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AG DOK: unbegrenzte Mediatheken enteignen Dokumentarfilmproduzenten



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Newsmeldung von slashCAM:



Kürzlich hätte sich die Politik über eine Erneuerung des Telemedienauftrags Teil des Rundfunkstaatsvertrags einig werden sollen. Darin geht es ua. um die Online-Aktivität...

Hier geht es zur Newsmeldung auf den slashCAM Magazin-Seiten:
AG DOK: unbegrenzte Mediatheken enteignen Dokumentarfilmproduzenten




Antwort von pixelschubser2006:

Wer sich in den Mediatheken umschaut, merkt schnell, wo der Hammer hängt. Wärend Eigenproduktionen der Sender sehr umfangreich und lange verfügbar sind, schaffen es Blockbuster teilweise überhaupt nicht auf die Website. Vermutlich weil Hollywood dem ÖR die Lizenzbedingungen diktieren kann. Bei den Dokumentarfilmern sieht das schon anders aus. Da ist man schnell der Willkür von Redakteuren ausgeliefert und muss hinsichtlich der Nutzungsrechte akzeptieren, was geboten wird. Bei dem hohen Aufwand und den Kostenrisiken solcher Produktionen schon ein Klotz am Bein. Da bin ich bei meinen Nachrichtenbeiträgen froh, daß ich keine großen Risiken habe. Zum Glück.
So richtig ist das alles nicht. Umfangreiche Reportagen halte ich inhaltlich für die wertvollsten Beiträge, die Medien so liefern können. Das muss doch im Interesse Aller gefördert werden.



Antwort von Drushba:

Die AG Dok argumentiert falsch, wenn sie auf Restriktionen beharrt. Andersrum wird ein Schuh draus: Die Sender müssen ein Buy-Out in der vollen Höhe der Produktionskosten übernehmen, dann kann der Film auch online gestellt werden.





Antwort von splex:


Die AG Dok argumentiert falsch, wenn sie auf Restriktionen beharrt. Andersrum wird ein Schuh draus: Die Sender müssen ein Buy-Out in der vollen Höhe der Produktionskosten übernehmen, dann kann der Film auch online gestellt werden.

Ich wäre sehr dafür, wenn die GEZ Gelder für eine 100%ige Finanzierung von Dokumentarfilmproduktionen ausgegeben würden anstatt die verdammte X-ten Rosamund Pilcher Roma-Verfilmung (erst gestern kam wieder einer)....aber vielleicht sehe ich das anders, wenn ich in Rente bin ;-)



Antwort von WoWu:

Ich verstehe die ganze (nachträgliche) Diskussion nicht.
Zu jeder Lizensierung eines Beitrages gehört ein Vertrag, in dem nicht nur ( unter vielen andern Parameter) die Ausstrahlungszeit sondern auch der Footprint festgelegt wird.
Wird darin eine Internetfreigabe erteilt, bezieht sich die ebenfalls auf den Nutzungszeitraum und können vom Contenthersteller danach neu vergeben und verhandelt werden, sowohl für den vertraglich vereinbarten Footprint, als auch den nachlaufenden Zeitraum.
Wenn contentproduzenten natürlich keine Verträge machen ist es ziemlich dumm, sich dann beschweren zu wollen.



Antwort von Drushba:


Wenn contentproduzenten natürlich keine Verträge machen ist es ziemlich dumm, sich dann beschweren zu wollen.

Hier herrscht leider eine ziemliches Ungleichgewicht und hiesige Dokfilmproduzenten sind gar nicht in der Position, ihre Verwertungsforderungen durchzusetzen. Um einen richtigen Dokumentarfilm zu produzieren (nicht: Beitrag), benötigt man mehrere Finanzerungsquellen. In der Regel sind das Filmförderung, Verleih, Eigenkapital und Sender. Das blöde in Deutschland ist, daß die Filmförderung einen Sender und am Besten noch einen Verleihvorvertrag vorschreibt, bevor sie in die Finanzierung einsteigt. Zudem sitzen die Sender auch noch fest in den Vergabekommissionen der Filmförderungen und erhalten dadurch eine unverschämte Machtfülle. Das bedeutet in der Praxis, erstmal genügend Material auf eigene Kosten drehen, bis der Sender für den Dokfilm interessiert werden kann. Falls das Projekt dann eine Redaktion überzeugt, diktiert der Sender die Konditionen. Zu diesem Zeitpunkt kann man sich entscheiden, die Konditionen des Senders anzunehmen (werden nicht verhandelt - es gilt friss oder stirb) oder den Raum zu verlassen und auf den bisher geleisteten Kosten sitzenzubeleiben. Lässt man sich darauf ein, dann - und nur dann - votiert der Sender in der Vergabekommission der Filmförderung für das Projekt und man erhält die Filmförderung. Wenn nicht, dann erhält man vom Sender entsprechende Gegenstimmen in der Vergabesitzung und das Projekt ist erledigt.

Das Problem ist die Macht der Sender. Eine langjährige Forderung ist daher, die Sender von der Vergabekommission der Filmförderung auszuschliessen, wie das etwa in Frankreich selbstverständlich ist. Dort bestimmen Filmemacher und Produzenten, was gefördert wird. Im Ergebnis sind auch die Filme besser. Die Sender werden in Frankreich umgekehrt per Gesetz zum Ankauf von Filmen verpflichtet (ohne Onlinerechte, die separat verkauft werden), sind also an Ergebnisse gebunden - das garantiert den französischen Filmemachern Freiheit und eine Finanzierungsquelle, die wir in Deutschland gar nicht haben.



Antwort von WoWu:

Danke für die Erläuterung. In der Tat führen solche Umstände zu andern Ergebnissen, als die Produktion aus eigenen Mitteln, wie wir sie vornehmen.
Unter?m Strich aber letztlich wirklich zu schlechten Verträgen, weil man auf günstiges Fremdgeld angewiesen ist.
Nur weiß man das ja im Vorwege und kann sich dann hinterher nicht darüber beklagen, dass man alle Rechte aufgegeben hat.
Dass das Vergabesystem ziemlich unterirdisch ist, darin stimme ich überein.
Aber dann muss man vorher etwas verändern und darf nicht an den Symptomen nach Änderungen suchen.
Ich denke auch, dass da der Ansatz vieler Europäischer Doku Produzenten viel zu kurz gesprungen ist.
Für gute Ideen und mit einem gut gemachten Katalog als Referenz im Hintergrund bekommt man von Broadcastern genügend Lizenz-Vorverträge um Produktions Finanzierungen Sicher zu stellen.
Aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema, aber statt auf Fördermittel (mit den besagten Nachteilen) zu schielen, ist es (auch im Hinblick auf die Freiheiten, die man in einer Eigenproduktion hat) sicher die bessere Lösung.
Daher halte ich die Beschwerde über die Verwertung für nicht besonders zielführend denn das läuft ja quasi eine nachträglichen Vertragsveränderung hinaus.



Antwort von Helge Renner:

Es gibt in Deutschland keine Dokumentarfilmproduktionsfirmen, die über ein ausreichend finanzielles Polster verfügen, um aus eigenen Mitteln sender- und damit faktisch auch förderungsfrei vorzufinanzieren. Denn das hieße für einen 90-Minüter mindestens 300.000 € flüssig zu haben, und das ist eigentlich schon viel zu wenig für eine ausreichende Finanzierung. Auch für Lizenzverkäufe kommt sehr wenig Geld rein, soviel kann man garnicht verkaufen, als dass man davon die genannte Summe refinanzieren und sogar noch was dazuverdienen könnte. Und dann hat man bei den Lizenzverhandlungen auch das gleiche Problem der VOD Rechte, was einen breiten Verkauf in verschieden Territorien behindert. Daher ist es schon sinnvoll mit Verweis auf den Auftrag des öffentlich rechtlichen Fernsehens faire Bedingungen für Dokumentarfilmproduktion einzufordern. Schließlich argumentieren die Sender immer dann, wenn Existenzberechtigung und Finanzierungsmodell des öffentlich rechtlichen TVs in Frage gestellt werden, mit den dokumentarischen Inhalten als Daseinsberechtigung des Status Quo.

Danke für die Erläuterung. In der Tat führen solche Umstände zu andern Ergebnissen, als die Produktion aus eigenen Mitteln, wie wir sie vornehmen.
Unter?m Strich aber letztlich wirklich zu schlechten Verträgen, weil man auf günstiges Fremdgeld angewiesen ist.
Nur weiß man das ja im Vorwege und kann sich dann hinterher nicht darüber beklagen, dass man alle Rechte aufgegeben hat.
Dass das Vergabesystem ziemlich unterirdisch ist, darin stimme ich überein.
Aber dann muss man vorher etwas verändern und darf nicht an den Symptomen nach Änderungen suchen.
Ich denke auch, dass da der Ansatz vieler Europäischer Doku Produzenten viel zu kurz gesprungen ist.
Für gute Ideen und mit einem gut gemachten Katalog als Referenz im Hintergrund bekommt man von Broadcastern genügend Lizenz-Vorverträge um Produktions Finanzierungen Sicher zu stellen.
Aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema, aber statt auf Fördermittel (mit den besagten Nachteilen) zu schielen, ist es (auch im Hinblick auf die Freiheiten, die man in einer Eigenproduktion hat) sicher die bessere Lösung.
Daher halte ich die Beschwerde über die Verwertung für nicht besonders zielführend denn das läuft ja quasi eine nachträglichen Vertragsveränderung hinaus.




Antwort von WoWu:

Das liegt aber dann daran, dass keine Theman angepackt werden die auch mal Zuschauer in Thailand oder Südafrika interessiere sondern mehr oder weniger lokale Themen, bei denen entweder der Markt eingeschränkt ist oder das erforderliche internationale Marketing fehlt denn Dokumentationen rechnen sich bei uns seit über 10 Jahren. (wenn man mal nur alles ab HD betrachtet).
Das wäre in Deutschland nicht anders.
Nun haben wir hier in Südamerika die Temen auf der Straße liegen, sodass die Auswahl etwas leichter ist, aber grundsätzlich sollten auch Vermarktungsstrategien, die die Gestehungskoste + einspielen, auch von Deutschland aus möglich sein.
(Allerdings sind hier die Gestehungskosten , speziell die Lohnkosten deutlich geringer.)
Insofern kann ich die Notwendigkeit von Förderung nicht wirklich einsehen, zumal noch die geschilderten Nachteile dran hängen.
Wer tut sich sowas an?



Antwort von Helge Renner:

Du denkst vermutlich an Naturdokus. Für mich ist das ein Subgenre, das mich persönlich überhaupt nicht interessiert. So geht es vielen Kolleginnen und Kollegen. Geld wäre ausreichend vorhanden, um Filme über Menschen und Gesellschaft voll zu finanzieren, allerdings nicht, wenn man es für Sportrechte, Schmonzetten und Talkshows versenkt. Die Schmonzetten werden dabei von sendereigenen oder Redaktionsbeteiligten Firmen nach nepotistischem Prinzip produziert und die zahlreichen Talkshows gibt es, weil man sich so die Politik gewogen hält, in dem man ihr viel Sendefläche einräumt. Hinzu kommen die lasten aus üppigsten Pensionen für längst pensioniertes Senderpersonal. Die Einsparungen holen sich die Sender bei den freien Produzenten, weil die aufgrund der bereits beschriebenen deutschen Förderstruktur so schön erpressbar sind. Dazu gehört dann, dass man für zusätzliche Leistungen wie die VOD Rechte nichts bezahlen will, wohl wissentlich, dass mit der angestrebten unbefristeten Einstellung in die Mediatheken samt Wegfall des Geoblockings ein Verkauf der Rechte in andere Länder sehr schwierig wird, denn die dortigen Sender wollen für ihr Geld eine gewisse Exklusivität. Recht hast du damit, das niemand gezwungen ist, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Das gleiche gilt aber für andere Berufe mit prekären Marktbedingungen aufgrund falscher politischer Rahmenbedingungen wie z.B. Hebammen, Landärztinnen, Erzieher usw. Wollen wir ihnen als Bürgerinnen und Bürgern auch empfehlen, sich lukrativere Jobs zu suchen und die Kinder werden dann von Immobilienmaklern auf die Welt gebracht und von Start up Hipstern betreut?

Das liegt aber dann daran, dass keine Theman angepackt werden die auch mal Zuschauer in Thailand oder Südafrika interessiere sondern mehr oder weniger lokale Themen, bei denen entweder der Markt eingeschränkt ist oder das erforderliche internationale Marketing fehlt denn Dokumentationen rechnen sich bei uns seit über 10 Jahren. (wenn man mal nur alles ab HD betrachtet).
Das wäre in Deutschland nicht anders.
Nun haben wir hier in Südamerika die Temen auf der Straße liegen, sodass die Auswahl etwas leichter ist, aber grundsätzlich sollten auch Vermarktungsstrategien, die die Gestehungskoste + einspielen, auch von Deutschland aus möglich sein.
(Allerdings sind hier die Gestehungskosten , speziell die Lohnkosten deutlich geringer.)
Insofern kann ich die Notwendigkeit von Förderung nicht wirklich einsehen, zumal noch die geschilderten Nachteile dran hängen.
Wer tut sich sowas an?




Antwort von WoWu:

Nein Helge ... ich denke ganz und gar nicht an Naturdokus, obwohl hin und wieder eine dabei ist und sich überdurchschnittlich gut verkaufen, wenn sie denn gut gemacht sind.
Wir haben sehr viele politische Dokus gemacht, weil wir hier im Spannungsfeld zwischen FARC und der Paramilitärs leben. Aber auch in einem kulturellen Umfeld, das es bisher kaum nach Europa, Nordamerika oder den asiatischen Raum gebracht hat.
Und das sind nur 3 der möglichen Themenkreise.
Aber unser Geschäftsmodell fußt eben nicht auf Förderung sondern darauf, Content so zu machen und qualitativ so auszustatten, dass er sich 40-60 mal weltweit verkauft. Das ist nicht zeitbezogen sondern kann über längere Zeit ablaufen.
Die Denkweise ist nur eben eine andere.

Ich gebe Dir uneingeschränkt Recht, wenn Du die Finanierungsstrukturen der Eiropäischen Broadcaster monierst bin aber trotzdem der Meinung, dass sich daraus nicht das Recht auf Subvention ableiten lässt.
Wenn Ihr gute Ideen habt, gibt es immer möglichkeiten, sie auch profitabel umzusetzen.
Es bringt meiner Meinung nach also nichts, um wieder auf das Thema zu kommen, sich in Förderung hinein zu klagen.
Das gute Thema und die broadcastorientierte Umsetzung (sowohl inhaltlich als auch technisch) wäre die bessere Lösung.
Und warum sollte das in Deutschland nicht funktionieren. Es geht ja sowieso erst einmal darum, den Fuß in die Türzu bekommen.
Danach wird ohnehin alles relativ leicht, wenn die Anschlussthemen auch stimmen und die Erstabgabe keine Eintagsfliege war.
Die meisten Filmemacher vergessen aber dass ihr Beitrag ein paar Millionen Zuschauer gefallen muss und nicht immer zwangsläufig nur den eigenen Leuten.

Der Vergleich mit Dienstleistern hinkt übrigens ... Filmemacher sind keine Dienstleister. Sie stellen eine Wäre her ... wenn die Gut ist, finden sich auch Käufer ... wenn nicht, würde ich die Schuld nicht darin suchen, dass die Produktion nicht gefördert wurde.



Antwort von Helge Renner:

Lieber WoWu, es freut mich aufrichtig, dass ihr hauptsächlich keine Naturdokus produziert.

Einerseits hast du Recht, dass man schauen muss, was der Markt nachfragt, in diesem Fall das öffentlich rechtliche Fernsehen. Andererseits ist es einen Bildungsauftrag, der die Legitimationsgrundlage für die Rundfunkabgabe ist. Deren Verwendung ist weitestgehend intransparent und das damit produzierte dokumentarische Programm ist für meine Begriffe hauptsächlich Müll. Ein paar gute Sachen gibt es trotzdem, mit Erstausstrahlung nach Mitternacht, so wie dieser mir sehr gut gefallende Film einer Kollegin:
https://www.zdf.de/filme/das-kleine-fer ... e-100.html

Solange es die Zwangsgebühr gibt, kann von einem freien Markt keine Rede sein und es ist absolut legitim, für ein besseres dokumentarisches Programm mit einer fairen Entlohnung zu streiten. Persönlich bin ich nicht sicher, ob eine Abschaffung oder zumindest starke Reduzierung des öffentlichen Rundfunkangebots auf einen Kern, der proportional mehr dokumentarisches Programm als Schmonzetten und Krimis enthält, nicht die bessere Variante wäre.

Wichtig ist auch die Entflechtung von Senderinteressen und Filmförderung. Gegen letztere habe ich nichts, es wird mit Steuergeldern ja auch allerlei andere Kultur, Wirtschaft, Sport etc. gefördert.

Mein Vergleich der Berufe hinkt ein wenig, ich verstehe Dokumentarfilm aber nicht nur als Ware sondern auch als eine Dienstleistung, da er der Reflexion der Gesellschaft dient.

Ich finde allerdings, dass es im Deutschen Dokumentarfilm gestalterisch-inhaltlich noch Luft nach oben gibt, allerdings gerade nicht im Sinne einer erfolgreichen Anpassung an das derzeitige System des öffentlich rechtlichen Rundfunks. Das wäre eine Anpassung nach unten.

Du denkst vermutlich an Naturdokus. Für mich ist das ein Subgenre, das mich persönlich überhaupt nicht interessiert. So geht es vielen Kolleginnen und Kollegen. Geld wäre ausreichend vorhanden, um Filme über Menschen und Gesellschaft voll zu finanzieren, allerdings nicht, wenn man es für Sportrechte, Schmonzetten und Talkshows versenkt. Die Schmonzetten werden dabei von sendereigenen oder Redaktionsbeteiligten Firmen nach nepotistischem Prinzip produziert und die zahlreichen Talkshows gibt es, weil man sich so die Politik gewogen hält, in dem man ihr viel Sendefläche einräumt. Hinzu kommen die lasten aus üppigsten Pensionen für längst pensioniertes Senderpersonal. Die Einsparungen holen sich die Sender bei den freien Produzenten, weil die aufgrund der bereits beschriebenen deutschen Förderstruktur so schön erpressbar sind. Dazu gehört dann, dass man für zusätzliche Leistungen wie die VOD Rechte nichts bezahlen will, wohl wissentlich, dass mit der angestrebten unbefristeten Einstellung in die Mediatheken samt Wegfall des Geoblockings ein Verkauf der Rechte in andere Länder sehr schwierig wird, denn die dortigen Sender wollen für ihr Geld eine gewisse Exklusivität. Recht hast du damit, das niemand gezwungen ist, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Das gleiche gilt aber für andere Berufe mit prekären Marktbedingungen aufgrund falscher politischer Rahmenbedingungen wie z.B. Hebammen, Landärztinnen, Erzieher usw. Wollen wir ihnen als Bürgerinnen und Bürgern auch empfehlen, sich lukrativere Jobs zu suchen und die Kinder werden dann von Immobilienmaklern auf die Welt gebracht und von Start up Hipstern betreut?

Das liegt aber dann daran, dass keine Theman angepackt werden die auch mal Zuschauer in Thailand oder Südafrika interessiere sondern mehr oder weniger lokale Themen, bei denen entweder der Markt eingeschränkt ist oder das erforderliche internationale Marketing fehlt denn Dokumentationen rechnen sich bei uns seit über 10 Jahren. (wenn man mal nur alles ab HD betrachtet).
Das wäre in Deutschland nicht anders.
Nun haben wir hier in Südamerika die Temen auf der Straße liegen, sodass die Auswahl etwas leichter ist, aber grundsätzlich sollten auch Vermarktungsstrategien, die die Gestehungskoste + einspielen, auch von Deutschland aus möglich sein.
(Allerdings sind hier die Gestehungskosten , speziell die Lohnkosten deutlich geringer.)
Insofern kann ich die Notwendigkeit von Förderung nicht wirklich einsehen, zumal noch die geschilderten Nachteile dran hängen.
Wer tut sich sowas an?





Antwort von Drushba:


Der Vergleich mit Dienstleistern hinkt übrigens ... Filmemacher sind keine Dienstleister. Sie stellen eine Wäre her ... wenn die Gut ist, finden sich auch Käufer ... wenn nicht, würde ich die Schuld nicht darin suchen, dass die Produktion nicht gefördert wurde.

Das denke ich auch. Allerdings ist der Wettbewerb hierzulande durch die Subventionen bereits so extrem verzerrt, daß fast nur noch auf einen Autraggeber zugeschnittene und bestellte Ware hergestellt wird, deren Herstellungskosten schon weitgehend abgedeckt sind und natürlich ebenso deren Verkauf. Einen echten Markt gibt es hierzulande quasi gar nicht. Zudem verkaufen ZDF Enterpises und andere Distributoren die europäischen Produktionen schon in die ganze Welt und fluten damit den Markt. Selber machen und gewinnbringend in die Welt verkaufen funktioniert daher in Europa so gut wie nicht.

Gäbe es gar keine Subventionen (also auch keine Filmförderungen, über welche defacto die Sender verfügen und auch keine ÖRs mit GEZ-Abgabe) hätten wir mit Sicherheit bessere Filme. Gerade weil sich Filmemacher wie auch Sender dann am Publikum orientieren müssten und sich ganz ehrlich über den Verkauf ihrer Waren finanzieren könnten. 90% der TV-Angestellten und Filmemacher würden sich dann einen anderen Job suchen müssen, das ist auch richtig - dies wäre aber letztlich eine gute Marktbereinigung, die den derzeit vielen lauwarmen Machern einen anderen Beruf ermöglichte. Eine qualitative Verflachung gäbe es sicherlich auch, aber dazwischen eben die raren, echten Perlen, die nur fernab der Subvention entstehen können.

Eine Abmilderung könnte darin bestehen, alle Subventionen bis auf die Förderung von Stoffentwicklung und Recherche zu streichen. Das könnte die Qualität merklich anheben und einer Verflachung Einhalt gebieten, weil so nur die mögliche Entstehung von Qualität gefördert wird - sofern es dann keine ÖR-Sender mehr gäbe, deren Redaktionen mit ihrem Diktat alles verschlimmbessern.



Antwort von mash_gh4:


Gäbe es gar keine Subventionen (also auch keine Filmförderungen, über welche defacto die Sender verfügen und auch keine ÖRs mit GEZ-Abgabe) hätten wir mit Sicherheit bessere Filme. Gerade weil sich Filmemacher wie auch Sender dann am Publikum orientieren müssten und sich ganz ehrlich über den Verkauf ihrer Waren finanzieren könnten. 90% der TV-Angestellten und Filmemacher würden sich dann einen anderen Job suchen müssen, das ist auch richtig - dies wäre aber letztlich eine gute Marktbereinigung, die den derzeit vielen lauwarmen Machern einen anderen Beruf ermöglichte. Eine qualitative Verflachung gäbe es sicherlich auch, aber dazwischen eben die raren, echten Perlen, die nur fernab der Subvention entstehen können.

ich kann ebein besten willen nicht nachvollziehen, womit man einen derart uneingeschränkten glauben and den "freien markt" vernünftig belegen könnte. da glaube ich schon viel eher, dass die "echten perlen", die es zum glück ja durchaus gibt, ohne entsprechenden offentliche fördermaßnahmen noch viel rarer wären. ich glaub wirklich, dass man in dieser frage mit der kritik nicht völlig übers ziel hinaus schießen sollte -- aber vermutlich hab ich an gutes kino und die film- und medienkunst auch gänzlich andere ansprüche als der mainstream bzw. ein massenpublikum.



Antwort von WoWu:

Hallo Helge.

Ich stimme im Grundtenor mit Dir, was die Strukturen angeht, überein.
Auch ging es mir nicht darum, Euere Aktuon zu kritisieren.
Ich wollte nur ein Gegenodell beschreiben, das sehr gut funktioniert.
Und ich bin auch nicht, wie Drushba der Meinung, es würde aus Deutschland nicht funktionieren.
Es gehört nur eben ein Marketingmodell dazu, was die meisten Filmemacher nicht anpacken wollen, weil sie sich eher hinter der Kamera finden.
Es gibt rd. 2.000 nennenswerte TV Senderin der Welt, von denen die überwiegende Mehrheit 24/365 senden und Content brauchen.
Mit einwenig Marketinggeschick, einem guten Internetauftritt, einem kleinen Katalog und etwas Freundlichkeit gelingt der erste Kontakt bei vielen.
Wir haben daraus etwa 80 Stationen gemacht, mit denen wir nun schon über viele Jahre zusammen arbeiten.
Davon zahlen nicht alle Hochpreise für den Content und nehmen auch nicht alle, jede Produktion ab.
Unter dem Strich bleiben aber etwa 40, manchmal mehr Stationen, die Lizensieren.
Davon kann man sehr gut leben, zumal nur ganz wenige Produktionen eine Aktualität haben, die Meisten aber über Jahre verwertet werden können.
Angefangen haben wir zu dritt vor 13 Jahren und vor 2 Jahren hab ich die Produktion mit 34 festen und einer großen Zahl freier Mitarbeiter verkauft.
Es funktioniert also und warum sollte eine Station in Pakistan nicht in Deutschland kaufen ?
So ein Businessmodell ist nur eben keine Hängematte und "Bildungsauftrag" und Commerz muss kein Widerspruch sein.
Ganz im Gegenteil. Wenn ich 5 Mill. mit einer gut gemachten Sendung erreiche ist das besser, als wenn ich für einen Kunstbeitrag den Nachtplatz bekomme.
Wie ich schon sagte ... es ist nicht wichtig, dass die eigenen Leute ihren künstlerischen Anspruch befriedigt sehen, sondern die Zuschauer nicht nach 15 sekunden die Fernbedienung in die Hand nehmen.
Dann klappt das auch mit dem Folgethema. Mal ganz davon abgesehen, dass zu den Kunden immer ein Kontakt bestehtund und so manche Idee von ihnen kommt.

Bottenline ... Keine Kritik an dem Versuch, Dinge zu ändern aber deswegen nicht andere Businessmodelle zu versuchen, wird der Kritik dann nicht mehr gerecht und es entsteht (auch in den eigenen Köpfen) leicht das Feeling der Hängematte und das ist der eigentliche Tod der Produktivität.



Antwort von Drushba:


aber vermutlich hab ich an gutes kino und die film- und medienkunst auch gänzlich andere ansprüche als der mainstream bzw. ein massenpublikum.

Das habe ich auch. Mir fällt dabei auf, daß die meisten guten Festivalfilme nicht mehr aus Subventionseuropa stammen. Dagegen habe ich etliche gute Filme aus Südamerika, Nordamerika und Asien gesehen, die teilweise unter abenteuerlichen Bedingungen finanziert wurden oder als mutig begonnene Indiefilme von Studios endfinanziert wurden. Wann hast Du den letzten guten Subventionsfilm gesehen? Wo sind die wirklich guten Kino-Italiener, Franzosen, Schweden und Briten wie in den 60er, 70er und teilweise noch 80er Jahren? Ich kann sie ausserhalb der Filmgeschichtsseminare nicht mehr entdecken, von Klassikern wie James Bond einmal abgesehen. Ich sehe dafür jede Menge halbgute, weil gutgemeinte Filme an den Plakatwänden unserer Programmkinos (wirklich schlechte sind meist nicht dabei, aber auch nichts, wofür man Eintritt zahlen müsste). Das hat durchaus seinen Grund. Mit jeder Subvention steigt die Zahl der Kopfschüttler und Redaktions-Reinredner, der depperten Dramaturgie-Workshops auf Festivals, der "Developmentkurse" welche mittlerweile von Förderungen verpflichtend angeboten werden, wo europaweit dieselbe Formel gelehrt und garantiert jegliche Originalität glattgebügelt wird.

Mehr noch: In Europa werden derzeit jährlich ca. 1000 Kinospielfilme subventionsgefördert produziert, darin sind die vielen TV-Schmonzetten noch gar nicht enthalten. 1000 Kinofilme, die alle auf den selben Schreibtischen der Ankäufer von Arte, ZDF und der Öffentlich-Rechtlichen landen und mit welchen die einzelnen Kinobetreiber regelrecht massengespamt werden. Dadurch lohnt sich der Independent-Vertriebssektor gar nicht mehr - das weiß ich aus erster Hand. In den letzten Jahren haben viele Distributoren dicht gemacht und dem echten Indie-Kino dadurch das Rückgrat gebrochen. Diese Massenflutung mit lauwarmer Kinosauce führt auch zu einem europaweiten Zuschauerschwund gerade bei den unter 40-jährigen. Man könnte sagen: Weil der europäische Kinofilm durch Massensubvention und deshalb auch genormter Dramaturgie so mittelmässig geworden ist, gehen jetzt die Rentner und Pensionäre ins Kino, weil sie Zeit, Geld und schlechten Geschmack haben. Meine Prognose: Das Kino wie wir es kennen wird mit dieser Generation sterben, der Subvention sei Dank.

Kino gehört in die Hand von Studios und Idealisten, nicht in die Hand von angepassten, nettgescheitelten, weil senderabhängigen Kleinproduzenten. Studios ohne Subventionsumfeld könnten sich noch echtes Kino trauen und das heisst auch Risiken eingehen, Kleinproduzenten würden das gar nicht überleben. Nur: Die Studios haben wir per Breitensubvention und TV-Abhängigkeit mehrheitlich gekillt. Dienstleister sind übrig geblieben, mehr nicht. Manche der ehemaligen Granden, wie Studio Babelsberg, hecheln ums Überleben - und können dank Senderabhängigkeit und überflutetem Kinosektor keinerlei künstlerischen Würfe wagen, die sie für einen größeren Erfolg bitter nötig hätten, obwohl sie das Kapital dazu aufbringen würden. Da es allein in Berlin gefühlte 1000 Produktionsfirmen gibt, welche alle irgendwie am Fördertopf hängen und keine eigene Meinung haben können, ohne von ebendieser Förderung abgehängt zu werden, kann es auch keine echte Qualität mehr geben. Nette Filmchen ab und wann durchaus, aber nichts womit man an der Kinokasse so viel verdienen würde, daß es sich unter realen Bedingungen lohnte. Die europäische Filmförderung hat nichts gebracht ausser dem Siechtum des Kinos. Aber womöglich fördert sie das Kino ja gänzlich tot und wird dann irgendwann im Zuge von Sparmaßnahmen ebenfalls abgeschafft. Vielleicht kriegt der europäische Kinofilm dann ja wieder die Kurve und idealistische Produzenten wagen Perlen, die sie dann an Netflix und Co verkaufen ;-)



Antwort von Alf_300:

Jeder kennt die Geschichte vom "Das Boot Kameramann" der nachträglich 600.000 Euroe erstritten hat,
weil der Film ein großer finanzialler Erfolg war.

Muß nun im Gegenzug jeder Kammeramann bangen,
dass er zur Kasse gebeten wird wenn der Film ein Flop wird
und der Film Verluste einfährt ?.

Oder bei Imange-Filmen, das Image nicht wünschenswert aufpolierrt wird.



Antwort von dosaris:

alle Positionen/Darstellungen laufen hier auf die Konsequenz hinaus, auf welche
Vertragskonditionen sich Video-Produzenten (im weitesten Sinne) einlassen wollen!

Man muss wohl einfach realisieren, dass viel mehr Anbieter (Film-Produzenten) einem
überschaubaren zahlenden Abnehmerkreis gegenüber stehen.
Dies drückt im Kapitalismus natürlich die Preise/Konditionen.

In einem Rundfunk-Bericht wurde vor einigen Monaten dargestellt, dass
weniger als 10% der ausgebildeten Schauspieler von dieser Tätigkeit
auskömmlich leben können. Hinzu kommen weitere Amateure, die sich selber
für begnadete Schauspieler halten.

Genaue Zahlen dazu kenne ich nicht, aber es ist wohl davon auszugehen,
dass dies auf der Producer-Seite hinter der Cam kaum besser sein wird
(der Anteil von "Amateuren" wird hier eher noch höher sein).
Mit den hinlänglich bekannten ungeliebten Nebeneffekten.
Ergo:
(fast) alle wählen Kapitalismus und jammern dann, wenn sie den bekommen.

so what?




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