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Test : Canon C100 - 8 Bit am Limit

von Fr, 7.Juni 2013 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Handfeste Vorteile
Konkurrenten?
Aus dem Messlabor
Fazit



Nachdem Canon vor rund 18 Monaten sein neues Cinema-Kamera-Segment mit der C300 eröffnet hatte, staunten viele treue DSLR-Filmer nicht schlecht. Diese Kamera vereinte endlich fast alle Features, die man sich als 5DMkII Filmer über die Jahre zusammengeträumt hatte, allerdings auch zum 7fachen Preis. Canon platzierte die Kamera zu diesem Zeitpunkt extrem selbstbewusst neben anderen Cinema-Kameras wie Red´s Scarlet.



Und trotz der fast schon dreisten Limitierung auf 8 Bit in diesem Preissegment gab der einsetzende Erfolg der Kamera Canon recht. Einfache Bedienung, gute Ergonomie, der All-In-One-Gedanke, eine üppige, relativ gesehen auch günstige Objektiv-Auswahl aus dem DSLR-Bereich und nicht zuletzt die weiterhin treuen Blogger und Evangelisten sorgten in erster Linie dafür, dass die Kamera heute in keinem Rental-House fehlen darf und angeblich zu den beliebtesten Verleih-Modellen überhaupt gehört.

Für den typischen One-Man-Shooter blieb die Kamera jedoch aufgrund des hohen Preises ein fast unamortisierbarer Traum, weshalb Canon ein Jahr später mit der C100 für den halben Preis nachlegte. Die zwei wichtigsten Einschränkungen gegenüber der C300 sind der intern aufzeichnende Codec (AVCHD mit 4:2:0 bei 24 Mbit/s vs. MPEG2 4:2:2 bei 50 Mit/s) sowie das kleinere Display, das etwas anders positioniert wurde. Allerdings hat letzteres nicht nur Nachteile. Die C100 ist dadurch deutlich kompakter und noch einmal portabler geworden.




Handfeste Vorteile



Die C100 hat ein paar handfeste Vorteile gegenüber typischen DSLR-Kameras. Dies beginnt bei der Ergonomie tatsächlich schon beim winkelverstellbaren Handgriff, welche die Kamera wirklich gut tragbar macht. Gerade in Kombination mit dem von uns getesteten Canon EF35mm/f2.0 IS USM bekommt man so eine relativ lichtstarke, stabilisierte Normalbrennweite für das stativlose Filmen, die momentan fast konkurrenzlos ist. Sony bietet zwar ähnliche, sogar günstigere und schnellere Festbrennweiten mit Bildstabilisator an (50mm und 35mm/f1.8) jedoch ist die Kastenform der FS100/700 einfach nicht so konsequent auf für Filmen aus der Hand ausgelegt.

Die zahlreichen externen Tasten erlauben nach einer gewissen Einarbeitungszeit ebenfalls die flinke Bedienung der Kamera, wodurch nur in seltenen Fällen ein Ausflug ins Menü nötig wird. Was uns Grundsätzlich an Kameras in dieser Preisklasse bei der Ergonomie missfällt: Die zahlreichen Tasten fühlen sich komplett gleich an und sind dicht nebeneinander positioniert. Dazu gibt es kaum Rädchen, die man blind leichter treffen würde. Um beispielsweise die wichtige ISO zu verstellen ist erst ein Tastendruck nötig und erst dann kann sie über den Joystick verstellt werden. Ein dezidiertes ISO-Rädchen wäre in einem solchen Fall deutlich schneller (und absolut blind) zu bedienen.

Das Display ist kleiner und etwas unschärfer als bei der C300, gefällt uns aber immer noch sehr gut. Auch dank Vergrößerung und Peking, sowie einem speziellen Waverformmotitor zum Fokussieren bekommt man die Schärfe in der Regel gut in den Griff. Der Autofokus von Canon Objektiven wird ebenfalls unterstützt, reagiert aber nur sehr langsam. Mehr stört uns dagegen auch hier die weit verbreitete Unsitte, viele wichtige Displayinformationen direkt in das Bild einzublenden. Blackmagic, Arri oder Magic Lantern haben alle Informationen unter dem Bild in einem Schwarzen Balken, wo sie viel weniger stören. Man kann zwar mit einem Tastendruck alle Bildinhalte verschwinden lassen, jedoch verschwindet damit auch die Recording Anzeige, was bei uns manchmal für Verwirrung sorgte, ob die Aufnahme gerade läuft oder nicht. In der Praxis ist der integrierte ND-Filter ebenfalls eine enorme Arbeitseichterung, die man schnell zu schätzen lernt.




Konkurrenten?



Ein ähnliche Ausstattung bot in der ursprünglichen Preisklasse nur die Sony NEX-FS700, welche ihre Ergonomie-Nachteile mit den Highspeed-Aufnahmen wieder wettmacht. Diese könnte letztendlich auch der Grund sein, weshalb Canon den Preis der C100 kürzlich noch einmal deutlich gesenkt hat. Der offizielle Listenpreis beträgt nun 5234 Euro inkl . MwSt.

Das klingt gerade mit Blick auf DSLRs durchaus happig, jedoch muss an dieser Stelle aber auch einmal zur Ehrenrettung gesagt werden, dass der Canon Sensor zum feinsten gehört, was wir je in Richtung FullHD-Sensor gesehen haben. Die natürliche Schärfe in FullHD gepaart mit den Low-Light-Fähigkeiten und der sehr guten Dynamik werden von keiner uns bekannten Kamera unter 10.000 Euro erreicht. Die Sony FS700 schwächelt beispielsweise geringfügig in der vertikalen Skalierung und beim fixed Pattern Noise. Die FS100 ist sowieso eine Klasse unschärfer. Da schmerzt die Beschränkung auf 8 Bit natürlich doppelt. Im Umkehrschluss ist die Canon besonders für alle interessant, die sowieso nicht viel Zeit in der Post verbringen wollen.

Durch einen externen Recorder kann man sogar zu echtem 4:2:2 Material gelangen und steht damit einer C300 kaum nach. Mehr als 8 Bit bekommt man jedoch auch hier nicht übergeben. Dazu zerstört eine solche Lösung schon wieder das Konzept der relativ kompakten, sofort einsetzbaren Kamera. Das Fehlen von höheren FullHD-Bildraten jenseits der 30fps wirkt dem Preis ebenfalls nicht mehr angemessen.



Aus dem Messlabor



Ein so sauberes Testbild bekommt man selten zu Gesicht: Praktisch keine Nachschärfung und dennoch so gut wie alle 2K-Details vorhanden.

ISO-Chart



Das zeigt sich auch im Sweep, der fast Kerzengrade durch das Messsprektrum verläuft.

Luminanz-Sweep



Auch die Chrominanz verläuft sehr sauber und wird nur durch das 4:2:0-Sampling abgeflacht.

Chroma-Auflösung



Unser 1200 LUX Bild im Clog-Modus zeigt eine beeindruckende Dynamik bei erstaunlich natürlicher Detailwiedergabe.


1200 Lux C-LOG


Im Low-Light an unserem Zeiss 35mm/1.4 zeigt die C100 bei ISO800 zuerst noch keine bemerkenswerte Helligkeit und sogar einen Hauch von Blockbildung, was unserer Meinung nach kein Fixed Pattern Noise ist, sondern dem Codec geschuldet sein dürfte, der bei Clog in den Schatten zu wenig Dynamikspielraum bietet.


12 Lux ISO 800


Doch die ISO-Verstärkung in der Kamera erfolgt extrem sauber. Dieses Bild entstand bei F1,4 mit ISO12800 bei 1/50s Belichtungszeit. Man beachte besonders die Augen der Puppe, die bei 12 LUX-Aufnahmen mit anderen Kameras bei weitem nicht mehr so detailliert abgebildet werden.


12 Lux ISO 12800


Und noch fürs persönliche Album, die gleiche Aufnahme mit ISO20.000. Hier wird die Nacht zum Tag, in einer Qualität die wir bei einer 12LUX Ausleuchtung bei Bewegtbildern bisher noch kaum zu sehen bekamen.


<12 Lux ISO 20000





Fazit



Die Canon C100 ist in ihrem Konzept eine runde Kamera, die auch lieferbar ist. Letzteres ist eine besondere Erwähnung wert, da ihre größte Limitation - der 8 Bit Farbraum - zwar von den deutlich günstigeren Blackmagic Kameras angegriffen wird, diese jedoch leider kaum zu bekommen sind. Schon ein einfacher 10 Bit-Log-Codec hätte wahrscheinlich die Konkurrenz durch Blackmagic niemals entstehen lassen und die C100 zum uneingeschränkten Traum vieler Indie-Filmer werden lassen -- wenn auch ohne ausgeprägten "Rebel"-Faktor, da sie immer noch stolze 5.000 Euro kostet.

Doch auch mit 8 Bit darf man der Canon gegenüber der Konkurrenz die deutlich bessere Ergonomie sowie den standardisierten C-Log-Workflow hoch anrechnen. Die Farben wirken ohne weitere Nachbearbeitung sofort cinematisch mit schönem Highlight Rolloff und das Low-Light-Verhalten ist ebenfalls vom Feinsten. Die Kamera ist sofort ohne weitere Investitionen (wie Monitore, Rigs, Recorder, ND-Filter oder externe Akkus) drehbereit und der AVCHD-Codec sorgt auch für einen problemlosen Schnitt in allen gängigen Nachbearbeitungsprogrammen. Kurz: Out of the Box lieferte bisher noch keine Kamera unter 10.000 Euro bessere Bilder, die dank C-Log dazu noch einen gewissen Spielraum in der Nachbearbeitung bieten.

Und so hat uns die C100 in Summe weitaus positiver gestimmt als ursprünglich erwartet. Auch sehen wir eine 5D MK3 mit Magic Lanterns RAW hierzu nicht als Konkurrenz, ganz im Gegenteil. RAW-Produktion ist so ziemlich das genaue Gegenteil von dem Konzept der C100. Diese kitzelt wirklich das letzte aus den vorhandenen 8 Bit heraus und kann gleichzeitig bequem in Premiere, Avid und Co für lange Projekte verwendet werden, ohne gigantische Datenberge zu erzeugen.


  

[32 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
WoWu    01:11 am 8.2.2014
http://provideome.de
mvo    22:35 am 7.2.2014
@Tiefflieger Hey Tiefflieger ich bräuchte mal deine Hilfe in Bezug auf meine Pana hc-x909 da Du hier der bist der sich mit diesen Modellen am besten auszukennen scheint brauche...weiterlesen
wolfgang    21:30 am 7.2.2014
Also wenn Dithering nichts anderes ist, als das Auffüllen der weiteren bits (von 8 auf 10bit), dann frage ich mich ob DNxHD irgendeinen Vorteil gegenüber ProRes hat - selbst wenn...weiterlesen
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update am 23.Mai 2022 - 15:39
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