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Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?



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Starshine Pictures
Beiträge: 2128

Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Starshine Pictures » Mi 21 Feb, 2018 01:18

Hallo liebe Mitforisten!

Ich schaue gerade die phoenixRunde im TV zum Thema der neuen CDU Generalsekretärin AKK und auch hier kommt man nicht daran vorbei dass irgendwann das Damoklesschwert „Digitalisierung“ als Herausforderung und Ursache für eine völlige Gesellschaftumordnung in den nächsten 5 Jahren geschwungen wird. Und natürlich ist Deutschland völlig abgehangen.

Ich bin ja nun wirklich ein Homo Digitalis. Ich hab hier jeden erdenklichen neumodischen Kram. Wlan, LED TVs, Computer, Notebook, iPhones und iPads, 5.1.2 Dolby Atmos, Kameras und 250 Mbit Internet. Netflix, Spotify, Tidal und Adobe. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten dass ich im Feld des Digitalen gut auskenne. Was mir aber überhaupt nicht eingeht ist eben diese ominöse „Digitalisierung“ und die unglaublichen Folgen.

Als erstes hab ich zu diesem Thema von Richard David Precht gehört, der in seinen populärphilosophischen Arbeiten immer wieder eine Zukunft ohne Kassiererinnen, LKW- und Busfahrern, Fliessbandarbeitern und Strassenbauern prophezeit. Und seit dem benutzt zunehmend jeder pseudo-moderne Politiker diese schreckliche Digitalisierung als Wahlkampfthema.

Aber jetzt sind wir doch mal ehrlich. Von diesen Zukunftsprophezeiungen sind wir doch noch so weit weg dass es keinen Sinn macht damit jetzt schon Panik zu schüren. Thema autonomes Fahren: Wer schon mal mit einem Tesla oder anderem Fahrzeugen mit Autopilot-ähnlichen Assistenzsystemen auf eine simple Fussgängerinsel oder einen Kreisverkehr zugebrettert ist, der wird schnell erkennen wie viel da noch zu feilen ist. Oder wie doof Apples Siri oder Amazons Alexa eigentlich sind als dass man da in irgendeiner Form von Intelligenz sprechen könnte.

Daher meine Meinung dass dieses ganze Digitalisierungsgequatsche nur heisse Luft ist. Es klingt halt irgendwie bedrohlich und man kann es immer schön den Gegnern vorwerfen sich nicht ausreichend genug drum zu kümmern. Oder habt ihr auch das Gefühl dass da tatsächlich ein Umbruch ähnlich der Industriealisierung Ende des 19. Jahrhunderts mit all dem Elend auf uns zu rollt?


Grüsse, Stephan

Zuletzt geändert von Starshine Pictures am Mi 21 Feb, 2018 09:33, insgesamt 1-mal geändert.




Alf_300
Beiträge: 7364

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Alf_300 » Mi 21 Feb, 2018 01:30

autonomes fahren ist das eine, der gläseren Mensch das andere,
dazwishen gibts noch eine ganze Menge was uns das Leben leichter oder schwerer machen kann.
Das größte Problem dürte bei den Arbeitsplätzen in der Industrie entstehen
Wer kein digitales Verständnis samt entspreched schulischer Bildung.mitbringt, muß Döner verkaufen.
Nicht vergessen darf man dass einer der heute eingeshult wird noch bis 2060 arbeiten muß




Darth Schneider
Beiträge: 1759

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Darth Schneider » Mi 21 Feb, 2018 05:30

Oje, ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll, ich habe auch ein paar Bücher die dieses Thema betreffen gelesen. Das ist keine heisse Luft, sondern die Zukunft. Die Digitalisierung wird uns Menschen noch ganz viele Jobs kosten.
Die KV Jobs werden in 10 Jahren fast ganz wegfallen genau so wie die Fliesbandarbeit und die Produktion in der Wirtschaft.
Kassiererinnen gibt es heute schon weniger, praktisch jeder Supermarkt hat heute schon eine oder mehrere Selfscan Kasse, in 5 Jahren wirst du es dann schon sehen, gibt noch mehr davon, in 20 Jahren gibt es dann fast keine Kassierin mehr.
In einigen Ländern testen Sie Heute schon selbstfahrende Lastwagen und sogar selbstfliegende Taxis, das kommt also nicht, vieleicht, das ist schon da....
Auch viele Geschäfte werden oder sind heute schon geschlossen wegen dem ganzen Onlinehandel. Da werden noch ganz viele Jobs wegfallen in den meisten Berreichen. Dienstleistungen, im Gastgewerbe, in China gibt es schon Roboter die das Essen bringen, noch jetzt als Gag....Nicht mehr lange.
Schon von digitaler medizinischer Betreuung habe ich gelesen, das kommt auch, warum wegen den Kopfschmerzen zum Arzt gehen wenn der Computer das auch kann und hundertmal billiger ist, als der Hausarzt ? Zuerst den Digi Doctor mal schauen lassen.........
Der gläserne Mensch ist auch heute schon Realtät, wir gehören alle dazu, das wird nicht besser, sondern die Informationen über uns werden von immer schnelleren Computern und Programmen immer schneller und effizienter digitalisiert verarbeitet und gleich zu Geld gemacht, ohne das wir nur einen Pips davon merken.
Das ist alles andere als heisse Luft.
Ps: Gerade du als Homo Digitalis solltest aber wissen das wir heute doch gar keine Filme mehr digitalisieren müssen, das macht die Kamera schon bei der Aufnahme....
Gruss Boris




Jott
Beiträge: 14334

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Jott » Mi 21 Feb, 2018 06:39

Schon. Andererseits hat Deutschland - obwohl führendes Industrieland mit bereits sehr hohem Automatisierungsgrad in vielen Branchen - hohe Beschäftigungsquoten, was ja eigentlich nicht sein dürfte. Firmen suchen händeringend nach Mitarbeitern.

Bildung, Bildung, Bildung, und immer gut über die Berufswahl nachdenken. In Medienberufen zum Beispiel wird sich niemand etablieren können, dem schon das Aufschlagen eines Manuals zu viel ist und der nicht mehr als drei Tage verpeilte Tutorials gucken in seine Zukunft investieren will.

Und so scheint’s mir überall zu sein: Bildung/Ausbildung - insbesondere auch Allgemeinbildung - kommen aus der Mode, es gibt ja YouTube und co. Fehlende Bildung ist auch die Voraussetzung dafür, leicht von ekligen politischen Strömungen, bescheuerten Verschwörungstheorien und sonstigem Unfug erfasst zu werden, der einem die Birne vernebelt. Wie dumm das alles ist, merkt man dann später. Zum Bespiel, wenn es sich mit dem vielleicht kommenden "bedingungslosen Grundeinkommen" doch nicht so leben lässt, wie man's gerne hätte. Und dann ist „die Digitalisierung“ schuld.

Man wird sehen.

Am Rande: das Problem für die deutsche Wirtschaft ist eher die fehlende Digitalisierung, wenn man's mal auf konkrete Themen wie banalen Netzzugang bezieht. So viele Firmen, die nicht gerade in Stadtzentren neben einem Glasfaserverteiler sitzen, haben keinen richtig schnellen Internetzugang. Darüber lacht die Welt. Deutschland verkackt routinemäßig dringende Infrastrukturprojekte. DAS ist eine echte Bedrohung, und ich sehe nicht kommen, dass diese Notgeburt von kommender Regierung das mit Volldampf ändern wird.




Axel
Beiträge: 12058

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Axel » Mi 21 Feb, 2018 08:27

Jott hat geschrieben:
Mi 21 Feb, 2018 06:39
Und so scheint’s mir überall zu sein: Bildung/Ausbildung - insbesondere auch Allgemeinbildung - kommen aus der Mode, es gibt ja YouTube und co.
Es ist bewiesen, dass unser Schulstoff, aufbereitet in Fächern mit Benotung als dem eigentlichen Lernziel, völlig ineffektiv ist. Man muss Kindern möglichst früh vermitteln, wie sie selbst lernen können. Workshops sind besser als der klassische Vortragsunterricht. Für Naturwissenschaften sind Computer besser als Erzieher aus Fleisch und Blut. Interdisziplinäre Projekte sind effektiver, sehr viel effektiver, als "Aufgaben" in Einzelfächern. Verbindung von Theorie und Praxis (non scholae sed vitae!). All das wurde erforscht und ist wissenschaftlich belegt. Gesamtgesellschaftlich produziert unser Schulsystem eine große Masse ans Lebensversagern und -verzagern und eine kleine Elite von Besserleistern (numerus clausus) als Fachidioten. Das ist ein Skandal.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...




Jott
Beiträge: 14334

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Jott » Mi 21 Feb, 2018 08:53

Ja, das Schulsystem. Bei uns ein verknöcherter Scheiß, auch noch regional zersplittert. Hoffnungslos. 14-jährige werden mit Wilhelm Tell gequält, unverändert wie früher in Form unausrottbarer gelber Reclam-Heftchen. Durch diese hohle Gasse soll Bildung kommen?

Von so was wie in unserem sympathischen Nachbarland kann man hier nur träumen, auch wenn's dringend geboten wäre:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/s ... 93090.html




Frank Glencairn
Beiträge: 7648

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Frank Glencairn » Mi 21 Feb, 2018 09:08

Starshine Pictures hat geschrieben:
Mi 21 Feb, 2018 01:18

Daher meine Meinung dass dieses ganze Digitalisierungsgequatsche nur heisse Luft. Es klingt halt irgendwie bedrohlich und man kann es immer schön den Gegnern vorwerfen sich nicht ausreichend genug drum zu kümmern. Oder habt ihr auch das Gefühl dass da tatsächlich ein Umbruch ähnlich der Industriealisierung Ende des 19. Jahrhunderts mit all dem Elend auf uns zu rollt?
Meistens hilft der Blick in die Vergangenheit, um die Zukunft zu erkennen.
Mir kommt das ganze "Digitalisierung" Buzzword Geschwätz vor wie der "Atomic" Hype in den 50er/60er Jahren.
Wenn man mal ein altes Popular Mechanics aus dieser Zeit ließt, findet man die selben Sprüche und Aussagen wie heute - eingetroffen ist natürlich nullkommanix davon. Keine atomgetriebenen Autos, Flugzeuge, Staubsauger etc. - nicht mal zur Stromversorgung hat's in der Realität gereicht - aber damals waren sich alle gaaaaanz sicher: Das ist "Die Zukunft(TM)" - genau das selbe wie heute, nix hat sich geändert.

Was heißt denn überhaupt "Digitalisierung"? Hauptsächlich bezieht sich das doch sowieso nur auf eine digitale Speicherung und Übertragung - alles andere bleibt ja analog.
D.h. früher hab ich die Inhalte der Nachrichten auf einem Stück Papier gelesen - analog natürlich. Heute lese ich sie halt auf einem Bildschirm. Der Unterschied besteht darin, daß die (analogen) Inhalte zum Zweck der Speicherung/Übertragung vorübergehend digitalisiert werden, um dann beim Empfänger wieder de-digitalisiert zu werden, da der geneigte Zeitungsleser an seinem Monitor ja nur mit analogen Inhalten was anfangen kann - sprich Buchstaben, Zahlen, Töne, Bilder.

Was hat sich also im Vergleich zu früher geändert? Nur die Art der Übertragung und Speicherung.
Wenn jemand am Fließband durch einen Roboter ersetzt wird, hat das mit Digitalisierung genauso wenig zu tun wie die Kassiererin, die durch die Selbstbedienungskasse ersetzt wird. Als Tankwarte durch Selbstbedienung ersetzt wurden, hat ja auch keiner von "Digitalisierung" gesprochen - aber wenn ich meine Waren an der Kasse selber über den Scanner ziehe, ist es plötzlich Digitalisierung - Seriously? Was genau sol daran jetzt digitaler sein, als wenn die Kassiererin die Waren über den Scanner zieht?

Digitalisierung ist vor allem eines: ein typisches Buzzword (wie Quantensprung, Rassismus, Roboter, Klimawandel, Blockchain, Künstliche Intelligenz etc.), das weitgehend falsch, und auch noch im falschen Kontext benutzt wird, von Leuten die nicht wissen wovon sie reden.
Jott hat geschrieben:
Mi 21 Feb, 2018 08:53
Ja, das Schulsystem. Bei uns ein verknöcherter Scheiß, auch noch regional zersplittert. Hoffnungslos. 14-jährige werden mit Wilhelm Tell gequält, unverändert wie früher in Form unausrottbarer gelber Reclam-Heftchen. Durch diese hohle Gasse soll Bildung kommen?
Wenn ich den Tell jetzt auf einem Monitor lese, statt in einem Reclam, was genau daran verbessert da jetzt die Bildung?




MK
Beiträge: 1095

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von MK » Mi 21 Feb, 2018 09:48

Axel hat geschrieben:
Mi 21 Feb, 2018 08:27
Es ist bewiesen, dass unser Schulstoff, aufbereitet in Fächern mit Benotung als dem eigentlichen Lernziel, völlig ineffektiv ist.

Und vor allem auch das zwanghafte Runterbrechen in den Büchern auf den dümmsten gemeinsamen Nenner so dass es vermeintlich so einfach zu verstehen ist dass auch der Dümmste damit noch was anfangen kann und vom Lehrer dann auch noch so erklärt wie für Dumme...

Da hatte ich damals in einem Fach echte Probleme in der Ausbildung bis ich mir ein Lehrbuch von Anfang der 80er besorgt habe und innerhalb von einer Woche nur noch 1er und 2er geschrieben habe anstatt 4er, weil mir dort erklärt wurde WARUM man das so macht und nicht nur Musteraufgaben nach Schema F mit Erklärung für Blöde... durch dieses Schlüsselerlebnis mit dem alten Buch wurde plötzlich alles selbst herleitbar, und so konnte ich auch wenn ich Schema F nicht auswendig gelernt hatte alle Aufgaben durch selbstständiges Denken lösen.




Opera Cator
Beiträge: 42

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Opera Cator » Mi 21 Feb, 2018 11:04

Ich empfehle die Seiten 37-49 des Koalitionsvertrages zu lesen. Das sieht man ziemlich genau, was die Politik sich unter Digitalisierung so vorstellt.
Das steht dort detaillierter als man glauben mag.




cantsin
Beiträge: 4502

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von cantsin » Mi 21 Feb, 2018 12:02

Leute, zufällig ist diese Frage Teil meines Jobs in einem Hochschul-Forschungszentrum, wo ich mit Kollegen aus der Informatik und anderen Fächern zusammenarbeite, allerdings in den Niederlanden.

Der in Deutschland gebrauchte Terminus "Digitalisierung" ist etwas altmodisch und missverständlich, weil man dabei eigentlich an die Digitalisierung von ehemals analoger Information denkt, die praktisch abgeschlossen ist: Der Übergang Schallplatten -> CDs > mp3/Streaming, VHS -> DVD -> YouTube und Netflix, 35mm-Kinoprojektion -> DCP, analoge Fotografie -> digitale Fotografie, Schreibmaschine -> Textverarbeitung, Kartei -> Datenbank, Kleinanzeigen, Stellenanzeigen -> Ebay, Onlinejobbörsen, Bankschalter -> Online-Banking etc.etc.

Was heute damit auf politischer Ebene gemeint ist, sind die Folgen von KI (vor allem von "Deep Learning" auf der Basis von neuronalen Netzen, die uns ja z.B. in Form von Fake-Pornovideos hier auch schon beschäftigen) und Robotik und dem was international "Smart Industry" genannt wird und in Deutschland etwas wolkig "Industrie 4.0" heisst und z.T. auch den Einsatz von 3D-Printtechnologie einschliesst.

Kurz gesagt, geht es darum, industrielle Produktion fast vollständig zu automatisieren, aber eben nicht nur wie bei den heute üblichen Roboterfabriken in der Autoindustrie. Die Idee ist, dass man dank digitaler Automatisierung, Robotik und KI (a) in z.T. kleineren Fabriken (b) dezentral (c) individuell maßgeschneiderte Produkte herstellen kann und dadurch u.a. Transportkosten minimiert und Umweltauflagen besser einhalten kann. (Hauptversursacher der Umweltverschmutzung und CO2-Belastung ist neben Kühen die Schifffahrt: Die 15 größten Frachtschiffe der Welt verursachen zusammen mehr Umweltverschmutzung als der gesamte Autoverkehr der Welt.)

Das kann ziemlich harte Folgen haben, wenn z.B. die Produktion von Konsumgütern aus China zurückgeholt wird, weil der Kostenvorteil der Niedriglöhne dann keine wichtige Rolle mehr spielt und im Gegenteil die Transportkosten zum Problem werden. Allerdings ist China nicht dumm und investiert, mit großem Forschungsaufwand, genau in diese neuen Technologien (und kauft in Deutschland massiv Firmen auf, die zu dezentralen Produktionsstandorten gemacht werden können).

Ein anderer Punkt ist die individuelle Produktion auf Maß. Die gibt es im großen Stil schon in einer Branche, der Druckindustrie (die ja seit Gutenberg immer historischer Vorreiter der Industrialisierung war): Beim digitalem Print-on-Demand-Druck wird in einer Fertigungsstraße nicht mehr ein Produkt gefertigt, sondern die Maschinen drucken und binden im selben Arbeitsgang lauter verschiedene Bücher, die vorher vom Buchhandel bzw. von Online-Kunden bestellt wurden.

Auf einem "digitalisierten" Fließband kann also ein Produkt in maßgeschneiderter Form produziert werden (z.B. eine Kamera um einen Sensor-/Elektronikblock herum mit jeweils verschiedenen Gehäusen, Displays, Speicherinterfaces etc.) oder sogar völlig verschiedene Produkte in einer Produktionsstrecke. Und die auch nicht mehr als Massenproduktion, die in Großhandel und Läden geliefert wird, sondern genau wie im Digitalbuchdruck "on demand", auf Basis individueller Kundenbestellungen mit Turn-Around-Zeit von 1-2 Tagen.

Daher meine Vermutung, dass der Deal zwischen RED und Foxconn bereits auf diese Produktionstechnik abzielt, weil Foxconn an einem "Smart Industry"-Fließband dann verschiedene Produkte von allen möglichen, eher kleinen Marken herstellen wird - statt, wie in der Vergangenheit, eine maßgeschneiderte Produktionsstrecke für ein iPhone-Modell zu bauen (und dann ev. seine Investitionen nicht einzuspielen, wenn sich ein Modell nicht so verkauft wie erwartet, wie momentan beim iPhone X).

Andere Gebiete der in Deutschland so genannten "Digitalisierung" sind "Smart Cities", in denen Sensortechnologie im Zusammenspiel mit Regeltechnologie viele Dinge automatisiert und rationalisiert (im guten wie schlechten Sinne). Z.B., dass es keine wöchentliche Müllabfuhr mehr gibt, sondern Sensoren in jedem Müllcontainer, die den Füllstand in eine Computerzentrale kommuniziert, auf deren Basis dann die Fahrten der Müllabfuhr flexibel berechnet werden. (Was schnell zu Arbeitsplatzabbau führen kann.) Das ganze kann man noch an Deep Learning-Algorithmen koppeln, die für das Müllaufkommen einer Stadt Muster berechnen und auf deren Basis Vorhersagen bzw. Zukunftseinschätzungen machen.

- Das kann man sogar noch weiterdenken bis hin zu individuellen, automatisch abgerechneten Mikro-Gebühren für jeden Abfall, den man in eine Tonne wirft, statt pauschaler Müllsteuern, was zu allen möglichen politischen Debatten führen wird. (Weil z.B. eine Familie mit neugeborenen Kindern und deren Babywindeln mehr Müll verursacht als ein kinderloser Haushalt.)

Das "Smart City"-Prinzip kann man natürlich auch auf Gebäudetechnologie anwenden, z.B. automatische Steuerung von Licht und Heizung auf Basis der tatsächlichen momentanen sowie der durch Deep Learning vorhergesagten zukünftigen Nutzung des Gebäudes. Was in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Rathäusern einerseits massive Energiesparpotentiale birgt, andererseits bedeutet, dass da auch eine Überwachungsinfrastruktur installiert wird. (Das Beispiel kann man noch erweitern z.B. auf Mobiliar wie Stühle und alles sonstige Inventar, das jeweils mit einem Funkchip im Gebäudesystem registriert ist und dann flexibel bereitgestellt bzw. verschoben wird, auf Basis von KI-analysierten Nutzungsmustern, wodurch man Anschaffungskosten senken kann.)

Was man auch davon hält, diese Dinge kommen und sind z.T. jetzt schon im Einsatz. Ein Industrieland wie Deutschland muss sich darüber in der Tat Gedanken machen, denn das Wohlstandsmodell des letzten Jahrzehnts - traditioneller Maschinenbau für chinesische Fabriken in Kombination mit Niedrigzinspolitik der EZB - wird sich nicht halten lassen.
Zuletzt geändert von cantsin am Mi 21 Feb, 2018 12:04, insgesamt 1-mal geändert.




strassenfilm
Beiträge: 63

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von strassenfilm » Mi 21 Feb, 2018 12:04

Die Digitalisierung ist doch schon in vollem Gange, global betrachtet. Nur weil unter den deutschen Politikdarstellern noch nicht mal eine Spur von Kompetenz vorhanden ist, warten andere doch nicht auf uns.
Bei Amazon z.B. werden mittelfristig nur noch ganz wenige Menschen arbeiten, das ist beschlossene Sache, daran wird gearbeitet und es wird so kommen, ob hier Leute von ‚buzzwords‘ schwadronieren oder nicht. Und das ist nur ein Beispiel. So wie ich es mitbekommen habe, sind vor allem die Millionen von stupiden Bürojobs etc. In akuter Gefahr.
Leider ist auch dieser Thread wieder ein eindrucksvoller und trauriger Beleg dafür, daß dieser Prozeß halt definitiv nicht in diesem Land (mit) gestaltet wird. Solange Digitalisierung von den meisten immer noch mit Breitbandausbau (ist nur die Voraussetzung) oder der Überflutung mit digitalen Gadgets (allesamt nicht in D. Entwickelt) gleichgesetzt wird, wird das nix.
Die Artikel und Kommentare auf Portalen wie Zeit oder Welt online zu Tech-Themen, z.B. Tesla, SpaceX oder auch KI, sprechen Bände. In diesem Land wird das nix mehr, der Zug ist abgefahren. Religion scheint eh wichtiger zu werden als Wissen, aber lassen wir das.

Ein Wort noch zur KI: Es spricht einiges dafür, daß die Entwickung hier nicht linear abläuft, sondern exponentiell (das gilt übrigens auch für viele andere technische aber auch nicht-technische Entwicklungen). Bedeutet konkret: Gaaaanz lange passiert nix, schnarch.. dann beschleunigt sich das ganze und .. whoom. Lohnt sich, mal ergebnisoffen darüber nachzudenken, was das bedeuten könnte ...
Ich habe bisher KEINEN einzigen ergiebigen Text aus D. zu diesem wichtigen Zukunftsthema gefunden, dafür aber das hier:

https://waitbutwhy.com/2015/01/artifici ... ion-1.html
(Achtung, langer zweiteiliger Text auf englisch)

Es geht nicht darum, das alles unkritisch für bare Münze zu nehmen, aber die hier vorherrschende Haltung, das sei ja alles Quatsch, ist imho fatal.
Und ja, ich bin überzeugt davon, daß jemand wie Elon Musk weit mehr Ahnung von diesen Dingen hat als alle deutschen Neuland-Politiker zusammen, oder - sorry - die werten Forenten, mich eingeschlossen.




r.p.television
Beiträge: 2679

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von r.p.television » Mi 21 Feb, 2018 12:40

Das Wort "Digitalisierung" ist für mich ein Stellvertreterwort für die baldige Umstrukturierung von Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt, Verkehr, Bildung und Privatleben.

Der Arbeitsmarkt bzw. das Weltbild was wir von Großkonzernen haben wird sich laut zahlreicher Wirtschaftsexperten in den nächsten 15 Jahren drastisch verändern. So kann es gut sein dass es Firmen wie Daimler Benz vielleicht gar nicht mehr gibt weil die heutigen Entscheidungsträger alte Männer sind die heute schon die falschen Entscheidungen für die Interessen von Morgen treffen. Vielleicht wird Tesla der Automobilkonzern von morgen, vielleicht auch ein ganz anderer.
Die Generation der Auswendiglerner die heute unter den Führungsetagen sitzt wird abgelöst durch sehr viel weniger Experten, die innovativ sind und autodidaktisch das erlernen das gefragt ist. Bei den Führungskräften ist viel mehr gefragt jene Talente zu erkennen, zu fördern etc.
Der Immobilienmarkt wird sich im gewerblichen Bereich drastisch ändern. Beispiel: Heute noch sind in jeder Großstadt tausende von Quadratmetern für Aktenstapel im administrativen Arbeitsmarkt belegt. Die fallen bald weg. Hier trifft das Wort Digitalisierung sehr gut zu. Viele physikalischen Arbeitsplätze (ich spreche nicht von Arbeitsstellen) im administrativen Bereich werden wegrationalisiert weil entgegen früherer Denkweise nun doch sehr viel mehr Heimarbeit gefördert wird. Auch aus ökologischen Gründen. Warum Millionen von Pendlern durch den Asphaltdschungel quetschen wenn er daheim mit niedrigstem Einsatz das selbe oder gar mehr tun kann? Ohne dass Kosten für Geschäftsräume für den Konzern anfallen. Mit entsprechender Infrastruktur wie Kantine, Parkhäuser etc etc.
Fließbandarbeit wird nur noch durch ein Minimum von echten Menschen durchgeführt werden. Gefragter sind bald Leute die solche Fertigungsstrassen planen, warten und überwachen.
Beim Bildungsweg MUSS sich vieles ändern. Das Auswendiglernen von Heute ist die Arbeitslosigkeit von Morgen. Die Leute müssen dazu getrimmt werden zu erkennen welches Potenzial in ihnen selbst schlummert. Sie müssen lernen dieses Potenzial fachgerecht zu nutzen und autodidaktisch Wissen aufzubauen. Natürlich schon mit Unterstützung durch Lehrkörper, aber komplett anders strukturiert. Workshops, Kurse. Videotutorials werden viele Lehrer ersetzen. Das Internet kann viel schneller auf Modernisierung reagieren wie Bücher die schon im Moment des Drucks veraltet sind. Gerade Sachbücher für den technischen Bereich die in den Schulen im Umlauf sind sind lächerlich veraltet und machen den Spruch "Nicht für das Leben sondern für die Schule lernen wird" zur Absurdität. Was bleiben wird sind Erlernen von Grundwissen sowie Fremdsprachen.
Stichwort Verkehr: Auch hier wird vieles anders werden. Vernetzte Ampeln die auf das Verkehrsaufkommen reagieren gibt es zwar schon heute, aber in Zukunft mehr. Stichwort autonomes Fahren: Hier bedarf es vorallem gesetzliche Anpassungen. Die Sensorik wird in wenigen Jahren fehlerfreiere Fahrten garantieren können als die statistische Mitte der heutigen Selbstfahrer. Eventuell wird man dann auch erkennen dass das übersubventionierte Geldgrab "Deutsche Bahn" beerdigt werden kann, weil individualisierter Verkehr auf der Straße doch billiger ist und unterm Strich sogar ökologischer. Mehr Geld für breitere Straßen mit Extraspuren für Busse und Lastwägen könnten dann monetär realisiert werden wenn Subventionen für die Bahn nicht weiter zur Last fallen.




dosaris
Beiträge: 411

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von dosaris » Mi 21 Feb, 2018 12:51

r.p.television hat geschrieben:
Mi 21 Feb, 2018 12:40
.. "Digitalisierung" ist für mich ein Stellvertreterwort für die baldige Umstrukturierung von Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt, Verkehr, Bildung und Privatleben.

Der Arbeitsmarkt bzw. das Weltbild was wir von Großkonzernen haben wird sich laut zahlreicher Wirtschaftsexperten in den nächsten 15 Jahren drastisch verändern.
kürzer gefasst als

vierte industrielle Revolution

subsumiert




cantsin
Beiträge: 4502

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von cantsin » Mi 21 Feb, 2018 13:08

Alf_300 hat geschrieben:
Mi 21 Feb, 2018 12:54
Der Staat wird solange bremsen bis er Jobs für 80% Kleingehirne gefunden hat.
Es gibt unglaubliche bis skandalöse Unterbesetzungen in sozialen Berufen, in der Pflege, im Bildungssystem und in der Forschung, um nur mal diese Beispiele zu nennen: Zu wenige Leute, die sich kaputtarbeiten, um ihrem gesellschaftlichen Auftrag noch halbwegs gerecht zu werden.

In den Schulen müssten eigentlich, wie in Finnland, zwei Lehrer und ein Sozialarbeiter vor jeder Klasse stehen. Die Universitäten wurden jahrzehntelang auf Unterkapazität (mit bis zu doppelter Belegung der Studienplätze) gefahren, weil demografische Modelle das Aussterben der Studenten durch Geburtenrückgang vorhergesagt haben - doch das Gegenteil trat ein. An deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten gibt es Festanstellungen nur für Professoren und hochqualifizierte Leute, die sich jahrezehntelang von befristeter Projektstellen zu Projektstelle hangeln (oder, wie ich, einfach ins Ausland gehen, wo die Bedingungen besser sind).

Das Problem war nur eine Politiker- und Managergeneration, die einseitig auf Industriearbeitsplätze fixiert war und für die das Internet Neuland ist. Wundert einen ja auch nicht, wenn - wie vorgestern in einem Artikel stand -, die CDU nur die Hälfte ihrer Mitglieder per E-Mail erreichen kann. Insofern ist das schon ein Fortschritt, dass das Thema überhaupt im Koalitionsvertrag gelandet ist.




Starshine Pictures
Beiträge: 2128

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Starshine Pictures » Mi 21 Feb, 2018 13:42

Universität und Realität sind aber verschiedene Welten. Klar kann man die tollsten Dinge erforschen und für möglich halten. Aber da kommt dann eben noch ganz viel Realität dazwischen. Wer investiert in Sensormülltonnen? Wer baut und pflegt die Infrastruktur? Da gehören ja nicht nur die Sensoren dazu sondern auch die Funkübertragung und das Rechenzentrum. Wer supportet die Software? Was kosten die Softwarelizenzen? Und das soll am Ende alles billiger sein als ein Müllmann der hinten auf der Karre steht und analog in die Tonnen guckt?

Das selbe mit dem autonomen Gefahre. Da will man den öffentlichen Verkehr mit E-Bussen ausstatten die dann ohne Fahrer durch die Stadt cruisen. Da gibt es wieder das selbe Problem. Können das die Busse allein oder benötigen sie weitere Sensoren in den Strassen um beispielsweise knifflige Ecken zu bewältigen. Was macht der Bus wenn die Oma nicht schnell genug ist oder der Turnbeutelvergesser noch von hinten angewetzt kommt? Wartet er dann wie es die freundliche Busfahrerin tun würde? Wie werden die Busse geladen? Woher kommt die Unmenge an Strom dafür? Und auch hier wieder Support, Software, Rechenzentren usw. Und das soll am Ende alles billiger sein als ein Busfahrer?

Ausserdem muss man erwähnen dass es eben nicht überall so geniale IT‘ler wie vielleicht an der Uni oder bei den Grosskonzernen gibt. Da wird so ein Mammutprojekt gern mal an die Wand gefahren. Bestes Beispiel ist mein Arbeitgeber, das Kantonsspital St. Gallen. Unsere IT‘ler sind in der gesamten Ostschweiz schon zur Lachnummer verkommen. Wir haben es tatsächlich geschafft 100.000.000 Schweizer Franken (ja, Einhundertmillionen!) aus Steuergeldern für unsere Software zur Vernetzung der Spitalregion auszugeben. Und es funktioniert immer noch nicht! Wir müssen Patienten die wir von der Inneren Medizin auf die Chirurgie verlegen komplett austreten lassen, mit Arztbrief und allem Brimborium, dann schieben wir den 20m rüber ins andere Haus und dort muss er wieder komplett von vorn aufgenomen werden! Einfach weil die Software das nicht mit macht. Aktueller Status des Projektes: To big to fail. Man muss es jetzt also weiter durchziehen weil schon zu viel Geld verlocht wurde.


Grüsse, Stephan




Axel
Beiträge: 12058

Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Axel » Mi 21 Feb, 2018 14:48

cantsin hat geschrieben:
Mi 21 Feb, 2018 12:02
Der in Deutschland gebrauchte Terminus "Digitalisierung" ist etwas altmodisch und missverständlich, weil man dabei eigentlich an die Digitalisierung von ehemals analoger Information denkt, die praktisch abgeschlossen ist ...
Nur ein Beispiel von vielen: das Gesundheitswesen. Milliarden und Abermilliarden werden jährlich durch Ineffizienz verschleudert. Laboranalysen werden von Menschen unter Zeitdruck (Ärzten) auf Verdachtsdiagnosen hin kurz überflogen, fahrig interpretiert - und verschwinden anschließend in digitalen oder pappenen Ordnern, dieser Unterschied ist akademisch. Anstatt, wie es in diesem Fall wünschenswert wäre, den gläsernen Kranken überall hin zu begleiten, interpretiert mit allen verfügbaren Daten, inklusive der Biographie, Anamnese seit Geburt und Gewohnheiten, von medizinischen Programmen, die allein in der Lage wären, das komplexe Gesamtbild zu erfassen, natürlich trotzdem mit angemessenem Datenschutz.

Das ist nicht komplett Science Fiction, sondern existiert in Einzelfällen. Software meldet Kontraindikationen bei möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, ermittelt Risikofaktoren, solch kleines Hickhack. Zuende gedacht, geplant (Infrastruktur, rechtliches), programmiert und ausgeführt hätte das bis dato unabsehbare Konsequenzen. Nicht zuletzt für den Ärztestand, der irgendwann zum Handlanger "HALs" degradiert würde. Götter in Weiß? Pfff ...

Wie gesagt, ein Beispiel von vielen. Die Entwicklung wurde verschlafen oder absichtsvoll verschleppt.
strassenfilm hat geschrieben:Es spricht einiges dafür, daß die Entwickung hier nicht linear abläuft, sondern exponentiell (das gilt übrigens auch für viele andere technische aber auch nicht-technische Entwicklungen). Bedeutet konkret: Gaaaanz lange passiert nix, schnarch.. dann beschleunigt sich das ganze und .. whoom.
Nehmen wir an, die technischen Voraussetzungen könnten im Hauruck-Verfahren geschaffen werden (Merkels Lieblingsthema: schnelleres Internet). Was fehlt, ist das Konzept für den sozialen Umbau. Genauer gesagt, das humanistische Konzept. Und hier befindet sich doch unsere Gesellschaft und die Politik im tiefsten Dornröschenschlaf. Sozial- Renten- und Arbeitslosenversicherung, wie angesprochen Schul- und Berufsausbildung: alles auf, äh, Industrie Beta 1.2.

Digitalisierung mag als Begriff entweder schon überholt sein (cantsin) oder als albernes, unverstandenes Buzzword (Frank Glencairn) missbraucht. Egal. Wir befinden uns tatsächlich in einer neuerlichen industriellen Revolution, die der aus dem 19. Jahrhundert darin in nichts nachsteht, wie sie das Leben des Einzelnen verändern wird. Die Fabriken und internationalen Märkte brachten den Menschen vor 200 Jahren (und fortdauernd bis heute) und dem Planeten insgesamt nicht nur Wohlstand und Freiheit. Bismarcks Sozialgesetze gelten bis heute als große Errungenschaft, und Schröder rühmt sich mit der Agenda 2010 als mutiger Erbe Bismarcks. Aber Historiker sind sich heute einig, dass sie aus der Not geboren waren, Schlimmeres zu verhindern. Notlösungen.

Wir sollten anfangen, Fragen zu stellen. Wozu soll das Ganze dienen? Profitieren wir davon? Wie wollen wir in Zukunft leben?
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...




tom
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Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von tom » Mi 21 Feb, 2018 15:01

Die CO² Diskussion findet sich hier wieder:
viewtopic.php?f=17&t=140467
slashCAM




Peppermintpost
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Re: Diskussionen im TV: Was ist eigentlich diese Digitalisierung!?

Beitrag von Peppermintpost » Mi 21 Feb, 2018 15:48

Was mich an der Digitalisierungs Diskussion stört, egal ob von Politikern oder von Precht ist diese Projektion in die Zukunft.
Die Digitalisierungläuft doch schon seit mindestens 30 Jahren und sie macht sich halt immer stärker bemerkbar.

Bei dieser ganzen digatalisierungs Diskussion gehen alle immer von einem iRobot Szenario aus das von einem Tag zum nächsten eintritt.
Das ist natürlich blödsinn und wird so nicht passieren. Das ist ein schleichender Prozess, genau wie bei der Industriellen Revolution. Da hätte sich auch kaum jemand gedacht das ein paar Jahrzehnte (2 Jahrhunderte) plötzlich 7 mal so viele Menschen auf der Welt leben und 80 oder 90% (kenne die genaue Zahl nicht) nicht mehr auf dem Land sondern in Städten leben. Aber genau das ist nunmal passiert und das hat sich ja nicht ganz langsam über 2 Jahrhunderte aufgebaut sondern ist irgendwann relativ sprungartig in relativ wenig Jahrzehnten passiert.

Wir sind mit der Digitalisierung auch genau in dieser Phase, und ich persöhnlich würde den Startschuss irgendwann in den 60ern evtl 70ern sehen. Auch wenn die digitale Welt mit 0 und 1 funktioniert, die soziale Welt tut das nicht, da entwickeln sich Dinge. In den 60ern und 60ern hat eine Sekretärin jeden Brief, jedes Memo, jeden Scheissdreck händisch geschrieben. War ein Fehler drin konnten die von vorne anfangen. Heute hat jede Sekretärin einen Computer, braucht die 20 Kopien tippt sie ins Druckfeld eine 20 und das war es dann auch. Die gleiche Sekretärin wäre mit der gleichen Aufgabe in den 60ern noch mehrere Stunden beschäftigt gewesen. Kurz bevor ich mit meinem Medienschaffen angefangen habe wurden Spielfilme noch am Steenbeck geschnitten, ich hab mit Avid angefangen. Klar machte und macht der Avid den Film nicht automatisch, aber es geht halt mit mindestens dem halben Arbeitsaufwand und dazu auch noch mit billigerem Personal weil man ja immer alles ändern kann. Genau das ist doch schon digitalisierung. Es ist doch nicht erst dann tragisch wenn 100% der Arbeit automatisiert wird, 30% Automation ist doch Gesellschaftlich kaum noch kompensierbar.
Aber auch 100% Automation bzw wegfall der Jobs können wir uns ja jetzt schon ansehen. Es gibt jede Menge Jobs nicht mehr die vor 30 Jahren noch als gute Idee erschienen. Frag mal die Jungs von Kodak, die haben bestimmt ein paar Beispiele.

Wenn wir uns die Beschäftigungsverhältnisse ansehen, dann gibt es doch fast jeden Abend irgend eine Talkshow die über prekär Beschäftigte spricht. Klar noch sind unsere Arbeitslosen Quoten noch relativ niedrig, aber das liegt doch zu ganz grossen Teilen daran das wir uns die Sache zurecht schönen das sich die Balken biegen. Wer Arbeitslos ist und mit einem Schnupfen zum Arzt geht wird für 3 Wochen aus der Statistik raus gerechnet. Wer eine Umschulung macht wird raus gerechnet, wer einen 400€ Job macht und dennoch Hartz4 bezieht wird raus gerechnet usw. Precht und andere sprechen über das bedingungslose Grundeinkommen, das haben wir doch längst, hätten wir es nicht würde morgen neu gemischt. Das sind doch alles Auswirkungen der Digitalisierung die schon stattgefunden hat. Evtl gibts irgendwann den grossen Knall bei der KI und wir werden wirklich alle über Nacht obsolet, vieleicht auch nicht, das ist im Bereich der Spekulation, aber das die Digitalisierung weiter voranschreitet ist doch offensichtlich.

Ein letzter und ganz wichtiger Punkt ist "Wegfall der Arbeitsplätze durch Industrialisierung". Hier hört man ja ständig das Argument das die Arbeitsplätze in der Vergangenheit ja nicht weggefallen sind sondern sich nur verlagert haben. Das ist auch zweifelsfrei richtig, was allerdings mit der Industrialisierung parallel verlaufen ist ist die Globalisierung. Mit der Dampfmaschiene kam halt auch die Eisenbahn und Dampfkraft bei den Schiffen, dann Autos, Flugzeuge, Ozeanriesen, dann sind als letzter Schritt die ganzen Handelsschranken gefallen und die allerletzten fallen jetzt gerade, auch wenn Trump TTIP noch 3 weitere Jahre blocken kann, in spätestens 10 Jahren ist das da, genau wie die neue Seidenstrasse. D.H. der Wegfall der Jobs wurde ja ständig mit Erweiterung der Märkte kompensiert was wieder zu höherer Nachfrage geführt hat und neue Jobs geschaffen hat. Aber der Zug ist doch am Ende. Die ganze Welt ist durchglobalisiert. Wenn wir also nicht möglichst schnell ein paar Marsianer entdecken mit denen wir handeln können, dann ist Ende mit Wachstum (von unseren Rohstoffen mal ganz abgesehen). Wir sind doch jetzt schon so verzweifelt das wir unsere Produkte verschenken, es geht doch schon lange nicht mehr darum Autos zu verkaufen, es geht nur noch darum sie zu produzieren um das Rad am laufen zu halten.

Wir sind am Arsch, Precht hat unrecht, wir werden nicht erst irgendwann in der Zukunft auf Probleme stossen, die Probleme sind längst da und wir haben keine Idee wie wir damit umgehen sollen.
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