cantsin
Beiträge: 3712

Re: Black Magic Pocket Cinema Camera Colour Grading Test

Beitrag von cantsin » Sa 21 Mär, 2015 18:36

Crytek09 hat geschrieben:
so einen Look finde genial ^^
Bin weder Colorist, noch Beleuchter, daher ist meine Aussage mit Vorsicht zu geniessen: Wenn Du mal Deine obige Porträtaufnahme mit einem ähnlichen Motiv aus dem Film vergleichst, dann fürchte ich, dass man auch mit den besten Resolve-Kenntnisse das nicht hinkriegt - einfach weil das Licht bei Deiner Aufnahme vergleichsweise zu schlecht war: Das Gesicht Deines Protagonisten ist zu zwei Dritteln durch die Schirmmütze verschattet, die Landschaft ist im grauen Winter und nicht im grünen Sommer. Bei dem französischen Film wurden von zwei Seiten Licht bzw. Reflektoren gesetzt, um das Gesicht aufzuhellen (siehe die Schatten auf dem Hemd). Beim Produktionsdesign wurde auf Komplementär-Farbkonstrate geachtet: Im Bild ist alles grün (inkl. der oliven Uniformjacke und dem leichten Farbstich des weissen Hemds) bis auf den orangenen Hautton des Gesichts und die violetten Blüten im unscharfen Vordergrund. Dein Darsteller trägt dazu noch Kamera-unvorteilhafte Kleidung (schwarze Textilien, die nie richtig schwarz sind und ausserdem farbige Moirémuster erzeugen). Bei Dir steht der Darsteller mittig; bei der Bildkomposition des französischen Films wurde die "Rule of Thirds" berücksichtig, mit dem Darsteller im linken Drittel des Bilds und Blickrichtung in die offenen zwei andere Drittel.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Kamera ist nur ein kleiner, oft masslos überschätzter Faktor des "Kinolooks"...
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Crytek09
Beiträge: 69

Re: Black Magic Pocket Cinema Camera Colour Grading Test

Beitrag von Crytek09 » Sa 21 Mär, 2015 19:37

cantsin hat geschrieben:
Crytek09 hat geschrieben:
so einen Look finde genial ^^
Bin weder Colorist, noch Beleuchter, daher ist meine Aussage mit Vorsicht zu geniessen: Wenn Du mal Deine obige Porträtaufnahme mit einem ähnlichen Motiv aus dem Film vergleichst, dann fürchte ich, dass man auch mit den besten Resolve-Kenntnisse das nicht hinkriegt - einfach weil das Licht bei Deiner Aufnahme vergleichsweise zu schlecht war: Das Gesicht Deines Protagonisten ist zu zwei Dritteln durch die Schirmmütze verschattet, die Landschaft ist im grauen Winter und nicht im grünen Sommer. Bei dem französischen Film wurden von zwei Seiten Licht bzw. Reflektoren gesetzt, um das Gesicht aufzuhellen (siehe die Schatten auf dem Hemd). Beim Produktionsdesign wurde auf Komplementär-Farbkonstrate geachtet: Im Bild ist alles grün (inkl. der oliven Uniformjacke und dem leichten Farbstich des weissen Hemds) bis auf den orangenen Hautton des Gesichts und die violetten Blüten im unscharfen Vordergrund. Dein Darsteller trägt dazu noch Kamera-unvorteilhafte Kleidung (schwarze Textilien, die nie richtig schwarz sind und ausserdem farbige Moirémuster erzeugen). Bei Dir steht der Darsteller mittig; bei der Bildkomposition des französischen Films wurde die "Rule of Thirds" berücksichtig, mit dem Darsteller im linken Drittel des Bilds und Blickrichtung in die offenen zwei andere Drittel.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Kamera ist nur ein kleiner, oft masslos überschätzter Faktor des "Kinolooks"...
Danke für die Infos mit den Luts super Sache, ich muss gestehen das ich mich damit noch nicht richtig auseinandergesetz hatte aber ich habe es jetzt verstanden. Das mit dem Licht ist ganz klar das es ohne Lichttechniker nicht geht :) Dennoch habe ich schon ein paar Kurzfilme gesehen wo auch nur mit dem vorhanden Licht super Aufnahmen im Kinolook entstanden sind. Mein erster richtiger Kurzfilm der diesen Sommer gedreht wird, werde ich mir auch defintiv Leute die sich mit Licht auskennen mit ins Boot holen :) Nochmals vielen Dank !




Crytek09
Beiträge: 69

Re: Black Magic Pocket Cinema Camera Colour Grading Test

Beitrag von Crytek09 » Mo 23 Mär, 2015 16:00

Hab jetzt nochmal ein bischen nach deinen Tipps gegradet, ist noch nicht Perfekt aber sieht schon mal besser aus als vorher finde ich.

https://vimeo.com/groups/colorgrading/videos/122978546




Axel
Beiträge: 11668

Re: Black Magic Pocket Cinema Camera Colour Grading Test

Beitrag von Axel » Mo 23 Mär, 2015 16:47

@Crytek09:
Du hast es raus. Dein Grading finde ich sogar einen Tick runder als das von cantsin, die Hautfarben etwas natürlicher und trotzdem das Licht etwas wärmer. Ich hatte zwischenzeitlich, wie versprochen, eine eigene Version gepostet, das Posting aber wieder gelöscht, weil das Ergebnis doch eher etwas schlechter war als cantsins. Wobei, wie gesagt, ich ja kein Colorist bin. Aber auch ich bin von etwas wärmerem Licht ausgegangen, da Sonnenstand und generelle Anmutung für mich "später Winter-Nachmittag" suggerierten.

Sehr gut finde ich deinen Schwenk. Ich hasse 90% aller Panoramaschwenks, weil die meisten Leute nicht gescheit schwenken können, aber gut gemacht finde ich Schwenks eigentlich super. Sehr unaufgeregter, aber nicht langweiliger "Test". Unspektakuläre, aber schöne Aufnahmen, gefällt mir sehr gut.
Crytek09 hat geschrieben:Das mit dem Licht ist ganz klar das es ohne Lichttechniker nicht geht :) Dennoch habe ich schon ein paar Kurzfilme gesehen wo auch nur mit dem vorhanden Licht super Aufnahmen im Kinolook entstanden sind. Mein erster richtiger Kurzfilm der diesen Sommer gedreht wird, werde ich mir auch defintiv Leute die sich mit Licht auskennen mit ins Boot holen :)
In der Situation würde ich Aufheller benutzen. Genauer gesagt einen großen Reflektor wie sowas. Gibt's auch in noch größer. Den muss natürlich jemand hochhalten, und zwar so, dass die Sonne auf das Gesicht (dessen Schattenseite) zurückreflektiert wird. Gegenüber einer starren Reflektionsfläche (auch beliebt: Styroporplatten) bieten diese runden Dinger den Vorteil, dass man sie konkav gebogen halten kann und so das reflektierte Licht zusätzlich bündelt. Gegenüber LED-Aufhellern bieten sie den großen Vorteil, dass automatisch die Lichtfarbe stimmt (vorausgesetzt, man verwendet silber oder weiß) und die Lichtintensität. Diese ist einerseits automatisch etwas geringer als die direkte Sonne, aber ausreichend, um die Schatten hinreichend zu mildern. Außerdem, klar, lassen sie sich besser transportieren und sind billiger in der Anschaffung. Fast mein gesamtes LED-Licht habe ich zwischenzeitlich wieder verkauft. Bei DSLR fiel es mir nicht auf, aber bei guter Farbtiefe fällt das schlechte Farbspektrum (zumindest meiner älteren Lampen) sofort in's Auge.




Stephan82
Beiträge: 733

Re: Black Magic Pocket Cinema Camera Colour Grading Test

Beitrag von Stephan82 » Mo 23 Mär, 2015 16:56

Was man auch nicht vergessen sollte ist, dass zum Filmlook nicht nur Licht und Grading gehört, sondern auch Bildkomposition, Kameraführung und Schnitt. Das sind drei ganz wichtige Faktoren, die sehr oft vernachlässigt werden.

Habe anfangs auch gedacht: "Ach, ich stell mal ne Cam auf ein Stativ und lege dann Filmconvert übers Videomaterial und es sieht geil aus". Habe mich dann gewundert, warum es so langweilig wirkt. Antwort: Keine Kamerabewegung! Finde, dass "filmische" Kamerabewegungen (Slider-Shots, Dolly-Shots, Stabilisierte Slow-Motion, sanfte Schwenks etc.) einen Großteil des Looks ausmachen. Es gibt etliche Methoden gewünschte Stimmungen oder Emotionen für eine Szene durch richtige Kameraführung und -Position herzustellen und zu verstärken. Da gibt es viel zu lernen. Mache ich auch gerade ;)

Hier mal ein paar Bsp. :










Crytek09
Beiträge: 69

Re: Black Magic Pocket Cinema Camera Colour Grading Test

Beitrag von Crytek09 » Mo 23 Mär, 2015 23:04

Axel hat geschrieben:@Crytek09:
Du hast es raus. Dein Grading finde ich sogar einen Tick runder als das von cantsin, die Hautfarben etwas natürlicher und trotzdem das Licht etwas wärmer. Ich hatte zwischenzeitlich, wie versprochen, eine eigene Version gepostet, das Posting aber wieder gelöscht, weil das Ergebnis doch eher etwas schlechter war als cantsins. Wobei, wie gesagt, ich ja kein Colorist bin. Aber auch ich bin von etwas wärmerem Licht ausgegangen, da Sonnenstand und generelle Anmutung für mich "später Winter-Nachmittag" suggerierten.

Sehr gut finde ich deinen Schwenk. Ich hasse 90% aller Panoramaschwenks, weil die meisten Leute nicht gescheit schwenken können, aber gut gemacht finde ich Schwenks eigentlich super. Sehr unaufgeregter, aber nicht langweiliger "Test". Unspektakuläre, aber schöne Aufnahmen, gefällt mir sehr gut.
Crytek09 hat geschrieben:Das mit dem Licht ist ganz klar das es ohne Lichttechniker nicht geht :) Dennoch habe ich schon ein paar Kurzfilme gesehen wo auch nur mit dem vorhanden Licht super Aufnahmen im Kinolook entstanden sind. Mein erster richtiger Kurzfilm der diesen Sommer gedreht wird, werde ich mir auch defintiv Leute die sich mit Licht auskennen mit ins Boot holen :)
In der Situation würde ich Aufheller benutzen. Genauer gesagt einen großen Reflektor wie sowas. Gibt's auch in noch größer. Den muss natürlich jemand hochhalten, und zwar so, dass die Sonne auf das Gesicht (dessen Schattenseite) zurückreflektiert wird. Gegenüber einer starren Reflektionsfläche (auch beliebt: Styroporplatten) bieten diese runden Dinger den Vorteil, dass man sie konkav gebogen halten kann und so das reflektierte Licht zusätzlich bündelt. Gegenüber LED-Aufhellern bieten sie den großen Vorteil, dass automatisch die Lichtfarbe stimmt (vorausgesetzt, man verwendet silber oder weiß) und die Lichtintensität. Diese ist einerseits automatisch etwas geringer als die direkte Sonne, aber ausreichend, um die Schatten hinreichend zu mildern. Außerdem, klar, lassen sie sich besser transportieren und sind billiger in der Anschaffung. Fast mein gesamtes LED-Licht habe ich zwischenzeitlich wieder verkauft. Bei DSLR fiel es mir nicht auf, aber bei guter Farbtiefe fällt das schlechte Farbspektrum (zumindest meiner älteren Lampen) sofort in's Auge.
Danke, ich habe ein paar Reflektoren von Quenox aber die waren noch nie im Einsatz. Werde die demnächst aber mal testen. Für das nächste Projekt werde ich mir aber trotzdem professionelle Hilfe dazu holen, was muss das muss :)

@Stephan82

Da hast du völlig Recht das gehört natürlich auch dazu. Es muss einfach alles passen. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem noch der Ton, allgemein die ganze Tongestaltung muss stimmen.




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