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Tja... Hobby ist am Ende



Virtueller Marktplatz ausschließlich für den nicht kommerziellen Handel zwischen Privatpersonen
Antworten
Frank B.
Beiträge: 7456

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Frank B. » Mo 11 Dez, 2017 19:37

Midlife Crisis?
Kenn ich.
Deinen Beruf brauchst du. Damit musst du dein Geld verdienen. Aber du musst dich niemandem mehr beweisen. Wenn du zur Kamera greifst, dann sei du selbst. Was ist dir wichtig? Was findest du schön? Was erhält dich am Leben? Denk vielleicht mal während deiner Krankheit darüber nach!
Ich glaub nicht, dass du dein Hobby aufgeben wirst. Warum auch?
Vielleicht wirst du es anders machen aber warum solltest du es beenden? Machs halt kleiner und wesentlicher. Kleines Gepäck reicht für den Rest des Weges.




Peppermintpost
Beiträge: 2408

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Peppermintpost » Mo 11 Dez, 2017 20:48

Hey Stefan,
das ist ja schade. Du bist leider kein Einzelfall, aber das ist ja auch kein Trost. Film ist nunmal ein Mannschaftssport der von der Vorbereitung lebt und daher als Hobby schwierig ist.
Du hast keinen billig Trödel gekauft, von daher bin ich sicher das du das noch zu anständigen Preisen los wirst.
Schade Schade, aber das Leben geht weiter, warum sich in der Freizeit mit Zeugs beschäftigen was dann am Ende doch nicht so viel Spass macht. Das kann ich schon verstehen.
-------------------------------------------------------
leave the gun take the cannoli
-------------------------------------------------------
www.movie-grinder.com




Drushba
Beiträge: 1080

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Drushba » Mo 11 Dez, 2017 21:54

Wurzelkaries hat geschrieben:
So 10 Dez, 2017 21:25
Das Drehbuch ist fertig. Der Film wird geschätzte 100.000 Euro kosten. Und dann? Und falls das mit Crowdfunding und Filmförderung was werden würde? Was Dann? Das ist die Frage, die mich beschäftigt. Das Drehbuch, falls Interesse gerne als PN. :-)
Hier mal mein Senf (ungefragt), aber vielleicht ist das ja interessant für Dich: Du bist jetzt an der Schwelle, zu der viele hinwollen: Du hast ein Drehbuch. Viele Filmhochschulabgänger haben keines, dafür eine langanhaltende Schreibblockade.

Ein Langfilm kostet Geld, so ist das. Aber aufhören, weil man Filme machen will und mit den Kosten konfrontiert wird? Ich denke, Du bist auf dem richtigen Weg: Der Equipmentverkauf ist gut, denn besser Du würdest ab sofort wie ein Profi handeln und die Heimwerkermentalität, alles selber machen zu wollen, schleunigst über Bord werfen.

Das bedeutet: Mach die Regie und überlass den Produktionskram anderen.

Wenn das Drehbuch gut ist (das Hauptverkaufsargument), dann gibt es folgende Möglichkeiten:

1. (Surreale Lösung) Du reichst es bei der Filmförderung und bei Sendern ein. Die werden von Filmhochschülern und der ganzen Branche geflutet, vielleicht sticht ein filmender Zahnarzt ja positiv aus der Masse heraus ;-). Damit kommst Du auf 100K. Aber lass es vorher lieber noch mal von einem Profi kalkulieren. Wenn es ein Langfilm ist, wird es teuerer, jede Wette. Ausserdem ist das ein Fulltimejob. Nicht umsonst gibt es hauptberufliche Produzenten.

2. (Reale Lösung) Du gehst an eine Produktionsfirma und lässt von denen die Einreichung machen. Und die Produktion. Und die Verwertung.
Es gibt etliche Filmproduktionsfirmen, die erst ein, zwei Spielfilme produziert haben, jung und hungrig sind und von einer renommierten Filmhochschule kommen (aber drunter solltest Du es nicht machen. Ein, zwei produzierte Spielfilme sind Pflicht. Nicht-Filmhochschulabgänger als Produzenten zählen nicht, weil die keine Chance bei Förderungen haben).

Wenn es Dir gelingt, eine Produktionsfirma von Deinem Filmvorhaben zu überzeugen, kannst Du Dich nach hinten lehnen bzw. wieder den Bohrer schwingen. Es werden etliche Monate ins Land gehen, bevor es Feedback der Sender und Förderungen gibt. Eine gute Produktionsfirma wird für den Film ein Package schnüren, mit Dir Cast und Crew zsammenstellen, dabei für ein richtiges Filmteam sorgen, eine Drehplanung machen und alles auf die Beine stellen, damit drehen kannst. Und Dir natürlich vorher die Rechte abknöpfen, aber das ist die Eintrittskarte - neben dem guten Drehbuch, das unbedingt vorhanden sein muß.

Und falls dein Buch noch nicht überzeugt: Schreib ein Neues. Filmemachen beginnt im Kopf. Und wenn Du gute Geschichten und ausreichend finanziellen Atem hast, wird es früher oder später zu einer Verfilmung kommen - Du hast den langen Atem dank Deines Zahnarztjobs und damit einen klaren Vorteil gegenüber den vielen Filmern, die allenfalls ein paar Jahre durchhalten können und danach die Branche wechseln müssen...
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274




sanftmut
Beiträge: 190

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von sanftmut » Mo 11 Dez, 2017 22:25

Dann erst mal gute Besserung!

Ich bin so frei und denke das sag ich im Namen aller hier!

LG!




handiro
Beiträge: 2915

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von handiro » Di 12 Dez, 2017 02:46

Ich fände auch schade, wenn Du hier verschwindest. Behalte die X70 und schreibe weiter.
Good-Cheap-Fast....Pick Any 2




Jalue
Beiträge: 683

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Jalue » Di 12 Dez, 2017 10:53

Moin Stefan,

vielleicht bist du auch Opfer des Perfektionismus geworden, der recht typisch für deinen Berufszweig ist. 85 Prozent reichen nicht, es müssen schon 100 sein. Nun ist es (nicht nur) bei der Filmerei so, dass gerade die letzten 15 Prozent Kostentreiber sind. Dafür braucht’s dann plötzlich noch diesen teuren Filter, jenes Spezialmikrofon, den Slider, einen externen Monitor sowieso, HDR natürlich ...

… oder eben auch nicht. Je länger ich in der Branche zugange bin, desto mehr macht es mir eine fast diebische Freude, dem von der Industrie befeuerten Aufrüstungszwang ein Schnippchen zu schlagen. Oft kann man mit dem Camcorder mehr erreichen als mit einer „Franken-Rig“ und available light bringt oft mehr als ein Lampenwald.

Kurz; du machst das schon richtig! Nur das Nötigste behalten, 85 Prozent reichen für ein Hobby völlig aus, zumal mit etwas Kreativität und Mut eben doch 100 daraus werden können ;-) Alles Gute für dich!




rainermann
Beiträge: 1200

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von rainermann » Di 12 Dez, 2017 12:15

Jalue hat geschrieben:
Di 12 Dez, 2017 10:53
vielleicht bist du auch Opfer des Perfektionismus geworden, der recht typisch für deinen Berufszweig ist. 85 Prozent reichen nicht, es müssen schon 100 sein.
Gerade das treibt mich beim Filmen immer wieder an ;-)
Dann wird aber nicht einfach gekauft, sondern die Arbeitsweise optimiert, neues gelernt und erst dann altes durch neueres ersetzt oder ergänzt. Kommt aber selten vor und muss wirklich Sinn machen.




Frank B.
Beiträge: 7456

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Frank B. » Di 12 Dez, 2017 13:12

Es ist aber schon eine Menge dran, an dem, was hier geschrieben wurde. Die Frage, was einen Profi und einen Amateur unterscheidet, steht im Raum. Die Technik ist es längst nicht mehr. Jeder betuchte Amateur kann sich heute die Technik leisten, mit der auch Profis arbeiten. Kreativität ist manchmal bei Amateuren mehr vorhanden als bei abgestumpften Profis. Was unterscheidet sie also?
Ich würde sagen, die Ausbildung, also der Umgang mit der Technik und die verwendete Arbeitszeit, verbunden mit der finanziellen Abhängigkeit von den zu erschaffenden Produkten.

Ein Amateur, der wie ein Profi arbeiten will, muss früher oder später an den Punkt kommen, wo seine eigentliche Arbeit darunter leidet und er unzufrieden ist mit dem, was bei allem Einsatz von Finanzen und Technik am Ende rum kommt. Ich kann doch nicht in der Woche 40-50 Stunden in einen Beruf arbeiten und dann von mir selbst erwarten, dass ich die gleiche Leistung und Kreativität erbringe wie ein erfolgreicher Videoproduzent und Kameramann. Der muss neben seinem Studium und dauerhaften Fortbildungen auch seine 40/ 50 Stundenwoche arbeiten, wenn nicht noch mehr. Wie soll das also gehen, ohne dass die eigene Arbeit leidet und ohne dass man irgendwann am Stock geht und in eine Sinnkriese kommt?

Ich persönlich leide auch ein wenig darunter, dass ich zu wenig Zeit für mein Hobby habe. Auch dass mir oft die Kohle fehlt, mir die Technik zu kaufen, die ich gern hätte, um mich ein wenig weiter zu entwickeln. Ich würde gern mehr in diesem Bereich machen, mich weiter entwickeln aber auf keinen Fall will ich Video und Foto zu meinem Beruf machen. Dann muss ich damit auch leben, dass es vielleicht handwerklich nicht so gut wird, wie bei einem, der viel mehr Geld und Zeit investieren kann als ich. Der Anreiz für einen Amateur besteht darin, so nah wie möglich an die professionellen Ergebnisse zu kommen, ohne enttäuscht zu sein, wenn es lange dauert oder nie gelingt, die Vorbilder zu erreichen. Ausnahmen bestätigen die Regel.




Jott
Beiträge: 13808

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Jott » Di 12 Dez, 2017 14:06

Der Vorteil des Amateurs ist aber gerade die Zeit. Der Profi (Auftragsfilm) verdient gutes Geld mit Geschwindigkeit, im sehr schnellen Turnaround. Darauf muss alles abgestellt sein. Der Amateur dagegen hat den Luxus, dass der Urlaubsfilm auch erst in einem halben Jahr fertig sein kann.

Daraus ergibt sich aber auch, dass die Abwicklung von Filmjobs für ungeduldige Kunden neben einem Vollzeitberuf her ein Problem ist.




christophmichaelis
Beiträge: 172

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von christophmichaelis » Di 12 Dez, 2017 16:02

Wo darf man denn die Dinge sehen, die Du anbieten möchtest ?
LG
Christoph




Frank B.
Beiträge: 7456

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Frank B. » Di 12 Dez, 2017 16:35

@Jott
Ja, aber eben nur, wenn ein Amateur auch bewusst Amateur bleiben will. Sobald es zu Aufträgen oder auch nur zu Qualitäts- und Termindrücken kommt, wirds schnell sehr belastend.




Jalue
Beiträge: 683

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Jalue » Di 12 Dez, 2017 18:03

@Frank B. Ich gebe dir recht, wenn du sagst, dass es nur noch bedingt an der Technik hängt, obwohl auch heute noch herstellerseitig künstliche Preissprünge zum Profisektor in das Produktportfolio eingepflegt werden. Auch "Kreativität" ist kein wesentlicher Faktor, da immer geschmacksabhängig.

Der Unterschied? Ich würde sagen: Der Profi weiß, wie man damit Geld verdient. Klingt wie eine Binse, beinhaltet aber viele Aspekte des Produzentenjobs, die man nur bedingt aus Fachbüchern oder in Foren lernen kann. Dazu gehören der gesamte kaufmännische Bereich, aber auch branchenspezifische Softskills: Wie verhandele ich mit einem Senderredakteur und wie mit einem Firmenkunden? Welchen Preis kann ich in München verlangen und welchen in Berlin? Für welchen Kunden lohnt es, die berühmte Meile weiter zu laufen und welchen sollte ich besser in den Wind schießen ... plus viele, viele andere Nebensachen, die sich von der Auswirkung her allerdings summieren.

Natürlich kann sich auch ein Amateur all das aneignen. Aber dann hört er eben auf, Amateur zu sein :-)




Wurzelkaries
Beiträge: 1111

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Wurzelkaries » Di 12 Dez, 2017 20:25

Nach all diesen lieben und aufmunternden Antworten hier ( und weil die Grippe langsam geht) muss ich vielen von euch recht geben.

Es ist schon so eine Art Sinnkrise. Wofür das alles, für Was und für Wen. Klar hat sich seit 2011 eine Menge Technik angesammelt, die ich selten oder nur für ein Projekt genutzt habe.
Bei mir stapelt sich das Zeug, von billigem Chinakram, bis High End irgendwas.

Und ich habe dieses Jahr zuviel gemacht. Ich glaube es waren 7 Kurzfilme inkl, denen die auch für die Praxis gewesen sind. Alles selber geschnitten und Gedöhns. Dann noch 3 Drehbücher geschrieben. In Berlin waren wir für 2 Kurzfilme nominiert und wurden gezeigt. In Lübeck wurden wir mit einem Film genommen und gezeigt. Immerhin. Aber es ist trotzdem frustrierend von den wichtigen Festivals nur Absagen zu bekommen. OK.. ich habe nicht wirklich damit gerechnet...aber im Stillen natürlich schon Hahahaha...die Hoffnung stirbt zuletzt.


Mein nächstes Projekt, ein 30 Minuten Kurzfilm über ein stummes Strassenmädchen und einen vereinsamten Clown, wollte ich eigentlich im Mai filmen und zur Berlinale oder nach Oberhausen einreichen.
Doch es nagt an mir ständig der Selbstzweifel. Kann ich das? Wer organisiert das? Was kostet das nun wieder? Ja ich bin Zahnarzt, aber ich habe nicht Geld wie Heu. Ich verdiene ganz gut, aber nicht mehr als ein höherer Angestellter. Das hat mit meiner Einstellung zum Beruf und hat auch mit Work Life Balance zu tun. Nicht umsonst, kann ich es mit zeitlich leisten überhaupt Filme zu machen. Ich lebe nicht um zu arbeiten.
Ich denke von einigen Sachen werde ich mich trennen und Ballast abwerfen. Und dann das Ganze erst mal 2-3 Monate wegpacken. Und dann sehe ich weiter.


Ich habe mir heute seit langem mal wieder das Drehbuch für meinen Langfilm durchgelesen. Es hat noch diverse Schwächen... im Flow und in den Dialogen. Und doch hat es Eines. Herz. :-)

Wer möchte, kann auch mein Drehbuch zu dem 30minüter mal lesen.

Ich danke euch auf jeden Fall für euren Zuspruch und sage... WOW.. ihr seid echt klasse.

LG
Stefan




Wurzelkaries
Beiträge: 1111

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Wurzelkaries » Di 12 Dez, 2017 20:29

christophmichaelis hat geschrieben:
Di 12 Dez, 2017 16:02
Wo darf man denn die Dinge sehen, die Du anbieten möchtest ?
LG
Christoph
Hallo. Ich lasse erst mal die Feiertage verstreichen. Dann poste ich es für jeden Artikel extra nochmal.

Danke für Dein Interesse




klusterdegenerierung
Beiträge: 10533

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von klusterdegenerierung » Di 12 Dez, 2017 20:43

Stefan, Du weißt ja, wer hoch klettert, kann auch tief fallen!
Vielleicht sind ja Deine Ziele auch etwas zu groß bzw. zu Aufwendig?

Es gibt ja auch immer dankbare Projekte, die einen nicht so viel abverlangen, aber viel geben.
So wie mir zb. dieses GH4 Slomo Video.

Denn es hat mich an die Grenzen der GH4 gebracht und mich dazu gezwungen mit Equipment zu beschäftigen,
welches ich schon lange nicht mehr angefasst hatte.
Zudem habe ich wieder meine alte Leidenschaft zum Tanz endeckt und mich damit in eine Dimension geworfen.

In Bezug auf Deine Drehbuch Filme, natürlich nur eine kleines Ding, aber es hat mir viel gegeben und mich hat der Clip sehr stolz gemacht,
weil er eine extrem hohe Aufmerksamkeit & Lob bekommen hat, was ich in meinem Job Alltag oft nicht mehr bekomme,
weil es immer nur um schnell schnell schnell geht.

Ich will nur sagen, vielleicht solltest Du das ganze Thema mal aus einem anderen Blick betrachten,
nämlich nicht was Du noch alles machen mußt um Erfolg zu haben,
sondern was Du mit all diesem ganzen Zeug machen kannst um Glücklich zu sein/werden! :-)

Setzt Dich nicht unter Druck, hole Dir Deine Leidenschaft zurück! :-)




Starshine Pictures
Beiträge: 2004

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Starshine Pictures » Di 12 Dez, 2017 23:34

Die Frage "Wofür eigentlich?" ist an Stefans Stelle absolut korrekt gestellt. Wofür finanzielle und vor allem energetische Ressourcen plündern ohne anschliessend eine relevante Ernte einzufahren. Wenn das Ergebnis in keinem Verhältnis zum Aufwand steht muss man den Sinn des Ganzen hinterfragen. Stefan (oder andere in seiner Lage) sollten dabei allerdings nicht zu generalistisch denken. Es gibt hier kein Schwarz oder Weiss. Irgendwo dazwischen liegt die Lösung. Man sollte sich der eigentlichen Stärken und des eigentlichen Interesses bewusst werden. Und ich glaube dass es Stefan wichtig ist Geschichten zu erzählen. Und nicht einfach nur irgend etwas, sondern er möchte in den Menschen etwas bewegen. Dafür ist er aber kein guter Kameramann. (Sorry ;)) Seine Filme sahen oft zu amateurhaft aus, auch weil er alles selber machen wollte, wahrscheinlich um niemand anderen damit zu belasten oder weil er es einfach nicht besser wusste. Sein letzter Film für die Glücksspirale war in meinen Augen das beste was ich hier je von ihm gesehen habe. Eben weil er dort sich nur um die Geschichte und Regie gekümmert hat. Alles andere hat er an andere Leute abgegeben. Das war ein grosser und wichtiger Schritt. Aber trotzdem sehe ich ein weiteres Problem in der übersteigerten Erwartungshaltung. So viele Filme zu produzieren und sie dann auf Festivals einzureichen, wo man sich als Hobbyfilmer in eine extreme Konkurrenzsituation begibt, kann nur nach hinten los gehen. Ich habe auch Freunde die professionell Filme machen, alles Mögliche, von Werbung für Ikea, Spielfilme fürs Kino bis hin zu Musikvideos. Aber die sind IMMER am kämpfen. Da läuft nichts von selbst. Sie haben für eine der grössten Lebensmittelketten eine Kampagne mit einem Budget von 1 Mio. Franken bekommen und das mit Bravour hin bekommen. Und anschliessend? Nichts. Gar nichts mehr. Keine Aufträge. Als wären sie unsichtbar. Also wieder los ziehen und als Einzelkämpfer Interviews für den lokalen Versicherungsvertreter filmen. Selbständigkeit im Filmbusiness ist niemals konstant, und man kann nicht glauben dass es immer bergauf geht nur weil es mal besser ging. Deshalb, dran bleiben. Die Situation mal aus der Vogelperspektive betrachten und ganz nüchtern die unrentablen Dinge aussondern.


Grüsse, Stephan




Jalue
Beiträge: 683

Re: Tja... Hobby ist am Ende

Beitrag von Jalue » Mi 13 Dez, 2017 01:17

@ Klusterdegenerierung
Wirklich schön geworden und das mit eher kleinem Besteck. Chapeau!

@Starshine pictures
Eigentlich ein schönes Schlusswort mit treffender Schlussfolgerung: Sich als Amateur im Festivaldschungel aufzureiben, wo man gegen Profis bzw. hoch subventionierte Filmschulstudenten antritt, ist wirklich nicht amüsant. Habe ich in den 90ern auch durch, und es war frustrierend, weil im Grunde chancenlos. Damals war ich Mitglied einer Filmwerkstatt und alle Leute, die zeitgleich mit mir aktiv waren, haben unterschiedlich darauf reagiert. Einige sind Profis geworden, Journalismus, Werbefilm, Modefotografie ... einer hat es tatsächlich nach Hollywood geschafft. Andere haben das Filmen an den Nagel gehängt, aus ähnlichen Gründen wie Stefan, und das waren nicht die Schlechtesten! Die hatten einfach weder Bock, Profi zu werden noch auf "Burn out by hobby".

Rückblickend denke ich, es gibt einen Weg dazwischen. Ganz bewusst Druck aus der Sache nehmen, das uns ankonditionierte Leistungs- und Konkurrenzdenken abtrennen ("Stopp: Das ist mein Hobby. Es soll Spaß machen!") und vielleicht nur einen, statt sieben Filme pro Jahr machen. Möglicherweise kommt dann auch der Erfolg, noch so ein komischer Erfahrungswert: Manche Türen bleiben umso fester verschlossen, je stärker man versucht, sie aufzudrücken.

Insofern: Er macht schon alles richtig, der Stefan!




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