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Frank Glencairn
Beiträge: 12356

Dokumentarfilme

Beitrag von Frank Glencairn » Di 19 Nov, 2019 06:26

Drushba hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 02:35
..Wer viel dreht, muss Hobbyfilmer sein. ..
Wer viel dreht, macht das vor allem weil er keinen Plan und keine Geschichte hat, sondern darauf angewiesen ist, daß zufällig irgendwas aufregendes passiert um es mal vorsichtig auszudrücken. Außerdem gibt es natürlich noch Regisseure, die - auch beim Spielfim - massenhaft Coverage produzieren, weil sie sich einbilden, daß sie den Film, den sie weder im Drehbuch noch am Set gefunden haben, auf magische Weise irgendwie im Schnitt finden (was natürlich nie passiert) aber das ist nochmal ne ganz andere Baustelle.

Um es weniger vorsichtig auszudrücken, finde ich diese voyeuristische Art "Doks" zu filmen ziemlich ekelhaft - ich erklär dir auch warum ich das so sehe.

Fishing vor Festivals mit Preisgarantie.
Das was du immer so stolz Dok nennst, läuft für gewöhnlich auf immer auf das selbe Grundrezept raus.

1. Man nehme irgendein Individuum oder eine Gruppe, die unter widrigen Umständen lebt - idealerweise Kinder/Frauen (Tiere gerne als Zugabe) am besten in einem Entwicklungsland - wenn Männer/Weiße, dann gescheiterte Existenzen - und "dokumentiert" in Altväter Sitte ihren alltäglichen Kampf ums überleben, und wenn's ganz gut läuft, ihr Scheitern.

2. Das ganze wird dann - wie zu Kolonialzeiten die Menschenzoos - dem geneigten Bionadepublikum vorgeführt, das fasziniert-erschaudernd feststellt, daß die eigene Existenz doch gar nicht soooo übel ist, und man beruhigt zu den eigenen Luxusproblemen zurück gehen kann.

3. Je größer der Kampf, je deprimierender die Umstände, je tiefer der Dreck, je übler das Schicksal, je krasser das Scheitern, desto höher die Chancen auf den Festival Preis. Das verlieren der Fassung, Tränen, Leid, Depression, Streit, Ausraster etc. alles bei dem man eigentlich im Rahmen der Menschenwürde gerade nicht gefilmt werden möchte, immer feste draufhalten und brav "dokumentieren", das gibt extra Fleißsternchen bei der Jury.

Noch nie hab ich einen sogenannten "Dok Film" gesehen, in dem es um jemanden ging der ein sorgenfreies Leben hat, und erfolgreich was cooles macht, an dem er riesen Freude hat. Und ja, irgendeiner wird jetzt wahrscheinlich irgendeinen Clip aus YT hervorzerren um mir das Gegenteil zu beweisen - natürlich hab ich auch nicht alles gesehen, Ausnahmen gibt's immer.

Und weil man Leid und Scheitern halt schlecht sinnvoll Scripten kann, ist man eben darauf angewiesen solange stumpf draufzuhalten bis was passiert.

Sei mir nicht böse, aber ich finde so ein Trittbrettfahren mit Festival-Freifahtschein auf dem Schicksal anderer nicht wirklich erstrebenswert.

Aber jedem das seine - ist halt meine persönliche Sicht der Dinge, die nicht unbedingt jeder teilen muß, und es gibt ja offensichtlich einen entsprechenden Markt für sowas. Muß jeder mit sich selbst ausmachen - für ich ist das aber nix.




TomStg
Beiträge: 2269

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von TomStg » Di 19 Nov, 2019 08:11

Frank Glencairn hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 06:26
Drushba hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 02:35
..Wer viel dreht, muss Hobbyfilmer sein. ..
Wer viel dreht, macht das vor allem weil er keinen Plan und keine Geschichte hat, sondern darauf angewiesen ist, daß zufällig irgendwas aufregendes passiert um es mal vorsichtig auszudrücken. Außerdem gibt es natürlich noch Regisseure, die - auch beim Spielfim - massenhaft Coverage produzieren, weil sie sich einbilden, daß sie den Film, den sie weder im Drehbuch noch am Set gefunden haben, auf magische Weise irgendwie im Schnitt finden (was natürlich nie passiert) aber das ist nochmal ne ganz andere Baustelle.

Um es weniger vorsichtig auszudrücken, finde ich diese voyeuristische Art "Doks" zu filmen ziemlich ekelhaft - ich erklär dir auch warum ich das so sehe.

Fishing vor Festivals mit Preisgarantie.
Das was du immer so stolz Dok nennst, läuft für gewöhnlich auf immer auf das selbe Grundrezept raus.

1. Man nehme irgendein Individuum oder eine Gruppe, die unter widrigen Umständen lebt - idealerweise Kinder/Frauen (Tiere gerne als Zugabe) am besten in einem Entwicklungsland - wenn Männer/Weiße, dann gescheiterte Existenzen - und "dokumentiert" in Altväter Sitte ihren alltäglichen Kampf ums überleben, und wenn's ganz gut läuft, ihr Scheitern.

2. Das ganze wird dann - wie zu Kolonialzeiten die Menschenzoos - dem geneigten Bionadepublikum vorgeführt, das fasziniert-erschaudernd feststellt, daß die eigene Existenz doch gar nicht soooo übel ist, und man beruhigt zu den eigenen Luxusproblemen zurück gehen kann.

3. Je größer der Kampf, je deprimierender die Umstände, je tiefer der Dreck, je übler das Schicksal, je krasser das Scheitern, desto höher die Chancen auf den Festival Preis. Das verlieren der Fassung, Tränen, Leid, Depression, Streit, Ausraster etc. alles bei dem man eigentlich im Rahmen der Menschenwürde gerade nicht gefilmt werden möchte, immer feste draufhalten und brav "dokumentieren", das gibt extra Fleißsternchen bei der Jury.

Noch nie hab ich einen sogenannten "Dok Film" gesehen, in dem es um jemanden ging der ein sorgenfreies Leben hat, und erfolgreich was cooles macht, an dem er riesen Freude hat. Und ja, irgendeiner wird jetzt wahrscheinlich irgendeinen Clip aus YT hervorzerren um mir das Gegenteil zu beweisen - natürlich hab ich auch nicht alles gesehen, Ausnahmen gibt's immer.

Und weil man Leid und Scheitern halt schlecht sinnvoll Scripten kann, ist man eben darauf angewiesen solange stumpf draufzuhalten bis was passiert.

Sei mir nicht böse, aber ich finde so ein Trittbrettfahren mit Festival-Freifahtschein auf dem Schicksal anderer nicht wirklich erstrebenswert.

Aber jedem das seine - ist halt meine persönliche Sicht der Dinge, die nicht unbedingt jeder teilen muß, und es gibt ja offensichtlich einen entsprechenden Markt für sowas. Muß jeder mit sich selbst ausmachen - für ich ist das aber nix.
Deine Darstellung trifft exakt den Punkt.

Natürlich gibt es auch sachliche rein informative Dokus. Aber diese unsäglichen „Trittbrett-Dokus“ zu Leid und Scheitern sind eben diejenigen, wo das Publikum - mit einem wohligen Schaudern - am intensivsten Beifall klatscht. Verlogener gehts nicht - weder beim Macher, noch beim Publikum!




autocalypso
Beiträge: 46

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von autocalypso » Di 19 Nov, 2019 12:47

Frank Glencairn hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 06:26
Drushba hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 02:35
..Wer viel dreht, muss Hobbyfilmer sein. ..
Wer viel dreht, macht das vor allem weil er keinen Plan und keine Geschichte hat, sondern darauf angewiesen ist, daß zufällig irgendwas aufregendes passiert um es mal vorsichtig auszudrücken. Außerdem gibt es natürlich noch Regisseure, die - auch beim Spielfim - massenhaft Coverage produzieren, weil sie sich einbilden, daß sie den Film, den sie weder im Drehbuch noch am Set gefunden haben, auf magische Weise irgendwie im Schnitt finden (was natürlich nie passiert) aber das ist nochmal ne ganz andere Baustelle.

Um es weniger vorsichtig auszudrücken, finde ich diese voyeuristische Art "Doks" zu filmen ziemlich ekelhaft - ich erklär dir auch warum ich das so sehe.

Fishing vor Festivals mit Preisgarantie.
Das was du immer so stolz Dok nennst, läuft für gewöhnlich auf immer auf das selbe Grundrezept raus.
....

Aber jedem das seine - ist halt meine persönliche Sicht der Dinge, die nicht unbedingt jeder teilen muß, und es gibt ja offensichtlich einen entsprechenden Markt für sowas. Muß jeder mit sich selbst ausmachen - für ich ist das aber nix.
Also vielleicht suchst Du sowas immer?
Ich hab z.B. auf der Berlinale schon viele grossartige Dokus gesehen, die davon gelebt haben, daß sie Menschen in anderen Ländern einfach monatelang- oder jahrelang begleitet haben und dadurch für die Leute irgenwann quasi unsichtbar wurden. Das gibt wunderbare Einblicke in andere Leben, in die Probleme genauso wie in die guten Momente - in gewisser Weise hab ich so mehr gesehen als durchs Reisen und hatte das Gefühl in ein anderes Leben eingetaucht zu sein. Ganz ohne inszenierte Handlung, nur per extrahierte Story durch guten Schnitt aus hunderten Stunden von Material ;-)




Darth Schneider
Beiträge: 5945

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von Darth Schneider » Di 19 Nov, 2019 13:16

Unsichtbar ? Wohl kaum, eher doch einfach akzeptiert...
Nach dem monatelangen Strapazen und „ harter Arbeit“ kann dann der Filmemacher Nachhause in sein warmes Stübchen, sich in der Wärme mit einer Blondine ausruhen, sich über den grosszügigen Zahltag freuen und womöglich am nächsten Tag mit seinem fetten BMW bequem an die nächste Sitzung fahren...
Die in den Doks gefilmten Personen, bleiben aber gleich arm haben meistens eigentlich doch gar nichts davon...
Es gibt ganz sicher auch Ausnahmen und auch hervorragende Dokus.
Ich habe lange nicht alle gesehen, von dem her ist es schwierig sich eine faire Meinung zu bilden, aber gefühlt scheint es doch schon eher in die Richtung zu gehen wie Frank weiter oben schreibt.
So viel ähnlicher Müll wie immer wieder produziert wird, schaut nur mal ein paar Stunden NTV...oder einfach amerikanische TV Sender, fast egal welcher...
Meistens geht es beim Fernsehen doch nur um Einschaltquoten, und der Druck von allen Seiten wird immer grösser, viele gehen dann halt leider über Leichen, beziehungsweise denken nur nach an sich selber.
Die produzierten Werke können mit einer solchen Einstellung aber gar nicht wirklich gut werden...
Gruss Boris
„Nothing travels faster than the speed of light, with the possible exception of bad news, which obeys its own special laws.“
Douglas Adams

Zuletzt geändert von Darth Schneider am Di 19 Nov, 2019 13:40, insgesamt 2-mal geändert.




autocalypso
Beiträge: 46

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von autocalypso » Di 19 Nov, 2019 13:19

Darth Schneider hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 13:16
Unsichtbar ? Wohl kaum, eher doch einfach akzeptiert...
Nach dem monatelangen Strapazen und „ harter Arbeit“ kann dann der Filmemacher Nachhause in sein warmes Stübchen, sich in der Wärme mit einer Blondine ausruhen, sich über den grosszügigen Zahltag freuen und womöglich am nächsten Tag mit seinem fetten BMW bequem an die nächste Sitzung fahren...
Die in den Doks gefilmten Personen, bleiben aber gleich arm haben meistens eigentlich doch gar nichts davon...
Gruss Boris
Hmmm, da Du anscheinend keine solcher Filme gesehen hast, macht es wohl wenig Sinn hier über Deine Phantasien zu reden...




Darth Schneider
Beiträge: 5945

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von Darth Schneider » Di 19 Nov, 2019 13:44

An autocalipso
Ich habe schon tonnenweise Dokus gesehen, am liebsten schaue ich auf diese auf ARTE...Ausserdem kenne ich genug Leute die Fernsehen machen um gar nicht so viele Fantasien diesbezüglich zu haben.
Ps:
Und ja ich glaub’s auch fast nicht, aber wenigstens beim Schweizer Fernsehen in der Tiefgarage stehen nicht nur fette BMWs und Co. sondern auch einige Jaguar....
Ich staune immer wieder...
Was dich betrifft.
Leute die solche sinnlose Aussagen über andere machen, sollten andere nicht auch noch tadeln, das ist peinlich.
Aber das hat nichts mit dem Thema am Hut und das war die C500...
Also Zurück zum Thema, sorry wollte nicht abschweifen.
Gruss Boris
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Douglas Adams




autocalypso
Beiträge: 46

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von autocalypso » Di 19 Nov, 2019 14:35

Darth Schneider hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 13:44
An autocalipso
Ich habe schon tonnenweise Dokus gesehen, am liebsten schaue ich auf diese auf ARTE...Ausserdem kenne ich genug Leute die Fernsehen machen um gar nicht so viele Fantasien diesbezüglich zu haben.
Ps:
Und ja ich glaub’s auch fast nicht, aber wenigstens beim Schweizer Fernsehen in der Tiefgarage stehen nicht nur fette BMWs und Co. sondern auch einige Jaguar....
Ich staune immer wieder...
Tja, ich rede von unabhängigen Dokumentarfilmmachern die Monate vor Ort mit den Leuten verbracht haben (und auch oft aus den entsprechenden Ländern stammen), Du vom Schweizer Fernsehen...




Darth Schneider
Beiträge: 5945

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von Darth Schneider » Di 19 Nov, 2019 15:36

Ich habe ja auch was geschrieben von Ausnahmen und es gibt sicher hervorragende Dokus, aber halt auch noch viel mehr Müll. Ich bezog mich mehr auf letzteres und ich bin nicht vom Schweizer Fernsehen, kenne aber dort ein paar Leute und hatte früher beruflich mit einigen von ihnen zu tun.
Also nix für ungut.
Abgesehen davon, die vom Schweizer TV produzieren auch hin und wieder sehr tolles Zeugs...gerade Dokus.
Ps. Was sind eigentlich unabhängige Filmemacher ? Abhängig vom Geld sind doch alle...irgendwie, ausser vielleicht die wenigen Stars, die können es sich aussuchen, oder die Hobbyfilmer....
Gruss Boris
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Douglas Adams




autocalypso
Beiträge: 46

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von autocalypso » Di 19 Nov, 2019 17:15

Darth Schneider hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 15:36
Ps. Was sind eigentlich unabhängige Filmemacher ? Abhängig vom Geld sind doch alle...irgendwie, ausser vielleicht die wenigen Stars, die können es sich aussuchen, oder die Hobbyfilmer....
Gruss Boris
Aus der Wikipedia zum Begriff "unabhängige Filme" (bzw.deren Produzenten, die unabhängigen Filmemacher):
"Independent-Filme oder Indie-Filme (englisch für „unabhängige Filme“) bezeichnen Filmproduktionen, die außerhalb etablierter Strukturen umgesetzt werden. Ursprünglich war mit diesen Strukturen das amerikanische Studiosystem gemeint, inzwischen hat das Phänomen Indie jedoch weltweite Bedeutung erlangt. Viele Independent-Werke werden mit kleinen Budgets realisiert, jedoch handelt es sich auch bei einigen großen Produktionen – wie der Herr-der-Ringe-Filmtrilogie – um Independent-Filme.[1]

Statt der Finanzierung über Eigenkapital und Kredite wird ein Großteil der Produktionskosten über den Vorverkauf ausländischer Verwertungsrechte abgedeckt."

https://de.wikipedia.org/wiki/Independent-Film

Hier findest Du einige beispielhafte Werdegänge einiger Filmer, deren Dokus auf der Berlinale gelaufen sind:
https://www.berlinale.de/de/archiv/jahr ... #tab=video
https://www.berlinale.de/de/archiv/jahr ... filmStills
https://www.berlinale.de/de/archiv/jahr ... filmStills
https://www.berlinale.de/de/archiv/jahr ... #tab=video
https://www.berlinale.de/de/archiv/jahr ... #tab=video




Drushba
Beiträge: 2027

Re: Canon EOS C500 Mark II - die beste Doku-Kamera? Ergonomie, Stabilisierung, Sensorreadouts und Fazit - Teil 2

Beitrag von Drushba » Mi 20 Nov, 2019 03:51

Frank Glencairn hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 06:26
Drushba hat geschrieben:
Di 19 Nov, 2019 02:35
..Wer viel dreht, muss Hobbyfilmer sein. ..
Wer viel dreht, macht das vor allem weil er keinen Plan und keine Geschichte hat, sondern darauf angewiesen ist, daß zufällig irgendwas aufregendes passiert um es mal vorsichtig auszudrücken. Außerdem gibt es natürlich noch Regisseure, die - auch beim Spielfim - massenhaft Coverage produzieren, weil sie sich einbilden, daß sie den Film, den sie weder im Drehbuch noch am Set gefunden haben, auf magische Weise irgendwie im Schnitt finden (was natürlich nie passiert) aber das ist nochmal ne ganz andere Baustelle.

Um es weniger vorsichtig auszudrücken, finde ich diese voyeuristische Art "Doks" zu filmen ziemlich ekelhaft - ich erklär dir auch warum ich das so sehe.

Fishing vor Festivals mit Preisgarantie.
Das was du immer so stolz Dok nennst, läuft für gewöhnlich auf immer auf das selbe Grundrezept raus.

1. Man nehme irgendein Individuum oder eine Gruppe, die unter widrigen Umständen lebt - idealerweise Kinder/Frauen (Tiere gerne als Zugabe) am besten in einem Entwicklungsland - wenn Männer/Weiße, dann gescheiterte Existenzen - und "dokumentiert" in Altväter Sitte ihren alltäglichen Kampf ums überleben, und wenn's ganz gut läuft, ihr Scheitern.

2. Das ganze wird dann - wie zu Kolonialzeiten die Menschenzoos - dem geneigten Bionadepublikum vorgeführt, das fasziniert-erschaudernd feststellt, daß die eigene Existenz doch gar nicht soooo übel ist, und man beruhigt zu den eigenen Luxusproblemen zurück gehen kann.

3. Je größer der Kampf, je deprimierender die Umstände, je tiefer der Dreck, je übler das Schicksal, je krasser das Scheitern, desto höher die Chancen auf den Festival Preis. Das verlieren der Fassung, Tränen, Leid, Depression, Streit, Ausraster etc. alles bei dem man eigentlich im Rahmen der Menschenwürde gerade nicht gefilmt werden möchte, immer feste draufhalten und brav "dokumentieren", das gibt extra Fleißsternchen bei der Jury.

Noch nie hab ich einen sogenannten "Dok Film" gesehen, in dem es um jemanden ging der ein sorgenfreies Leben hat, und erfolgreich was cooles macht, an dem er riesen Freude hat. Und ja, irgendeiner wird jetzt wahrscheinlich irgendeinen Clip aus YT hervorzerren um mir das Gegenteil zu beweisen - natürlich hab ich auch nicht alles gesehen, Ausnahmen gibt's immer.

Und weil man Leid und Scheitern halt schlecht sinnvoll Scripten kann, ist man eben darauf angewiesen solange stumpf draufzuhalten bis was passiert.

Sei mir nicht böse, aber ich finde so ein Trittbrettfahren mit Festival-Freifahtschein auf dem Schicksal anderer nicht wirklich erstrebenswert.

Aber jedem das seine - ist halt meine persönliche Sicht der Dinge, die nicht unbedingt jeder teilen muß, und es gibt ja offensichtlich einen entsprechenden Markt für sowas. Muß jeder mit sich selbst ausmachen - für ich ist das aber nix.
Das meinst jetzt nicht ernst oder? Vor ein paar Monaten gabs hier einen langen Thread dazu, ausschliesslich mit Beispielen, in denen es gerade nicht um das geht, was Du beschreibst. Darunter positive Filme wie "Tableau Noir", jenen über eine französische Zwergschule in den Bergen, der ein Publikumsrenner war, oder "Cinema mon amour" über einen rumänischen Kinopächter, der auf sehr menschliche und sympathische Art um sein Kino kämpft und es erhalten kann (ebenfalls ein Publikumsrenner), oder Wenders Film über Pina Bausch, etc... Dokfilm hat unendlich viele Varianten! Oben hat jemand Links zum Berlinaleprogramm geteilt. Siehs Dir doch wenigstens mal an, bevor Du vorverurteilst! Nirgends in diesen Beispielen geht es darum, sich voyeuristisch zu ergötzen. Ich nehme Dir nicht ab, dass Du viele Dokfilme auf Festivals gesehen hast. Den Mist, den Du hier als angebliche Wesensart des Dokfilms ausmachst, würde auch kein ernstzunehmendes Festival ins Programm aufnehmen.

Gerade lief „Das innere Leuchten“, ein wunderschöner Dokfilm über Demenzkranke in einem Stuttgarter Altersheim im Kino. Du würdest hier vermutlich Deine obige Kritik anbringen wollen. Aber das wird nicht funktionieren. In der ruhigen Beobachtung sehen wir das Menschliche der Patienten, die durchaus noch zu Liebe fähig sind. Es ist kein voyeuristisches Vergnügen, sondern eher ein sich Freuen über menschliche Wärme. Patienten, die oft genug einfach abgeschoben werden, erhalten Würde zurück. Wer sich daran voyeuristisch ergötzt, dem ist nicht mehr zu helfen. Die meisten der Zuschauer werden eher eine zusätzliche Dimension erfahren haben und ihren Blick auf Demenzkranke verändern, vielleicht auch ihre Scheu verlieren. Das ist Vertovs Idee von der Kamera als Vergrößerungsinstrument der Wirklichkeit: Wir sehen etwas, was wir sonst übersehen.

Im Ergebnis dient dokumentarisches Arbeiten eben nicht dazu, wie sonst im Internet Menschen per Fakenews oder Vorurteil zu trennen, sondern das Verbindende, Menschliche zu beobachten, falls vorhanden, oder eben auch gerade das Nichtvorhandensein zu dokumentieren, falls es so ist. Redlichkeit des Filmemachers ist dabei eine Grundvoraussetzung zur künstlerischen Erfassung der Wirklichkeit. Nicht zu verändern, sondern zu dokumentieren. Dazu gehört auch, sehen zu lernen, hinhören zu üben, mit der Kamera zu entdecken und das geschieht meist intensiv durch den Sucher. Und ja, deshalb und damit kommen große Datenmengen zusammen. Früher war das nicht möglich, ausser vielleicht bei Highbudgetfilmen. Jetzt haben wir die technische Möglichkeit dafür und es geht gerade nicht darum, sich wie ein EB- oder Reportagekameramann im Material zu beschränken und die entstehenden Flickstellen hinterher mit erfundenem Sprechertext zu stopfen. Wenn Du es nicht glaubst, dann vergleiche mal eine dreiminütige Abendschaureportage über Demenzkranke mit obigen Film).

Dokfilm in seiner riesigen Vielfalt hat ein stetig wachsendes Festivalpublikum, eben weil es ein Gegenpol zu der Hochglanzsahne ist, die wir sonst vorgesetzt bekommen. Der Erfolg der dokumentarischen Formate ist nicht zuletzt der inneren Leere geschuldet, die wir durch Massenmedien empfinden und der Tatsache, dass sich viele Zuschauer nach etwas Authentischerem sehnen, als das omnipräsente Werbe- und Reportage- „Storytelling“ des Internets. Dazu bzw. zur Entfremdung durch permanente Ästhetikkonfrontation gibt es eine ganze Reihe von interessanten neueren Untersuchungen. Aber selbst wenn Dokfilm gar kein breites Publikum hätte, wäre es wichtig, ihn zu machen. Ganz einfach um zu dokumentieren, was ist. Dokfilm ist nicht so sehr dazu geeignet, sich selbst in den Vordergund zu spielen. Dokfilm ist nicht Deins, akzeptiert, aber hör auf damit, aus Unkenntnis Mist zu behaupten.

Ob ein beobachtender Dokfilm mit der speicherplatzfressenden C500II gemacht werden kann? Mag sein. "Das innere Leuchten" ist mit einer FS5 gedreht worden und das hatte sicher seinen Grund. Ich wollte so etwas derzeit jedenfalls nicht mit einer C500II versuchen (warum auch?) und damit zurück zum Thema.)
Lieber glaub ich Wissenschaftlern, die sich mal irren, als Irren, die glauben, sie seien Wissenschaftler.




tom
Administrator
Administrator
Beiträge: 1319

Re: Dokufilme

Beitrag von tom » Fr 22 Nov, 2019 19:25

Danke Drushba!

Von der Vielfalt des Dokumentarfilmgenres (und den je nach Art der Doku ebenso stark unterschiedlichen Drehverhältnissen ;-) kann man sich ja täglich selbst überzeugen - zum Beispiel mittels der Dokapp und der Dokumentarfilm.info Seite.

Dort wird hingewiesen auf aktuell im Fernsehen und Kino laufenden sowie in den Mediatheken zugänglichen Dokumentarfilme und auch aktuelle Dokumentarfilm-Festivals.
slashCAM




handiro
Beiträge: 3259

Re: Dokufilme

Beitrag von handiro » Fr 22 Nov, 2019 20:54

Frank hat bei einer bestimmten Sorte von sog. Dokus schon Recht. Aber.......

Ich finde die schweizer Schule sehr gut. Kein Kommentator, der jedes Bild kommentiert, ab und zu ein Text mit Ortsangabe oder Datum,das gefällt mir sehr! Fly on the wall gibts selten auch gute.
Dagegen gibt es eine Lawine von sog. Dokus vor allem aus den USA mit lauter Bombastmusik, Swoosh, Peng, Bumm und 60 köpfiges Orchester, dazu Themen bei denen mir schon vom Titel graust,grauenhaft. Dann die ganzen Geschichtsfälschungen/-vereinfachungen und Knopp mit seiner History, grausam. Von dem was die Privaten aus dem Fleischwolf drehen will ich gar nicht erst anfangen.
Aber es gibt eben auch viele tolle Dokufilme.
Good-Cheap-Fast....Pick Any 2




tom
Administrator
Administrator
Beiträge: 1319

Re: Dokumentarfilme

Beitrag von tom » Fr 22 Nov, 2019 21:16

Apropos Fly-on-the-wall: Der großartige Dokumentarfilmer Frederick Wiseman, er "...gibt in seinen 43 Filmen überraschende Einblicke in amerikanische Institutionen, darunter Warenhäuser und Psychiatrien":

slashCAM




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