread. Godwins Law scheint ersetzt durch "je länger die Diskussion, desto häufiger macht irgendwer den Donald Trump". Schade.

Noch kurz zum Thema: Nachdem ich die Amira kürzlich mal auf der Schulter hatte, weiß ich, daß das für mich gewichtsmässig die Vergangenheit ist. Gegenwärtige (noch-) Referenzkamera für die Königsklasse "ungescripteter Dokfilm" dürfte statistisch die C300 sein, mein persönlicher Referenz-Favorit in der Gesamtleistung (Gewicht, Auflösung, Akkulaufzeit) ist - Tonmann vorausgesetzt - die alte GH4 :)



Antwort von Master:

Dokumentarfilmen hat schon was von moderner Sklaverei. Da wo sich der Wohlstandsbürger für zu schade ist wird der arme Dokufilmer rausgeschickt.



Antwort von Helge Renner:


Daher verabschiede ich mich an diesem Punkt aus der Debatte, kann's mir aber nicht verkneifen, nach drei Seite Thread zu fragen: wann kommt der ersten Eintrag unter Godwin's Law…?
Hihi…!

Verabschiede mich auch aus diesem Thread. Godwins Law scheint ersetzt durch "je länger die Diskussion, desto häufiger macht irgendwer den Donald Trump". Schade.

Noch kurz zum Thema: Nachdem ich die Amira kürzlich mal auf der Schulter hatte, weiß ich, daß das für mich gewichtsmässig die Vergangenheit ist. Gegenwärtige (noch-) Referenzkamera für die Königsklasse "ungescripteter Dokfilm" dürfte statistisch die C300 sein, mein persönlicher Referenz-Favorit in der Gesamtleistung (Gewicht, Auflösung, Akkulaufzeit) ist - Tonmann vorausgesetzt - die alte GH4 :)

Ich will gerade meine GH4 verkaufen, mit VLog Update und frischem Panasonic Service Check. Ich würde sie auch gegen eine Amira tauschen. Hat irgendwer Interesse?



Antwort von Drushba:


Ich will gerade meine GH4 verkaufen, mit VLog Update und frischem Panasonic Service Check. Ich würde sie auch gegen eine Amira tauschen. Hat irgendwer Interesse?

Schick mir ne Mail, ich such noch eine. Dein letzter Film ist ja in HDVHDV im Glossar erklärt - insofern hat sie wenig Stunden, oder? ;)



Antwort von Helge Renner:


Ich will gerade meine GH4 verkaufen, mit VLog Update und frischem Panasonic Service Check. Ich würde sie auch gegen eine Amira tauschen. Hat irgendwer Interesse?

Schick mir ne Mail, ich such noch eine. Dein letzter Film ist ja in HDVHDV im Glossar erklärt - insofern hat sie wenig Stunden, oder? ;)

Ich habe mit der Kamera einen neuen Film gefilmt und am Anfang etwas fotografiert, sie hat also ein paar Gebrauchsstunden, Panasonic hat sie aber gerade das Okular und auch im Inneren ein paar Sachen erneuert. Du kannst sie auch gerne testen. Deine Mailadresse bräuchte ich aber noch.



Antwort von sgywalka is back:

Und wos hoben all die Argumente mit der Kamera zu tun?

70% haben die Kohel net und suchen nun an Grund.
-sie is zu schwer
-sie is zu grau
-sie is zu eckig
-sie is zu.........

***off topic - gelöscht vom Admin***

-schrumpf mas auf 45% einer Fs-5 ( dann si sie dort wo die Fs-9 sein wird = 2221)
-vergrössern den SENSAAAAAAA.. ( mir gfollt wie die Englender Brixxerl es sprechda)
auf 4 mal so gross und 12k
-und so weiter..
-und ab 129,-90 im Netz im Markt und Online :)



Antwort von Pianist:

Dies hier scheint ja der offizielle Amira-Thread zu sein. Kann mir mal jemand einige Praxisfragen beantworten?

- kann man auf beiden Karten parallel aufnehmen?

- bringt bereits die Basis-Lizenz mit aktueller Firmware die Möglichkeit, 1920x1080 mit 25P in Mpeg-2-Long-GOP 50 Mbit MXFMXF im Glossar erklärt aufzunehmen?

- welche eingebauten "Looks" bringt die Basislizenz mit? Kann man dazu irgendwo unbearbeitetes Rohmaterial sehen?

- bringt bereits die Basisversion mit aktueller Firmware diese Center-Scan-Funktion, die von Arri immer als Möglichkeit angepriesen wird, 16mm-Objektive zu verwenden? Ich gehe mal davon aus, dass das zugleich eine Möglichkeit ist, um bei einem 35-mm-Objektiv auf mehr Tele zu kommen.

- wie gut ist der Tonteil? Kann ich ohne SQN direkt mit einem Kondensatormikrofon in den Eingang gehen und angeln?

- hat jemand mal eine Amira mit einem Canon CN 7x17, Basisplatte, Kompendium und Akku auf eine Waage gestellt?

Meine Ikegami Editcam wiegt in dieser Konfiguration genau 9,3 Kilo - und die Amira sollte zumindest nicht schwerer sein.

Hintergrund meiner Frage: Ich drehe seit einem halben Jahr mit einer Sony FS7. Die tut auch, was sie soll - aber insgesamt haut das Bild mich nicht vom Hocker. Es ist total in Ordnung, aber eben nicht so genial wie ich es mir vorstelle. Außerdem stelle ich fest, dass ich wohl mit einer Kamera und einem Objektiv im traditionellen Formfaktor besser bedient bin.

Matthias



Antwort von Starshine Pictures:

Die Amira ist eine fantastische Kamera! Ich glaube aber bei einer solchen Investition solltest du sie dir vorher leihen oder deine technischen Fragen direkt an Arri schicken. Wahrscheinlich gibt es nur sehr wenige erfahrene Amira Nutzer in diesem Forum. Vielleicht kann man bei einem Arri Händler eine Art "Probefahrt" vereinbaren? Hast ja schliesslich auch ein Kaufinteresse. Denn die Verleihpreise sind schon heftig. Hier in der Schweiz kostet die Amira pro Tag 1000.- CHF! Ohne Mehrwertsteuer.

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures



Antwort von Pianist:

Klar, das wäre dann der nächste Schritt. Allerdings ist dabei noch etwas zu beachten: Meine Filme leben extrem von ihrer Authentizität. Es könnte also rein theoretisch passieren, dass das Bild so schick aussieht, dass es wirklich wie ein Spielfilm wirkt. Und genau das darf nicht passieren. Bei mir geht es immer um echte Menschen mit echten Anliegen. Wie sehen die Mitlesenden das?

Matthias



Antwort von Starshine Pictures:

Ich habe mal in einem BTS Schnipsel gesehen dass die Sendung "Kittchen Impossible" auf Vox mit der Amira gedreht wird. Das ist dann wohl der Dokustyle den man aus der Kamera bekommen kann.





Antwort von Valentino:

Versuche hier deine Fragen mal so gut es geht zu beantworten:

- kann man auf beiden Karten parallel aufnehmen?
  • Nein leider scheint Dual-Recording trotz der beiden CFast-Slots nicht zu funktionieren. Bei der Alexa-Serie mit den zwei SxS-Slots geht das aber.
    Als Alternative, ein externer Monitor der parallel mitläuft.
    Leider geht das Pre-Recording auch erst mit der Advanced-Lizenz.

  • - bringt bereits die Basis-Lizenz mit aktueller Firmware die Möglichkeit, 1920x1080 mit 25P in Mpeg-2-Long-GOP 50 Mbit MXFMXF im Glossar erklärt aufzunehmen?
  • Ja mit der Basis-Lizenz ist die MPEG-2MPEG-2 im Glossar erklärt Long-Gop Aufzeichnung mit den
    folgenden Bildraten möglich: 23.976p, 25p, 29.97p, 50i und 59.94i (Siehe Seite 118 des Manuals)

  • - welche eingebauten "Looks" bringt die Basislizenz mit? Kann man dazu irgendwo unbearbeitetes Rohmaterial sehen?
  • Es gibt anscheinend drei eingebaute Looks, die man in der Kamera speichern und bearbeiten kann. Für spätere Reserven sollte man das Material mit LLC709-Lut aufnehmen, LOG-C geht bei der Standard AMIRA nicht.
    Wer nur tagesaktuell die 8bit braucht fährt damit auch eigentlich sehr gut, den wenn man mal LOG-C usw. braucht kann man sich jederzeit diese Funktionen/Lizenz Wochenweise dazu buchen:
    https://alshop.arri.de/catalog/amira_licenses
    Rohmaterial sollte es auf ARRIs FTP geben, aber hier besser bei einem Verleiher mal testen.
    Hier findest du den Zugang, für dich wäre dann der REC709 115Mbit Material eine grobe Orientierung, das REC709 der AMIRA sieht aber etwas anders aus.
    https://www.arri.com/camera/alexa/learn ... e_footage/

  • - bringt bereits die Basisversion mit aktueller Firmware diese Center-Scan-Funktion, die von Arri immer als Möglichkeit angepriesen wird, 16mm-Objektive zu verwenden? Ich gehe mal davon aus, dass das zugleich eine Möglichkeit ist, um bei einem 35-mm-Objektiv auf mehr Tele zu kommen.
  • Ja das sollte gehen, aber geht eher in Richtung 720p. Es sieht auch deutlich besser als das Nachträgliche Zoomen im HD Material aus. Bei MPEG-2MPEG-2 im Glossar erklärt sollte der S16 auch funktionieren, habe da noch nichts gegenteiliges gelesen.

  • - wie gut ist der Tonteil? Kann ich ohne SQN direkt mit einem Kondensatormikrofon in den Eingang gehen und angeln?
  • Ja das kann man sehr gut, die Vorverstärker der AMIRA sind auf dem Niveau von den Einsteiger SoundDevice-Produkten (die haben das Audio-Modul sehr wahrscheinlich sogar entwickelt) und definitiv besser als das was Sony, Canon und Red so liefert. Die drei Eingänge lassen sich alle recht einfach auf der rechten Seite verstellen und die Pegel dann auf der linken Seite einstellen. Die Eingänge B+C sind auch mit digitalen Mikrofonen kompatibel.
    Dazu kannst du auf dem vierten Kanal Kommentare über ein 0815 BT-Headset sprechen, damit sind dann Fragen aus dem Off besser zu verstehen und man hat noch zusätzliche Metadaten.
    Im Manual findest du ab Seite 34 die ganze Funktionen und Möglichkeiten.

  • - hat jemand mal eine Amira mit einem Canon CN 7x17, Basisplatte, Kompendium und Akku auf eine Waage gestellt?
    Meine Ikegami Editcam wiegt in dieser Konfiguration genau 9,3 Kilo - und die Amira sollte zumindest nicht schwerer sein.

  • Kann ich nicht beantworten, der Body hat mit Sucher knapp 5Kg, also dazu die Optik und noch ein paar hundert Gramm für die Baseplate, sollte nicht über 10Kg kommen mit der Optik.

  • Zum Rest, einfach zum nächsten Verleiher und für ein zwei Stunden die Kamera testen. Die Kollegen im Verleih freuen sich gerade im Winter, wenn man jemand mit was Süßem und Glühwein vorbei schaut ;-)

    Würde an deiner stelle auch die knapp 3.000 Euro mehr für die Advanced AMIRA in die Hand nehmen, den ohne LOG-C und 10bit ist man echt aufgeschmissenen und die 200fps anstelle der 100fps bei der ECO sind auch ein Gewinn.

    Link zum Manual: http://www.arri.com/?eID=registration&file_uid=15735



    Antwort von Frank Glencairn:

    . Es könnte also rein theoretisch passieren, dass das Bild so schick aussieht, dass es wirklich wie ein Spielfilm wirkt. Und genau das darf nicht passieren. Bei mir geht es immer um echte Menschen mit echten Anliegen. Wie sehen die Mitlesenden das?

    Die meisten Kameras ab einer bestimmten Liga (Arri, Red, BM, FS7 usw.) liefern alle Bilder, die mehr oder weniger gleich "schick" sind. D.h. ausreichender DR, Auflösung und Details.

    Ich weiß jetzt nicht ob das "Anliegen" oder die "Echtheit" eines Menschen sehr darunter leidet, wenn auf seiner Glatze die Lichter nicht ausbrennen, die Kanten nicht schon in der Kamera künstlich aufgestellt, und die Farben nicht ganz so bonbonmäßig sind.



    Antwort von Drushba:

    der Dokustyle den man aus der Kamera bekommen kann.

    "Dokustyle". Aua.

    Klar, das wäre dann der nächste Schritt. Allerdings ist dabei noch etwas zu beachten: Meine Filme leben extrem von ihrer Authentizität. Es könnte also rein theoretisch passieren, dass das Bild so schick aussieht, dass es wirklich wie ein Spielfilm wirkt. Und genau das darf nicht passieren. Bei mir geht es immer um echte Menschen mit echten Anliegen. Wie sehen die Mitlesenden das?

    Matthias

    Ich weiß, was Du meinst. Aber ist die FS7 nicht gerade exakt so (langweilig), daß dies hinhaut? Da ich sie mir auch kaufen wollte, habe ich viele Gradingbeispiele rausgesucht, die besten waren dann allerdings von einem professionellen polnischen Grading Studio. Ich denke, wenn Du Dir von einem wirklich guten (professionellen!) Grader eine FS7- Lut basteln lässt, dann könntest Du das gewünschte Bild mit der FS7 auch hinbekommen.



    Antwort von Pianist:

    LUT geht aber nur im Cine-EI-Modus, dann ist man auf drei voreingestellte Weißabgleiche angewiesen. Immer dran denken: Ich möchte ein fertiges Bild haben und so wenig wie möglich anschließend daran machen müssen.

    Dass die Amira aber nicht auf beiden Karten parallel aufnehmen kann, das wäre allerdings ein sehr unschönes Manko. Ich kann einfach besser schlafen, wenn ich doppelte Sicherheit direkt ab Kamera habe. Denn manchmal komme ich ja eine ganze Woche nicht zum Kopieren.

    Matthias



    Antwort von rob:

    Hallo Matthias,

    Valentino hat ja schon schon ziemlich komplett deine Fragen beantwortet.

    Ich würde auch dazu raten, mit der Amira ein Paar Testrunden zu drehen.

    Wäre toll, wenn Du uns über deine Entscheidungsprozesse weiter auf dem Laufenden hältst - denke das ist für viele in ähnlicher Situation hilfreich ...

    Viele Grüße

    Rob



    Antwort von Pianist:

    Ja, ich taste mich mal weiter vor. Kann ja sein, dass am Ende dabei herauskommt, dass ich bei der FS7 bleibe. Oder dass ich mir für wenig Geld eine Canon C500 beschaffe. Sowohl bei der FS7 als auch bei der C300/500 bin ich mir aber nicht sicher, ob man den Vocas-Griff so weit nach vorne bekäme, dass die Kamera mit einem Canon CN 7x17 vernünftig ausbalanciert ist.

    Der serienmäßige FS7-Griff sitzt ja so weit hinten, dass die Kamera schon bei einem Sigma 18-35 samt Kompendium dermaßen frontlastig ist, dass man das nach kurzer Zeit in der Hand spürt. Morgen kommt der Vocas-Griff. Mal schauen, ob das dann besser wird.

    Es kann also sein, dass eine 10-Kilo-Amira-CN7x17-Kombination ergonomischer ist als die viel leichtere FS7.

    Matthias



    Antwort von Valentino:

    Denn manchmal komme ich ja eine ganze Woche nicht zum Kopieren.

    Matthias
    Wenn es um schnelles und unkompliziertes Kopieren geht, schau dir mal die neuen Geräte von NextoDI an. In den neuen NVS2801 einfach eine aktuelle 2TB SSD rein und extern eine externe 2TB 2,5" HDD und du hast schon zwei Backups.
    Ohne Zubehör unterstützt der 2801 CFast, SxS und SDXC Speicherkarten,
    mit Adaptern kann er auch P2/P2E, XQD, und CF-Karten kopieren.
    Das Gerät läuft mit internen Akku knapp 100 Minuten und lässt sich mit jedem Akku und einer Spannung von 6 bis 25 Volt betreiben/aufladen.
    Für eine 128GB CFast benötigt das Gerät gerade mal 6 bis 7 Minuten.
    Zuhause das Gerät einfach per USB3.0 an den Rechner anschließen und die Daten mit knapp 200 bis 300MB/sek. kopieren.
    http://www.nextodi.com/support/download ... e_V100.pdf
    http://www.nextodi.com/product/en_nvs2801.html

    Bei dem Preis von 800 Euro und 200 bis 600 Euro für die SSD, hat man eine recht einfache Backup-Lösung inklusive Prüfsumme für Unterwegs.

    Persönlich sichere ich auch lieber mit einem leistungsstarken Laptop, als Backup-Gerät für Unterwegs ist der 2801 einfach genial.



    Antwort von Pianist:

    Naja, aber mir geht es ja vor allem um die Situation, wenn ein Speichermedium am Ende eines langen Drehtages den Geist aufgibt und alles futsch ist. Also noch bevor ich dazu komme, es zu kopieren. Mir ist das mal passiert vor vielen Jahren, da hatte ich die halbe Bundesregierung vor der Kamera und am Nachmittag war das (damals noch festplattenbasierte) Fieldpak hinüber. Ich habe dann alles auf Flash-Medien umgestellt, aber mir vorgenommen, dass künftige Kameras gleich doppelt aufzeichnen müssen.

    Warum also um alles in der Welt kann die Amira das nicht?

    Im Grunde käme ja auch eine C500 in Frage. 500 deshalb, weil ich davon ausgehe, dass eine Kamera, die grundsätzlich 4K beherrscht, auch wenn sie es nicht intern aufzeichnen kann, eine Center-Scan-Funktion für mehr Tele hat. Weiß das zufällig jemand? Andererseits muss man da wieder ganz schön basteln, um die Kamera weit nach hinten und den Sucher weit nach vorne zu bekommen, wenn da das riesige Objektiv dran ist.

    Herrjeh, das sind alles so Gedankengänge, die quer durch das Gehirn schießen, wenn man mal ein paar Tage nicht ausgelastet ist...

    Matthias



    Antwort von Valentino:

    Naja ob zwei Karten immer so viel sicherer ist, gerade bei der AMIRA hatten wir schon eher Probleme mit dem letzten Clip einer Karte, auch wenn man diesen wieder ohne Probleme herstellen konnte.

    Die Festspeicher sind die letzten Jahre so gut geworden, das es die Ausfallraten wie z.B. bei den "beweglichen" RedDrives und Co schon lange der Vergangenheit angehören.

    Totalausfall gibt es aber auch bei SSDs und CFast Karten.

    Kannst die Frage auch mal in ARRI-Forum posten, warum DualRecording nicht geht bzw. noch mit der SUP5 nachgereicht wird:
    https://www.arri.com/forum/viewforum.ph ... b7d184fb42

    Sonst einfach einen Samurai Blade (ca 500gr mit SSD) an die Kamera riggen und per SDI-Trigger mitlaufen lassen. Dann haste am Ende des Tages noch DNxHDDNxHD im Glossar erklärt Files für dein Avid.

    Im Prinzip taugt auch der kleine BM-Shuttle dafür, wenn es nur um ein Backup geht.



    Antwort von Pianist:

    Sonst einfach einen Samurai Blade (ca 500gr mit Festplatte) an die Kamera riggen und einfach mitlaufen lassen. Dann haste am Ende des Tages noch DNxHDDNxHD im Glossar erklärt Files für dein Avid.
    Das ist mir ja damals nach dem Fieldpak-Ausfall auch für die Ikegami empfohlen wurden. Aber Du ahnst sicher, was ich als Gegner von verbastelten Kameras davon halte, wenn ich einen externen Rekorder irgendwo rankletten soll... :-)

    Ich gehe mal ins Arri-Forum.

    Matthias



    Antwort von Valentino:

    Wie gesagt 500Gr haste auch mit einer Mattebox schnell zusammen.

    Wenn du vor Ort oft auch Kunden hast, die sehen wollen was du gerade gedreht hast, sollte so oder so noch ein Monitor an die Kamera, den der Suchermonitor ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Der Sucher selber hat aber sein eigenes internes Display und ist da schon etwas besser.



    Antwort von Drushba:

    LUT geht aber nur im Cine-EI-Modus

    Nein, kein in-Kamera Grading. Ich meinte eine Lut für Resolve oder gleich für den Avid. Da kannst Du Deine Voreinstellungen an der Cam wählen und hinterher die maßgeschneiderte Lut anwenden. Professionelle Grader können das nach Deinem Geschmack und Vorgaben basteln, wenn Du dabei sitzt und ihnen sagst, wie Du die Luts bzw. den Look haben willst.



    Antwort von Pianist:

    Nein, kein in-Kamera Grading. Ich meinte eine Lut für Resolve oder gleich für den Avid. Da kannst Du Deine Voreinstellungen an der Cam wählen und hinterher die maßgeschneiderte Lut anwenden. Professionelle Grader können das nach Deinem Geschmack und Vorgaben basteln, wenn Du dabei sitzt und ihnen sagst, wie Du die Luts bzw. den Look haben willst.
    Aber das würde ja auch wieder einen zusätzlichen Arbeits- und Rechenschritt bedeuten, der dazu führt, dass ich später als nötig ins Bett komme...

    Ich würde das aber auch mal probieren. Dann müsste ich mit der FS7 in S-Log drehen, oder? Und wer im Berliner Raum würde sowas erstellen, so dass ich es im Avid einfach drüberbügeln kann?

    Allerdings fürchte ich, dass es auch da wieder nicht die eine pauschale Lösung geben wird, die allen Situationen gerecht wird...

    Wenn du vor Ort oft auch Kunden hast, die sehen wollen was du gerade gedreht hast, sollte so oder so noch ein Monitor an die Kamera, den der Suchermonitor ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Der Sucher selber hat aber sein eigenes internes Display und ist da schon etwas besser.
    Zum Glück sind meine Auftraggeber nie dabei, außer bei Veranstaltungen. Ganz selten fragen Leute vor Ort nach ihrem O-Ton, ob sie mal reinschauen können. Da muss der Sucher reichen. Kein Gebamsel an der Kamera. Daher auch meine Vorbehalte gegen die C300/500, da ist mir die Box mit dem Sucher und den XLR-Anschlüssen schon zu bamselig.

    Eine Amira ist eben so konstruiert, wie eine Kamera sein muss...

    Matthias



    Antwort von Frank Glencairn:

    Naja, aber mir geht es ja vor allem um die Situation, wenn ein Speichermedium am Ende eines langen Drehtages den Geist aufgibt und alles futsch ist.

    Du nimmst nen ganzen Tag auf nur EINEM Medium auf?

    Warum das denn?



    Antwort von Valentino:

    Klar bei einem Datenverlust ist dann alles weg, aber mal ganz ehrlich bei EB ist das doch üblich immer nur ein bis zwei Karten oder Disks zu haben.

    Ob jetzt eine bis drei 50GB XDCAM-Disk oder eine große P2-Karte.
    Am Ende des Tages drückt man diese dem Redakteur in die Hand und gut ist, was will der auch mit acht 32GB Speicherkarten, davon verliert der doch eh nur wieder die Hälfte.

    Er wird schon seine Gründe haben und bei 512GB große CFast Karten passt in 50Mbit XDCAM auch ordentlich Material auf die Karte. Glaube es ist im Fall von Pianist wahrscheinlich sogar wichtiger, das der Speicherplatz nicht ausgeht und er ohne die Kamera von der Schulter zu nehmen auf die zweite CFast Karte aufzeichnen kann.



    Antwort von Frank Glencairn:

    Ich kaufe aus Sicherheitsgründen nur Medien auf die max 20 Minuten passen, und die wechsel ich manchmal auch, wenn nur 10 Minuten drauf sind.

    Aber jedem das seine. Mir wär das jedenfalls zu riskant - die teuren Sachen sind meistens VOR der Kamera.



    Antwort von Pianist:

    Du nimmst nen ganzen Tag auf nur EINEM Medium auf?

    Warum das denn?
    Damals an dem Tag war es so, dass ich von einem Gesprächspartner zum nächsten geeilt bin und dazwischen einfach keine Zeit zum Wechseln war. Danach habe ich das System ja verändert und habe seitdem mehr Fieldpaks, dafür mit weniger Kapazität. Also mehr Risikoverteilung.

    Jetzt bei den XQD-Karten habe ich das genau so gemacht, acht Stück mit jeweils 32 GB. Zwei werden immer gleichzeitig beschrieben. Also vier Sätze. Da passen jeweils 60 Minuten drauf.

    Ich kaufe aus Sicherheitsgründen nur Medien auf die max 20 Minuten passen, und die wechsel ich manchmal auch, wenn nur 10 Minuten drauf sind.

    Und was machst Du, wenn die Kanzlerin dann doch zehn Minuten länger redet als geplant?

    Matthias



    Antwort von Frank Glencairn:

    Ich hab den Luxus von 2 C-Fast Slots, und kann damit quasi unendlich aufnehmen, solange ich Karten zum swappen hab.

    Alternativ könnte ich in einem stark komprimierenden CodecCodec im Glossar erklärt wie ProResProRes im Glossar erklärt aufnehmen, dann reicht ne einzelne Karte ewig.

    Auf der anderen Seite hab ich den Seehofer auch schon mal nen Take wiederholen lassen - whatever it takes ;-)

    Keine Ahnung wie das auf deiner Ikegami/Sony ist, aber bei mir dauert das wechseln der Karten unter 10 Sekunden, da bremst mich also nix aus.



    Antwort von Pianist:

    Keine Ahnung wie das auf deiner Ikegami/Sony ist, aber bei mir dauert das wechseln der Karten unter 10 Sekunden, da bremst mich also nix aus.
    Naja, und wenn genau in diesen zehn Sekunden der entscheidende halbe Satz kommt, auf den Du gewartet hast? Ein wenig länger als zehn Sekunden dauert das aber schon, außer wenn man schon vorher alle Speichermedien formatiert und benannt hat.

    Matthias



    Antwort von Frank Glencairn:

    Sowas ist mir in 25 Jahren noch nicht vor gekommen.

    Und ja, natürlich sind alle Medien formatiert und beschriftet, nennt sich CamPrep.



    Antwort von Pianist:

    Ich habe jetzt noch mal zwei ergänzende Fragen. Zunächst mal für alle, die den FS7-Thread nicht lesen: Ich habe jetzt mal einige Slog3-Aufnahmen gedreht und mir im Sucher eine 709-LUT draufgelegt. Im Avid dann eine der dort mitgelieferten 709-LUTs drübergebügelt, die letzte von unten aus der Liste. Das Ergebnis finde ich ziemlich beeindruckend. Von daher könnte man meinen, dass die FS7 bleiben darf. Aber es gibt ja auch noch den ergonomischen Aspekt. Und da ist die Amira ganz klar vorn. Von der Reputation ganz zu schweigen.

    Nun meine beiden Fragen: Falls meine Ikegami irgendwann den Geist aufgibt, muss ich ja auch Filme mit der neuen Kamera drehen, die eher wie Nachrichten aussehen sollen, und eben nicht zu filmisch. Kriege ich denn eine Amira auch mal dazu, wie eine Videokamera auszusehen?

    Und die zweite Frage: Gibt es irgendwelche Argumente, die für oder gegen den EF- oder den PL-Mount sprechen? Also Kamera und Canon CN 7x17 mit EF oder PL? Mir reicht es vollkommen, wenn wenigstens der Start-Stop-Knopf am Handgriff des Objektives funktioniert. Weiß jemand, welche der beiden Konstruktionen die kürzere Bauform hat? Also ich meine: Ist eine Amira mit EF-Mount samt Canon CN 7x17 mit EF-Mount kürzer oder die PL-Variante? Oder nimmt sich das nichts?

    Matthias



    Antwort von Sir Richarrdt:

    @Pianist!

    Eine Frage: ich lese den Thread mit, weil ich so womöglich interessante Infos bekomme.
    Gut. So, warum muß es für den Zweck " soll wie Video ausehen" eine so teure Kamera sein, wie die Amira? Würde da nicht einer der neuen 1-zoll-henkler ( Sony/ Panasonic)
    nicht eher passen? Oder sind sie vom Glas her limitiert? Dann verstehe ich das schon.
    Aber eine Amira, mit dem Canon zu " Video" runter- schon hefig. ($$$)

    Mir gfallt Dein Zugang und die natürlich auf Dich zugeschnitte Arbeitsweise, die für jeden
    andern total anderst ist.. was logisch ist.

    Warum ein 40 cm Schiffsgeschütz für Spatzen??
    Ist es net zu heftig??



    Antwort von Pianist:

    Sagen wir mal so: Vor zehn Jahren habe ich für die Ikegami Editcam HD mehr als 40.000 EUR (ohne Objektiv!) bezahlt und es nicht bereut. Für die FS7 habe ich samt umfangreichem Zubehör und allen Objektiven nur 12.000 EUR bezahlt. Dafür habe ich nun eine Kamera, die im Prinzip zwei Kameras in einem ist: Ich kann mit den STD- und HG-Kurven ein fast fertiges Bild erzeugen, was moderner ist als das der 2/3-Zoll-EB-Kamera, welches mich aber nicht komplett vom Hocker haut. Und ich kann im Cine-EI-Modus Slog3 mit Monitor-LUT machen, kann damit hinterher extrem interessante Bilder generieren, die aber doch nach relativ viel Feinjustierung verlangen, auch wegen der in diesem Modus fehlenden exakten Weißabgleichsmöglichkeit. Damit werde ich mir früher oder später mein Zeitmanagement zerschießen, das weiß ich jetzt schon.

    Und dann kommt eben noch der ergonomische Faktor dazu: Man muss zwar die FS7 nicht so extrem verbasteln wie eine C300, aber selbst wenn man nur den Handgriff, die Mikrofonhalterung, die Sucherhalterung und das Okular gegen die besseren Teile von Zacuto tauscht, um die Kamera halbwegs vernünftig tragen und benutzen zu können, sieht sie aus wie aus dem Stabilbaukasten.

    Im Frühjahr dachte ich, dass sich meine Nutzung zu gleichen Teilen auf die Ikegami und die Sony verteilen wird. Mittlerweile bin ich bei 90% Sony und 10% Ikegami, die ich nur noch auf Veranstaltungen einsetze, weil ich da die längeren Brennweiten benötige (ich hinten, Redner vorne).

    Die Amira wäre für mich eine Kamera, die genau das tut, was ich brauche: Sie hat (wenn man vorne das Canon CN 7x17 ransetzt) genau den gleichen Formfaktor wie die Ikegami und auch das gleiche Gewicht. Ich wollte zwar kleiner und leichter (FS7) werden, aber das nützt ja nichts, wenn man sich dabei die Finger bricht oder einem ständig die Hand wehtut, weil man die Kamera einfach nicht gut anfassen kann. Die Amira kann man gut in die Hand nehmen, mal auf die Schulter setzen oder aufs Stativ, und man muss sie in keiner Weise irgendwie verbasteln. Man kann sehr viel Einfluss auf das Bild nehmen und direkt in der Kamera ein wirklich fertiges Bild erzeugen. Somit spart man viel Zeit bei der Nachbearbeitung und hat trotzdem ein ganz tolles Bild und die Leute werden sich alle sehr gut gefallen, wenn sie sich im Film sehen.

    Da man keine großen Bearbeitungsreserven braucht, kann man auch weiterhin wie bei der FS7 als Mpeg-2-422-50-Mbit-MXF aufnehmen, hat dadurch keine riesengroßen Dateien, spart somit viel Zeit beim Kopieren und kommt abends früher ins Bett.

    So ganz nebenbei erfreut man auch noch die Herzen der politisch denkenden Leute, mit denen man es zu tun hat, weil die es natürlich schätzen, wenn man mit einem Münchner Qualitätsprodukt ankommt.

    4K werde ich in den kommenden Jahren nicht brauchen. Schade ist es, dass man wohl nicht auf beiden Karten synchron aufzeichnen kann, und dass es keinen echten 4K-zu-HD-Centerscan gibt, um das als Extender zu nutzen. Aber diese Super-16-Objektivanpassungsmöglichkeit ist ja sowas Ähnliches, wirkt immerhin 1,8-fach und soll wohl qualitativ in Ordnung gehen.

    Ich werde das mal alles durchtesten. Und dann kommt es letztendlich darauf an, ob ich Kamera und Objektiv für das Geld bekomme, das ich auszugeben bereit bin.

    Nun noch mal zu Deiner eigentlichen Frage: Die Kamera würde also zu 90 Prozent so eingesetzt werden, dass sie dabei ihre Stärken ausspielen kann. Wenn aber irgendwann die Ikegami ihren Geist aufgibt, würde ich die Sachen, die eher wie Nachrichten aussehen sollen, auch mit der Arri drehen. Und da muss ich dann einen Look erarbeiten, der dazu passt. Das darf dann nicht zu schick aussehen, nur ein bißchen... :-)

    Konnte ich damit Deine Frage beantworten?

    Matthias



    Antwort von domain:


    Warum ein 40 cm Schiffsgeschütz für Spatzen??
    Ist es net zu heftig??

    Weil die Spatzen schick aussehen wollen und nicht in typischen Sonyfarben, weil die Amira nicht wie aus dem Stabilbaukasten sondern wie ein Monolith wirkt und gut auf der Schulter liegt und weil ARRI draufsteht, ähnlich prestigeträchtig wie IKEGAMI und die FS7 bereits jetzt als B-Kamera eingeordnet wird.
    Alles durchaus nachvollziehbare Gründe.



    Antwort von rainermann:

    Arri Amira vs. FS7



    machen sich doch beide gut, oder? Abgesehen von all dem anderen, was hier schon angesprochen wurde (Formfaktor etc.)



    Antwort von Valentino:


    Warum ein 40 cm Schiffsgeschütz für Spatzen??
    Ist es net zu heftig??

    Weil die Spatzen schick aussehen wollen und nicht in typischen Sonyfarben, weil die Amira nicht wie aus dem Stabilbaukasten sondern wie ein Monolith wirkt und gut auf der Schulter liegt und weil ARRI draufsteht, ähnlich prestigeträchtig wie IKEGAMI und die FS7 bereits jetzt als B-Kamera eingeordnet wird.
    Alles durchaus nachvollziehbare Gründe.
    Die AMIRA ist in Natura auch deutlich kompakter als man denkt, bzw. von den Fotos her vermutet. Gerade bei der Breite, wird sogar die Ikegami etwas breiter sein.
    Wenn man dazu bedenkt, das da noch ordentlich Technik drin steckt und die Anschlüsse (XLR, Hirose, SDISDI im Glossar erklärt usw) auch noch etwas Platz brauchen, geht es fast nicht kleiner. Nur mit dem wegrationalisieren der Anschlüsse lässt sich eine RED oder Alexa-Mini in ein kleines Gehäuse packen.

    @Pianist
    An deiner Stelle würde ich drei bis vier Situationen mit der Ikegami und AMIRA parallel mit Farbtafel und Person drehen und dann in einem Posthaus den passenden Ikegami-Look für die AMIRA erstellen lassen.
    Du kannst dich dann abhängig vom Projekt entscheiden ob du in Log-C (und Monitor-Tor) in 10bit ProResProRes im Glossar erklärt, MPEG2-HD mit LLC (und Monitor-Tor) oder gleich mit dem eingebackenen Ikegami-Look drehst.
    Damit hast du alles von kleinem bis großen Spielraum in der Post abgedeckt und brauchst für Avid und Co. dann noch mal die selben LUTs, wenn dieser nicht schon eingebacken ist.



    Antwort von Pianist:

    Im Prinzip kann man sagen: Die Höhe und Breit der Amira entspricht genau den Dimensionen eines gewöhnlichen IDX-V-Mount-Akkus. Somit ist sie tatsächlich kompakter als meine Ikegami, hat aber immer noch einen langen Handgriff und insgesamt einen Formfaktor, der eine gewohnte Handhabung ermöglicht, ohne sich die Finger zu brechen.

    Nur mal so zum Vergleich: Trotz des inzwischen montierten Vocas-Handgriffes, den man weit nach vorne bringen kann, ist es immer noch nicht möglich, die FS7 mal eben beim Tragen unfallfrei von der einen in die andere Hand zu wechseln. Immerhin ist sie jetzt nicht mehr so frontlastig. Ob das auch noch gilt, wenn ein CN 7x17 montiert ist, weiß ich nicht. Da müsste man wohl hinten ein wenig Ballast in Form eines XDCA mit V-Mount-Akku anbauen und ist dann gewichtsmäßig endgültig oberhalb 10 kg.

    Übernächste Woche kann ich erstmalig eine Amira mit CN 7x17 in die Hand nehmen. Was die Looks und Arbeitsweisen von Valentino angeht, so kann ich da vollumfänglich zustimmen, all diese Möglichkeiten gibt es, aber ich würde tatsächlich das Gewicht auf eingebackene Looks legen, da ich zeitraubende Nacharbeit hasse wie die Pest. Lieber gehe ich eine Stunde früher ins Bett.

    Matthias



    Antwort von Pianist:

    Von mir mal wieder ein Update: Am Freitag konnte ich meine Amira abholen. Eigentlich ging ich davon aus, dass sie noch ein bis zwei Wochen nutzlos in der Gegend herumsteht, weil das Objektiv noch nicht da ist, aber genau auf dem Rückweg erreichte mich der Anruf meines anderen Händlers, der mir mitteilte, dass das Objektiv (also ein Canon CN 7x17) eingetroffen ist.

    Somit konnte ich am Freitag die komplette betriebsfähige Einheit zusammenbauen. Erster Eindruck: Sehr gut, aber auch schwer. Das komplette Gerät (Kamera, Sucher, Objektiv, Kompendium, Basisplatte, V-Mount-Akku) wiegt zwei Kilo mehr als die Ikegami mit Canon 15x8 (12 statt 10 kg). Aber das ist gerade noch so vertretbar.

    Ich denke mal, dass es relativ einfach ist, mit dem Arri Color Tool einen schönen Look hinzubekommen, ich habe da eigentlich sehr schnell sehr gute Ergebnisse erzielt. Vielleicht drehe ich mal ein wenig C-Log-Material und frage hier in die Runde, ob sich mal jemand an einem netten Look versuchen möchte, der damit mehr Erfahrung hat als ich.

    Genial sind auch die neuen Gestaltungsmöglichkeiten, die ich durch die Zeitlupe (bis 200 Bilder pro Sekunde) und die Zeitraffer-Aufnahmen in Verbindung mit langen Belichtungszeiten habe.

    Das Canon CN 7x17 macht genau das, was es soll: Es deckt einen praxisgerechten Brennweitenbereich ab und ist natürlich auch bei offener BlendeBlende im Glossar erklärt total scharf. So muss ich nie mehr ein Objektiv wechseln und bin dadurch mit der Amira genau so schnell wie mit der Ikegami. Allerdings: Verzichten auf die Ikegami werde ich auch in Zukunft nicht, weil die BrennweiteBrennweite im Glossar erklärt von 120 mm bei einem Super-35-Sensor (selbst wenn man die 1,8-fach-Super-16-Crop-Funktion nutzt) einfach nicht dafür reicht, in einer typischen Kongress-Situation vom vorgesehenen Kamerastandort die Rednerin oder den Redner in der gewünschten Größe aufzunehmen. Aber damit hatte ich ja gerechnet.

    Jetzt kommt aber mein kleines Fragezeichen: Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bestimmte Flächen im Bild selbst bei den nativen 800 ISO bei wenig Licht ein wenig zu sehr rauschen. Vor allem bei dunkelblauen Flächen ist das der Fall, aber auch in schwarzen Flächen. Mit diesem Wissen ist es kaum vertretbar, mal auf 1600 oder gar 3200 ISO zu schalten, was mir sicher in der einen oder anderen Situation Probleme bereiten wird, wenn es schlichtweg zu dunkel ist.

    Billige Kameras kann man rauschfrei bis 6.400 (oder gar noch mehr) hochjubeln... Bin ich da zu pingelig, mache ich was falsch oder ist das ein ernsthaftes Problem?

    Matthias



    Antwort von r.p.television:



    Jetzt kommt aber mein kleines Fragezeichen: Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bestimmte Flächen im Bild selbst bei den nativen 800 ISO bei wenig Licht ein wenig zu sehr rauschen. Vor allem bei dunkelblauen Flächen ist das der Fall, aber auch in schwarzen Flächen. Mit diesem Wissen ist es kaum vertretbar, mal auf 1600 oder gar 3200 ISO zu schalten, was mir sicher in der einen oder anderen Situation Probleme bereiten wird, wenn es schlichtweg zu dunkel ist.

    Billige Kameras kann man rauschfrei bis 6.400 (oder gar noch mehr) hochjubeln... Bin ich da zu pingelig, mache ich was falsch oder ist das ein ernsthaftes Problem?

    Matthias

    Der Sensor bzw das Signalprocessing ist meiner Meinung nach für unbeleuchtete Sets nicht so ausgelegt.
    Wo man später die Tiefen in der Post runterzieht um das Rauschen weg zubekommen hat man in Real-Life-Szenarien kein "Fleisch" um das so zu bewerkstelligen.
    Die Kamera verzeiht zwar unglaublich viel Über- und Unterbelichtung, aber das Noiselevel in dunklen Flächen ist dennoch immer vorhanden.
    Wenn Du vorher eine FS7 hattest dann wurdest Du hier auch durch die interne Rauschunterdrückung verwöhnt. Da ist Sony mittlerweile einfach sehr gut.
    Schöne Farben out of cam bei der Arri sind eben mit anderen Kompromissen behaftet.
    Ich habe den anderen Thread mitgelesen und wollte Dir Deinen Wunsch nach der Amira nicht schlecht reden. Aber neben dem höheren Gewicht (2 Kilo extra darf man nicht unterschätzen) wirst Du im Workflow doch merken dass diese Kamera in allen Belangen mehr Workarounds braucht um zu den Ergebnissen zu kommen die man will und kennt. Um einen rauschfrauen Look zu bekommen wirst Du zukünftig wohl Footage durch Neat oder andere Denoiser jagen müssen. Das verschlingt leider reichlich Renderzeit.
    Professionelle Coloristen aber stört das weniger. Sie graden unabhängig vom Noiselevel und legen final einen Denoiser drauf. Der Prozess passiert dann entweder nach Feierabend oder sonstwie offline. Aber Du dagegen musst mit dem Zeugs relativ schnell zu Ergebnissen kommen. Von daher fand ich ich die Amira als "DOK Refernzdesign" absolut ungeeignet. Da ist der Sensor dann einfach doch schon zu veraltet bzw. das Signalprocessing unterstützt einen beim NoiseLevel nicht so wie andere Kameras.
    Die FS7 ist sicher nicht die Kamera die man sich wünscht (gerade bezüglich der Farben beim internen Recording). Aber eine Amira würde ich mir ungeachtet des Anschaffungspreises nicht mehr antun wollen. Nicht für das Betätigungsfeld in dem Du arbeitest. Einfach zu schwer, zu gross und dann auch vom Footage nicht so easy zum Bearbeiten wie man immer liest und hört.



    Antwort von rainermann:


    Die FS7 ist sicher nicht die Kamera die man sich wünscht (gerade bezüglich der Farben beim internen Recording).
    Ich bin ja immer noch am kennenlernen meiner FS7. Hab nun schon einiges gedreht, aber gerade mit all den Möglichkeiten beim drehen im Cinemodus mit Slog3 und dessen neuem Farbraum sind da schon noch einige Sachen zu entdecken und zu lernen.
    Dass die Farben Sony-like sind, trifft sicherlich zu, wenn man im schnellen Custom-Mode, rec709 etc. dreht. Aber für den Cine-Modus, der ja einen ganz anderen Farbraum abdeckt, will ich das nicht unbedingt behaupten. Hab da mit LUTs schon dermaßen unterschiedliche Sachen herausgeholt... aber wie gesagt, will mir da noch kein abschließendes Urteil erlauben, es ist ein sehr weites Feld.



    Antwort von r.p.television:


    Dass die Farben Sony-like sind, trifft sicherlich zu, wenn man im schnellen Custom-Mode, rec709 etc. dreht. Aber für den Cine-Modus, der ja einen ganz anderen Farbraum abdeckt, will ich das nicht unbedingt behaupten. Hab da mit LUTs schon dermaßen unterschiedliche Sachen herausgeholt... aber wie gesagt, will mir da noch kein abschließendes Urteil erlauben, es ist ein sehr weites Feld.

    Mit reichlich Anpassung der Presets bzw LUTs kann man mit der FS7 schon wirklich sehr schöne Hauttöne out-of-cam generieren.
    Die Wahrheit liegt meiner Meinung in der Mitte.
    Den Sonys werden pauschal schlechte Farben angedichtet. Mit den Werkssettins ist dies auch zutreffend. Aber wer sich länger damit beschäftigt wird zu guten Ergebnissen kommen.
    Der Amira/Alexa wird zugesprochen dass sofort alles out-of-cam sehr gut aussieht. Das mag in der Relation des generellen Aufwandes bei szenischen Produktionen stimmen, aber nicht wenn man damit als einzelner Kameramann unterwegs ohne professionellen Beleuchter etc.



    Antwort von Pianist:

    Aber eine Amira würde ich mir ungeachtet des Anschaffungspreises nicht mehr antun wollen. Nicht für das Betätigungsfeld in dem Du arbeitest. Einfach zu schwer, zu gross und dann auch vom Footage nicht so easy zum Bearbeiten wie man immer liest und hört.
    Es gibt aber dazwischen nichts, was passen würde. Die Amira ist mit der riesengroßen Optik perfekt ausgewogen, weil sich der Tragegriff weit nach vorne verstellen lässt.

    Theoretisch wäre vielleicht eine Panasonic Varicam LT in die engere Wahl gekommen, aber auch da hat man dann wieder mit einer extremen Frontlastigkeit zu kämpfen, weil es keinen passenden Griff gibt, der so weit nach vorne ragt. Da müsste man dann wieder genau so anfangen zu basteln wie bei der FS7, und genau das mag ich ja nicht.

    Vor Ort werde ich es ja nirgendwo mit so fiesen dunkelblauen Flächen zu tun bekommen wie bei mir im Schnittstudio. Alle anderen Probeaufnahmen waren ja prima. Und das In-Camera-Grading ist wirklich super. Also ich habe wirklich nicht das Gefühl, die falsche Kamera gekauft zu haben, das möchte ich noch mal betonen.

    Matthias



    Antwort von Pianist:

    Mit reichlich Anpassung der Presets bzw LUTs kann man mit der FS7 schon wirklich sehr schöne Hauttöne out-of-cam generieren.
    Die Wahrheit liegt meiner Meinung in der Mitte.
    Den Sonys werden pauschal schlechte Farben angedichtet. Mit den Werkssettins ist dies auch zutreffend. Aber wer sich länger damit beschäftigt wird zu guten Ergebnissen kommen.
    Da bleibt aber immer noch das Problem, dass das nur im Cine-EI-Modus geht, und da hat man nur die drei Preset-Weißabgleiche. Wenn man da einen individuellen WeißabgleichWeißabgleich im Glossar erklärt machen könnte, dann hätte ich mich vielleicht für "behalten" entschieden.

    Der Amira/Alexa wird zugesprochen dass sofort alles out-of-cam sehr gut aussieht. Das mag in der Relation des generellen Aufwandes bei szenischen Produktionen stimmen, aber nicht wenn man damit als einzelner Kameramann unterwegs ohne professionellen Beleuchter etc.
    Aber das widerspräche ja dem Grundgedanken, eine Kamera ausdrücklich für den Einmannbetrieb zu bauen. Und bei szenischen Produktionen im großen Team würde man ja gar keinen fertigen Look in der Kamera haben wollen.

    Matthias



    Antwort von r.p.television:

    Aber eine Amira würde ich mir ungeachtet des Anschaffungspreises nicht mehr antun wollen. Nicht für das Betätigungsfeld in dem Du arbeitest. Einfach zu schwer, zu gross und dann auch vom Footage nicht so easy zum Bearbeiten wie man immer liest und hört.

    Vor Ort werde ich es ja nirgendwo mit so fiesen dunkelblauen Flächen zu tun bekommen wie bei mir im Schnittstudio. Alle anderen Probeaufnahmen waren ja prima. Und das In-Camera-Grading ist wirklich super. Also ich habe wirklich nicht das Gefühl, die falsche Kamera gekauft zu haben, das möchte ich noch mal betonen.

    Matthias

    Ich will Dir auch gar nicht einreden die falsche Kamera gekauft zu haben.
    Du hast auch recht: Dazwischen gibt es dummerweise nichts. Ich bin ja auch auf der Suche nach einer Kamera die nicht so frontheavy ist, intern 4k Raw mit Overcranking kann, ein vernünftiges Energie-Managment hat (ich kann keine 10 V-Mounts oder Anton Bauer mit mir rumschleppen).

    Wenn das Rauschen bei Dir auch nur in seltenen Fällen auftritt dann ist es ja auch gut. Aber grundsätzlich wirst Du damit öfter mal konfrontiert werden und Dir in diesem Fall die interne Rauschreduktion einer FS7 wünschen.
    Es ist eben alles mit Kompromissen behaftet.



    Antwort von r.p.television:

    Hast Du Dich mal mit einer Sony F5/55 mit angeflanschtem R5(oder R7)-Raw-Rekorder auseinandergesetzt?
    Raw hört sich erstmal nach unglaublichem Gezeter bezüglich Workflow und Datenvolumen an. Ich arbeite nur noch mit Raw und habe bezüglich "Sony-Farben" und der Limitierungen durch den Cine-EI-Modi keinerlei Probleme.
    Ich wollte nur bewusst keine F5 oder F55 weil mich zur Anschaffungszeit der Sony FZ-Mount störte. Mittlerweile gibt es aber auch reichlich Adaptierungen Richtung Speedbooster und Verwendung von günstigem EF-Glas (oder eben auch PL).
    Ich schlage mich daher derzeit mit einer flimsigen FS700 und einer F7 herum. An beiden hängt ein Sony R5-Rekorder. Das ist lästig und erinnert an alte U-Matic-Zeiten, aber die Qualität ist enorm.
    Aber wenn für Dich grundsätzlich ein PL-Mount in Frage kommt wäre eine F55 mit angeflanschtem Raw-Rekorder hinten (macht die Kamera auch schön ausgewogen) auch nicht verkehrt gewesen. Wäre zumindest um einiges günstiger gewesen als eine drehfertige Amira und mit dem Raw dann sogar mehr Highend bezüglich erreichbarer Looks.
    Was Du jetzt mir der Amira Akkus mitschleppen musst - das geht mit Sicherheit mehr ins Gewicht - als ein paar Raw-Speicherkarten.



    Antwort von Pianist:

    Wenn das Rauschen bei Dir auch nur in seltenen Fällen auftritt dann ist es ja auch gut. Aber grundsätzlich wirst Du damit öfter mal konfrontiert werden und Dir in diesem Fall die interne Rauschreduktion einer FS7 wünschen.
    Jetzt habe ich gerade festgestellt, dass das Problem in der Praxis weitaus kleiner ist als in der Theorie. Bisher habe ich mir die gedrehten Dateien nur auf meinem Büro-Mac angesehen. Aus irgendwelchen Gründen tritt hier am Schreibtisch (Wiedergabe mit Quicktimeplayer, VLC-Player oder Arri Color Tool) das Farbrauschen sehr viel stärker in Erscheinung, als wenn ich das Material im Avid verlinke. Da sieht das alles sehr viel freundlicher aus.

    Man kann sicher durch eine gute Look-Einstellung auch noch was rausholen bzw. Probleme vermeiden.

    Matthias



    Antwort von r.p.television:


    Jetzt habe ich gerade festgestellt, dass das Problem in der Praxis weitaus kleiner ist als in der Theorie. Bisher habe ich mir die gedrehten Dateien nur auf meinem Büro-Mac angesehen. Aus irgendwelchen Gründen tritt hier am Schreibtisch (Wiedergabe mit Quicktimeplayer, VLC-Player oder Arri Color Tool) das Farbrauschen sehr viel stärker in Erscheinung, als wenn ich das Material im Avid verlinke. Da sieht das alles sehr viel freundlicher aus.

    Matthias

    Vermutlich lag bzw. liegt das an den leidigen Differenzen bei den Gammawerten zwischen verschiedenen Betriebssystemen oder den Playern.
    Habe mich auch schon über hundsmiserables Flächenrauschen mit starkem roten NoiseNoise im Glossar erklärt in der Vorschau im NLE gewundert und ein Upgrade später war das dann verschwunden. Oft nur ein Darstellungsproblem und nicht in der Footage verankert.



    Antwort von Valentino:

    @Pianist
    Wenn ich mich nicht täusche sollte die AMIRA eigentlich noch eine NoiseReduktion bekommen. Bin mir da nicht ganz sicher, aber die neue Alexa SXT hat eine NR bekommen und anscheinend stammt diese von der AMIRA.
    The ALEXA SXT cameras utilize new components that include electronics and image processing from the ALEXA 65, as well as color management and noise reduction from the AMIRA
    Was mich aber wundert, das man im Manual der AMIRA nichts dazu findet.
    Auch merkwürdig das man diese NR der AMIRA nicht abschalten kann.
    Kann mir beim besten Willen auch nicht vorstellen, das der Kamera dazu die Power fehlt, da sie intern ja auch das UDH-Upscaling leisten kann. Damit sollte 2k+NR keine große Hürde sein.

    Würde da an deiner Stelle noch mal eine Mail an ARRI bzw. deinem Händler schicken und das klären.
    Am Ende schaft es die NR-Funktion AMIRA erst in die nächste Firmware.




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