freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
iasi hat geschrieben: ↑Fr 27 Feb, 2026 14:21
Frag dich mal, weshalb in Südkorea die Leute häufiger ins Kino gehen, um gerade eben auch heimische Produktionen anzusehen.
"Eine jahrzehntelang gewachsene Genre-Tradition" klingt auch wieder so fatalistisch - als sei da etwas von einer höheren Macht vorgegeben - also ob wir in deutschsprachigen Landen so etwas nicht hätten und daher dazu verdammt wären, nicht ins Kino zu gehen.
Es gibt ja immer mal wieder originäre deutsche Stoffe, die verfilmt werden und dann auch ihr Publikum finden.
Welchem jahrzehnte gewachsenen Genre sollen denn Snowpiercer oder Train to Busan zugeordnet werden?
Der Admiral?
Der Marktanteil südkoreanischer Filme liegt immer über 50%.
Frag dich mal, weshalb der Marktanteil deutscher Filme im DACH-Markt so extrem geringer ist.
Ja - ihr habt es durchgezogen. Und ja - ihr seid auf die bestehenden Verwertungsprobleme gestoßen.
Deine Schlussfolgerungen lassen aber auch etwas Selbstkritik vermissen.
Ist der Außeririschen-Aufhänger genug, um den Film ausreichend gut vermarkten zu können?
Gibt die Handlung wirklich genügend her, um ein breites Publikum anzusprechen?
Es geht dabei gar nicht um die Qualität des Filmes, sondern um die Verwertungschancen.
Es sind nicht nur die von dir ständig angeführten strukturellen Verwertungsprobleme.
Welches Publikum spricht euer Film an?
Kleines Budget muss doch nicht bedeuten, eine kleine Geschichte mit einfacher Handlung erzählen zu müssen.
Und du meinst nun deinen Frust über deine Erfahrungen verbreiten und es so darzustellen zu müssen, als sei der DACH-Markt Schuld, wenn ein Film nicht zum großen Erfolg wird.
Sei doch mal ehrlich zu dir selber und frag dich mal, ob euer Film das Zeug hat, ein großes Publikum anzusprechen.
Und frag dich mal - ganz nach dem Motto "Das Bessere ist der Feind des Guten" - wo man ansetzen müsste, um einen Film mit mehr Erfolgspotential zu bekommen.
Ich höre ständig, die Erfahrung sei doch so wichtig.
Wenn die Erfahrung aber nicht mal hinterfragt wird, ist es eine kontraproduktive Erfahrung. Wer Erfahrungen bei deutschen Filmproduktionen sammelt, muss sich fragen:
Warum bekommt man einen Film nur mit hoher staatlicher Förderung finanziert?
Warum spielt ein so großer Teil der deutschen Filme nicht mal seine Produktionskosten wieder ein?
Warum liegt der Marktanteil deutscher Filme in D bei nur 20%?
Das sind doch keine strukturellen Probleme - es liegt daran, dass so wenige Filme mit Erfolgspotential gedreht werden.
Und damit sind wir wieder bei den Erfahrungen, die man bei der Produktion deutscher Filme sammeln kann.
Ich fasse mal zusammen, was in diesem Thread passiert ist.
Ich habe auf 72cus berechtigte Fragen hin detailliert beschrieben, wie Filmvertrieb in der Praxis funktioniert. Aggregatoren, Lizenzierungsprozesse, Algorithmus-Dynamiken bei Streaming-Plattformen, die Realität auf internationalen Filmfestivals, die Gefahr durch Raubtierdistributoren. Alles aus eigener Erfahrung, mit konkreten Beispielen, nachprüfbar.
Hast du dir vielleicht auch mal überlegt, ob es auch am Inhalt und der Handlung des Filmes liegen könnte, weshalb die
Algorithmen nicht ansprechen.
Es gibt eines dieser Uwe-Boll-Interviews, in dem er auch das Problem mit Distributoren aus den meisten Regionen der Welt beschreibt - aber er hat eine Lösung für das Problem gefunden, während du scheinbar zuerst das Problem erkennen musstest.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Deine Antwort darauf war, jeden einzelnen meiner Absätze zu zitieren und Gegenthesen aufzustellen - ohne auf die geschilderten Praxiserfahrungen auch nur einmal einzugehen. Stattdessen das Übliche: Filmförderung ist schuld, deutsche Filmemacher sind faul, die Crew soll ihre Gagen investieren. Lass uns das mal genauer anschauen.
Zu Uwe Boll als Gegenbeispiel
Du führtest ursprünglich Uwe Boll an, um zu widerlegen, dass die Gaming-Film-Brücke im deutschsprachigen Raum nicht funktioniert. Schauen wir uns Uwe Boll noch mal genauer an, denn er ist tatsächlich lehrreich - nur nicht so, wie Du denkst.
Boll hat in Kanada produziert, mit nordamerikanischen Casts, auf Englisch, für den englischsprachigen Markt. Selbst der kommerziellste, unternehmerischste deutsche Filmemacher, den es gibt, musste den DACH-Raum komplett verlassen, um Gaming-Adaptionen überhaupt verwerten zu können. Das ist kein Gegenbeispiel zu meinem Argument - das ist die Bestätigung.
Aber es wird noch besser. Bolls Finanzierungsmodell basierte auf einem deutschen Steuerschlupfloch, das Investoren erlaubte, 100% ihrer Filmanlage steuerlich abzusetzen. Die Investoren haben nicht in Bolls Filme investiert, weil sie an deren Erfolg glaubten - sie haben investiert, weil sie sich damit steuerlich saniert haben. Als das Schlupfloch 2005 geschlossen wurde, hat Boll selbst gesagt: "There was no further private investor willing to invest anything." Von einem Tag auf den anderen war kein einziger privater Investor mehr bereit, auch nur einen Cent in Filmproduktion zu stecken.
Und Du schlägst im selben Thread vor, Crewmitglieder sollen ihre Gagen investieren und man könne auch "Geräteverleiher dafür gewinnen". Selbst Boll - mit 267 Millionen Euro Investorengeldern und einem funktionierenden Steuertrick - hat es nicht geschafft, private Investoren ohne diesen Trick bei der Stange zu halten. Aber die Crew soll ihre Miete riskieren. Darauf bist Du nicht eingegangen. Warum eigentlich nicht?
Es war kein Steuerschlupfloch, sondern eine (in vielen Ländern angewandte) Möglichkeit, privates Geld für Filmproduktionen zu gewinnen.
Beispiel:
Kalifornien fördert Film- und Fernsehproduktionen durch das
Film & Television Tax Credit Program 4.0, das jährlich 750 Millionen US-Dollar an Steuergutschriften bis 2030 bereitstellt.
Nur weil der deutsche Gesetzgeber es nicht verstanden hatte, eine auf deutsche Verhältnisse zugeschnittene Steuergesetzgebung hinzubekommen, ist es kein Schlupfloch.
Zudem hatte Boll auch danach noch Filme produziert.
Du bezeichnest deutsche Filmemacher als "faul" - nicht ich.
Ich sage jedoch, dass sie mit dem Geld der Allgemeinheit schlicht unbekümmert umgehen, da sie ja kein eigenes finanzielles Risiko tragen müssen.
Es ist ganz so, wie wenn du mit dem Geld anderer ein Unternehmen gründest, dir dabei ein Geschäftsführergehalt bezahlst und dich dich in erster Linie selbst verwirklichst. Ob das Unternehmen rentabel arbeitet, ist für dich zweitrangig.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Zu Südkorea
Du vergleichst den DACH-Markt mit Südkorea und fragst, warum die Südkoreaner es schaffen und wir nicht. Dann nennst Du Snowpiercer, Train to Busan und The Admiral als Gegenbeispiele zu meiner These einer "jahrzehntelang gewachsenen Genre-Tradition" und fragst, welchem Genre die denn zuzuordnen seien.
Die Ironie ist: Genau diese Filme sind Produkte dieser Tradition. Bong Joon-ho, der Regisseur von Snowpiercer, ist seit den späten 90ern aktiv und Teil einer Generation, die auf den Schultern der koreanischen New Wave der 80er und 90er Jahre steht. Train to Busan kommt aus einer Industrie, die seit den 2000ern systematisch Genre-Kompetenz aufgebaut hat - gestützt durch eine staatliche Filmpolitik, die gezielt auf internationale Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet war, und ein Studiosystem, das kommerzielle und künstlerische Produktion unter einem Dach vereint. Du bringst also Beispiele, die mein Argument belegen, und glaubst sie würden es widerlegen.
Du verbindest Traditionen mit Personen. Auch im DACH-Raum gibt es Filmemacher, die schon seit den 80er und 90er Jahren Filme drehen.
Was ist denn mit Yeon Sang-ho?
Train to Busan war sein erster Realfilm.
Zudem tust du gerade so, als würden im DACH-Raum keine internationalen Filme produziert.
Frag dich doch auch mal, warum deutsche Produktionen nicht auf internationale Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet sind?
Du hast die Sprache angeführt. In Südkorea spielen südkoreanische Darsteller und sprechen dabei in ihrer Muttersprache.
Die Filme spielen meist in Südkorea.
Was machen die Südkoreaner also anderes als die DACH-Filmemacher, dass sie international wettbewerbsfähiger sind?
Der südkoreanische Film hat zudem einen sehr viel größeren Marktanteil im eigenen Land, als der deutsche Film in D.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Ich bin wahrlich kein Experte für südkoreanisches Kino. Aber selbst mit Grundwissen stößt man sofort auf Dinge wie die Screen Quota, die Korean Film Council oder die Rolle der Chaebol-Konzerne im Kinobetrieb - also auf eine jahrzehntelange, systematische Aufbauarbeit von Staat und Industrie, die mit dem DACH-Raum schlicht nicht vergleichbar ist. Wie viel davon war Dir bekannt, bevor Du "Südkorea hat weniger Leinwände als DACH" in die Diskussion geworfen hast?
Ach - und wir haben keine Film- und Produktionsförderung in D.
All die Jahrzehnte haben wir geschlafen? ;)
Dir ist schon auch bekannt, wie groß die Bevölkerung und die Wirtschaftskraft des DACH-Raumes im Vergleich zu Südkorea ist?
Die Südkoreaner sehen sich gerne südkoreanische Filme auf den ca.3600 Leinwänden in Südkorea an.
Marktanteil über 50%.
Die Deutschen sehen sich nicht so gerne deutsche Filme auf den ca.4600 Leinwänden in D an.
Marktanteil um die 20%.
Frag dich doch mal, ob das vielleicht am Filmangebot liegt.
Ich schau mir südkoreanische Filme der letzten Jahre an und denke mir dann immer: Welches sind die entsprechenden
Filme aus deutschen Landen?
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Zu "The Trail"
Du schreibst: "Es geht dabei gar nicht um die Qualität des Filmes" und stellst dann im selben Atemzug Fragen, die nichts anderes als Qualitätskritik sind: "Ist der Außerirdischen-Aufhänger genug? Gibt die Handlung wirklich genügend her? Welches Publikum spricht euer Film an?" Du willst den Film kritisieren können, ohne Dich dem Vorwurf der Qualitätskritik auszusetzen. Dazu dann noch "Deine Schlussfolgerungen lassen etwas Selbstkritik vermissen" und "Kleines Budget muss doch nicht bedeuten, eine kleine Geschichte mit einfacher Handlung erzählen zu müssen" - Du unterstellst mir mangelnde Selbstreflexion und dem Film eine simple Handlung, ohne irgendetwas davon belegen zu können.
Du unterscheidest offensichtlich nicht zwischen Qualität und Vermarktbarkeit.
Es gibt einen Film, in dem 2 Männer beim Essen zusammensitzen und sich unterhalten.
Denkst du, dieser Film hat das Zeug zum Blockbuster?
Sagst dies etwas über die Qualität des Filmes aus?
Es gibt Filme, die sind von hoher Qualität, aber finden kaum Zuschauer.
Es gibt Filme, die werden von vielen gesehen, sind aber von mäßiger Qualität.
Und es gibt Filme, die von hoher Qualität sind und sich auch gut vermarkten lassen.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Ob Du den Film gesehen hast oder nicht, spielt dabei eigentlich gar keine Rolle. Denn die Zahlen kennst Du - ich habe in einem anderen Thread offengelegt, dass "The Trail" auf Amazon Prime über 2,2 Millionen Unique Streams hat, auf welchen Plattformen er lizenziert ist und in welchen Ländern er läuft. Du hast in dem Thread mitdiskutiert. Und trotzdem stellst Du Dich hier hin und fragst, ob der Film "ein Publikum anspricht" - während er nachweislich eines hat. Du ignorierst Fakten, die Dir bekannt sind, weil sie nicht in Dein Narrativ passen.
Ich hab den Film gesehen.
Und ich habe mitverfolgt, wie ihr ihn vermarktet habt.
Ich habe aber auch gelesen, wie sehr du dich über die schwierige Vermarktung beklagt hast - speziell im DACH-Markt.
Und da stelle ich mir die Frage, wie bei vielen deutschen Filmen:
Wie gut lässt sich "The Trail" vermarkten?
Letztlich ist es doch so, dass du den potentiellen Zuschauer erstmal dafür gewinnen musst, dass er eine Kinokarte kauft oder bei Amazon Prime dafür bezahlt.
Ich hatte vernommen, dass ihr mit "The Trail" Zuschauer gewinnen konntet. Darauf bist du ja auch offensichtlich stolz.
Deine Einschätzung des DACH-Marktes sehe ich aber durch "The Trail" nicht bestätigt.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Zum Crew-Investment-Modell
Dein Vorschlag, Hauptdarsteller und Crew sollen ihre Gagen investieren und sich gegen prozentuale Beteiligung einbringen, ist aber der eigentlich aufschlussreichste Moment in dieser Diskussion. Nicht weil er praxisfern ist - das auch - sondern weil er Deine gesamte Argumentation in sich zusammenfallen lässt.
Das ist nicht ohne Grund im Filmförderungsgesetz §77 vorgesehen.
Frag dich doch mal, wer hier praxisfern ist.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Deine zentrale These in diesem Thread ist: 90-95% der deutschen Filme spielen ihre Kosten nicht ein. Das System ist kaputt. Die Filme sind schlecht. Der Markt will sie nicht. Du wiederholst das gebetsmühlenartig.
Und dann schlägst Du vor, Crewmitglieder sollen in genau dieses System ihre Gagen investieren.
Das kann nur zwei Dinge bedeuten: Entweder Du glaubst doch daran, dass deutsche Filme erfolgreich sein können - dann bricht Deine gesamte Systemkritik zusammen. Oder Du glaubst es nicht - dann forderst Du wissentlich, dass Menschen ihren Lebensunterhalt in etwas stecken, das nach Deiner eigenen Analyse mit 90-95% Wahrscheinlichkeit scheitert. Das eine macht Dich unglaubwürdig, das andere zynisch. Such Dir aus, welches es ist.
Das nennt man Unternehmertum.
Man investiert selbst in ein Unternehmen, weil man an den Erfolg glaubt.
Wer nicht bereit ist zu investieren, glaubt auch nicht an den Erfolg.
Dann gibt es noch diejenigen, die ihre Leidenschaft ausleben, Spaß am Filmen haben oder sich wie professionelle Filmemacher fühlen wollen. Die drehen dann ihre Kurzfilme und Videos und denken erst gar nicht über den Erfolg nach.
Und dann gibt es noch diejenigen, die Filmförderung erhalten ...
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Und wo wir schon dabei sind: Selbst Bolls Investoren haben nicht an seine Filme geglaubt - die haben an den Steuervorteil geglaubt. Als der wegfiel, war kein einziger privater Investor mehr bereit, auch nur einen Cent zu riskieren. Aber Du erwartest das von einer Crew.
Schon 2005 gab es eine Gesetzesnovelle 2005 zu den Medienfonds, die die Steuervorteile beseitigte.
Ich erwarte von denen, die einen Film herstellen wollen, dass sie an den Erfolg ihres Filmes glauben.
Du hingegen erwartest, dass ein Bäckermeister sein Geld in die Produktion deines Filmes investiert, während es deiner Crew zu riskant ist?
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Und dann die Pointe: Du hattest ja selbst mal einen Thread, in dem Du Mitstreiter für Dein Filmprojekt gesucht hast. Leute haben sich gemeldet, haben Hilfe angeboten, haben nach dem Treatment gefragt. Und was hast Du gemacht? Nichts davon rausgerückt. Kein Treatment, kein Drehbuch, kein Marketingkonzept, kein Businessplan. Sieben Jahre lang. Du erwartest von Crewmitgliedern, dass sie ihre Gagen investieren - aber Du warst nicht einmal bereit, interessierten Mitstreitern eine Seite Papier zu zeigen.
Oh - ich habe ziemlich bald bemerkt, dass hier in diesem Forum niemand zu finden ist, der für so eine Produktion in Frage kommt.
Schon diese Einstellung, alles geliefert bekommen zu wollen - Treatment, Drehbuch, Marketingkonzept, Businessplan - zeugt davon, dass es mit einer Gesellschafterstruktur nichts wird.
Und natürlich erwarte ich, dass jeder Gesellschafter seinen Anteil in ein Unternehmen mit einbringt - das ist nun einmal bei der Gründung z.B. einer GmbH üblich. Wer sagt, er bringt seinen Anteil als Eigenleistung ein, ist das machbar.
Nach Gründung der GmbH beginnt dann erst die Produktion - und zwar mit all dem, das du schon erwartest.
Würde ich gleich zu Beginn ein Drehbuch mit einbringen, würde es einem Anteil an der GmbH entsprechen.
Wer sich schon von Beginn an dagegen streubt, Mitgesellschafter einer Filmproduktions GmbH zu werden, muss warten, dass er vielleicht während der Produktion eine Anstellung oder einen Auftrag erhält. Teilhaber ist er dann aber nicht.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Zur Amrum-Kritik
Du spottest über Amrum: "Ein Junge sucht ein Honigbrot - also wenn da nicht gleich die Massen ins Kino stürmen!" Und stellst dem die Iron-Lung-Inhaltsangabe gegenüber, als Beispiel für eine Prämisse mit Publikumspotenzial.
Wenden wir Deine eigene Methode mal auf Iron Lung an: Ein Sträfling steuert ein U-Boot durch Ozeane von Blut. Für Blut! Also wenn da nicht gleich die Massen ins Kino stürmen!
Ein Junge sucht ein Honigbrot. vs Ein Sträfling steuert ein U-Boot durch Ozeane von Blut.
Junge vs Sträfling
--- vs U-Boot
Honigbrot vs Ozeane von Blut
Bemerkst du die Unterschiede?
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Klingt genauso absurd, wenn man es auf eine Zeile reduziert. Und genau das ist der Punkt: Auf eine Zeile reduziert sagt keine Filminhaltsangabe der Welt irgendetwas über das Publikumspotenzial aus. Ein alter Mann sucht einen Fisch. Eine Frau fährt Schlitten und singt. Ein Junge fliegt auf einem Besen. Auf dem Papier klingt alles banal oder absurd - es ist die Umsetzung, die den Unterschied macht.
Die Umsetzung spielt erst eine Rolle, wenn der Zuschauer im Kino vor der Leinwand sitzt.
Um den Zuschauer ins Kino zu bekommen, braucht es ansprechende Inhalte.
Wie viele Leute wollen sich wohl eine Frau ansehen, die Schlitten fährt?
Wie viele könnten sich wohl für einen Jungen interessieren, der auf einem Besen fliegt?
Welche Genre implizieren denn Frau-auf-Schlitten und Junge-fliegt-auf-Besen?
Welche Zuschauergruppen werden sich wohl angesprochen fühlen?
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Der Unterschied zwischen Iron Lungs 44 Millionen und Amrums Ergebnis liegt nicht in der Prämisse. Er liegt in 38 Millionen YouTube-Abonnenten, einer eingebauten Gaming-Community, dem größten englischsprachigen Markt der Welt, einem Event-Screening-System und einer Horror-Genre-Kultur, die es im DACH-Raum so nicht gibt. Also in genau den strukturellen Faktoren, über die ich diesen ganzen Thread lang rede und die Du diesen ganzen Thread lang wegwischst.
Der Unterschied liegt darin, dass der eine Film sich besser vermarkten lässt, als der andere.
Auch im DACH-Raum kann man 44 Millionen mit einem Film einspielen - wenn der Film dazu geeignet ist.
Und dieser Film kann auch deutschsprachig sein. Er hat sogar gute Chancen, wenn er deutschsprachig ist.
Aber er muss vermarktbar sein.
https://www.insidekino.com/DJahr/DAlltime100.htm
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Dass Du Filme anhand ihrer Inhaltsangabe bewertest wie ein Buchhalter einen Geschäftsbericht - dienstag_01 hat Dir das ja schon gesagt.
Ich mache mir darüber Gedanken, wen ich mit dem Inhalt eines Filmes ansprechen kann und will.
Den Klappentext eines Buches liest man auch zuerst und entscheidet sich dann, ob man das Buch kauft.
dienstag_01 ist wohl ein "Autor", dem es genügt, dass sein "Buch" in den Regalen der Buchhandlungen steht. Das Buch ist fertig geschrieben, gedruckt und an die Buchhandlungen ausgeliefert. Genügt das etwa schon?
Mir als "Autor" wäre es auch wichtig, dass Leute mein "Buch" auch lesen. ;)
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Zum Thema Erfahrung
Ich habe Dir aufgelistet, was Du alles noch nie getan hast. Nie einen Film produziert, nie eine Crew geführt, nie einen Vertrieb aufgezogen, nie mit einem Distributor verhandelt, nie auf einem internationalen Filmfestival gewesen, nie Deliverables erstellt, nie einen Lizenzvertrag abgeschlossen. Deine Antwort darauf: Keine. Kein einziges Wort. Stattdessen drehst Du es um - ich würde "meinen Frust verbreiten" und solle "mal ehrlich zu mir selber sein".
"DACH-Region" - damit hast du angefangen.
Du weist dann ganz vehement den Vergleich mit Südkorea zurück, obwohl es in Bezug auf die Vermarktungsmöglichkeiten eher Unterschied zum Vorteil der "DACH-Region" gibt.
Ich sage: Es liegt am Angebot an deutschen Filmen.
Südkorea:
Du nennst es "Tradition". Ich nenne es ansprechendes und vermarktbares Filmangebot.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Und dann schreibst Du: "Wenn die Erfahrung aber nicht mal hinterfragt wird, ist es eine kontraproduktive Erfahrung." Damit machst Du etwas Bemerkenswertes: Du entwertest den Begriff Erfahrung selbst, weil Du keine hast. Du hast nie produziert, weißt aber wie man produzieren soll. Hast nie vertrieben, weißt aber wie Vertrieb funktioniert. Hast nie verhandelt, weißt aber was alle falsch machen. Und wenn Dir jemand widerspricht, der das alles tatsächlich getan hat, erklärst Du dessen Erfahrung zum Problem. Nicht Dein fehlendes Wissen ist das Hindernis - die Erfahrung der anderen ist "kontraproduktiv".
Erfahrung zu hinterfragen ist sinnvoll und notwendig - das tun wir nach jeder Produktion. Aber das ist nicht was Du tust. Du hinterfragst nicht aus Erfahrung heraus. Du hinterfragst anstelle von Erfahrung. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Wenn ich Erfahrung darin gesammelt habe, etwas zu produzieren, das unrentabel ist, muss ich generell diese Erfahrungen in Frage stellen. Denn es muss sich dann grundlegend etwas ändern.
Wenn ich an einer Produktion beteiligt war und das Ergebnis - der Film - nur von wenigen Zuschauern gesehen wurde, muss ich bei der nächsten Produktion anderes vorgehen.
freezer hat geschrieben: ↑So 01 Mär, 2026 17:47
Zum großen Ganzen
Du forderst seit Jahren "Filmemacher, die das primäre Ziel im Blick haben, mit ihrem Film möglichst viele Menschen anzusprechen - planvoll und gezielt." Du redest von Unternehmensführung, davon dass Verwertung von Anfang an mitgedacht werden muss, davon dass es an der richtigen Einstellung fehlt.
Aber wenn man genau hinschaut, kommt nach der Forderung - nichts. Kein einziges konkretes Wort darüber, wie dieses "von Anfang an mitdenken" in der Praxis aussieht. Welche Verwertungswege plant man wann ein? Wie strukturiert man einen Vertriebsplan? Wie kalkuliert man realistisch die Rückflüsse aus verschiedenen Territorien? Wie sieht eine Marketingstrategie aus, wenn man kein Millionenbudget hat? Was verhandelt man mit einem Sales Agent, worauf achtet man bei einem Distributionsvertrag? Du weißt es nicht. Und deshalb kommen immer nur Floskeln.
Jetzt wende ich Deine eigene Logik mal auf Dich an: Du weißt seit 15 Jahren ganz genau, was alle anderen falsch machen. Du hast das Rezept. Du siehst die Fehler. Warum hast Du es dann nie selbst getan? Nie Dein eigenes Geld riskiert? Nie eine Crew zusammengestellt? Nie einen Film produziert, vermarktet, vertrieben? Nach Deiner eigenen Logik müsstest Du doch an den Erfolg Deiner Methode glauben - sonst wäre Deine ganze Argumentation wertlos. Offenbar glaubst Du aber selbst nicht daran. Oder Du weißt insgeheim, dass zwischen Forenbeitrag und Realität genau die Kluft liegt, die Du bei anderen so gerne übergehst.
30.000 Beiträge. Null Filme. Aber erklär uns ruhig weiter, wie es geht.
Bezeichnend ist ja, dass du die Kosten nicht nennst.
"The Trail" war vielleicht rentabel, weil die Kosten nicht hoch waren. (Ganz klar bist du hierbei ja nicht.)
Du meinst, man müsse doch der Crew die Gagen bezahlen - und natürlich Catering. :)
Hast du vielleicht auch eine Antwort darauf, woher das Geld kommen soll?
(Deutscher Reflex ist üblicherweise: Filmförderung.)
Hast du dir auch mal Gedanken darüber gemacht, wie viel Geld es sein müsste?
Ich bemerke auch, dass deine Überlegungen zur Verwertung erst da ansetzen, wenn der fertige Film vorliegt.
War das bei Markiplier etwa auch so?
Du sagst, worauf es allein ankommen würde, wäre die Umsetzung.
Die Produktion beginnt mit der Auswahl der Idee.
Und schon hier spielen die Verwertungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle - wie auch die zu erwartenden Kosten.
Die Vorstellung, man müsse ja nur eine Kamera nehmen und rausgehen, um einen Film zu drehen, führt nur dazu, dass man das Projekt in den Sand setzt oder es sehr schwer hat ihn irgendwie zu verwerten.
Es gibt in der entsprechenden Fan-Szene deutsche Splatter-Filmemacher.
Kennst du die - oder ihre Filme?
Schon gesehen? Und wenn ja, wo?
Im deutschen TV laufen sie jedenfalls nicht. ;)