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Computerprogramme im Film zeigen?



Fragen zu GEMA, Drehgenehmigungen, Urheberrechte, Aufführungsrechte uä.
Antworten
lossantos
Beiträge: 258

Computerprogramme im Film zeigen?

Beitrag von lossantos » Di 22 Aug, 2017 09:59

Darf ich Computerprogramme im Hintergrund in einem Film zeigen? Beispiel Bild hänge ich an. Es geht in erster Linie um einen Arzt, der über ein Krankheitsbild
erzählen möchte und nebenbei ein Programm im Hintergrund zeigen will, was den Körper zeigt.

Ist das erlaubt?

Ich freue mich über Antworten. Viele Dank!
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Jott
Beiträge: 13192

Re: Computerprogramme im Film zeigen?

Beitrag von Jott » Di 22 Aug, 2017 10:07

Wenn er das Programm gekauft hat und kein konkreter Patient erkennbar ist (wichtig!), wieso nicht?

Bedenkenträger wird's aber immer geben. Darf man überhaupt den Monitor zeigen oder hat der Hersteller was dagegen? Ist die Armbanduhr des Arztes "safe"? Ist die Tapete geschützt?

Gesunden Menschenverstand einschalten. Oder einen Anwalt! :-)




cantsin
Beiträge: 3907

Re: Computerprogramme im Film zeigen?

Beitrag von cantsin » Di 22 Aug, 2017 11:10

Jott hat geschrieben:
Di 22 Aug, 2017 10:07
Bedenkenträger wird's aber immer geben. Darf man überhaupt den Monitor zeigen oder hat der Hersteller was dagegen? Ist die Armbanduhr des Arztes "safe"? Ist die Tapete geschützt? Anwalt! :-)
Das ist alles im Urheberrecht festgelegt. (Im Falle von Tapete und Uhr greift dann das Kriterium der Schöpfungshöhe, die i.d.R. zu niedrig sein dürfte, um urheberrechtliche Ansprüche durchzusetzen.) Im Falle des obigen Computerprogramms ist die Lage auch ziemlich klar: Wenn das Bild auf dem Monitor Teil des ausgelieferten Programms ist, dann hat der Softwarehersteller darauf die Bild- und Urheberrechte und Du musst Dir seine Zustimmung einholen. (Wenn nicht, läufst Du Klage- und Entschädigungsrisiko.) Wenn die Software das Bild nur bearbeitet bzw. aus einer Kamera ausliest, dann ist der Softwarehersteller nicht der Urheber.




Jott
Beiträge: 13192

Re: Computerprogramme im Film zeigen?

Beitrag von Jott » Di 22 Aug, 2017 12:12

Na klar, ich ging davon aus, das ist der Scan eines Patienten.

Ansonsten wie gesagt: Bedenkenträger gibt es immer. Wenn man fragt, egal was, heißt es meistens erst mal nein, als Reflex und aus Angst vor der nächsthöheren Instanz. Mit Urheber- und sonstigen Rechten in Hirn und Gepäck filmt man am besten gar nichts mehr außer dem Himmel oder verdoppelt/vervierfacht das Filmbudget für monatelangen Genehmigungskram. Good luck.

Dein Lärmkünstler aus dem anderen Thread hat sicherlich auch die Rechte für die Musik auf den Singles eingeholt? Und die Zustimmung der Hersteller aller sichtbaren Geräte? :-)




Andreas_Kiel
Beiträge: 1993

Re: Computerprogramme im Film zeigen?

Beitrag von Andreas_Kiel » Di 22 Aug, 2017 19:38

cantsin hat geschrieben:
Di 22 Aug, 2017 11:10
Wenn das Bild auf dem Monitor Teil des ausgelieferten Programms ist, dann hat der Softwarehersteller darauf die Bild- und Urheberrechte und Du musst Dir seine Zustimmung einholen.
pauschal ist das nicht richtig. Im vorliegenden Fall dürfte es keine Probleme geben:
- das Video wird offenbar nicht für die Konkurrenz im wirtschaftlichen Wettbewerb verwendet;
- an die Schutzwürdigkeit von Programmoberflächen werden sehr hohe Maßstäbe gelegt (*) - wobei es dann immer noch um die Kopie eines Programms geht und nicht die Abbildung des laufenden Computerprogramms in einem Videoclip;
- Bildrechte greifen nicht bei computergenerierten "Masken", d.h. die Abbildung genießt noch nicht einmal den "Schutz der kleinen Münze" wie ein Foto, das noch nicht den Level "Lichtbildwerk" erreicht hat.
- Im Video dürften Beschriftungen usw. ohnehin nicht erkennbar sein, so dass nur eine Patientenaufnahme übrigbliebe - die allerdings könnte datenschutzrechtlich problematisch werden, wenn der Patient identifizierbar ist.

bg, Andreas

(*)
(Vgl. OLG Düsseldorf CR 2000, 184 – baumarkt.de; LG Nürnberg-Fürth CR 1993, 145, 147; Saacke in: Götting (Hrsg.), Multimedia, Internet und Urheberrecht, S. 19, 26 f.; Schricker/Loewenheim, § 69 a Rdn 7; Raubenheimer, CR 1994, 69, 70; Wiebe, GRUR Int. 1990, 21, 26; Börsch, Sind Hyperlinks rechtmäßig?, S. 78 f.; Wiebe/Funkat, MMR 1998, 69, 71; Lehmann/v. Tucher, CR 1999, 700, 703; Burmeister, Urheberrechtsschutz gegen Framing im Internet, S. 60; Leistner/***, Beilage CR 12/1999, S. 1, 16 f.; Schack, MMR 2001, 9, 12; a.A. OLG Karlsruhe CR 1994, 610 – Bildschirmmasken; Möhring/Nicolini/Hoeren, § 69 a Rdn 6; Koch, GRUR 1997, 417, 418; ders., GRUR 1995, 459, 465 (anders wohl noch in GRUR 1991, 180); Zscherpe, MMR 1998, 404, 405.)
"Doch das genügt nicht." - Arseni Tarkowskij




cantsin
Beiträge: 3907

Re: Computerprogramme im Film zeigen?

Beitrag von cantsin » Di 22 Aug, 2017 20:24

Andreas_Kiel hat geschrieben:
Di 22 Aug, 2017 19:38
- das Video wird offenbar nicht für die Konkurrenz im wirtschaftlichen Wettbewerb verwendet;
Sorry, aber das ist (leider) kein Kriterium. Wenn das so einfach wäre, müsste sich nicht der gesamte Wissenschafts- und Kunstbetrieb bei seinen Publikationen mit der Klärung von Bildrechten herumschlagen.

Und auch Deine Ausführung zu Bildschirmfotos halte ich für zu optimistisch:

"Bildschirmkopien (Screenshots) und Grafiken
Screenshots: Auch Screenshots von Software oder TV-Sendungen, die ein urheberrechtlich geschütztes Werk darstellen, dürfen nicht ohne Zustimmung des Rechteinhabers wie des Softwareherstellers oder des Sendeunternehmens veröffentlicht werden. Bildschirmfotos von Software unter freier Lizenz sind hingegen zustimmungsfrei, vorausgesetzt, dass keine urheberrechtlich geschützten Werke anderer auf dem Bildschirmfoto erkennbar sind, wie beispielsweise eine fremde Webseite."
http://www.akademie.de/wissen/checklist ... hung-fotos

EDIT: Generell empfehle ich zu diesen Fragen die Website irights.info (die von einem öffentlich geförderten, gemeinnützigen Verein betrieben wird und u.a. mit der Bundeszentrale für politische Bildung zusammenarbeitet). irights.info nimmt gerade Standpunkte für großzügige Auslegungen des Urheberrechts ein, warnt aber auch deutlich vor Fehlinterpretationen:

"Mythos 1: Nicht-kommerziell ist alles erlaubt [...]
Mythos 2: Mit einem Login ist’s erlaubt [...]
Mythos 3: Mit Quellenangabe ist alles ein Zitat [...]
Mythos 4: Mit einem Disclaimer bin ich alle Sorgen los [...]
Mythos 5: Einbetten ist absolut unproblematisch [...]
Goldene Regel: Rechne damit, dass fremde Inhalte geschützt sind".

https://irights.info/artikel/wie-gestal ... legal/7261
Zuletzt geändert von cantsin am Di 22 Aug, 2017 20:35, insgesamt 1-mal geändert.




TomStg
Beiträge: 1701

Re: Computerprogramme im Film zeigen?

Beitrag von TomStg » Mi 23 Aug, 2017 06:05

cantsin hat geschrieben:
Di 22 Aug, 2017 20:24
"Mythos 1: Nicht-kommerziell ist alles erlaubt [...]
Mythos 2: Mit einem Login ist’s erlaubt [...]
Mythos 3: Mit Quellenangabe ist alles ein Zitat [...]
Mythos 4: Mit einem Disclaimer bin ich alle Sorgen los [...]
Mythos 5: Einbetten ist absolut unproblematisch [...]
Goldene Regel: Rechne damit, dass fremde Inhalte geschützt sind".
Kommerziell oder nicht, entgeltlich oder nicht, ist wirklich völlig unbedeutend. Das wesentlichste Kriterium ist eine öffentliche Nutzung/Präsentation der verwendeten urheberrechtlich geschützten Inhalte. Das charakteristische Wesen von "öffentlich" regelt das Urheberrechtgesetz, Paragraph 15, Abs. 3., das für "nicht-öffentlich" eine persönliche Beziehung zw dem Nutzer und den Zuschauern fordert. Alles andere ist "öffentlich". Daraus ergibt sich ua auch, dass die Anzahl der Zuschauer unerheblich ist.




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Die Entstehung dieses Musikvideos dauerte laut den Machern rund ein Jahr und es zeigt, wie sich Neural Style Transfer und Optical Flow mittlerweile extrem sauber für Effekte einsetzen lassen. Auch die Eigenschaften der Selbstähnlichkeit von Deep Dream werden sehr hypnotisierend genutzt. Die Musik selbst ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber bietet auf jeden Fall eine beeindruckend exakte Performance. Wir sind eigentlich keine Fans von digitalem Grindcore, staunen bei aufgedrehten Lautsprechern trotzdem nicht schlecht. Energie hat das ganze jedenfalls. Zur Sicherheit wollen wir auch noch eine Epilepsiewarnung für dieses Video aussprechen.