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Test : Nikon D4 / Teil1

von Do, 14.Juni 2012 | 6 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Handling / technische Ausstattung
  Videofunktionen
  HDMI-Output
  Audio



Handling / technische Ausstattung



Mit der Nikon D4 geht die digitale Profireihe von Nikon in die vierte Generation. Das klingt immer noch nach einer jungen Kamerareihe - hält man sich jedoch vor Augen, dass dem Profisegment im Fotografiebereich Produktzyklen von ca. 4 Jahren vorbehalten sind, landen wir bei der Nikon D1 von 1999 mit 2,74 MP – also digitale Steinzeit und somit viel Zeit für Nikon, ein ausgereiftes Produkt vorzustellen.

Wieviel Erfahrung Nikon beim Bau von professionellen Spiegelreflexkamera besitzt, unterstreicht die Fertigungsqualität des Nikon D4 Gehäuses eindrucksvoll. Bereits die Nikon D3s schien in Sachen Fertigungsqualität, Robustheit, Wetterversiegelung etc. klar zu stellen, dass sie mehr einstecken kann, als der Fotograf, der sie bedient.

Nikon D4 Magnesiumgehäuse


Die Nikon D4 macht hierin keine Ausnahme: Extrem robustes Magnesiumgehäuse, vorbildlich gesicherter Kartenschacht, massive Gummiabdeckungen an allen Schnittstellen und eine nochmals verbesserter Handaufnahme, die das Handling im ruppigen Profialltag erleichtern sollte. Insgesamt ist die Nikon D4 weniger kantig als die Nikon D3s, was dem Handling, gerade bei langen Arbeitstagen, nochmals zu Gute kommt.

Bei der Sensorauflösung hat es bei der Nikon D4 mit 16,2 MP im Vergleich zum 12,1 MP Sensor der Nikon D3s eine eher moderate Weiterentwicklung gegeben. Nikon bleibt bei der D4 somit bei der höheren Gewichtung von Lowlightfähigkeiten und schnellen Bildfolgen (10-11 B/s) im Gegensatz zu mehr Auflösung bei geringerem Lowlightverhalten (und geringerer Serienbildgeschwindigkeit) wie es bsp. die Nikon D800 bietet. Außerdem werden hiermit auch noch Optionen für eine hochauflösende Nikon D4X offen gehalten. Ein klares Bekenntnis also von Nikon in Sachen D4 zu Presse-, Event- und Sportfotografie und weniger zur professionellen Landschafts- oder Studiofotografie.

Nikon D4


Der CMOS-Sensor der Nikon D4 löst Bilder in maximal 4928 x 3280 Pixel auf (Nikon D3s 4288 x 2844 Pixel) wenn er mit größtmöglich aktiver Sensorfläche im sog. FX-Format ausgelesen wird. Darüber hinaus bietet die D4 den Betrieb mit verkleinerter, aktiver Sensorfläche an. Zur Auswahl stehen neben der FX-Auslesung folgende Crops: 1.2x (30x20), DX (24x16) 1.5x und 5:4 (30x24). Interessant sind für unseren Bereich vor allem Sensorauslesungen, die möglichst nahe an die 1920x1080 Pixel herankommen, die wir für Full-HD Aufnahmen benötigen. Auch hierfür bietet Nikon im Liveviewbetrieb für Video eine entsprechende Möglichkeit an: Sie findet sich bei der Auswahl der Videoformate und ist für 1080 24p, 25p und 30p verfügbar. Der Faktor für die Brennweitenverlängerung beträgt hierbei satte 2,7.

Das AF-Modul Multi-CAM3500FX mit 51 Messfeldern ist gleich geblieben – es hat hier wohl auch wenig Anlass zu Kritik gegeben.

Nikon hat es sogar geschafft das hervorragend für das Arbeiten mit schweren. Lichtstarken Optiken ausbalancierte Gehäuse im Gegensatz zum Vorgänger noch minimal leichter zu bauen (1.180 g versus 1.240 g) ohne Kompromisse bei der nochmals gesteigerten Funktionsvielfalt oder der Gesamtergonomie machen zu müssen. Im Gegenteil: Fotografen, die häufig vom Quer- in`s Hochformat wechseln, dürften sich darüber freuen, dass die Ansteuerung der Fokusfelder via gummierten Joystick (Subwähler) durch die Platzierung eines zweiten Subwählers auch in Hochformatposition funktioniert.

Nikon D4 mit neuen Subwählern


Für die neuen Joysticks wurde der bisherige AE-L/AF-L Button abgeschafft – aber beruhigender Weise nicht dessen Funktion. Mit einem Klick auf einen der neuen Joysticks wird der Belichtungsspeicher aktiviert. Wer sowohl die Belichtung als auch den Fokus speichern möchte, hält hierzu den Auslöser bis zum ersten Druckpunkt gedrückt (Fokusspeicher) und klickt dann auf einen der Subwähler (Belichtungsspeicher) – selbst wenn der Auslöser jetzt losgelassen wird, bleiben sowohl Fokus als auch Belichtung gespeichert, solange der Subwähler gedrückt bleibt. Ziemlich coole Sache, weil dadurch, neben der Fokusmeßfeldwahl, auch die AE-L Funktion im Hochformat zur Verfügung steht. Wie sehr man auf Belichtungsspeicherfuktionen angewiesen ist, dürfte eine Frage der eigenen Präferenz sein und wie häufig der geneigte Fotograf mittenbetonte oder Spotmessungen vornimmt. Die Matrixmessung nimmt bekannter Weise ja bereits Schärfeinformationen für die Berechnung des zu belichtenden Motivs mit auf. AE-L auf den Subwählern dürfte trotzdem für Viele ein Nice-To-Have sein.

Unsere Erfahrung beim Test mit den neuen gumierten Joysticks sind jedenfalls sehr gut. Sie sind (auch für AE-L) optimal platziert und sehr reaktiv. Einer jener neuen Schalter, die, man wenn man sie erstmal genutzt hat, nicht mehr missen möchte. Doch auch diejenigen D3s Nutzer, die es gewohnt sind, mit der Wippe des Multifunktionsschalters durch die Fokusfelder zu navigieren können, werden bei der Nikon D4 mitgenommen: Auch auf gewohnte Weise lassen sich die AF-Felder ansprechen. Bleibt zu hoffen, dass die Subwähler auch dem harten Profialltag bei langer Beanspruchung gewachsen sind.

(Kleines Kuriosum am Rande im Nikon D4 Handbuch auf S. 104 zum Gebrauch der neuen Subwähler heisst es hier:

„Achten Sie darauf, sich nicht mit einem Finger oder Fingernagel ins Auge zu stechen, wenn Sie den Subwähler verwenden und dabei durch den Sucher schauen“

- das nennen wir fürsorglich ;-)

Unsere Augen sind soweit heil geblieben - tatsächlich aufpassen sollte man allerdings beim Tragen der Nikon D4 am Körper, wenn die Rückseite an der Kleidung anliegt. Hier kann es bei etwas Druck zu versehentlichen Klicks oder Verstellungen der Subwähler kommen. Also immer schön beim Transport drauf achten, dass man den Sperrschalter für die Messfeldvorwahl bei
Nichtgebrauch auf „L“ (locked) schiebt oder einfach mal die Kamera ausschalten und zum Gebrauch wieder einschalten. Denn das kann man tatsächlich bei der Nikon D4 machen: Die Startzeiten bis zum ersten, möglichen Auslösen sind atemberaubend schnell.

Allerdings gibt es keine Sicherung für den An-/Ausschalter am Auslöser. Der Widerstand für das Einschalten ist unserer Meinung nach etwas zu gering ausgefallen, so dass es beim Transport der Kamera ein Paar Mal zum unbeabsichtigten Einschalten kam.

Im Vergleich zum Nikon D3s Gehäuse hat Nikon bei der D4 die meisten Änderungen auf der Rückseite sowie auf der Oberseite des Gehäuses vorgenommen. Zu den Neuerungen auf der Rückseite zählen - neben dem bereits erwähnten zwei Joystickcontrollern rechts vom LCD - auf der linken Seite zwei eigene Buttons für das Hinein- und das Herauszoomen aus der Liveview (kein Zoom-Button drücken und Scrollraddrehen mehr), was zu einem deutlichen Geschwindigkeitsgewinn bei der Überprüfung von Bildern auf dem LCD führt und auch für die Videoproduktion das Hineinzoomen in Liveviewbilder für die Bestimmung der Schärfe vereinfacht. Wir sind große Freunde von auf dedizierte Buttons ausgelagerten Funktionen: Ein Button für das Reinzoomen, einer für das Rauszoomen: Sehr gut. (Übertroffen wird diese Fokussierhilfe unserer Meinung nach nur noch durch eine bei Bedarf zuschaltbare automatische Suchervergrösserung bei Betätigung des manuellen Fokusringes – eine Funktion, die weder Canon noch Nikon bei ihren VDSLRs bieten, (farbiges) Peaking mal außen vor gelassen).

Neuer Druckknopf für die Autofokus-Meßfeldsteuerung am AF/M Schalter


Dem zweiten Subwähler ist der bisherige Schalter für die Auswahl der Autofokus-Meßfeldsteuerung zum Opfer gefallen. An Stelle von dessen wurde der bereits von der Nikon D7000 bekannte Druckknopf/-schalter auf der Gehäusevorderseite links vom Objektiv bei der Nikon D4 übernommen. Das spart einerseits Platz, bedeutet andererseits jedoch auch einen Schritt mehr für die Aktivierung des entsprechenden Autofokusprogramms, da dieses nun 1. per Druck auf den Knopf und 2. per Scroll am vorderen Einstellrad ausgewählt werden muss. Zur Auswahl stehen folgende, bei Nikon mit gewohnt hoher Präzision arbeitende AF-Meßfeldsteuerungen: Einzelfeldsteuerung, dynamische Meßfeldsteuerung mit 9, 21 oder 51 Meßfeldern, 3D-Tracking, sowie automatische Meßfeldsteuerung. Manuelle Meßfeldauswahl kann entweder über die Wippe des Multifunktionsschalters oder eben via Subwähler geschehen. Schön zu sehen, dass auch diagonale Meßfeldnavigation möglich ist. Im Liveviewbetrieb sind Motivverfolgung, Portrait-AF, Großes Meßfeld und normale Meßfeldsteuerung möglich.

Die gestiegene Bedeutung von Video im Hause Nikon wird wohl am anschaulichsten durch den völlig neu gestalteten (größeren) Liveview-Button verkörpert, der in sich noch einmal in eine Fotografie- und eine Videoliveview unterteilt wurde, sowie durch den neben dem Auslöser hinzugekommenen eigenen Record-Button für die Videofunktion (bei der Nikon D3s nur durch vorderen Funktionsbutton oder Druck auf Multifunktionsschalter während LiveView Betrieb).


Einleitung
Videofunktionen


Nikon D4s
Plus Minus Listenpreis: 6149 Euro (inklusive Mwst.)

MEHR INFO:
Alle technische Daten sowie Testbilder und Testergebnisse in unserer Datenbank
+ 1080/50p
+ sehr viel besserer HDMI-Output als Vorgänger
+ sehr gute Lowlightperformance
- kein Peaking
- Kein Zebra
- keine 4K Videoauflösung
- kein professioneller Videocodec
- kein echtes Cinegamma

Nikon D4
Plus Minus Derzeit niedrigster Preis (ohne Gewähr) :  5377 Euro Listenpreis: 5929  Euro (inklusive Mwst.)

MEHR INFO:
Alle technische Daten sowie Testbilder und Testergebnisse in unserer Datenbank
+ spektakuläre Lowlighteigenschaften
+ cleaner HDMI-Out
+ Kopfhöreranschluss
- keine parallele 1080/p Aufzeichnung auf Karte während HDMI-Out
- 2.7 fach Cropfaktor bei bester Videoqualität
- kein Audiopegeln während der Videoaufnahme


Die Nikon D4s und Nikon D4 im Vergleich in unserer Camcorder Test Datenbank
6 Seiten:
Einleitung
Handling / technische Ausstattung
Videofunktionen
HDMI-Output
Audio
  

[20 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
DV_Chris    13:07 am 18.6.2012
Einer der besten Beiträge, der jemals auf Slashcam zu lesen war! Als Leser hier glaubt man mitunter, man würde gerade ein paar Kindern beim Quartett spielen zuhören, wo mit...weiterlesen
Jan    14:45 am 16.6.2012
Es wäre schön, wenn man nicht nur wild daherblabbert. Gehe mal in ein Kino deiner Wahl und frage mit welcher Auflösung dort gearbeitet wird. Nur weil Apple als erste...weiterlesen
Airbusjoerg    08:03 am 16.6.2012
Ja nee, is klar. Is wirklich ni viel. Ich versteh auch nicht, warum es nicht längst Videokameras für 500 Euro gibt, die das können. Mal ebenso nen 6K-Sensor fehlerfrei 50x pro...weiterlesen
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update am 16.Januar 2021 - 12:02
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