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Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread



Der Joker unter den Foren -- für alles, was mehrere Kategorien gleichzeitig betrifft, oder in keine paßt
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Jörg
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Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Jörg » Mi 08 Jul, 2020 13:28

Ich bin nicht aufgeregt, die Situation ist ja immer identisch,
mich triffts ja finanziell auch nicht.
Und ja, du hast Recht, gewisse Altersgruppen sind da sehr pragmatisch unterwegs.




Jott
Beiträge: 18057

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Jott » Mi 08 Jul, 2020 13:39

Cinealta 81 hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 11:34
Exactly. Bis September ist die Insolvenzmeldepflicht ausgesetzt.
Das ist in der Tat eine Zeitbombe, auch für unsere Branche. Die werte Kundschaft, für die man hochmotiviert dreht, kann längst zahlungsunfähig sein. Die einzige funktionierende Absicherung: Zwischenrechnungen nach Fortschritt, immer alles nur mit Störer/Time Code* im Bild, ohne erst nach vollständigem Zahlungseingang. Und wenn der Kunde noch so sehr heult. Auch wenn's in zwei Stunden auf Sendung gehen oder in Social Media aufpoppen muss: kein Problem, wir nehmen PayPal! :-)

*Nicht mal das hilft zuweilen, wird halt dreist mit Time Code im Bild online gestellt. Gern genommen auch unlizensierte Stock Footage mit Störer. Man kann auch an diesen Dingen erkennen, dass jemand platt ist und die Kreditkarten am Limit.

Der Herbst wird spannend!




Cinealta 81
Beiträge: 424

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Cinealta 81 » Mi 08 Jul, 2020 14:04

Jott hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 13:39
Die einzige funktionierende Absicherung: Zwischenrechnungen nach Fortschritt, immer alles nur mit Störer/Time Code* im Bild, ohne erst nach vollständigem Zahlungseingang.
Diese Maßnahme erspart einem seit Ewigkeiten eine Menge Ärger. Die Franzosen sagen dazu: "Les bons comtes font les bons amis."

Wir fangen ohne Anzahlung NIEMALS an - außer es geht um die Buddys unseres CinC und die zahlen immer und zeitnah. Eine Ausnahme sind auch unsere Healthcare-Kunden, da hatten wir ebenfalls noch nie ein Problem.

Diese Vorgehensweise (Voraus-, bzw. Teilzahlungen nach Fortschritt) ist aber keine Seltenheit, die deutsche Firma, an der wir uns jetzt beteiligt haben, macht das genau so seit Jahren und ist damit sehr erfolgreich. Klare Zahlungsmodalitäten und deren Einhaltung sind eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und - zumindest aus Sicht eines Dienstleisters - alternativlos. ;-)




Cinealta 81
Beiträge: 424

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Cinealta 81 » Mi 08 Jul, 2020 15:31

Eine (weitere) traurige Nachricht aus Oakland:

Die "Independent Brewing Company" war im Jahr 2013 die erste konzernunabhängige kleine Brauerei in Oakland (SF EastBay) und hatte sich über die Jahre zu einer wichtigen lokalen Begegnungsstätte an der Waterfront etabliert. Man konnte dort viele Nachbarn und Freunde treffen, unabhängig davon, ob man Biertrinker ist oder nicht.
Durch diese Eröffnung, haben sich weitere Brauer ermutigt gefühlt, in der Gegend kleinere Hausbrauereien (z.B. Original Pattern Brewing) zu eröffnen. Das alles hat die Gegend ziemlich belebt und wesentlich zu einer beachtlichen Entwicklung der Region beigetragen.

Nun muss der Pionier seine "Independent Brewing Company" aufgrund der Corona-Ereignisse und der damit einhergehenden Unsicherheiten schließen. Ein Jammer - nicht nur für Bierliebhaber.

-->




Bluboy
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Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Bluboy » Mi 08 Jul, 2020 22:46

Traurig, nein unglaublich, dass angestammte Firmen keine 3 Monate durchhalten können und Insolvenz anmelden




Bluboy
Beiträge: 861

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Bluboy » Do 09 Jul, 2020 07:17

Der Witz von Donnerstag;

Dresden will um den Einzelhandel zu stärken, das Internet tageweise abschalten.

https://www.mz-web.de/sachsen/irrer-bes ... n-36981828




DWUA y
Beiträge: 116

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von DWUA y » Do 09 Jul, 2020 17:47

Frank Glencairn hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 10:13
Das Problem ist doch nicht die alberne Maske, sondern daß die komplette Wirtschaft, der Bildungssektor und die Kultur - in einer sowieso schon fragilen Lage - durch Panikmache und völlige Inkompetenz der Verantwortlichen an die Wand gefahren wurde. Da werden wir noch viele Jahre was davon haben.
Panikmache? Wer hier Panik verbreitet bist doch DU gerade!
Merkst es bloß nicht.

;))




dienstag_01
Beiträge: 10632

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von dienstag_01 » Do 09 Jul, 2020 17:55

Bluboy hat geschrieben:
Do 09 Jul, 2020 07:17
Der Witz von Donnerstag;

Dresden will um den Einzelhandel zu stärken, das Internet tageweise abschalten.

https://www.mz-web.de/sachsen/irrer-bes ... n-36981828
Das ist doch super!
Da es in Dresden früher auch keinen Empfang von Westfernsehen gab - Tal der Ahnungslosen - bin ich sehr für die Fortsetzung des Experiments mit anderen Mitteln ;)




DWUA y
Beiträge: 116

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von DWUA y » Do 09 Jul, 2020 18:27

Jott hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 13:39
...Der Herbst wird spannend!
Tja, wenn danach eh Schluss ist: Der Frühling nach Weihnachten!

www.youtube.com/watch?v=D4_o3hji_pQ

;))




DWUA y
Beiträge: 116

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von DWUA y » Do 09 Jul, 2020 19:22

Cinealta 81 hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 11:34


Ich habe täglich die Lage vor mir: In den USA, in Frankreich, in Russland, in Deutschland und auch andernorts, bishin zu den vermeintlich unglaublich reichen arabischen Staaten. Und das was ich sehe und mitbekomme, unterscheidet sich diametral von schlauen Expertenprognosen und öffentlichen Durchhalteparolen. Man wird den Gürtel eng schnallen müssen. Sehr eng. Nicht alle, aber die Allermeisten.

Kredite und auch nicht rückzahlbare Staatszuwendungen sind mittel- und langfristig wertlos, wenn man keine Umsätze und Gewinne generiert. Die Zeit der "bedingungslosen Soforthilfen" ist - zumindest für kleine Firmen und Mittelständler - vorbei, bald kommt der Tag der Wahrheit. Da heißt es, aus eigener Kraft überleben, oder untergehen. Für unbedachte Kreditnehmer, eher untergehen. Für "bedingungslos Sofortgeholfene" wird mehrheitlich Schmalhans einzigster Küchenmeister. Diesmal in Form von Hartz IV oder sonstigen staatlichen Sozialleistungen.

Masken sind hier nicht das Problem. Mangel an (Selbst)Verantwortung, Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit, sowie eine notorische Realitätsverweigerung machen die Sache schwierig. Alles zu unwillig, verwöhnt und träge. Viel zu langsam und diskusssionsfreudig im Zweikampf mit einem Virus, das Regie führt und das Tempo angibt. Viel zu verständnisvoll mit einer zögerlichen und weitestgehend inkompetenten Politikerkaste.

Es vermag etwas dramatisch bishin zu apokalyptisch klingen, das ist nicht beabsichtigt. Aber, es wird Opfer geben. Zahlreiche. Leider. Viel mehr als uns heute genehm ist.
Als Global Player solltest Du dann "täglich" aber auch erleben, wer die wirklichen "Opfer" sind.
("Du Opfer!" ist übrigens ein Mobbingmittel von 12 Jährigen, die keine Ahnung von Abraham haben).

Opfer einer "Politikerkaste"?
Klar, wenn du damit Brasiliens Bolsonaro, Trump, Putin und weitere Ignoranten meinst.

Allein schon dein Versuch, F und D in einen Topf zu werfen, ist nicht koscher.
Im Gegensatz zum zentralistischen F gibt es hier 16 Bundesländer mit unterschiedlichen Parteienlandschaften:

https://de.wikipedia.org/wiki/Land_(Deutschland)

Da kann bis runter auf Kreisebene entschieden werden, welche Maßnahme gerade als sinnvoll erscheint.
Es gibt natürlich auch Menschen, die fühlen sich so dermaßen übel:

www.imdb.com/video/vi2136456217

Weil das hier jetzt mal abgesagt wurde:

www.youtube.com/watch?v=C01Iah_IRxE




Frank Glencairn
Beiträge: 11552

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Frank Glencairn » Fr 10 Jul, 2020 08:59

Sammy D hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 10:56


Welche Economy-Bodycount-Ratio schwebt Dir vor, dass man eine Wirtschaftskrise in Kauf nehmen darf? Bei Egoshootern ist 2:1-KDR ein guter Wert.
78eacbdd44ef6379391111c6be510e03.jpg

Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.




Jörg
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Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Jörg » Fr 10 Jul, 2020 09:07

Ich würde zu gerne wissen, durch welche Decke die rote Linie gehen würde, wären nicht diese gigantischen Schutzmaßnahmen in D ergriffen worden.
Siehe Schweden.




Bluboy
Beiträge: 861

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Bluboy » Fr 10 Jul, 2020 09:19




dienstag_01
Beiträge: 10632

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von dienstag_01 » Fr 10 Jul, 2020 09:34

Frank Glencairn hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 08:59
Sammy D hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 10:56


Welche Economy-Bodycount-Ratio schwebt Dir vor, dass man eine Wirtschaftskrise in Kauf nehmen darf? Bei Egoshootern ist 2:1-KDR ein guter Wert.

78eacbdd44ef6379391111c6be510e03.jpg
Die Statistik ist sehr interessant, aber für eine Aussage über die Gefährlichkeit einer einzelnen Krankheit nahezu unbrauchbar. Um eine einzelne Ursache herauszufiltern, müssten andere Einflüsse (Krankheiten, statistische Trends) eliminiert werden. Sehr kompliziert, aber geht natürlich - genauso wie in der Klimaforschung ;)




Funless
Beiträge: 3919

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Funless » Fr 10 Jul, 2020 09:39

Jörg hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 09:07
Ich würde zu gerne wissen, durch welche Decke die rote Linie gehen würde, wären nicht diese gigantischen Schutzmaßnahmen in D ergriffen worden.
Siehe Schweden.
Schau dir die USA an, dann weißt du's.
MfG
Funless

Joker hat geschrieben:You're not speaking anything any human could understand! I don't even know if this was a question or declarative statement.




Jörg
Beiträge: 8171

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Jörg » Fr 10 Jul, 2020 10:10

wobei man die Wahlkampfauftritte von Trump eher fördern sollte...




Frank Glencairn
Beiträge: 11552

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Frank Glencairn » Fr 10 Jul, 2020 10:36

Funless hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 09:39

Schau dir die USA an, dann weißt du's.
Kein Wunder, nachdem was die da in letzter Zeit so abgezogen haben.
blmprotests.jpg
Ansonsten haben die USA eher strenge Vorschriften.
Die US Kollegen arbeiten teilweise in Vollkörperanzügen, in manchen Staaten gilt generelle Maskenpflicht, nicht nur beim Einkaufen, viele Amis sind geradezu paranoid und lassen sich alles liefern etc.
Abgesehen von BLM, wo alles plötzlich völlig egal war, ist die USA ein denkbar schlechtes Beispiel für mangelnde Maßnahmen.
Bayern hat ja auch die strengsten Maßnahmen und trotzdem die meisten Infizierten - weiß der Geier warum.

Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.




iasi
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Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von iasi » Fr 10 Jul, 2020 10:49

Ja - und in D geht man davon aus, dass alles überstanden ist und das Leben spätestens nach den Sommerferien wieder wie gewohnt weitergeht.

Schauen wir uns doch lieber mal in einem Jahr alle Zahlen genau an.

Haben wir übrigens vergessen, was uns die Wissenschaftler schon zu Beginn der Krise gesagt hatten:
60-70% der Bevölkerung werden infiziert.
Davon sind wir noch weit entfernt - das C-Virus hingegen ist noch nicht entfernt.




Bluboy
Beiträge: 861

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Bluboy » Fr 10 Jul, 2020 10:55

IASI
In D richtet man sich drauf ein dass uns die Pandenmie noch bis mitte 2022 in Atem hält

;-((

Bekannt ist inzwischen auch dass sich das Virus nicht nur bei Kälte sondern auch bei 30 Grad besonders Wohl fühlt




iasi
Beiträge: 15135

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von iasi » Fr 10 Jul, 2020 11:15

Bluboy hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 10:55
IASI
In D richtet man sich drauf ein dass uns die Pandenmie noch bis mitte 2022 in Atem hält

Wer ist man?

Schweden kritisieren wir, weil die Schulen nicht geschlossen wurden.
Nach den Sommerferien soll dennoch der gewohnte Unterricht im Klassenverband stattfinden.

Ist dies nicht ein bemerkenswerter Widerspruch?

Interessant ist doch auch, dass man nun lieber diese eher beruhigend klingende Verdopplungszeit statt die Zahl der Neuinfizierten nutzt. Und natürlich diese magische 1.




freezer
Beiträge: 2093

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von freezer » Fr 10 Jul, 2020 11:29

Frank Glencairn hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 08:59
Sammy D hat geschrieben:
Mi 08 Jul, 2020 10:56


Welche Economy-Bodycount-Ratio schwebt Dir vor, dass man eine Wirtschaftskrise in Kauf nehmen darf? Bei Egoshootern ist 2:1-KDR ein guter Wert.

78eacbdd44ef6379391111c6be510e03.jpg
Woher kommt diese Grafik?
So sieht die wissenschaftliche Auswertung vom Statistischen Bundesamt aus:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesel ... ahlen.html
LAUFBILDkommission
Robert Niessner - Graz - Austria
Blackmagic Cinema Blog
www.laufbildkommission.wordpress.com




Bluboy
Beiträge: 861

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Bluboy » Fr 10 Jul, 2020 11:35

"Man" sind die die was zu sagen haben und auch das Seuchenschutzgesetz durchsetzen müssen.

Eine Zahl wird seltsamer Weise nicht veröffentlich, nämlich die, wieviele sich in Quarantäne befinden.
300-500 Infizierte und jeweils eine Kontaktperson mal 14 Tage , das summiert sich

Mal ein Beispiel:
Euskirchen:
25 Infizierte 1000 in Quarantäne




dienstag_01
Beiträge: 10632

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von dienstag_01 » Fr 10 Jul, 2020 11:44

freezer hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 11:29
Frank Glencairn hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 08:59



78eacbdd44ef6379391111c6be510e03.jpg
Woher kommt diese Grafik?
So sieht die wissenschaftliche Auswertung vom Statistischen Bundesamt aus:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesel ... ahlen.html
Danke.
Auch schön, dass in der Statistik, genau wie von mir beschrieben, die bereinigte Corona-Kurve eingearbeitet ist.




freezer
Beiträge: 2093

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von freezer » Fr 10 Jul, 2020 11:48

Frank Glencairn hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 10:36
Kein Wunder, nachdem was die da in letzter Zeit so abgezogen haben.

blmprotests.jpg

Ansonsten haben die USA eher strenge Vorschriften.
Die US Kollegen arbeiten teilweise in Vollkörperanzügen, in manchen Staaten gilt generelle Maskenpflicht, nicht nur beim Einkaufen, viele Amis sind geradezu paranoid und lassen sich alles liefern etc.
Abgesehen von BLM, wo alles plötzlich völlig egal war, ist die USA ein denkbar schlechtes Beispiel für mangelnde Maßnahmen.
Bayern hat ja auch die strengsten Maßnahmen und trotzdem die meisten Infizierten - weiß der Geier warum.
In dem Video sieht man besser (wie auch auf unzähligen Fotos), dass die meisten Teilnehmer Masken tragen:


Siehe auch die Fotos:
https://www.google.com/search?q=blm+hol ... 1&bih=1062

Mich wundert ja Frank - wo Du doch so besorgt bist - dass Du ganz vergessen hast, diese Veranstaltungen zu kritisieren:
https://www.google.com/search?q=donald+ ... 1&bih=1062

Und ja, die USA ist ein Beispiel für mangelnde Maßnahme - oder wie erklärst Du Dir deren Situation?
An solchen Leuten kanns ja wohl nicht liegen, zB in Florida:


Und auch an dieser wohl nicht:


Oder an diesen in Orange County:
LAUFBILDkommission
Robert Niessner - Graz - Austria
Blackmagic Cinema Blog
www.laufbildkommission.wordpress.com




dienstag_01
Beiträge: 10632

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von dienstag_01 » Fr 10 Jul, 2020 12:26

Frank Glencairn hat geschrieben:Bayern hat ja auch die strengsten Maßnahmen und trotzdem die meisten Infizierten - weiß der Geier warum.
Für die Wirksamkeit von Maßnahmen muss man sich natürlich deren Auswirkungen anschauen, also nicht die kumulierten Zahlen, sondern die Neuinfektionen.

Statistik nicht verstanden?
Oder doch bissel Stimmung machen?




Cinealta 81
Beiträge: 424

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Cinealta 81 » Fr 10 Jul, 2020 13:39

Bluboy hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 10:55
In D richtet man sich drauf ein dass uns die Pandenmie noch bis mitte 2022 in Atem hält
Nicht nur in Deutschland deutet alles darauf hin, dass man noch 1,5-2 Jahre damit wird leben müssen.

Wir haben vor Monaten in CA am Tisch gesessen und darüber gesprochen, inklusive die für uns damit einhergehenden Auswirkungen und mögliche/notwendige Schlussfolgerungen. Wir waren uns ziemlich schnell einig, dass es in den nächsten Jahren, in den USA und internationalem Geschäft, Einschränkungen und Komplikationen geben wird, die unsere Arbeit - bestenfalls - behindern werden. Schlimmstenfalls wird unsere Arbeit dadurch sogar unmöglich.

Und da in den letzten Monaten Medienunternehmen und Studios in den USA reihenweise umgegangen sind (und das Ende des Sterbens ist noch lange nicht erreicht), haben wir beschlossen, unser Areal in der SF EastBay auszubauen. Zu einer Art "unabhängigen Studiowelt". Aber nix Hollywood, Broadcast.

Seit ca. sieben Jahren (von Beginn unserer Tätigkeit an) haben wir dort ein riesiges Areal, das unser CinC zu einem - damals - halbwegs normalem Preis gekauft hatte. Wäre heute nicht mehr bezahlbar, obwohl quasi Industriegelände (oder eher -brache?). Das Funktionsgebäude ist längst ausgebaut, aber auf dem großen Areal stehen noch zwei verschiedene Hallen, insgesamt ca. 4.500qm Hallenfläche.

Und diese werden jetzt zu Studio- und Teameinheiten (pro Team vier voll ausgestattete Einzelwohnungen für vier Mann + ein Besprechungsraum) - insgesamt für fünf Teams = 20 Mann. Voll getrennt, Corona-gerecht. Im ersten Schritt, der bereits angelaufen ist, entstehen dort vier Studios (Talkrunden-Studio, Kochstudio, Newsroom, Entertainmet-Studio).
Warum? Weil die Nachfrage nach Broadcast und Aktualität - zumindest international - geradezu explodiert ist. Ebenso die Nachfrage nach Studio-Einheiten (mit Garderobe, Maske, etc.), die - trotz Pandemie - jederzeit nutzbar sind. Full Service, inkl. Teams, Redakteure, etc.

Dazu kommt, dass wir aus Konkursmasse, sündhaft teure Licht- und Bühnentechnik kaufen konnten, die uns zwei Drittel an Anschaffungskosten ersparen.

Daran wird seit Monaten Tag und Nacht gearbeitet, in der Hoffnung, dass uns keine verheerende Pandemie-Welle dazwischen kommt.

Damit werden wir völlig unabhängig. Ein Staat im Staat. Auf dem eigenen Gelände. Mit internationalem Flughafen (OAK) in 10 Min. Entfernung und Hubschrauberlandeplatz.

Ich bin ab Anfang nächster Woche dort und werde mal bildlich berichten. Ist ein ganz spannendes Projekt, wenn man berücksichtigt, dass wir vor acht Jahren erst angefangen haben. Und zu dem Zeitpunkt nicht einen Produzenten oder Verantwortlichen in Medienhäusern kannten. Null Beziehungen oder Netzwerke in der Medienbranche. Aber zwei große Healthcare-Unternehmen und drei Diamantenhändler durften wir unsere Kunden nennen. Das war alles. Und jetzt? Jetzt machen die angestammten, "professionellen" Medienhäuser und Studios zu und wir übernehmen deren Geschäft. Die Welt ist manchmal verrückt... ;-)

In einer solch volatilen Welt ist der Weg von unten nach oben und umgekehrt sehr schnell. Keiner kann sich in Sicherheit wähnen. Deswegen sollte man vielleicht jeden einzelnen Tag genießen... ;-)




Cinemator
Beiträge: 407

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Cinemator » Fr 10 Jul, 2020 14:24

Cinealta 81 hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 13:39
Bluboy hat geschrieben:
Fr 10 Jul, 2020 10:55
In D richtet man sich drauf ein dass uns die Pandenmie noch bis mitte 2022 in Atem hält
In einer solch volatilen Welt ist der Weg von unten nach oben und umgekehrt sehr schnell. Keiner kann sich in Sicherheit wähnen. Deswegen sollte man vielleicht jeden einzelnen Tag genießen... ;-)
Wie wahr, wie wahr. Däumchen drehen bringt derzeit am allerwenigsten. Meine Befürchtung ist die, dass Deutschland (und Europa) viel länger an den wirtschaftlichen Folgen zu knapsen haben wird. Die USA sind zwar ungleich härter vom Virus betroffen, werden sich aber vermutlich viel schneller wirtschaftlich regenerieren. Der dort vorherrschende Geist macht es möglich. Als Chancennutzer trifft man ganz schnell auf Goodwill und erfährt Unterstützung. Für Euer Projekt in der SF Bay Area viel Erfolg, bin gespannt auf die Bildberichte.




ruessel
Beiträge: 6278

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von ruessel » Mo 27 Jul, 2020 17:01

Der Text erschien im französischen Original als ein Beitrag von Marc Galerne auf der Facebook-Seite der IMAGO;
Übersetzung Dirk Betke

Ein nachdenkliches Statement zur Situation unserer Industrie von Marc Galerne, K 5600 (Fördermitglied des BVK)


Unabwendbarkeit - gibt es die wirklich?

Wenn es ein Gefühl gibt, das die aktuelle Pandemie kennzeichnet, dann ist es das der Hilflosigkeit. Es ist unsere Hilflosigkeit als Individuen in einer einzigartigen Situation, aber auch die von Politikern, von Wissenschaftlern und ganz allgemein auch von diejenigen, von denen wir (als Branche) abhängig sind. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit schmeckt allerdings nach Deja Vu.

Jedenfalls erleben wir Hersteller und Vertreiber unverzichtbarer Filmausrüstung, hilflos eine Verschlechterung des Marktes mit immer geringeren Margen. Sie wirkt sich auf unsere Kapazitäten aus, in den Lagerbestand zu investieren oder Innovationen zu entwickeln und auch auf unsere Fähigkeit, unseren Job so zu machen, wie wir das sollten. Wir sind ohnmächtig, weil der Mangel an Investitionen und die Defizite bei der Erneuerung der Ausrüstung bei den Anbietern/ Dienstleistern das Ergebnis von „Deals“ mit den Produktionen ist, die in ihren Ergebnissen weit unter dem Normalwert/ den üblichen/ angemessenen Werten liegen. Während der Umsatz von Studios und Filmteams/ Dienstleistern für Dreharbeiten zwischen 2009 und 2018 um 18% stieg, ging der Umsatz von Ausrüstungsproduzenten/-Lieferanten um 83% zurück (CNC-Zahlen, Seite 210 des CNC-Berichts 2019). Laut FICAM gingen die Investitionen in die technische Industrie zwischen 2008 und 2018 um 23,5% zurück. Soweit die Erklärung der Zusammenhänge.

Laut CNC (Seite 101) verringerte sich der Anteil der Budgets für die Technik am den Filmbudgets über die Jahre um 15,5%: von durchschnittlich 109,8 Mio. EUR (gemittelt von 2010 bis 2018) auf 92,7 Mio. EUR in 2019. Tatsächlich hätte es aber eine gegenläufige Tendenz geben müssen: Die rasche Überalterung der Digitalkameras und das sich Durchsetzen (zunehmend ausgefeilter) elektronischer Beleuchtungstechnik sollte eigentlich progressive und regelmäßige Erhöhungen bei technischen Budgets der Produktionen rechtfertigen. Der Knackpunkt ist, dass es die Produzenten sehr gut verstehen, ihre Probleme in den Vordergrund zu rücken und dabei auch einen ungesunden Preiswettbewerb befeuern. Dafür sind alle Vorwände gut – mal sind es die Jahre der französischen Präsidentschaftswahlen, mal der Krieg im Irak, mal der 11. Septem­ber, die Streiks oder die Einstellung der Werbung auf öffentlichen Kanälen. Zweifellos wird auch das Argument der „Gesundheitskrise“ bei den Verhandlungen mit Vermietern und auch mit Filmteams eine enorme Rolle spielen.

Aber sind wir nicht alle betroffen? Sind die Produzenten die einzigen, die unter dieser Krise leiden?

Es ist richtig, dass solche Ereignisse Auswirkungen auf die Aktivitäten haben können, aber produzieren wir etwa weniger? Gibt es weniger Produzenten? Wenn das Filmgeschäft so miserabel liefe, wie lässt sich die anhaltende Expansion erklären? Warum gibt es fünf Produzentengewerkschaften? Gibt es eine Gewerkschaft der technischen Industrie? Klar, es gibt zwei Gewerkschaften der audiovisuellen Techniker und Arbeiter. Sie setzt sich nach dem Vorbild der nationalen politischen Gewerkschaften für angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen ein. Aber sollten wir nicht unser Recht auf künstlerischer Wahlmöglichkeiten und die selbstbestimmte Auswahl des eigenen Teams und Materials verteidigen können, ohne Einschränkungen oder (politischen, ökonomischen, sozialen) Druck fürchten zu müssen?

Wäre es nicht an der Zeit, sich zusammen zu tun, um Dienstleister, Lieferanten, Filmteams (Requisite/ Dekoration, Bild, Ton, Management, Postproduktion) unter dem Dach einer Gewerkschaft zu vereinen? Eine unpolitische Gewerkschaft, die sich für die Interessen der audiovisuellen Industrie und ihres Personals einsetzt, um so wieder etwas von unserer Würde zurückzugewinnen und einen Beruf zu erhalten, der mit viel Leidenschaft ausgeübt wird? Warum eine Gewerkschaft? Offensichtlich verfügen die bestehenden Verbände und Vereine über nicht genug Verhandlungsgewicht, es wäre sonst wohl kaum zu dem 15%gen Rückgang bei den Technik-Budgets und auch kaum zu diesem Schreiben gekommen. Angesichts eines Dutzends von Verbänden und zwei Gewerkschaften, die nicht mit einer Stimme sprechen, nehmen die fünf Produzentengewerkschaften deren Argumente kaum zur Kenntnis, wenn sie nicht sogar versuchen, die Gegenseite zu spalten.

Es gab etliche Gesundheitsempfehlungen für den Umgangs mit Covid-19. Hätte es stattdessen nur eine einzige Empfehlung gegeben, die von einer Gewerkschaft abgesegnet, mit Argumenten vertreten und der Öffentlichkeit vorgelegt worden wäre, dann hätte eine solche Empfehlung unmittelbare Wirkung bei denen entfalten können, die mit und von Dreharbeiten leben. Die Debatte über Reinigung und Desinfektion des Equipments wäre viel schneller vorangekommen, wenn sich Vermieter, Nutzer und Hersteller gemeinsam mit einem oder zwei medizinischen Experten um einen Tisch gesetzt hätten.

Nicht durch Konfrontation, sondern über einen Dialog sollten wir das Anliegen vertreten, unsere Berufe unter angemessenen Arbeitsbedingungen korrekt auszuüben. Was wir wollen ist, dass Produzentengewerkschaften und CNC uns zuhören. Die ersteren sollen dazu beitragen, die Bedingungen für die Rückkehr zu einer soliden Gesamtwirtschaft zu verbessern, und im Dialog mit der CNC geht es darum, die Durchsetzung und Einhaltung unser Forderungen zu erreichen.

Die Produzenten sollten lernen zu begreifen, dass man mit einer zusätzlichen Vorbereitungswoche deutlich mehr an Mitteln einsparen kann als die Kosten, die für den zusätzlichen Zeitaufwand entstehen. Es geht ferner darum, aufzuzeigen, dass ein solider Arbeitsplan oder eine straffe Regieführung erhebliche Einsparungspotentiale beinhalten. Und es sind nun mal die Schauspieler, die die Einnahmen bringen, egal ob sie auf Provisionsbasis oder wie Geschäftsleute zum Festpreis arbeiten. Es sollte allemal klar werden, dass die Wahl der Geräte in der Verantwortung der Produktions-/Aufnahme-Leiter und ihrer Teams liegt und dass sich mit der Erhaltung eines guten Zustands der Ausrüstung Zeitverluste vermeiden lassen.

Es sollte deutlich werden, dass ein glückliches Team besser und schneller arbeitet als eine Mannschaft, die sich nicht wertgeschätzt fühlt. Als Folge des fortgesetzten Drückens der Preise verabschieden sich erfahrene Leute aus unseren Berufen; es sind dies Menschen, denen es (wie in allen anderen Berufen auch) nicht zuletzt auch um eine Anerkennung ihrer Erfahrungen geht. Ihr Ausscheiden verschärft den ohnehin schon verbreiteten Mangel an Professionalität am Set. Wir müssen aufhören, zu meinen, dass sich [bei Dreharbeiten] zwei feindliche Lager gegenüberstehen, wir müssen stattdessen begreifen, dass es Individuen sind, die ein Team bilden, das daran arbeitet, ein Projekt bestmöglich zu realisieren.

Ich möchte an folgendes erinnern: ein Filmbudget ist wie der Businessplan für ein neues Unternehmen. Das Budget muss tragfähig und jede Position realistisch sein, es geht schlicht und einfach um gesunden Menschenverstand. Versuchen Sie mal, von einer Bank eine Finanzierung für ein Projekt zu bekommen, für das Sie einen abgehobenen Geschäftsplan präsentieren! Warum soll das, was für die Industrieproduktion gilt, nicht auch für die Produktion von Fiktion gelten?

Seien wir mal ehrlich: Der Rückgang von 15% bei den technischen Positionen der Filmbudgets kommt letztlich dadurch zustande, dass in der Branche niemand einen Konflikt mit Kunden oder Arbeitgebern riskiert, da er fürchten muss, beim nächsten Projekt ausgeschlossen zu werden. Ich selbst fürchte mich heute nicht vor Repressalien: denn wenn sich nichts ändert, wird mein Unternehmen innerhalb eines Jahres ohnehin nicht mehr existieren. Ich denke, damit bin ich nicht der Einzige. Was aber passiert, wenn nur noch die großen Industriehersteller übrig sind und es keine Auswahl an Lieferanten oder Geräten mehr gibt?

Noch eine kleine Last-Minute-Information: Heute Morgen erhielten wir einen Anruf von einer Firma, die anfragte, ob wir zwei Joker-LED für einen vierwöchigen Dreh verleihen könnten. Wir antworte­ten, dass wir keine Verleihfirma seien, schlugen stattdessen vor, den Kauf der Geräte zu erwägen, blieben hartnäckig und machten auch ein Angebot. Darauf kam als Antwort der Firma, dass die Produktion hierfür nicht über genügend Budget verfüge, weil die Hygienemaß­nahmen mit 30.000 € veranschlagt würden. Wieviel hat die Pandemie diese Firma gekostet? Ich weiß nur, dass wir selbst einen Umsatzverlust von mehr als 700.000 € haben, den wir nicht werden wettmachen können.

Der Rückfall in alte Gewohnheiten hat bereits wieder begonnen.
Gruss vom Ruessel

Mein Video-BLOG: www.fxsupport.de
Etwas für die Ohren: www.ohrwurmaudio.eu




iasi
Beiträge: 15135

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von iasi » Mo 27 Jul, 2020 19:37

Eine Gewerkschaft?
Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung der Interessenvertretung von abhängig beschäftigten Arbeitnehmern.

Mir ist nicht ganz klar, wer sich denn nun genau in der Gewerkschaft organisieren soll, die du vorschlägst.

Mir ist auch nicht ganz klar, wie auf das Budget Einfluss genommen werden soll.
Letztlich bestimmt doch der Markt den Preis.

Wie stellst du dir diese Interessenvertretung denn konkret vor?




rdcl
Beiträge: 1087

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von rdcl » Mo 27 Jul, 2020 19:55

ruessel hat geschrieben:
Mo 27 Jul, 2020 17:01
Der Text erschien im französischen Original als ein Beitrag von Marc Galerne auf der Facebook-Seite der IMAGO;
Übersetzung Dirk Betke

Ein nachdenkliches Statement zur Situation unserer Industrie von Marc Galerne, K 5600 (Fördermitglied des BVK)


Unabwendbarkeit - gibt es die wirklich?

Wenn es ein Gefühl gibt, das die aktuelle Pandemie kennzeichnet, dann ist es das der Hilflosigkeit. Es ist unsere Hilflosigkeit als Individuen in einer einzigartigen Situation, aber auch die von Politikern, von Wissenschaftlern und ganz allgemein auch von diejenigen, von denen wir (als Branche) abhängig sind. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit schmeckt allerdings nach Deja Vu.

Jedenfalls erleben wir Hersteller und Vertreiber unverzichtbarer Filmausrüstung, hilflos eine Verschlechterung des Marktes mit immer geringeren Margen. Sie wirkt sich auf unsere Kapazitäten aus, in den Lagerbestand zu investieren oder Innovationen zu entwickeln und auch auf unsere Fähigkeit, unseren Job so zu machen, wie wir das sollten. Wir sind ohnmächtig, weil der Mangel an Investitionen und die Defizite bei der Erneuerung der Ausrüstung bei den Anbietern/ Dienstleistern das Ergebnis von „Deals“ mit den Produktionen ist, die in ihren Ergebnissen weit unter dem Normalwert/ den üblichen/ angemessenen Werten liegen. Während der Umsatz von Studios und Filmteams/ Dienstleistern für Dreharbeiten zwischen 2009 und 2018 um 18% stieg, ging der Umsatz von Ausrüstungsproduzenten/-Lieferanten um 83% zurück (CNC-Zahlen, Seite 210 des CNC-Berichts 2019). Laut FICAM gingen die Investitionen in die technische Industrie zwischen 2008 und 2018 um 23,5% zurück. Soweit die Erklärung der Zusammenhänge.

Laut CNC (Seite 101) verringerte sich der Anteil der Budgets für die Technik am den Filmbudgets über die Jahre um 15,5%: von durchschnittlich 109,8 Mio. EUR (gemittelt von 2010 bis 2018) auf 92,7 Mio. EUR in 2019. Tatsächlich hätte es aber eine gegenläufige Tendenz geben müssen: Die rasche Überalterung der Digitalkameras und das sich Durchsetzen (zunehmend ausgefeilter) elektronischer Beleuchtungstechnik sollte eigentlich progressive und regelmäßige Erhöhungen bei technischen Budgets der Produktionen rechtfertigen. Der Knackpunkt ist, dass es die Produzenten sehr gut verstehen, ihre Probleme in den Vordergrund zu rücken und dabei auch einen ungesunden Preiswettbewerb befeuern. Dafür sind alle Vorwände gut – mal sind es die Jahre der französischen Präsidentschaftswahlen, mal der Krieg im Irak, mal der 11. Septem­ber, die Streiks oder die Einstellung der Werbung auf öffentlichen Kanälen. Zweifellos wird auch das Argument der „Gesundheitskrise“ bei den Verhandlungen mit Vermietern und auch mit Filmteams eine enorme Rolle spielen.

Aber sind wir nicht alle betroffen? Sind die Produzenten die einzigen, die unter dieser Krise leiden?

Es ist richtig, dass solche Ereignisse Auswirkungen auf die Aktivitäten haben können, aber produzieren wir etwa weniger? Gibt es weniger Produzenten? Wenn das Filmgeschäft so miserabel liefe, wie lässt sich die anhaltende Expansion erklären? Warum gibt es fünf Produzentengewerkschaften? Gibt es eine Gewerkschaft der technischen Industrie? Klar, es gibt zwei Gewerkschaften der audiovisuellen Techniker und Arbeiter. Sie setzt sich nach dem Vorbild der nationalen politischen Gewerkschaften für angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen ein. Aber sollten wir nicht unser Recht auf künstlerischer Wahlmöglichkeiten und die selbstbestimmte Auswahl des eigenen Teams und Materials verteidigen können, ohne Einschränkungen oder (politischen, ökonomischen, sozialen) Druck fürchten zu müssen?

Wäre es nicht an der Zeit, sich zusammen zu tun, um Dienstleister, Lieferanten, Filmteams (Requisite/ Dekoration, Bild, Ton, Management, Postproduktion) unter dem Dach einer Gewerkschaft zu vereinen? Eine unpolitische Gewerkschaft, die sich für die Interessen der audiovisuellen Industrie und ihres Personals einsetzt, um so wieder etwas von unserer Würde zurückzugewinnen und einen Beruf zu erhalten, der mit viel Leidenschaft ausgeübt wird? Warum eine Gewerkschaft? Offensichtlich verfügen die bestehenden Verbände und Vereine über nicht genug Verhandlungsgewicht, es wäre sonst wohl kaum zu dem 15%gen Rückgang bei den Technik-Budgets und auch kaum zu diesem Schreiben gekommen. Angesichts eines Dutzends von Verbänden und zwei Gewerkschaften, die nicht mit einer Stimme sprechen, nehmen die fünf Produzentengewerkschaften deren Argumente kaum zur Kenntnis, wenn sie nicht sogar versuchen, die Gegenseite zu spalten.

Es gab etliche Gesundheitsempfehlungen für den Umgangs mit Covid-19. Hätte es stattdessen nur eine einzige Empfehlung gegeben, die von einer Gewerkschaft abgesegnet, mit Argumenten vertreten und der Öffentlichkeit vorgelegt worden wäre, dann hätte eine solche Empfehlung unmittelbare Wirkung bei denen entfalten können, die mit und von Dreharbeiten leben. Die Debatte über Reinigung und Desinfektion des Equipments wäre viel schneller vorangekommen, wenn sich Vermieter, Nutzer und Hersteller gemeinsam mit einem oder zwei medizinischen Experten um einen Tisch gesetzt hätten.

Nicht durch Konfrontation, sondern über einen Dialog sollten wir das Anliegen vertreten, unsere Berufe unter angemessenen Arbeitsbedingungen korrekt auszuüben. Was wir wollen ist, dass Produzentengewerkschaften und CNC uns zuhören. Die ersteren sollen dazu beitragen, die Bedingungen für die Rückkehr zu einer soliden Gesamtwirtschaft zu verbessern, und im Dialog mit der CNC geht es darum, die Durchsetzung und Einhaltung unser Forderungen zu erreichen.

Die Produzenten sollten lernen zu begreifen, dass man mit einer zusätzlichen Vorbereitungswoche deutlich mehr an Mitteln einsparen kann als die Kosten, die für den zusätzlichen Zeitaufwand entstehen. Es geht ferner darum, aufzuzeigen, dass ein solider Arbeitsplan oder eine straffe Regieführung erhebliche Einsparungspotentiale beinhalten. Und es sind nun mal die Schauspieler, die die Einnahmen bringen, egal ob sie auf Provisionsbasis oder wie Geschäftsleute zum Festpreis arbeiten. Es sollte allemal klar werden, dass die Wahl der Geräte in der Verantwortung der Produktions-/Aufnahme-Leiter und ihrer Teams liegt und dass sich mit der Erhaltung eines guten Zustands der Ausrüstung Zeitverluste vermeiden lassen.

Es sollte deutlich werden, dass ein glückliches Team besser und schneller arbeitet als eine Mannschaft, die sich nicht wertgeschätzt fühlt. Als Folge des fortgesetzten Drückens der Preise verabschieden sich erfahrene Leute aus unseren Berufen; es sind dies Menschen, denen es (wie in allen anderen Berufen auch) nicht zuletzt auch um eine Anerkennung ihrer Erfahrungen geht. Ihr Ausscheiden verschärft den ohnehin schon verbreiteten Mangel an Professionalität am Set. Wir müssen aufhören, zu meinen, dass sich [bei Dreharbeiten] zwei feindliche Lager gegenüberstehen, wir müssen stattdessen begreifen, dass es Individuen sind, die ein Team bilden, das daran arbeitet, ein Projekt bestmöglich zu realisieren.

Ich möchte an folgendes erinnern: ein Filmbudget ist wie der Businessplan für ein neues Unternehmen. Das Budget muss tragfähig und jede Position realistisch sein, es geht schlicht und einfach um gesunden Menschenverstand. Versuchen Sie mal, von einer Bank eine Finanzierung für ein Projekt zu bekommen, für das Sie einen abgehobenen Geschäftsplan präsentieren! Warum soll das, was für die Industrieproduktion gilt, nicht auch für die Produktion von Fiktion gelten?

Seien wir mal ehrlich: Der Rückgang von 15% bei den technischen Positionen der Filmbudgets kommt letztlich dadurch zustande, dass in der Branche niemand einen Konflikt mit Kunden oder Arbeitgebern riskiert, da er fürchten muss, beim nächsten Projekt ausgeschlossen zu werden. Ich selbst fürchte mich heute nicht vor Repressalien: denn wenn sich nichts ändert, wird mein Unternehmen innerhalb eines Jahres ohnehin nicht mehr existieren. Ich denke, damit bin ich nicht der Einzige. Was aber passiert, wenn nur noch die großen Industriehersteller übrig sind und es keine Auswahl an Lieferanten oder Geräten mehr gibt?

Noch eine kleine Last-Minute-Information: Heute Morgen erhielten wir einen Anruf von einer Firma, die anfragte, ob wir zwei Joker-LED für einen vierwöchigen Dreh verleihen könnten. Wir antworte­ten, dass wir keine Verleihfirma seien, schlugen stattdessen vor, den Kauf der Geräte zu erwägen, blieben hartnäckig und machten auch ein Angebot. Darauf kam als Antwort der Firma, dass die Produktion hierfür nicht über genügend Budget verfüge, weil die Hygienemaß­nahmen mit 30.000 € veranschlagt würden. Wieviel hat die Pandemie diese Firma gekostet? Ich weiß nur, dass wir selbst einen Umsatzverlust von mehr als 700.000 € haben, den wir nicht werden wettmachen können.

Der Rückfall in alte Gewohnheiten hat bereits wieder begonnen.
Toller Text, danke fürs teilen. Da ist einiges wahres dran, einiges kann ich auch nicht beurteilen weil ich da zu wenig Einblick habe.
Nur die Schlussfolgerung warum die Technikbudgets gesunken sind kommt mir etwas zu pauschal vor. Kann es nicht zumindest zum Teil auch daran liegen, das sämtliche Produktionshardware billiger geworden ist? Kameras, Objektive, Licht bis hin zu Speichermedien und Rechnern sind bei unglaublicher Qualität so erschwinglich wie noch nie. Stichwort Blackmagic. Wenn ich mit drei Ursas drehe liegt mein Technikbudget noch nichtmal bei der Hälfte einer Alexa. Das wird in dem Text irgendwie garnicht berücksichtigt.




Bluboy
Beiträge: 861

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von Bluboy » Mo 27 Jul, 2020 20:10

Alle jammern
Möchte garnicht wissen wie das 2023 aussieht




markusG
Beiträge: 1169

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von markusG » Mo 27 Jul, 2020 21:57

iasi hat geschrieben:
Mo 27 Jul, 2020 19:37
Eine Gewerkschaft?
Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung der Interessenvertretung von abhängig beschäftigten Arbeitnehmern.

Mir ist nicht ganz klar, wer sich denn nun genau in der Gewerkschaft organisieren soll, die du vorschlägst.
Ich denke das wirtschaftliche Werkzeug wird sich da finden lassen. Sei es ne Genossenschaft. Dass dann sowas wie Preisabsprachen a la Mindestpreis oder so möglich sind wage ich aber zu bezweifeln, gibt ja schließlich das Kartellverbot...Allerdings wird wohl eine Bündelung bestimmter Ressourcen möglich sein. War ja vor Corona auch schon so.




iasi
Beiträge: 15135

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von iasi » Mo 27 Jul, 2020 22:09

markusG hat geschrieben:
Mo 27 Jul, 2020 21:57
iasi hat geschrieben:
Mo 27 Jul, 2020 19:37
Eine Gewerkschaft?
Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung der Interessenvertretung von abhängig beschäftigten Arbeitnehmern.

Mir ist nicht ganz klar, wer sich denn nun genau in der Gewerkschaft organisieren soll, die du vorschlägst.
Ich denke das wirtschaftliche Werkzeug wird sich da finden lassen. Sei es ne Genossenschaft. Dass dann sowas wie Preisabsprachen a la Mindestpreis oder so möglich sind wage ich aber zu bezweifeln, gibt ja schließlich das Kartellverbot...Allerdings wird wohl eine Bündelung bestimmter Ressourcen möglich sein. War ja vor Corona auch schon so.
eine Bündelung bestimmter Ressourcen wird am Anteil der Budgets für die Technik am den Filmbudget nichts ändern.
Die dadurch angestrebte Senkung der Kosten wird nur zu weiteren Preissenkungen und dadurch eher zu noch geringeren Anteilen am Filmbudget führen.




iasi
Beiträge: 15135

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von iasi » Mo 27 Jul, 2020 22:10

Bluboy hat geschrieben:
Mo 27 Jul, 2020 20:10
Alle jammern
Möchte garnicht wissen wie das 2023 aussieht
besser




markusG
Beiträge: 1169

Re: Wie stark trifft Euch Corona? Neuer Thread

Beitrag von markusG » Mo 27 Jul, 2020 22:14

iasi hat geschrieben:
Mo 27 Jul, 2020 22:09
Die dadurch angestrebte Senkung der Kosten wird nur zu weiteren Preissenkungen und dadurch eher zu noch geringeren Anteilen am Filmbudget führen.
Klar, wenn das dann 1:1 an die Produktionsfirmen weitergegeben wird ändert sich an dem Problem natürlich nix^^

Nun, wenn der Kapitalismus versagt muss wohl der Staat (=die Steuerzahler^^) ran, siehe Lufthansa.




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