Um das herauszufinden haben wir das Sigma AF Cine 28-105mm T3 FF in der E-Mount Version an einer Sony FX9 getestet und auch einen kurzen Blick auf das Sigma AF Cine 28-45mm T2 FF geworfen:
Montiert haben wir das Sigma AF Cine 28-105mm T3 FF an der Sony FX9 inkl. Chrosziel Followfokus und unserer bewährten Vocas USBP-15 MKII Universal Shoulder Plate. Schnitt und Farbkorrektur erfolgten auf dem Redaktions Macbook Pro und dem Apple Studio Display XDR in DaVinci Resolve.
Handling und Verarbeitung
Die Verarbeitung der Sigma AF Cine Objektive ist auf gewohnt hohem Sigma-Niveau und damit hervorragend. Das Gehäuse besteht auf Metall und verfügt über Dichtungen gegen Staub und Spritzwasser. Mit von uns gewogenen 1.239g für das AF Cine 28-105mm T3 FF und 1.171g für das AF Cine 28-45mm T2 FF sind die AF Cine Objektive kaum schwerer als ihre Foto-Pendants.
Zoom, Blende und Fokus lassen sich alle über 0.8er Zahnkränze steuern (mehr zum manuellen Fokusverhalten im entsprechenden Fokus-Kapitel weiter unten).

Der Außendurchmesser beträgt 95mm, womit viele Standard-Clamp-On Mattboxen mit den Sigmas funktionieren (wir haben eine Clamp-On Mattebox von SmallRig genutzt) und auch wer lieber mit geschraubten Vario NDs unterwegs ist, wird mit dem 82mm Filtergewinde ebenfalls gut bedient. Da sich beim AF Cine 28-105mm T3 FF im Ggs. zum AF Cine 28-45mm T2 FF der Objektivtubus beim Zoomen verlängert, empfehlen wir hier keine Mattboxen auf Rods einzusetzen.

Wer komplexer riggen will oder muss, findet auf der Unterseite Gewinde für Stativaufnahmen / Objektivstützen.
AF-Betrieb
Zunächst zum Autofokus-Betrieb: Wir haben hier zwei Szenarien mit komplett geöffneter Blende und maximaler Brennweite bei 105mm getestet, um das AF-System maximal zu fordern.
Was uns beim Setup des Sigma AF Cine 28-105mm T3 FF an der Sony FX9 gut gefallen hat: Wenn man das Sigma mit dem seitlichen AF/MF Schalter auf AF lässt und dann einen Button der Sony mit AF/MF Wechsel belegt, kann man sehr schnell zwischen AF und MF-Betrieb mit dem Sigma AF Cine wechseln. Wir hatten hierfür den Button 4 am Sony Handgriff entsprechend belegt - für uns eine wichtige Funktion, die wir bei Sony Orginalobjektiven stets als erstes einrichten.

Beim ersten AF-Test-Szenario bewegt sich Caro mit kontinuierlich wechselnden Abständen mit normaler Schrittgeschwindigkeit vor der Kamera. Hier verhält sich das Sigma AF Cine 28-105mm T3 FF an der Sony FX9 auf dem gleichen, hohen Niveau wie wir es von anderen Sigma E-Mount Objektiven seit Jahren an Sony-Kameras gewohnt sind. Keine Fehlfokussierung und kein Pumpen – dafür ein zuverlässiges Facetracking mit präzisen Fokusübergängen auch bei kleinen Abstandsveränderungen.
Im zweiten Test lassen wir Caro auf die Kamera zurennen – erneut mit einer Offenen Blende T3.0 und maximaler 105mm Brennweite.

Auch hier performt das Sigma AF Cine 28-105mm T3 FF auf hohem Niveau und leitstet sich keine Aussetzer.
Damit überzeugt das Sigma AF Cine 28-105mm T3 FF mit einer sehr guten Autofokusleistung die sich auf dem gleichen Niveau befindet, wie entsprechende AF-DSLM-Objektive (inklusive angenehm leisem AF.Betrieb).
Umso gespannter waren wir auf das manuelle Fokussierverhalten des Sigma-Objektives denn hier fallen AF-DSLM-Optiken meistens gegenüber manuellen Cine-Objektiven ab.
MF-Betrieb
Das Hauptproblem von AF-Foto-Optiken, mit denen man versucht, manuell zu fokussieren, liegt einerseits in der teilweise recht hohen Latenz, mit der der Fokus by Wire Mechsnismus arbeitet und andererseits in einer häufig nicht reproduzierbaren Fokussierung bei der Endanschläge bzw. lineares Fokussierverhalten fehlt.

Auch die neuen Sigma AF Cine nutzen Fokus by Wire, um manuellen Fokus zu ermöglichen. Umso erstaunter waren wir hier, quasi keine Latenz bei der Fokussierung zu entdecken. Konstruktionsbedingt muss da zwar eine Latenz irgendwo im System stecken, doch bei unseren Tests haben wir keine gespürt oder gesehen. Tatsächlich scheint es Sigma bei seinen neuen AF Cine Objektiven geschafft zu haben, das Fokus by Wire System so effizient zu gestalten, dass im Fokussier-Betrieb quasi kein Unterschied zu rein manuellen Objektiven zu spüren ist. Ziemlich cool.

Darüber hinaus hat Sigma dem AF Cine 28-105mm T3 FF sowie dem AF Cine 28-45mm T2 FF mechanische Endanschläge spendiert, was wiederum definierte Distanzskalen am Objektiv und natürlich linear wiederholbare Fokussierungen ermöglicht.
Zusammen mit den integrierten 0.8er Zahnkränzen hat Sigma die für uns wichtigsten Funktionen eines manuellen Cine-Objektivs bei seiner AF-Cine Serie umgesetzt. Die manuelle Fokussierung erfolgt mit hoher Kontrolle und bemerkenswerter Präzision. Hut ab vor dieser Leistung.
Drehwinkel
Manuelle Drehwinkel sind eine Frage von individuellen Vorlieben. Persönlich machen wir Drehwinkel an der Art der Nutzung von Cine-Objektiven fest. Ist man mit größeren Teams und 1st AC unterwegs, schätzen wir eher größere Drehwinkel, weil man hier mehr Kontrolle hat und trotzdem größere Distanzen mit entsprechender Technik überbrückt bekommt.

Ist man hingegen als Solo-Shooter unterwegs und zieht selbst den Fokus, empfinden wir kleinere Drehwinkel als praktischer – doch das ist wie gesagt individuell recht unterschiedlich. Da hier mit Followfokus-Einheiten mit Zahnkränzen gearbeitet werden kann, lassen sich die Drehwinkel am Followfokus selbst zudem mit unterschiedlichen Übersetzungen individuell festlegen.
Die Sigma AF Cine Objektive verfügen über 200 Grad Drehwinkel und sind damit eher kürzer ausgelegt und (zumindest für uns) damit auch in erster Linie für kompaktere Setups ausgelegt.
Focus Breathing
Auch das Focus Breathing haben wir uns bei beiden Objektiven kurz angeschaut. Merkliches Focusbreating haben wir vor allem beim AF Cine 28-45mm T2 FF im Weitwinkelbereich beim kompletten Durchfokussieren festgestellt. Das dürfte zwar eher selten für die Praxis relevant sein, sei hier jedoch zumindest kurz erwäehnt.
Das AF Cine 28-105mm T3 FF zeigt eher geringes Fokusbreating. Wer häufiger Aufnahmen hat, bei denen über längere Distanzen Fokusverlagerungen benötigt werden, dürfte mit dem 28-105mm T3 FF hier gut bedient werden.
Parfokalität
Beide Objektive sind nicht 100% parfokal.
Wenn man jedoch vom manuell scharf gestellten Tele- in den Weitwinkelbereich zoomt, dürfte man wenig sichtbare Probleme mit der Parfokalität dieser Objektive haben. Für uns auf jeden Fall keine essentielle Einschränkung.
Fazit
Mit seiner neuen AF-Cine Vollformat Serie für L- und E-Mount Systeme hat Sigma hervorragende Objektive für die hybride Nutzung in sowohl manuellen Cine als auch AF-Setups geschaffen. Zu ihren Stärken zählen die sehr gute Verarbeitung, zuverlässige (leise) AF-Funktionen, die beste am Markt verfügbare Fokus-by-Wire Abstimmung, das damit einhergehende sehr gute manuelle Fokussierverhalten, die integrierten 0.8er Zahnkränze und - nicht zu vergessen - die bemerkenswert hohe Lichtstärke.
Im Hinterkopf sollte man behalten, dass die Sigma AF-Cine Zooms – wie ihre DSLM-Pendants – über keine interne Bildstabilisierung verfügen und dass man sich für ein Mount-System (E-Mount oder L-Mount) beim Kauf entscheiden muss.
Mit einer UVP von 3.299,- Euro pro Objektiv bietet Sigma – gerade auch im Vergleich zu anderen Cine Zooms - ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bei bemerkenswert breitem Einsatzspektrum. Klare Empfehlung von unserer Seite.




















