cantsin hat geschrieben: ↑Mo 05 Jan, 2026 13:31Nicht die Interfaces sind Bullshit, sondern die Umsetzung… bla…
Interessant ist, dass du hier eigentlich zwei völlig widersprüchliche Apple-Narrative gleichzeitig verwendest. 🤦🏼♂️ Einerseits sagst du, Apple habe historisch nie unreife Technologien selbst auf den Markt gebracht, sondern andere machen lassen und sei dann erst mit runden Produkten eingestiegen. Andererseits führst du den
Newton als Gegenbeispiel an – also genau den Fall, in dem Apple sehr wohl früh eine Plattform gebaut hat, inklusive OS, UI und neuer Interaktionsmodelle.
Der Newton ist aber kein Beweis
gegen solche Vorstufen, sondern eher
dafür, dass Apple genau daraus gelernt hat. Dass Jobs ihn gekillt hat, lag weniger an der Idee als an der damaligen Lage des Unternehmens und der technischen Unreife! Die Konzepte verschwanden ja nicht – sie reiften weiter und tauchten später in deutlich besser geeigneter Hardware wieder auf.
Vision Pro passt auffallend
gut in dieses Muster: kein Konsumprodukt, sondern ein bewusst überdimensionierter Technologieträger, um Interaktion, Wahrnehmung und räumliche UI überhaupt erst systematisch zu entwickeln. Dass AR aktuell noch in einem VR-Formfaktor realisiert wird, ist kein konzeptioneller
Fehler, sondern eine
physikalische Notwendigkeit! Echte, leichte AR-Hardware ist derzeit schlicht noch nicht mit diesem Funktionsumfang und dieser Qualität machbar. Geräte wie zB die Galaxy XR zeigen, wie weit man heute kommen kann – sie bestätigen aber eher die
Richtung als dass sie das Grundproblem von Optik, Energiebedarf und Rechenleistung bereits lösen.
Der Unterschied zu „Apple wartet ab und steigt später ein“ ist hier eher strategisch als grundsätzlich: Apple wartet diesmal nicht, weil sie die Plattform selbst definieren wollen, statt sie von Meta, Microsoft oder anderen festgelegt zu bekommen. Das erklärt auch das eigene Betriebssystem und den enormen Aufwand.
Und der Vergleich mit LLMs passt nur bedingt: Dort geht es um Software, die auf vorhandener Hardware skaliert. Bei räumlichem Computing ist die Hardware selbst der limitierende Faktor. Dass man diese Grenze aktiv erforscht, statt auf ein Wunder zu warten, wirkt weniger wie ein Fehlgriff als wie langfristige Plattformarbeit.
TheBubble hat geschrieben: ↑Mo 05 Jan, 2026 15:50
Ob sich dieser Erfolg der stetigen Weiterentwicklung irgendwann gepaart mit einer ähnlich zugstarken Anwendung auch im VR-Bereich durchsetzt, kann nur die Zukunft zeigen… etc.
Ähm… der Punkt mit dem „
visuellen Spektakel“ als Maßstab greift ausgerechnet bei
Apple zu kurz. Gaming ist für Vision Pro ziemlich offensichtlich
nicht der zentrale Treiber. Ja, es gibt Spiele, ja, es gibt inzwischen Controller-Support – aber eher als
Zugeständnis an Erwartungen, nicht als
Kernstrategie.
Apple denkt Vision Pro konsequent als Mobile Computing ohne Bildschirm. Fenster, Apps, Multitasking, Medien, Kommunikation, Präsenz. Das erklärt auch, warum Auflösung, Textschärfe, Latenz und Eye-Tracking so priorisiert sind – und nicht rohe 3D-Grafikleistung. Wobei auch die schon
extrem gut ist!
Genau da liegt auch der Unterschied zu vielen anderen Headsets: Die versuchen, sich über
Gaming zu legitimieren, weil das der naheliegendste Use Case ist. Apple umgeht das komplett und zielt auf alltägliche Computing-Szenarien. Und ja: In genau diesem Bereich – echtes mobiles, räumliches Computing – wirken zB aktuelle Galaxy-Ansätze im Vergleich noch erstaunlich unreif, um es Milde auszudrücken. Viel Feature-Checkliste, wenig kohärentes Nutzungskonzept. Zum Beispiel bei einem der Kernfunktionen wie das koppeln mit einem (Samsung eigenen!) PC scheitert die Galaxy Brille im Vergleich
absolut kläglich. Bei der VP ist es wiederum ein absolut
zentraler Use Case.
Dass sie nun Controller wie PSVR2 unterstützen, wirkt eher pragmatisch als visionär – ein „
okay, nehmt es halt mit 🙄“, nicht der eigentliche Fokus.
Was Tragekomfort, Gewicht und Preis angeht: bedingte Zustimmung. Damit das für
alle alltagstauglich(er) wird, muss es halt leichter, günstiger und sozial akzeptabler werden. Aber genau deshalb wirkt Vision Pro eher wie ein Startpunkt als wie ein fertiges Produkt. Niemand erwartet, dass Version 1 das Problem löst – sie
definiert es erst.
Schwierig ist es definitiv. „Fast unüberwindbar“ wäre es nur dann, wenn man davon ausgeht, dass der heutige Formfaktor und die heutige Nutzung schon das Ziel sind. Danach sieht es bei Apple allerdings
nicht aus. Das ist nur wieder das typisch zynische Wunschdenken der üblichen Verdächtigen.