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Kostenaufstellung für Aufträge



Der Joker unter den Foren -- für alles, was mehrere Kategorien gleichzeitig betrifft, oder in keine paßt
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Maik44
Beiträge: 30

Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Maik44 » Fr 08 Dez, 2017 23:34

Hallo :)

Wir sind ein kleines Produktionsteam.

Über die Jahre haben wir uns so gut, wie alles autodidaktisch angeeignet und selber beigebracht.

Nun merken wir vermehrt, dass sich Leute für unsere Arbeit interessieren.

Kann uns nun jemand weiterhelfen in Bezug auf Kostenerstellung/Kostenaufstellung für Aufträge ?!

Von der Auftragsannahme bis zum fertigen Endprodukt.

Wie wird so etwas im allgemeinen berechnet ?!

Welche Leistungen werden berechnet ?!

In welcher Höhe wird die geleistete Arbeit im Durchschnitt entlohnt ?!

Ich würde mich auch wirklich freuen, wenn ihr dazu auch auf dem Bereich Postproduktion eingehen könntet.

Prinzipiell möchte man sich ja nicht unter Wert verkaufen bzw. möchte man aber auch nicht zu viel fordern.

Ich freue mich über eure Hilfe und euren Antworten!

Mit freundlichen Grüßen




Jalue
Beiträge: 738

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Jalue » Sa 09 Dez, 2017 15:23

Lieber Maik 44,

nichts für ungut, aber ich frage mich langsam wirklich, ob hier ein generationenspezifisches Problem vorliegt. Gefühlt werden im Forum immer öfter umfassende „Privatvorlesungen“ zu absoluten Basics eingefordert. Habt ihr tatsächlich nie gelernt, Suchmaschinen zu benutzen, bzw. Fachbücher zu lesen? Auf die Art findest du schnell heraus, was es mit Handlungskosten, allgemeinen Kosten, Überschreitungsreserve, etc. auf sich hat. Wenn dann noch Fragen offen sind, postest du sie im Forum, so war es jedenfalls mal Usus.

Oh wait … oder geht es dir im Grunde um etwas ganz anderes? Dass die Leute hier
ihre Preisstrukturen offenlegen?

Das ist aus gutem Grund Geschäftsgeheimnis und erklärt auch, warum hier Funkstille herrscht.
Zuletzt geändert von Jalue am Mo 11 Dez, 2017 15:41, insgesamt 1-mal geändert.




Drushba
Beiträge: 1198

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Drushba » Sa 09 Dez, 2017 21:32

+ 1
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274

Zuletzt geändert von Drushba am So 10 Dez, 2017 02:13, insgesamt 1-mal geändert.




klusterdegenerierung
Beiträge: 11095

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von klusterdegenerierung » Sa 09 Dez, 2017 21:47

"Bei Bedarf schicke ich Ihnen auch gerne einen Link mit meinen Arbeitsproben zu"
Junge Junge, der Johny hat Nerven!

"Bei Bedarf", ne ich bestelle immer auf gut Glück, was ein Heinzi!
Und die 3 nichtssagenden Fotos sind aus seinen Projekten, was ja schon reichen muß!

Leute gibts!!
"disliken und nicht abonnieren vergessen"




Alf_300
Beiträge: 7364

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Alf_300 » Sa 09 Dez, 2017 22:32

Kluster
Gib zu, Du bestellst garnicht, weil Du Dir selber eine Knipse gekauft hast




ShakyMUC

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von ShakyMUC » Sa 09 Dez, 2017 22:38

Jalue hat geschrieben:
Sa 09 Dez, 2017 15:23
... ob hier ein generationenspezifisches Problem vorliegt. Gefühlt werden im Forum immer öfter umfassende „Privatvorlesungen“ zu absoluten Basics eingefordert. ...
Das ist doch nichts anderes, als ganz allgemein immer mehr zu Tage tritt:
Das eigene Wissen bzw. die Bereitschaft sich dieses selbst zu erarbeiten tritt in den Hintergrund, denn das Netz ist ja immer verfügbar um "schnell nachzusehen". So zumindest die Meinung vieler heutzutage. Egal ob Rechtschreibung, Übersetzung, Routenplanung oder grundlegende Geschäftskenntnisse (wofür andere monate- und jahrelang differenziert lernen).
Leider hat das aber (für die Betroffenen) zur Folge, dass sie dann auch alles glauben müssen was "das Netz" sagt.

Und - ebenfalls leider - finden sich in Foren auch immer wieder Leute die solche "Privatvorlesungen" halten, oder es zumindest versuchen. Über die Qualität kann man streiten - die ist mal gut, mal schlecht. Der Fragesteller wird´s nicht beurteilen können. Jedenfalls zeigt die Fragestellung schon, das der Sinn und Zweck eines Forums hier gründlich mißverstanden wird. Wer sich einbildet auf so gestellten Fragen in ein paar Antorten in einem Thread wirklich verwertbare Antworten zu bekommen, müsste sich eigentlich erst mal einen Grundkurs zum Geschäftswesen an sich und den damit verbundenen Erfolgsgrundlagen genehmigen.
Was es darstellen soll (vielleicht ein besonderes Alleinstellungsmerkmal hier im Forum?) das der TE alle seine gleichgearteten Fragestellungen und Beiträge kursiv schreibt, erschließt sich mir eben so wenig.




Drushba
Beiträge: 1198

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Drushba » So 10 Dez, 2017 02:26

Jalue hat geschrieben:
Sa 09 Dez, 2017 15:23
Lieber Maik 44,

nichts für ungut, aber ich frage mich langsam wirklich, ob hier ein generationenspezifisches Problem vorliegt. Gefühlt werden im Forum immer öfter umfassende „Privatvorlesungen“ zu absoluten Basics eingefordert. Habt ihr tatsächlich nie gelernt, Suchmaschinen zu benutzen, bzw. Fachbücher zu lesen? Auf die Art findest du schnell heraus, was es mit Handlungskosten, allgemeinen Kosten, Überschreitungsreserve, etc. auf sich hat. Wenn dann noch Fragen offen sind, postest du sie im Forum, so war es jedenfalls mal Usus.

Oh wait … oder geht es dir im Grunde um etwas ganz anderes? Dass die Leute hier ihre
ihre Preisstrukturen offenlegen?

Das ist aus gutem Grund Geschäftsgeheimnis und erklärt auch, warum hier Funkstille herrscht.
Früher war es ja auch mal so, daß man einen Beruf erlernte bevor man ihn ausübte. Aber es immerhin löblich, daß Foristen merken, daß sie Lernbedarf haben, das ist schonmal die halbe Miete.

@ Maik: Kleiner Exkurs in Film-BWL. Probier doch mal folgendes:

Öffne Excel und teile die Kalkulation für Eure Imagefilme in drei Bereiche:

Bereich 1 ist der, in welchem Du die Kosten der einzelnen Gewerke auflistest. Orientier Dich an den Preisen für geheuerte Kamera-, Licht- und Tonleute. Erfrage bei Postproanbietern mit Studiostruktur und Freelancern, was diese für die einzelnen Aufgaben wie Schnitt, Anmation, Musik, Sprechen etc. nehmen. Crew United und Telefon sind hier Deine Freunde, nimm auch mal das Spilefilmkalkulationsschema der FFA zur Hand um einen Überblick über die Postenkalkulation eines echten FIlms zu erhalten. Tu so, als ob Du alle anheuerst und rechne alles zusammen. Am Schluss gibt es eine Summe, die Dir vermittelt, was Du bezahlen müßtest, wenn Du alle extern beauftragst und nur Regie führst bzw. produzierst. Dazu kommen noch die Technikmiete, Büro-, Verwaltungs- und Fahrtkosten. Das ist Dein "Einkaufspreis".

Bereich 2
: Überschlage dann auch mal Deine eigenen monatlichen Fixkosten. Wenn Du z.B. ein Projekt im Monat machst, welches in drei Tagen fertiggestellt ist, Du aber drei Wochen mit der Akquise verbringst, hast Du trotzdem die Fixkosten des Monats aus diesem einen Projekt zu begleichen. Fixkosten sind z.B. der zeitliche Anteil der Versicherungen, Steuerberatung, aber auch Deine Krankenkasse, Aldi, Büro- und Wohnungsmiete etc. Fixkosten sind auch Abschreibungskosten Deiner Geräte. Das ist noch nicht Dein Gewinn und muß zu der Summe aus Bereich 1 hinzugerechnet werden.

Bereich 1 + 2 = Ausgaben, um den Film fertigstellen und abliefern zu können, ohne Gewinn.

Bereich 3
: Das ist der am meisten unterschätzte Bereich: Es ist der, in welchem Du Dir überlegst, was Du, Maik, Dir wert bist und verdienen willst. Setze eine Summe ein. Zum Vergleich: Im Handel sind Gewinnspannen um 30-70% üblich, bei Textil sogar 100%.

Bereich 1+2+3 addiert ergibt eine Summe, die Du dem Kunden vorstellst. Er wird schlucken, vor allem, wenn er billig gewohnt ist. Nimmt er das Angebot an, hast Du einen ganz normalen Verdienst erzielt - so wie Leute die auch in der wirklichen Welt arbeiten. Lehnt er ab und lehnen auch alle weiteren Kunden ab, solltest Du Dir jemanden heuern, der für Dich den Vertrieb übernimmt. Bei so etwas sollten dann nochmal 25-35% auf die Summe aufgeschlagen werden -> das ist der Betrag den der Vertriebler nimmt (ist viel, aber normalerweise holt der Chef die Aufträge rein und wenn der das nicht kann und trotzdem Chef sein will, braucht er den Vertriebler).

Beispiel: Imagefilmleistung mit Recherche, Drehbuch, Regie, 1 Drehtag, After Effects, Schnitt, Sprecher, Musik

Bereich 1: Einkaufspreis = 5500
Bereich 2: Fixkosten = 1500
Bereich 3: Gewinnmarge 50% von Bereich 1 + Bereich 2 = 3500

Vertriebler 30% = 3150

Gesamt = 13650 zzgl. Umsatzsteuer



Der Gewinn vor Steuern setzt sich also zusammen aus 3500 Euro und den Positionen aus dem ersten Bereich, die Du selbst übernehmen kannst (das ist ohnehin ein Billigfilm-Beispiel). Davon mußt Du aber Steuern und Rücklagen fürs Alter abführen. Was übrig bleibt, ist Dein Gewinn. Also erstmal soviel wie ein durchschnittlicher Angestellter, aber auch nur, wenn Du jeden Monat so ein Projekt reisst. Um der Altersarmut entgegenzuwirken, kannst Du eigentlich nur die Preise und die Qualität Deines Produkts anheben sowie mehr davon verkaufen.

Zum Vergleich: Ein Schüler, der zu Hause wohnt, hat ausser Handy i.d.R. keine Fixkosten. Und weil der Auftraggeber der Kumpel seines Vaters ist, benötigt er auch keinen Vertriebler. Er hat Kamera (ab Weihnachten eine C200) und Slider, den Rest borgt er sich aus der Schule. Den Film hobbymässig mit gecracktem Adobe in vier Monaten herzustellen ist für ihn auch kein Problem. Also bietet er die gleiche Leistung für 500 Euro an, lässt den Sprecher und die Musik vom stolzen Vater bezahlen und finanziert mit den Einnahmen seine Handyausgaben für ein Jahr ;-). Der Vertriebler hingegen, der sich auf so ein Wagnis wie Imagefilm einlässt, könnte in der gleichen Zeit mit Bonds und Immobilien das Mehrfache verdienen. Er ist also nicht leicht zu finden und daher teuer... weswegen der Chef einer Produktionsfirma auch in erster Linie sein eigener Vertriebler sein sollte (und dem Kunden durch Weglassen der Vertriebskosten entgegenkommen kann) -> das unterscheidet den Chef vom Angestellten, der nur sein Handwerk beherrscht, aber weder kalkulieren noch verkaufen kann.

ShakyMUC hat geschrieben:
Sa 09 Dez, 2017 22:38
Und - ebenfalls leider - finden sich in Foren auch immer wieder Leute die solche "Privatvorlesungen" halten, oder es zumindest versuchen.
So ists. Obiges für Maik und alle die sich anschicken billig zu drehen, zum Advent ;-)
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274




Jott
Beiträge: 14333

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Jott » So 10 Dez, 2017 07:18

Alles richtig, aber das wird nicht durchdringen zum kursiven Maik und all den anderen stolzen Besitzern einer - zum Beispiel - GH5. Er hat erst mal das Problem, ein Mikro für unter 100 Euro zu finden und ein günstiges Lichtlein dazu.

Er schreibt selbst, er sei Autodidakt. Warum nicht, aber er wird dann auch das finanzielle Auf-die-Nase-fallen autodidaktisch lernen müssen. Ich nehme an, er ist jung - da findet man belehrendes Geschwätz alter Säcke nur ätzend. Ausbildung? Wozu das denn? Lasst ihn seinen Weg gehen, der ist heute nun mal üblich.




ShakyMUC

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von ShakyMUC » So 10 Dez, 2017 09:08

Drushba hat geschrieben:
So 10 Dez, 2017 02:26
ShakyMUC hat geschrieben:
Sa 09 Dez, 2017 22:38
Und - ebenfalls leider - finden sich in Foren auch immer wieder Leute die solche "Privatvorlesungen" halten, oder es zumindest versuchen.
So ists. Obiges für Maik und alle die sich anschicken billig zu drehen, zum Advent ;-)
Deine Mühen in allen Ehren. Aber wenn du damit meinst verhindern zu können, dass irgendwelche autodidaktischen "ich-bin-ab-nächsten-Monat-mal-Medienproduzent-im-Forum-sagen-sie-mir-schon-wie-es-geht" Leute die Preise kaputt machen, liegst du imho falsch. Denn den Aspekt den Jott aufzeigt
Jott hat geschrieben:
So 10 Dez, 2017 07:18
Alles richtig, aber das wird nicht durchdringen zum kursiven Maik und all den anderen stolzen Besitzern einer - zum Beispiel - GH5. Er hat erst mal das Problem, ein Mikro für unter 100 Euro zu finden und ein günstiges Lichtlein dazu.

Er schreibt selbst, er sei Autodidakt. Warum nicht, aber er wird dann auch das finanzielle Auf-die-Nase-fallen autodidaktisch lernen müssen. Ich nehme an, er ist jung - da findet man belehrendes Geschwätz alter Säcke nur ätzend. Ausbildung? Wozu das denn? Lasst ihn seinen Weg gehen, der ist heute nun mal üblich.
wird das alles nicht beheben. Und es ist genau das, was ich meinte als ich von einem "Grundkurs zum Geschäftswesen" gesprochen habe. Denn wenn er vor hätte - bzw. das geschäftliche Grundwissen dazu hätte - ein solides Produkt bzw. eine solide Dienstleistung anzubieten, wüßte er auch bereits das man das Maximalprinzip nie mit dem Minimalprinzip unter einen Hut bekommt. Threadtitel wie "Billig & gut" sagen hierzu alles über die Denk- und Herangehensweise aus.

Nichts gegen den Versuch etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Ganz im Gegenteil!
Aber das mit dem gesunden mehr oder weniger guten Halbwissen - und nochmal, mehr kann ein Forum beim Umfang dieser Fragen naturgemäß einfach nicht leisten - aus einer Netzrecherche anzufangen, führt fast zwangsläufig dazu nicht solide aufgestellt zu sein. Was wiederrum die eigene, genaue Positionierung verhindert. Und im Endeffekt zu den ganzen, erfahrungsgemäß kurzlebigen Billiganbietern führt, die beispielsweise froh sind ihr "€ 100,- Lichtlein" refinanziert zu bekommen.

Da kannst du auch die Adventszeit auch nutzen um die Video- und Film-Weihnachtsgeschichte neu zu schreiben - helfen kann das leider in dem Fall wahrscheinlich nix ;)
Ausgenommen du hast gerade deine missionarische Phase. Dann darfst du aber auch nicht entäuscht sein, wenn die Kindlein deiner Botschaft nicht folgen ;)))




MK
Beiträge: 1095

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von MK » So 10 Dez, 2017 13:13

Doppelt
Zuletzt geändert von MK am So 10 Dez, 2017 14:45, insgesamt 2-mal geändert.




MK
Beiträge: 1095

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von MK » So 10 Dez, 2017 13:13

Man nimmt nicht den Einkaufspreis sondern den Einstandspreis bzw. Bezugspreis als Grundlage... sonst schmeißt man da schon Geld zum Fenster raus. Dazu kommen dann noch Selbstkosten, Gewinn, Skonto und Rabatte die man dem Kunden gewährt und wenn man Angebote an private Endverbraucher schreibt gehört da auch schon am Ende die Mehrwertsteuer mit ausgewiesen, ansonsten droht Ärger.

Fun Fact: Skonto ist keine Belohnung für schnell zahlende Kunden, sondern in einer kaufmännischen Kalkulation immer eine Strafe für Kunden die langsam bezahlen bzw. das Zahlungsziel ausreizen. Ebenso der Rabatt, diese Nachlässe sind immer so kalkuliert dass Sie den geplanten Gewinn nicht angreifen wenn der Kunde sie nutzt.

Das sind einige der kaufmännischen Grundlagen die jeder Selbstständige kennen sollte... falls man nicht sowieso schon eine kaufmännische Ausbildung hat, gibt es z.B. bei der IHK dazu Kurse die man wahrnehmen kann.




wolfgang
Beiträge: 5701

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von wolfgang » Mo 11 Dez, 2017 13:04

Es ist sicherlich grundsätzlich richtig die Einstandspreise zu nehmen - aber das hängt vom Berechnungsansatz ab. In dem genannten Beispiel umfasst sein Bereich 2 ja bereits die eigenen Kosten sodass die Einkaufspreise hier stimmiger sind.

Man muss eben die Kalkulation in Summe verstehen dass man nichts vergisst und auch nichts doppelt zählt.

Mehr Sorgen macht mir aber dem kalkulatorischen Ansatz im Bereich 2 die extreme Abhängigkeit des Rechenwertes von der Auslastung. Mit so einer Rechnung kann man sich auch rasch aus jedem Markt raus katapultieren, weil der Preis bei geringer Auslastung zu hoch wird. Man sollte schon ein gewisses Gespür dafür haben, was der Kunden typischerweise bereit ist zu zahlen und was eben nicht mehr.
Lieben Gruß,
Wolfgang




Opera Cator
Beiträge: 42

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Opera Cator » Mi 13 Dez, 2017 08:47

wolfgang hat geschrieben:
Mo 11 Dez, 2017 13:04
Man sollte schon ein gewisses Gespür dafür haben, was der Kunden typischerweise bereit ist zu zahlen und was eben nicht mehr.
Aber das ist eben auch oft das Problem, wenn man als Einsteiger noch nicht viele Erfahrungen sammeln konnte.
Ich bin aktuell auch damit beschäftigt meinen Marktwert zu erkennen. Meine Produktionskosten sind gering und ich könnte billig anbieten aber ich sehe auch nicht ein, es den Kunden so leicht zu machen. Also was ist es dem Kunden Wert, wenn sein Produkt auf YouTube tausenden Personen vorgestellt wird? Die Firmen probieren es zunächst mit einem kostenlosen Rezensionsexemplar. Dann kommt die Verhandlung. Verlangt man zu viel macht ein anderer den Job und beim nächsten Poker ist man dann eben etwas vorsichtiger. Aber das kann schon ein paar Fehlschläge bedeuten und man verliert den einen oder anderen potentiellen Auftraggeber für immer.
Ich kann gerade gut nachvollziehen, dass man als Neuling diese Phase möglichst kurz halten will und gern wüsste, wie viel man realistisch erwarten kann.
Ich verstehe aber auch, dass man zu diesem Punkt keine detaillierte Auskunft in einem Forum erwarten kann und dass sich wohl kaum jemand in die Karten gucken lässt, der ebenfalls an diesen Pokerspielen teilnimmt.




Jalue
Beiträge: 738

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Jalue » Mi 13 Dez, 2017 14:51

Zum einen das, zum anderen ist es per se sinnlos, hier Preisstrukturen darzulegen. Eine Produktionsfirma, die High End Corporate-Filme produziert, rechnet anders als die One Man Band, als die Produktionsfirma, die TV-Reportagen erstellt, ... Äpfel und Birnen eben.

Dann gibt es noch regionale Faktoren (Emsland, München, Berlin ...), und nicht zuletzt zählt das Standing am Markt. Etablierte Profis mit entsprechender Ausrüstung können natürlich mehr verlangen als ein Anfänger mit Semipro-Technik. Nein, der TS muss schon selber rechnen, bzw. Marktforschung betreiben und wie das gehen kann, haben andere hier ja netterweise erklärt.

Lohn ihrer Mühen: Nicht etwa ein Dankeschön an Drushba oder Shaky, sondern Schweigen ... auch das leider ziemlich typisch.




ShakyMUC

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von ShakyMUC » Mi 13 Dez, 2017 17:13

Opera Cator hat geschrieben:
Mi 13 Dez, 2017 08:47
...
Ich kann gerade gut nachvollziehen, dass man als Neuling diese Phase möglichst kurz halten will und gern wüsste, wie viel man realistisch erwarten kann.
...
Ist immer in Abhängigkeit der Fakoren:
- Was kann man selbst (anbieten/durchführen/leisten <> Umfang/eigene Möglichkeiten/eigenes Können)

So etwas lernt man in Praktikas, bei Projekten als Freelancer ggf. auch in untergeordneten Aufgabenbereichen, durch Beziehungen (die man sich aufbauen muss) usw. usf.




Drushba
Beiträge: 1198

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von Drushba » Mi 13 Dez, 2017 19:03

Ein Beispiel aus dem Nähkästchen: Ich kenne einen reinen BWLer, der sich ganz hervorragend positioniert hat. In einer Zeit, in der Kameras noch teuer waren, nahm er einen Kredit auf, kaufte sich ein Digibetageschoss und verfügte nahezu über das Alleinstellungsmerkmal "Digibeta-EB-Kamerabesitzer" in seiner Gegend. Er tat sich mit einem Kameramann zusammen, der bereits oft für Sender gearbeitet hatte und daher etabliert war (ganz wichtig - nur Anfänger auf einem Haufen, das geht nie gut). Mit diesem Kameramann als Aushängeschild und der EB-Kamera im Gepäck, stellte er sich bei den Sendern vor und bekam auch prompt seine EB-Aufträge (ohne das Ding jemals selbst anzufassen - er ist BWLer). Er expandierte, kaufte mehr EB-Kameras plus einen Avid und baute einen Pool an TV-erfahrenen Kamera-Freelancern auf (zwingend mit Ausbildung, meist Dortmund, sonst winken die Sender ab). Das geht bis heute gut. Er wird von Sendern und Redakteuren sowie TV-Autoren als Dienstleister angefragt und schickt seine Jungs für Aufträge rund um die Welt los. Alle Jubeljahre kommt mal eine Imagefilmanfrage rein, die er dann auch bedient, dies sind aber meist alte Stammkunden, aus einer Zeit, als er selbst noch aktiv versuchte, Imagefilme zu verkaufen.

Aber jetzt kommts: Viele seiner Kameraleute haben im Billig-Kameraboom versucht, sich nebenbei selbstständig zu machen. Alle sind gescheitert. Alle. Er als BWLer schlägt pfiffig sein Kapital daraus: Einige der Kameraleute haben sich auf Pump eine FS7 gekauft und standen ohne nennenswerte Aufträge, aber mit einem teuren Leasingvertrag für die FS7 da. An diese verteilt er jetzt Mitleid-Jobs mit einem kleinen Kamera-Aufschlag, damit sich das FS7-Investment langsam abzahlt. Als Geschäftsmann hat er selbst dadurch natürlich weniger Kapitalbindung und spart richtig Geld damit, daß sich die EBler ihre eigene FS7 samt Kreditzinsen gekauft haben, denn dadurch muß er jetzt nicht mehr selbst in neue Kameras investieren und diese instandhalten. Es muß hinzugefügt werden, daß er jetzt natürlich bevorzugt die FS7ler beauftragt, wodurch andere Kameraleute, die für ihn arbeiten wollen, im Zugzwang sein dürften, sich ebenfalls eine FS7 zu kaufen...

Das Problem der Kameraleute aus diesem Beispiel ist, daß sie keine Kaufleute sind, sondern eben dachten, daß der Markt nur auf sie wartet. Was sie nicht wußten, weil sie keine Marktforschung betrieben haben und mangels Ausbildung auch nicht wissen, was ein Businessplan ist (wofür sie Markforschung betreiben hätten müssen): Die großen Firmen sind inzwischen meist bei Werbeagenturen, über die die Aufträge für Imagefilme laufen, die jedoch längst alle ihre festen Teams oder Dienstleister haben. Der Markt darunter ist hart umkämpft - zu hart für die EBler.

Was mir auch neu war: Mittlerweile wird auf IHK- Marketing-Seminaren für KMU-Führungskräfte explizit vor dem Einsatz von Freelancern gewarnt, weil die Ergebnisse so durchmischt sind. Diese Warnung bezieht sich auf alle kreativen Gewerke, nicht nur Imagefilmer sind betroffen, auch die Webdesigner und Social Media Leute. Und aus der Sicht eines leitenden Angestellten im Marketing macht man mit einem Allround-Film-Freelancer nur Fehler: Als erstes setzt man sich der unbequemen Frage aus, warum es nun billig geht, wenn es die Jahre zuvor immer so teuer war. Das zieht kritische Fragen nach sich, zumal das Marketing-Budget ja vorhanden ist und auch ausgegeben sein will. Zudem macht es wenig Sinn, einen billigen Freelancer zu heuern, wenn das Risiko eines mauen Ergebnis gegeben ist oder der Freelancer bei Folgeaufträgen aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen weg vom Fenster ist. Der leitende Angestellte setzt sich damit einem persönlichen Risiko aus, getadelt zu werden und das Budget suboptimal eingesetzt zu haben, welches er bei Einschaltung der langjährigen Agentur nicht eingeht. Angestellte wollen in erster Linie in Ruhe gelassen werden, das muß man wissen! Und wenn eine langjährige Agentur Mist baut, dann war es eben der Fehler der Agentur und der leitende Angestellte ist fein raus. Die kritische Sichtweise auf Freelancer wird gelehrt und greift um sich, denn die IHK-Fortbildungen sind vorgeschrieben. Ich meine, es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie die potentiellen Auftraggeber in Wirklichkeit strukturiert sind...

Meiner Beobachtung nach gibt es im wirklichen Leben zwei Gruppen von Filmern, zwischen denen es sich zu unterscheiden lohnt: Producer (= Filmer mit wirtschaftlichem Sachverstand), die an eine Agentur angeschlossen sind und damit einen guten Vertrieb haben, sowie verdienstmässig etwas darunter angesiedelte Producer, die mit einem Vertriebler zusammenarbeiten auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stehen jene Kameraleute aus obigem Beispiel, die versuchen, sich selbstständig zu machen oder Laien, die sich mit Film versuchen.

Der erste Bereich ist IMHO der lohnende, der zweite der Garant für Altersarmut. Wer in der Selbstständigkeit überleben will, muß meiner Meinung nach als erstes lernen, als Producer und damit wirtschaftlich zu denken und nicht als sliderführender Kameramann aufzutreten. An erster Stelle muß immer der Auftrag und die Deckung er Kostenstruktur stehen, zudem die klare, durchkalkulierte Gewinnerzielungsabsicht. Also die eindeutige Frage: Ich benötige Summe X - kann ich diese verdienen - ja oder nein? Wenn ja, dann weiter, wenn nein, dann raus. Technik und Skills kommen erst danach. Einen Kameramann kann sich jeder zur Not dazuheuern, denn reine Kameraleute sind Billigarbeiter geworden. Das trifft auch auf alle anderen Gewerke zu.

Also die klare Selbsttest-Frage für Freelancer: Bin ich Producer genug, um regelmässig lukrative Auträge einzuholen und arbeitsteilig zu denken (Test: Könnte ich zur Not nur mit dem Notebook bewaffnet lukrative Aufträge einholen und mir alle Gewerke anheuern, die ich für den Film benötige), oder bin ich ein liebenswerter Heimwerker, der in mühevoller Kleinarbeit alles selber machen will - und damit auf Dauer scheitern wird. Bin ich ersteres, besteht noch Hoffnung, bin ich letzteres, sollte ich wohl eher darüber nachdenken, statt auf Slashcam meine Zeit mit Bitcoin-Trading zu verbringen oder vom derzeit boomenden Arbeitsmarkt mit Vollbeschäftigung zu profitieren... ;-)
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274




ShakyMUC

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von ShakyMUC » Mi 13 Dez, 2017 20:31

Im Großen & Ganzen stimme ich deinem Post zu 100% zu
Drushba hat geschrieben:
Mi 13 Dez, 2017 19:03
...
Was mir auch neu war: Mittlerweile wird auf IHK- Marketing-Seminaren für KMU-Führungskräfte explizit vor dem Einsatz von Freelancern gewarnt, weil die Ergebnisse so durchmischt sind.
...
Aber zu diesem - und nur zu diesem - Satz folgende Anmerkung:
Das Karussell zwischen Auftragsbvergabe an Freelancer <> an Agenturen <> oder (Aufbau/Pflege) eigener Abteilungen im Haus dreht sich schon seit ich die Arbeitswelt kenne. Egal ob Marketing, technische Entwicklung oder oder --- mal wird eine Zeit lang Outsourcing propagiert, dann wieder In-House Lösungen usw. Da wechseln Strömungen & Tendenzen auch in schöner Regelmäßigkeit.
Und nicht alle machen das nach, was die IHK vorbetet. Denn nicht alle IHK-Direktiven sind unternehmensübergreifend anwendbar. Gute Führungskräfte wissen das aber.
Insofern stellt sich für angehende Medienschaffende um so mehr die Aufgabe, ihren zukünftigen Markt kennenzulernen. Und "ihren Markt" lernen sie nur kennen, wenn sie klar positioniert sind. Womit wir wieder beim Anfang des Threads sind ;)




wolfgang
Beiträge: 5701

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von wolfgang » Do 14 Dez, 2017 08:21

Nur mal als Ergänzung: man kann auch immer die Frage stellen, welche „Aufstellung“ einen selbst mehr liegt. Damit meine ich, ob ich wirklich versuchen will in diesem eher schwierigem Markt eine Selbsständigkeit aufzubauen. Ich etwa könnte das vermutlich - angesprochene Punkte wie einen Businessplan zu entwickeln mache ich als Unternehmenberater jahrelang für meine Kunden. Aber ich verdiene in diesem Job des Beraters doch so gut dass ich nur fallweise kleine Aufträge im filmischen Bereich mache und leiste mir mein Equipment als teures Hobby (ander haben ihren Sportwagen).

Anders formuliert - warum soll ich mir den Filmermarkt antun? Und es stimmt - sicherlich nicht nur als Kamerafuzzi alleine.

Das ist eine Frage die man sich auch stellen kann und vielleicht auch sollte. Die eigenen Alternativen und Opportunitäten abwägen.
Lieben Gruß,
Wolfgang




ShakyMUC

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von ShakyMUC » Do 14 Dez, 2017 09:40

wolfgang hat geschrieben:
Do 14 Dez, 2017 08:21
... ob ich wirklich versuchen will in diesem eher schwierigem Markt eine Selbsständigkeit aufzubauen.
...
Was aber natürlich allgemeingültig ist. Ich glaube, kein Markt heutzutage ist mehr "einfach". Wenn du als Unternehmensberater einen weißt - her damit ;)))

Wenn wir hier aber weitermachen was Selbständigkeit, Arbeit als Freelancer etc. betrifft:
IMHO sollte man jeder/m auf dem Weg in die Selbständigkeit sagen, dass sie/er sich intensiv Gedanken über die Arbeit im Hintergrund machen muss! Denn nicht alles ist kreativ-operatives Geschäft - also das was am meisten Spaß macht. Im Gegenteil, wenn man davon leben muss, ggf. ein gemeinsames oder das Familieneinkommen davon (mit-) getragen wird, können die ganzen zwingend notwendigen administrativen Tätigkeiten schnell nerven und auch nicht mehr lästige Pflicht sein, als der 9-to-5 Job in irgendeiner Klitsche. Nur das niemand hinter einer/m Selbständigen steht und das anschafft, sondern die Eigenmotivation dauerhaft hoch genug sein muss diese Tätigkeiten locker als "gehört halt dazu" auch gewissenhaft zu machen.
Ich glaube daran scheitern eine Menge ansonsten evtl. aussichtsreicher Selbständigen-Karrieren.




wolfgang
Beiträge: 5701

Re: Kostenaufstellung für Aufträge

Beitrag von wolfgang » Do 14 Dez, 2017 09:53

Einfache Märkte gibt es kaum, aber unterschiedlich gute Positionierungen. ;) Das gilt für Firmen wie auch für Einzelpersonen.

Und natürlich geht es um die Ernährung der Familie und nicht nur um Spaß (den man idealerweise auch hat).
Lieben Gruß,
Wolfgang




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