Es ist schon fast unheimlich, mit welchen technischen Neuerungen wir in die zweite Hälfte der 2020er Jahre starten. Da gibt es ein Telefon, welches mit seiner Kamera und einer externen USB-Speicherlösung 4K-RAW Datenströme mit bis zu 60P aufzeichnen kann. Und das in einer digitalen Bildqualität, die vor 10 Jahren nur den teuersten Filmproduktionen zugänglich war. Oder sogar besser als manche Profi-Kameras der heutigen Zeit?
Rolling Shutter iPhone 17 Pro Max
Der Rolling Shutter ist jedenfalls Spitzenklasse: Die Zeiten des Sensors hinter der 24mm Hauptkamera -die mit 24-60 fps in 4K RAW mit 4224 x 2240 Senseln ausgelesen werden kann - liegen bei erstaunlichen 2,3 Millisekunden. Im neu ermöglichten Open Gate Modus mit 4224 x 3024 Senseln steigt dieser Wert auf nicht weniger fantastische 3,1 Millisekunden. Derartige Zahlen können aktuell fast nur Global Shutter Kameras toppen - mit den zugehörigen Einbußen bei der Dynamik. Somit setzt sich das iPhone 17 Pro Max beinahe an die Spitze aller von uns getesteten Rolling Shutter Kameras und wird nur von einer Sony Venice 2 übertroffen, die ein S35-6K-Fenster mit 5792 x 3056 Senseln bei 24-60fps in 2,1 Millisekunden auslesen kann.
4K Debayering iPhone 17 Pro Max
Beim 4K-Debayering tut sich mit der externen ProRes RAW Aufzeichnung ebenfalls einiges und das iPhone liefert hier trotz eines 1:1 Readouts ein interessantes Debayering-Ergebnis:

In den feinsten Strukturen gehen die Aliasing-Störungen des 1:1 Readouts etwas gedämpft unter, was eine eher gefällige cinematische Anmutung unterstützt. ProRes RAW schärft somit wohl weniger stark nach als andere Codec-Dialekte im iPhone.
Dynamik iPhone 17 Pro Max
Die Überraschung der letzten iPhone Gerneration war ja deren ungewöhnlich hohe Dynamik beim Filmen. Das neue Modell 17 Pro Max setzt bei der ProRes RAW Aufzeichnung jedoch nochmal eins drauf...
Zur Einschätzung der Dynamik griffen wir ein weiteres mal auf unsere Augen-Testreihe zurück, die einen visuellen Vergleich zwischen diversen Kameras ermöglichen soll. Hierfür richten wir eine Testkasten-Szene mit festem Weißabgleich auf 3200K ein. Dann tasten wir uns mit Blende und Belichtungszeit an eine Einstellung heran, in der die Haut unseres Puppenkopfes nicht mehr clippt und setzen diese Einstellung als ETTR-0 fest. Von dieser Einstellung aus blenden wir sukzessive in Schritten von ganzen Blendenstufen ab (primär über die Belichtungszeit und dann - falls anschließend noch weiter notwendig - über ND-Filter oder Blendenring.)
Um beim iPhone auszuschließen, dass nicht eine unbemerkte ISO-Kompensation oder ähnliches eventuell bei der Belichtung zwischen den Blendenstufen "pfuscht", haben wir auch diesmal ausschließlich über eine Veränderung der Belichtungszeit gemessen und alle anderen Parameter fest gelockt. Dies hatte zur Folge, dass wir nur 8 ETTR-Stufen aufzeichnen konnten, diese jedoch sicher auch den "Abstand" einer Blendenstufe besitzen.
Die hierbei entstandene Blendenreihe endet also auch wieder früher als die Blendenreihen anderer Kameras. Aufgenommen haben wir ein weiteres Mal mit der Blackmagic Camera App, diesmal jedoch in ProRes 422 RAW unter Apple Log 2.
Zum Vergleich haben wir unsere Testreihe des technisch ähnlichen iPhone 16 Pro Max (in ProRes 422 unter Apple Log), sowie die Blackmagic Cinema Camera 4K (BMPCC 4K), die seit kurzem ebenfalls die Aufzeichnung in ProRes RAW ermöglicht und somit ein besonders gutes Vergleichsobjekt darstellt. Außerdem läuft als Dynamik-Referenz noch die Canon C70 mit.
Vorhang auf:
Durch die ProRes RAW Aufzeichnung verbessert sich die erzielbare Bildqualität enorm. Gegenüber dem typischen "Pastellisieren" bei vielen Smartphone-Codecs (wie auch beim iPhone 16 in diesem Vergleich), zeigt sich die ProRes RAW Aufnahme wirklich unerwartet "sauber". Und ist damit durchaus vergleichbar mit der Qualität von Großsensor-Kameras mit teilweise weitaus größeren Senseln.
Trotz RAW-Aufzeichnung wird das Rauschen vor der Aufzeichnung allerdings relativ stark unterdrückt, was dem visuellen Dynamik-Ergebnis in unserem Testaufbau deutlich hilft. Damit schneidet das neue iPhone 17 Pro Max mit ProRes RAW hier besser ab als seine Vorgänger, bzw. andere Aufzeichnungsarten. Die eigentlich spezialisierte Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K fällt trotz größerem MFT-Sensor hier deutlich zurück und liegt - allerdings ohne starkes Denoising und Highlight Recovery - noch eine Blendenstufe hinter dem iPhone 17 mit ProRes RAW.
Apropos Highlight Recovery: Trotz der erstaunlichen Dynamikergebnisse greift Apple hier ebenfalls nicht (wie Nikon bei seiner ZR) auf eine Highlight Recovery zurück. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Apple einen Trick nutzt, bei dem der Sensor mit zwei Belichtungszeiten ausgelesen und das Bild anschließend durch eine Rekombination der Frames aus zwei Belichtungen generiert wird.


















