Eine "Zeitenwende im Objektiv-Markt für Dritthersteller" würde ja nur nachholen, was bei Sensoren schon länger der Fall ist.
Ich finde da immer noch diese Zahlen vielsagend:
Canon und Sony haben als Kamerahersteller zusammen 70% Marktanteil, alle anderen - auch Nikon - sind im Prinzip nur noch Klein- und Nischenhersteller.
Zugleich sind Canon und Sony die einzigen Kamerahersteller, die ihre Sensor selber herstellen und nicht von Drittherstellern einkaufen. Wobei Sony praktisch noch den gesamten Rest der Industrie (Nikon, Fuji, Panasonic, Ricoh, OM, Leica, Hasselblad) mit seinen Sensoren beliefert.
Ihre De facto-Duopolstellung konnten Canon und Sony auch deshalb ausbauen, weil sie als Sensorhersteller ihre eigenen Kameras maßgeschneidert mit jeweils passenden Sensoren beliefern können. Hab' mir das mal von Gemini aufschlüsseln lassen und noch händisch so korrigiert, das nur die aktuellen Modelle berücksichtigt werden - nicht ältere, die nach wie vor verkauft werden (wie z.B. die Sony A6400); dann wäre die Zahl der verschiedenen Sensoren noch höher:
In den aktuellen Mirrorless-Lineups (Canon RF / Sony E) kommen derzeit 11 verschiedene Sensortypen bei Canon und 8 verschiedene Sensortypen bei Sony zum Einsatz.
Canon (EOS R-System)
APS-C Format (3 verschiedene Sensoren)
* 24,2 Megapixel CMOS (Standard Sensor)
Modelle: EOS R50, EOS R10
* 24,2 Megapixel CMOS (Einsteiger Sensor mit reduzierter Auslesegeschwindigkeit)
Modell: EOS R100
* 32,5 Megapixel CMOS (High-Res APS-C)
Modell: EOS R7
Vollformat (7 verschiedene Sensoren)
* 24,1 Megapixel Stacked BSI CMOS
Modell: EOS R3
* 24,2 Megapixel Stacked BSI CMOS (mit Dual-Pixel Accelerator Auslesung)
Modell: EOS R1
* 24,2 Megapixel CMOS
Modelle: EOS R8
* 32,5 Megapixel CMOS
Modelle: EOS R6iii
* 45,0 Megapixel Stacked BSI CMOS
Modell: EOS R5 Mark II
* 60,0 Megapixel Super35 / Vollformat Cinema CMOS
Modelle: EOS C400, EOS C80
* 8,8 Megapixel Super35 / 4K Cinema CMOS
Modelle: EOS C70, EOS C50
Sony (Alpha / Cinema / ZV E-Mount)
APS-C Format (1 Sensor)
* 26,0 Megapixel Exmor R BSI CMOS
Modelle: Alpha 6700, ZV-E10 II, FX30
Vollformat (7 verschiedene Sensoren)
* 12,1 Megapixel Exmor R BSI CMOS (Video & Low-Light)
Modelle: Alpha 7S III, ZV-E12, ZV-E1, FX3
* 24,6 Megapixel Global Shutter Stacked CMOS
Modell: Alpha 9 III
* 33,0 Megapixel Exmor R BSI CMOS
Modelle: Alpha 7C II
* 33,0 Megapixel Exmor BSI Semi-Stacked CMOS
Modelle: Alpha 7v
* 50,1 Megapixel Exmor RS Stacked CMOS
Modelle: Alpha 1, Alpha 1 II
* 61,0 Megapixel Exmor R BSI CMOS
Modelle: Alpha 7R IV, Alpha 7R IVA, Alpha 7R V, Alpha 7CR
* 19,0 Megapixel 6K Full-Frame CMOS (Cinema Line)
Modelle: FX6, FX9
Fuji verwendet dagegen praktisch nur einen Sensor in seinen APS-C-Kameras (aktuell mit 40 MP, in den Vorgänger- sowie aktuellen preiswerteren Modellen mit 26MP), sowie einen stacked Sensor in der X-H2s + einen Sensor in den Mittelformatkameras, insgesamt also nur 3-4 verschiedene Sensoren. Wahrscheinlich sind sie unter anderem auch deshalb erfolgreich und profitabel: sie verkaufen größtenteils die gleiche Basiskamera - i.e. mit demselben Sensor und der derselben Kameraelektronik - in verschiedenen Gehäusevarianten, die sich vor allem durch die User Experience unterscheiden. Mit dieser Strategie können sie bei Sony sicher größere Sensor-Stückzahlen einkaufen, Produktionskosten senken und Margen erhöhen.
Gleiches bei Nikon: in allen APS-C-Z-Mount-Sensoren steckt derselbe 20MP-Sensor, in allen Mittelklassen-FF-Kameras (Z6iii, ZR) derselbe 24 MP Semi-Stacked-Sensor, in allen Oberklassen-FF-Kameras derselbe 45 MP Stacked Sensor, und im Budgetmodell Z5ii noch der ältere Sensor der Vorläufermodelle (Z6ii). Insgesamt also dieselbe Zahl verschiedenener Sensoren wie bei Fuji (3 aktuelle + 1 Alt-Sensor).
Ditto bei Panasonic: Mittlerweile steckt in allen aktuellen MFT-Kameras (GH7, G9ii, L10) derselbe Sensor, bei den FF-Modellen drei verschiedene [im Prinzip dieselben wie bei Nikon], also auch 4 verschiedene Sensoren.
Um diese etwas längliche Analyse zusammenzufassen: Die kleineren Hersteller bieten im Schnitt nur die Hälfte der Sensorauswahl an, die es bei Sony und Canon gibt. Was auch bedeutet, dass z.B. Nikon und Panasonic bestimmte Kamerasegmente nicht mehr bedienen. Nikon hat z.B. keine hochauflösende Studio-/Landschaftsfotografiekamera mehr, die mit den 60 MP-FF-Modellen von Sony und Leica konkurriert, Panasonic keine ultraschnelle Kamera für Sport- und Eventfotografie, die u.a. mit der Sony A1/A9 und Canon R1/R3 konkurrieren würde.
Hieran sieht man konkret, wie die Verengung des Sensormarkts die Grundlagen für das Canon/Sony-Duopol geschaffen hat.
Hersteller wie Nikon und Panasonic haben zudem noch das Problem, dass ihre Modelle mit niedrigeren Preisen direkt mit Sony und Canon konkurrieren, gleichzeitig aber wahrscheinlich höhere Produktionskosten haben, da in kleineren Stückzahlen hergestellt und mit eingekauften Sensoren bestückt.
An Nikons schlechten Geschäftszahlen (der einzige Kamerasteller, der 2025 Umsatz- und Verkaufszahlenrückgang verbuchte) kann man dann sehen, was passiert, wenn ein ehemals großer Hersteller probiert, mit immer noch relativ breitem Sortiment (trotz der o.g. Lücke) mit den Marktführern zu konkurrieren, ohne sich auf eine Nische zu spezialisieren (wie Fuji: Retro-/Lifestylekameras, Panasonic: videolastige Kameras, OM: Outdoorkameras, Ricoh: street photography-Kameras).
Da kann man beinahe Wetten abschließen, wie lange es dauern wird, dass nicht nur Objektivhersteller wie Tamron von größeren Kameraherstellern geschluckt werden, sondern auch die noch verbliebenen Hersteller unterhalb von Sony, Canon und Fuji.