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Test : Nikon D7000 – Nikons bester Videowurf

von Sa, 8.Januar 2011 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Handling
  Aus dem Messlabor
  Reallive Aufnahmen
  Fazit



Handling



Im Vergleich zu seinen bisherigen Consumer-DSLRs vom Schlage einer Nikon D90 hat Nikon einige wesentlichen Neuerungen in die Nikon D7000 integriert: stabileres Metallgehäuse aus einer Magnesiumlegierung, schnellerer Liveview-Autofokus, U1 / U2 individuelle Programmtasten, neue Fokusprogrammtaste sowie einen effizienteren Videocodec mit H.264 Encoding in einen QuickTime Container. Doch der Reihe nach …

Nikon D7000 - Schalterlayout auf gewohnt gutem Niveau



Von der Ergonomie her ist Nikon seiner bisherigen Philosophie bei der Nikon D7000 weitgehend treu geblieben: Will heissen: Klassische Daumen- und Zeigefingerrad Bedienung für Verschlußzeiten und Blendenwahl sowie Daumencontroller für die manuelle AF-Meßfeldanwahl. Auch das Programmwahlrad befindet sich klassisch auf der linken, oberen Gehäuseseite. Neu hinzugekommen sind hier jedoch die bereits erwähnten U1 und U2 individuell programmierbaren Programmschalter, die gerade im Konsumersegment einen gewaltigen Fortschritt bei der individuellen Anpassung der Kamera an die Bedürfnisse des Nutzers darstellen.

Nikon D7000 Individual-Programmschalter U1 und U2



Mit ihnen lassen sich zwei von einander getrennte, komplette Kameraprofile abspeichern, bzw. aufrufen. Hierbei lassen sich nahezu alle Kamerafunktionen individuell konfigurieren. Wer beispielsweise einen Portraitmodus mit Belichtungskorrektur und bestimmter Licht-Farbtemperatur einerseits und einen Sport- oder Landschaftsmodus mit anderer Bildgröße, anderem Auto-ISO etc. konfigurieren möchte, hat nun mit einem Dreh am Programmrad eine komplett andere Kamera in der Hand (i. Ggs. zu den entweder gar nicht vorhanden oder nur kaum individualisierbaren und kompliziert aufrufbaren Image-Banks vergangener Tage).

Die Nikon D7000 liegt satt und robust in der Hand, was wir auf das Metallgehäuse zurückführen, welches bislang dem Profi-Segment vorbehalten war.



Zwar reicht die Handausformung unserer Meinung nach nicht ganz an die Top-Ergonomie von Canons Handauflagen heran, doch dies ist wie stets ein subjektiver Punkt: Andere Hände – anderes Handgefühl.

(Was wir weder bei Canon noch bei Nikon oder irgendeinem anderen DSLR-Hersteller verstehen, ist das völlige Fehlen von größeren Kameragehäusen für größere Hände im Consumerbereich. Zurecht darf hier ketzerisch die Frage gestellt werden, ob Profis größere Hände als Anfänger besitzen ? Aber wie dem auch sei – mit dem Ruf nach möglichst großen Kameragehäusen sind wir wohl ziemlich allein auf weiter Flur … )

Da die Nikon D7000 über mini-minimal größere Abmessungen (etwas höher) als die Nikon D90 verfügt, ist dies zumindest ein Schritt in die richtige Richtung und damit Nikons derzeit gelungenstes Consumer-Gehäuse.

Neu dürfte für eingefleischte Nikon-Nutzer die Wahl des Autofokussystems sein. Dieses lässt sich über einen nicht beschrifteten und perfekt versteckten Druckknopf in der Mitte des Fokus-Umschalthebels (M/AF) auf der Frontseite der Kamera ändern.

versteckter Druckknopf für die AF-Modus Auswahl



Hält man diesen Knopf gedrückt, lässt sich via Zeigefingerrad die AF-Meßfeldanwahl auswählen (Alle, Einzel, 3D etc.) und mit dem Daumenrad die Art des Fokussiersystems (kontinuierlich, Einzel-AF, etc..)

Der Clou hierbei liegt darin, dass alle Autofokus-Info-Daten in den Sucher übertragen werden und damit kein Absetzen der Kamera wie bei vorherigen Modellen notwendig wird.

Doch genug mit unseren Anmerkungen zu den Fotofunktionen – auch der Videobereich wurde bei der Nikon D7000 auf ein komplett neues Fundament gestellt. Hauptsächlich verantwortlich hierfür sind einer der derzeit besten Liveview Autofokussysteme seiner Klasse (nur der Autokus der neuen slashCAM Referenz Panasonic GH2 gefällt uns derzeit noch besser) sowie die Etablierung eines effizienteren Videocodecs.

Sicher ist der Liveview Autofokus beim Filmen noch mit allerlei Widrigkeiten durchsetzt (lautes Fokussiergeräusch, abrupte Fokuswechsel, nicht auf Film ausgelegte Funktionsweisen) – trotzdem stellt das Liveview Autofokussystem der Nikon D7000 das beste aller bislang von uns getesteten im DSLR-Segment dar. (Ausnahme GH2 s.o.). Mit genügend Übung und Kenntnis seiner Stärken und Schwächen lassen sich halbwegs passable Autofokus-Sequenzen mit ihm bewerkstelligen. Trotzdem gilt nach wie vor: Wer kontrolliert szenisch filmen möchte, nutzt manuelle Fokussierung – auch mit der Nikon D7000. Punkt.

Wichtiger noch als das stark verbesserte Liveview Autofokussystem dürfte für alle Video-DSLR Nutzer der in der Nikon D7000 (und Nikon D3100) neu verfügbare H.264 Codec im QuickTime Container sein. Dies bedeutet eine Abkehr von der bisherigen MotionJPEG Implementierung, die mit einer höheren Datenrate hätte betrieben werden müssen, um an die gleiche Qualität wie H.264 Codecs bsp. in Canon Video-DSLRs heranzukommen. Nun hat also auch Nikon H.264 im Programm und dies gleich noch in einer effizienteren Version als die Canon-Konkurrenz. Während Canon auf ein Baseline Level 5 Profil setzt, werkelt in der Nikon D7000 ein High Profil Level 4, das bei geringerer Datenrate ein Paar mehr Enkodierungstricks als das Baseline-Profil beherrscht. Somit ist es Nikon nun endlich möglich, bei geringerer Videodatenrate trotzdem auf dem gleichen Niveau wie die Canon-Konkurrenz zu spielen. Lange genug hat es ja gedauert ...

Wie wir bereits in unserem Nikon D7000 vs Canon EOS 60D Vergleich festgestellt haben, empfinden wir den manuellen Video-Modus bei der Nikon D7000 als etwas halbherzig umgesetzt. Wir erlauben uns hier mal selbst zu zitieren: „Mit ihm (dem manuellen Videomodus) lassen sich zwar ISO, Blende und Verschlußzeit für die Videoaufnahme festlegen – jedoch muss man zum Verstellen der Blende aus der Live-View heraus und nach dem Festlegen des neuen Blendenwertes wieder in die Live-View zurück. Der einzige Weg an dieser umständlichen und fast schon video-feindlichen Bedienung vorbei ist der Verwendung von Objektiven mit manuellen Blendenringen (keine Nikkor G-Objektive).“

Auch wenn Nikon bei der Videoqualität mächtig aufgeholt hat, bleiben also noch andere Felder bei der Videofunktionalität, wo es einen Rückstand aufzuholen gilt. Komfortablere, komplett manuelle Videoeinstellungen sind eine solche Baustelle. Betrachtet man andererseits Nikons Produktpolitik in Sachen Video, fällt auf, dass man bereits bei der Nikon D3s die Blende auch während der Videoaufnahme mit G-Optiken manuell verstellen konnte. Wenn dies kein Zufall gewesen sein soll, dann liesse sich hieraus ableiten, dass Nikon entsprechende Funktionen für die zukünftige Profi-Reihe (Nachfolger von D300s, D700, D3s, D3X) reserviert. Dies wäre allerdings gemessen an der derzeitigen Konkurrenzsituation ein eher fragliches Vorgehen. Lassen wir uns überraschen ...

Auch in Sachen Ton würden wir uns bei der Nikon D7000 beim nächsten Update etwas mehr Funktionalität wünschen. Die technischen Daten befinden sich zwar auf gutem Niveau: 2Kanal-Ton, 16 Bit bei 48 kHz. Doch lassen sich Tonpegel während der Aufnahme nicht anzeigen und das Aussteuern beschränkt sich auf 3 Voreinstellungen im Menü (Low, Mid, High) sowie einen Automatikmodus. Zwar verweisen wir an dieser Stelle stets darauf, dass Ton für ambitioniertere Video-DSLR-Projekte stets extern aufgezeichnet und gepegelt werden sollte - da jedoch die Konkurrenz in Sachen Ton derzeit mehr bietet, erscheint es uns gerechtfertigt, hier darauf aufmerksam zu machen.

Vorbildlich dualer SD Card Slot der Nikon D7000



Gut hingegen (und im Consumer Segment ansonsten kaum vorhanden) hat uns der duale SD-Card-Slot der Nikon D7000 gefallen. Hier läßt sich ein Slot spezifisch für Videoaufnahmen zuweisen. Darüber hinaus werden unterschiedliche Backup- und Schreib-Optionen für den dualen Betrieb angeboten. Compact Flash Cards wären uns zwar noch lieber als SD Cards gewesen aber die scheinen bei allen Herstellern (wenn überhaupt) nur noch den Profi-Systemen vorbehalten zu sein.

Kein 1:1 HD Output via HDMI



Ähnlich wie bei der Canon EOS 60D gibt die Nikon D7000 am HDMI Ausgang leider kein pixelnatives HD-Signal aus. Wer hier auf ein 1:1 Monitoring oder gar eine Capture-Lösung unter Umgehung des H.264 Codecs gehofft hatte, wird leider enttäuscht.


Einleitung
Aus dem Messlabor


Nikon D7000
Plus Minus Derzeit niedrigster Preis (ohne Gewähr) :  699 Euro Listenpreis: 1189 Euro (inklusive Mwst.)

MEHR INFO:
Alle technische Daten sowie Testbilder und Testergebnisse in unserer Datenbank
+ Verbesserter Videocodec im Vgl. zu Vorgängermodellen
+ verbesserter Liveviewautofokus im Vgl. zu anderen VDSLRs
- Halbherzige manuelle Videofunktionen

5 Seiten:
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Handling
Aus dem Messlabor
Reallive Aufnahmen
Fazit
  

[13 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
DocGravity    20:34 am 24.1.2011
Aus Fotografischer Sicht muss ich das Dead/Hot/Stuck Pixel Problem anschneiden ... das is wirklich heftig, vorallem bei längeren Belichtungszeiten. Ich hab hier ein kleines...weiterlesen
rush    19:14 am 9.1.2011
Leute nicht streiten... das bringt Null ;) Für mich ist die Nikon primär (m)eine Fotokamera... zum drehen hab ich einen Henkelmann-Camcorder. Daher ist die D7000 eine schöne...weiterlesen
pilskopf    18:45 am 9.1.2011
Ich muss eh weiter Löhne machen, kein Problem.
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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update am 4.Juni 2020 - 15:02
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