Geschäftliche Aspekte der Filmproduktion Forum



Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?



Filmen als Beruf: Hier geht´s um Themen wie: Tarifliches, Kundenkommunikation, Abnahmen und wieviel man für bestimmte Aufträge verlangen kann
Antworten
Jalue
Beiträge: 936

Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Jalue » So 18 Aug, 2019 02:19

Heute war mal wieder so ein Tag, wo sich mir die Frage ernsthaft stellte und es kommt immer öfter vor, seit der Versand von Speichermedien pfui-bäh ist, weil man ja alles „superschnell und umsonst per Web rüberklicken kann" - so zumindest die Kundendenke. Auch wenn die hierzulande verfügbare Datenrate für Uploads (ganz zu schweigen von der Netzstabilität) dem oft nicht entspricht.

Bestellt war ein kleiner Dreh, der normalerweise mit 30 Min. Rohmaterial abgedeckt wäre. Allerdings übernahmen „Stakeholder“ vor Ort die Co-Regie und verlangten die Produktion zahlreicher zusätzlicher Interviews. Im Endergebnis hatte ich kübelweise fettes Full HD, das irgendwie tagesaktuell (= über Nacht) durchs Land verschickt werden muss.

Zeitlich nicht machbar bei der Menge an Rohmaterial, mithin: Alles in den Schnittrechner einfahren, Kürzen wo möglich, in ein schlankeres Format konvertieren, ZIPPen, dann übertragen. Locker zwei Überstunden, nicht gerechnet Stromkosten für den bulligen Schnittrechner, der jetzt gerade und noch bis morgen früh die Daten zum Kunden schaufelt. Natürlich darf ich mir auch noch den Wecker auf sechs Uhr stellen, um zu checken, ob das Zeugs angekommen ist, denn mein Provider dreht nachts gerne mal das Netz ab, zwecks „Wartungsarbeiten“. Dann heißt es: Zweiter Versuch und den Kunden beschwichtigen.

Kurz: Erhebt ihr eine „Handling Fee“, bzw. berechnet ihr ggf. dafür Überstunden oder schluckt ihr das stillschweigend kostenneutral - so wie ich das bislang gemacht habe?




Alf302
Beiträge: 234

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Alf302 » So 18 Aug, 2019 03:06

Was für ein Upload steht Dir den zur Verfügung ?




Jalue
Beiträge: 936

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Jalue » So 18 Aug, 2019 03:45

Alf302 hat geschrieben:
So 18 Aug, 2019 03:06
Was für ein Upload steht Dir den zur Verfügung ?

40 Mb/s. Laut Vertrag und im besten Falle (...)




macwalle
Beiträge: 267

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von macwalle » Mo 19 Aug, 2019 23:03

Jalue hat geschrieben:
So 18 Aug, 2019 02:19
Zeitlich nicht machbar bei der Menge an Rohmaterial, mithin: Alles in den Schnittrechner einfahren, Kürzen wo möglich, in ein schlankeres Format konvertieren, ZIPPen, dann übertragen. Locker zwei Überstunden, nicht gerechnet Stromkosten für den bulligen Schnittrechner, der jetzt gerade und noch bis morgen früh die Daten zum Kunden schaufelt. Natürlich darf ich mir auch noch den Wecker auf sechs Uhr stellen, um zu checken, ob das Zeugs angekommen ist, denn mein Provider dreht nachts gerne mal das Netz ab, zwecks „Wartungsarbeiten“. Dann heißt es: Zweiter Versuch und den Kunden beschwichtigen.

Kurz: Erhebt ihr eine „Handling Fee“, bzw. berechnet ihr ggf. dafür Überstunden oder schluckt ihr das stillschweigend kostenneutral - so wie ich das bislang gemacht habe?
Moin Jalue,

das meiste Material verschickte ich bisher redaktionsintern, etwa Rohclips/-schnitte –
bisher kam ich mit den 25 GB bei Magentacloud aus
(hatte ich vorher nie auf dem Zettel, zumal ich seit rund fünf Jahren kein Telekom-Kunde mehr bin …).

Für den Fall der Fälle (also mehr Speicherplatz) und,
wenn es häufiger vorkommen sollte, große Datenmengen zur Verfügung zu stellen,
lohnte sich für Dich eventuell die Miete eines betreuten Servers –

sehr gute Erfahrungen haben wir hier gemacht:
https://webdesign-hornburg.de/de/start.html

Die Website sieht zwar grottig-altbacken aus,
aber der Schuster trägt ja bekanntlich immer die ältesten Schlappen … ;-)

Der Mann hostet auch unsere Redaktions-Website,
war bei Krisenfällen stets sofort zur Stelle, selbst im Urlaub.
Besser geht es nicht – da sage noch einmal jemand etwas gegen kleine Webhoster!

Auf dem Server kannst Du ein Download-Areal einrichten (Peter hilft Dir dabei),
dort die Daten hochladen und dem Kunden nach dem Upload
den Download-Link zuschicken.

Die Kosten sind durchaus überschaubar
(irgendwo zwischen 8 und 15–20 EUR/Monat, je nach Speicherplatz),
der Service ist auch zu ungewöhnlichen Zeiten sehr schnell und sehr gut.

Zum Upload-Tempo: Offiziell habe ich 100 Mbit/Up, realistisch sind es 40–60,
über die Nacht bekommt man da aber schon einiges hochgeschaufelt.

Bei mir fällt der Glasfaser-Anschluss allerdings extrem selten aus (kurzfristig zweimal in drei Jahren),
das könnte bei Dir ein Risikofaktor sein.

Deine Arbeitskosten würde ich, sofern nicht eh pauschal kalkuliert,
sehr wohl berechnen, da kommen u. U. wirklich einige Stunden zusammen.

Du bist ja nicht bei der Caritas und verteilst Wohltaten, sondern Du lebst davon –
es ist nur wichtig, dem Kunden die potentiellen Zusatzkosten vorher klar vor Augen zu führen.

Du könntest ja verschiedene Modelle anbieten:

1) Von vornherein den Mehraufwand einpreisen –
kalkuliere dabei nicht zu knapp!

2) Sämtliches Rohmaterial ohne Sichtung hochladen
> Stundenpreis für den tatsächlichen Job am Rechner plus Strom-/Materialpauschale für den Rechner

3) Gesichtete Rohclips hochladen (also ohne offenkundigen Müll)
> wie bei 1), wird nur teurer aufgrund der Sichtungszeiten (>Uhr mitlaufen lassen und protokollieren!)

4) Qualifiziertes Best-of an Rohclips,
dann kommen allerdings wirklich fett Stunden zusammen;
die muss der Kunde auch bezahlen, das muss er auch im Vorwege wissen.

Aus welchem Grunde sonst solltest Du Dir die Nacht um die Ohren hauen?

– Stromkosten (Rendern, Export, Zippen, Upload etc.) kannst Du grob überschlagen:

Mein vollgestopfter Mac Pro 5,1 gönnt sich zwischen 300 und ca. 700 Watt,
die Kilowattstunde kannst Du Pi mal Daumen mit 27 Cent veranschlagen.

Kommen also angenommen insgesamt zehn Stunden Rechnerzeit zusammen,
dann würdest Du bei 2–3 EUR landen;
die kannst Du auch elegant in einer Pauschale berücksichtigen –
sonst wirkt es etwas kleinkrämerisch …

Hinzu käme der imaginäre Rechner-Verschleiß – nur, wie willst Du den berechnen?
Meine Kiste läuft seit knapp zehn Jahren 12–18/24 fast das ganze Jahr,
große, verschleißbedingte Ausfälle hatte ich bisher nicht …

– Generell bin ich mittlerweile ab davon,
den Kunden Geschenke zu machen, im Gegenteil:

Je ernsthafter Du in der Preisgestaltung auftrittst,
desto ernster wirst Du auch genommen.

Diese Erfahrung hat mich rund 20 Jahre gekostet,
ist jetzt aber endlich mal empirisch verdichtet ;-)

– Good-Will-Aktionen (etwa bei sehr guten und langjährigen Kunden)
kannst Du später immer noch fahren –
je seltener das passiert, desto höher schätzen die Kunden dann auch Deine Generosität.

Sonst läufst Du schnell Gefahr,
für den guten, aber billigen Spülboy gehalten zu werden –
und dieser Ruf wird Dir recht lange anhaften …

– Generell und zusammengefasst gilt für mich also Folgendes,
was ich nicht nur Dir empfehle (andere Foren-Teilnehmer mögen bitte gerne ihre Erfahrungen schildern):

1) Zeiten bei der Datenverarbeitung und -bereitstellung sind Arbeitszeiten, die werden berechnet.

2) Die Berechnung kannst Du vornehmen über

entweder
eine inkludierte Pauschale im Angebot

oder – für die BWL-Erbsenzähler bei den Auftragggebern –
über ein dediziertes Jobprotokoll inkl. Stundennachweisen nach den o. a. Modellen.

Unterm Strich kommt ungefähr das Gleiche raus,
nur solltest Du Deinen Arbeitsaufwand auch realistisch berechnen,
Dich nicht selbst behumpsen > zehn Stunden sind zehn Stunden, nicht sieben …

Jeder Maurer, jeder Kfz-Techniker und jeder Bäcker machen das.

Ich habe mich auch lange Zeit gescheut, kleine Extra-Dienste für den Kunden zu berechnen,
nur wurden irgendwann diese kleinen Extra-Dienste immer größer,
bis ich die Notbremse zog.

Was passierte, auf Seiten der Kunden?
Gar nix, sie akzeptierten und zahlten die Rechnung.

Nettigkeiten kannst Du später immer noch verteilen,
da hast Du natürlich völlig freie Hand ;–)

Herzlicher Gruß

macwalle

PS: Melde Dich mal … ;-)
Gruß vom Elbdeich




Alf302
Beiträge: 234

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Alf302 » Mo 19 Aug, 2019 23:11

Das Hochladen zum Hoster dauert aber genausolang wir das hochladen zum Kunden, da hat der TO nichts gewonnen.


Was nocht bekannt ist, um welche "Mengen" handelt es sich da.




macwalle
Beiträge: 267

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von macwalle » Di 20 Aug, 2019 00:15

Alf302 hat geschrieben:
Mo 19 Aug, 2019 23:11
Das Hochladen zum Hoster dauert aber genausolang wir das hochladen zum Kunden, da hat der TO nichts gewonnen.

Was nocht bekannt ist, um welche "Mengen" handelt es sich da.
Ja, das stimmt.
Deswegen wies ich ja auch auf das Risiko von Verbindungsausfällen hin.

Bei den Datenmengen blieb Jalue ja eher obskur, ich kann da auch nur spekulieren.
1 GB ist bei mir in ca. drei Minuten hochgeladen – damit kann ich leben.

– Wenn ich zum Kunden hochlade,
dann weiß ich nicht, was mich da serverseits erwartet –
beim Upload auf den eigenen Server weiß ich es.

Natürlich kann ich damit noch nicht kontrollieren,
wie der Download des Kunden sich gestaltet,
aber von meiner Seite habe ich damit die bestmöglichen Konditionen gestaltet.

Alles andere, besonders im Netz,
liegt in Gottes Hand ;-)
Gruß vom Elbdeich




Alf302
Beiträge: 234

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Alf302 » Di 20 Aug, 2019 00:39

Mit 3 Minuten pro GB wird der TO nicht hinkommen, da sind es eher 6-8
WS FTP Client nutzt Z-Moden, da da kann man auch abbrechen und fortsetzen.
also alles hab so schlimm




Frank Glencairn
Beiträge: 11396

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Frank Glencairn » Di 20 Aug, 2019 09:36

Ich nutze frame.io für die meisten Sachen, allerdings geht alles was über ein TB ist mit der Post auf Festplatte raus.
Beide Services stehen natürlich entsprechend auf der Rechnung.




Jalue
Beiträge: 936

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Jalue » Di 20 Aug, 2019 10:23

Danke für den Input, da ist schon einiges an Anregungen dabei, z.B. der FTP Client mit "Unterbrecher-Option". Ein eigener (angemieteter) Server eher nicht - irgendwann häuften sich diese "nur 20 Euro/Monat" Posten einfach mal - so habe ich gerade schon einen Gigacube-Jahresvertrag abgeschlossen, weil ein News-Kunde ganz schnell beliefert werden möchte und das geht oft nur mobil.

Vor diesem Hintergrund werde ich künftig auch die "Datenübermittlung" mit einer Pauschale in Rechnung stellen. Ist glaube ich besser zu vermitteln, als Überstunden aufschreiben oder alles kleinteilig aufdröseln. Es macht keinen Sinn, etwas zu verschenken, da hat MacWalle schon Recht und man darf nicht vergessen: Bis vor ein paar Jahren war es ja auch nicht anders!

Wenn der Redakteur die Tapes nicht gleich eingesackt hatte, wurden Sie eben beim Sender abgeliefert, wahlweise irgendwie dorthin geschickt (Kurier, Taxi ...) oder bei einem Dienstleister überspielt. Die Kosten dafür wurden natürlich in Rechnung gestellt ...




macwalle
Beiträge: 267

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von macwalle » Di 20 Aug, 2019 22:00

Frank Glencairn hat geschrieben:
Di 20 Aug, 2019 09:36
Ich nutze frame.io für die meisten Sachen, allerdings geht alles was über ein TB ist mit der Post auf Festplatte raus.
Beide Services stehen natürlich entsprechend auf der Rechnung.
Danke für den Tipp, frame.io kannte ich noch gar nicht!

Der Service dürfte sich indes erst bei größeren Daten-Volumina rechnen,
da müsste Jalue selbst entscheiden, ob sich das bei seinem Datendurchsatz lohnt.

Abgesehen davon:
»allerdings geht alles was über ein TB ist mit der Post auf Festplatte raus.«

Der war gut ;-)
Gruß vom Elbdeich




markusG
Beiträge: 1091

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von markusG » Mo 09 Sep, 2019 00:33

Jalue hat geschrieben:
Di 20 Aug, 2019 10:23
Ein eigener (angemieteter) Server eher nicht - irgendwann häuften sich diese "nur 20 Euro/Monat" Posten einfach mal - so habe ich gerade schon einen Gigacube-Jahresvertrag abgeschlossen, weil ein News-Kunde ganz schnell beliefert werden möchte und das geht oft nur mobil.
Schonmal Dienste wie Masv ausprobiert? Da wird nach Volumen abgerechnet, ohne Abokosten:

https://www.massive.io/

Kann man ja analog den früheren Kurier kosten den Kunden transparent berechnen.




JoDon
Beiträge: 282

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von JoDon » Mo 09 Sep, 2019 11:28

Wenn man einen online Workflow nicht hinbekommt, dann gibt es eine ganz einfache Lösung:

128GB USB Stick: 12€
Briefmarke: 1€
Zeitaufwand für Kopieren und ins Kuvert stecken: 10 min
Laufzeit: max. 24 Stunden

Einfach, unkompliziert und der Kunde freut sich, weil er nicht einen Tag lang seine Leitung blockiert hat um 128GB herunterzuladen. Den USB Stick kannst du mit Aufschlag weiter verrechnen und verdienst daran.




MK
Beiträge: 1412

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von MK » Mo 09 Sep, 2019 12:21

JoDon hat geschrieben:
Mo 09 Sep, 2019 11:28
Laufzeit: max. 24 Stunden
Träumerei




Jott
Beiträge: 17949

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Jott » Mo 09 Sep, 2019 15:18

Hm? Overnight ist doch völlig normal. Wenn's länger dauert, dann nur, wenn der Umschlag beim Empfänger im schwarzen Loch verschwindet, was allerdings ziemlich normal ist. Tracking und Zustellnachweis sind segensreich.




MK
Beiträge: 1412

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von MK » Mo 09 Sep, 2019 21:32

Jott hat geschrieben:
Mo 09 Sep, 2019 15:18
Hm? Overnight ist doch völlig normal. Wenn's länger dauert, dann nur, wenn der Umschlag beim Empfänger im schwarzen Loch verschwindet, was allerdings ziemlich normal ist. Tracking und Zustellnachweis sind segensreich.
"Briefmarke: 1€"

Zeig mir mal den Kurier der das für 1 EUR macht...




Jott
Beiträge: 17949

Re: Material ausliefern: (Wie) berechnet ihr den Aufwand?

Beitrag von Jott » Mo 09 Sep, 2019 21:51

Okay, die „Briefmarke“ hatte ich nicht für voll genommen.




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