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Test : AJA CION - 4K Cine Kamera mit Super 35mm Sensor

von Do, 11.Juni 2015 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Technische Daten / Bedienung



Technische Daten / Bedienung



Obwohl die CION von AJA ein robustes Metallgehäuse mit massivem PL-Mount mit sich bringt, darf man sie mit 2,9 kg (ohne oberen Handgriff) zu den Kameraleichtgewichten zählen. Verantwortlich hierfür zeichnet eine hochfeste Magnesiumlegierung wie man sie von DSLR-Gehäusen her kennt. Beim ersten In-die Hand-nehmen fallen entsprechend die solide Konstruktion und der nicht nur optisch sondern auch haptisch gelungene obere Handgriff sowie die hohe Modularität der CION auf.

Die CION von AJA - In/Outs in Hülle und Fülle



Das modulare Konzept schlägt sich sowohl in einem reduzierten Schalterlayout mit wenigen, externen Schaltern (dazu später mehr) als auch in reichlich In- und Outputs sowie üppigen zusätzlichen Montagemöglichkeiten in Form von im Kamerabody integrierten Cheeseplates nieder.

Massiv gefertigtes Zubehör für die CION – hier hintere Baseplate



So waren bei unserem Testpaket der CION sowohl die beiden AJA Basisplatten (vorne und hinten) sowie die ENG Platinenadpater für die VCT-14 Aufnahmen (ebenfalls für vorne und hinten) Teil des Lieferumfangs. Darüber hinaus kamen noch die beiden unterschiedlichen AJA Verlängerungsarme für die Arri-Rossette, externe Viewfinder-Bracket sowie natürlich ein externer Viewfinder selbst zum Einsatz. Alle AJA Komponenten sind sehr massiv ausgelegt und dürften auch stärkeren Belastungen am Set problemlos standhalten. Einziger Kritikpunkt hier ist der hintere Part der VCT14-Aufnahme - der könnte noch etwas Materialstärke vertragen und auch weniger scharfkantig ausfallen - ein Detail.

Jede einzelne Komponente kann bei der CION gesondert montiert werden und bietet damit bereits mit hauseigenem Zubehör von AJA jede Menge Möglichkeiten zum individuellen Aufriggen. Da alle Aufnahmen auf Standards basieren, spricht auch nichts dagegen, die AJA mit bereits vorhandenem Zubehör auszustatten, soweit vorhanden und es ergonomisch sinnvoll ist. Halt wir also fest: Bei der Konstruktion der CION hat AJA bereits umfassend an Modularität gedacht und das gefällt uns. Im Hinterkopf sollte man jedoch auch behalten, dass man für eine drehfertige CION neben den AJA SSDs (AJA-Paks) zumindest auch Baseplates, Viewfinderbracket, einen EVF und natürlich Batterien (V-Mount oder Anton Bauer) am Start haben sollte (Akku-Adapterplatte und Handgriff sind im Standard mit dabei) oder eben noch entsprechend investieren muss.

Pak-Dock von AJA mit USB 3.0 und Thunderbolt – ebenfalls extrem massiv gefertigt



Bei den AJA Paks handelt es sich um SSDs in einem stabilen Metallgehäuse, die von der Robustheit an militärisches Gerät erinnern (ebenso wie der AJA Cardreader) und jeden noch so ruppigen Dreh überstehen dürften. Allerdings würden wir hier gerne auch eine Option sehen, SSDs „of the shelf“ nutzen zu können, wenn es mal nicht ganz so robust sein muss. Vergleich man die AJA SSDs (ca. 2,3 Euro/GB netto) mit CFAST 2.0 (ca. 3,7 Euro/GB netto) kann man die Speichermedien für die CION fast schon als günstig bezeichnen – liessen sich normale SSDs nutzen (bsp. Samsung 500GB EVO SSD) wäre man hingegen bei ca. 37 Cent/GB.

Der AJA Cardreader (Pak-Dock) verfügt sowohl über USB 3 als auch Thunderbolt Anschlüsse und ermöglicht damit angenehm zügige Filetransfers. Wer gerade mal kein Pak-Dock zur Verfügung hat, kann die Videofiles der CION auch über die verbaute 10/100/1000 Ethernet-Schnittstelle von der Kamera laden. Der Netzwerkanschluss der CION stellt eine Besonderheit der Kamera dar. Hiermit lassen sich mehrere Kameras in Netzwerke integrieren und über ein Webinterface fernsteuern: Für komplexe Studio-Setups eine hilfreiche Option und eine Art Alleinstellungsmerkmal der CION.

Die CION von AJA hier mit Cineroid Viewfinder



Unsere Test-CION kam mit zwei Anton Bauer Dionic HC AKKUs inkl. dem schlanken Doppelcharger von Bauer und lieferte damit eine verlässliche Echtzeit-Batteriestandsanzeige. Mit den Bauer Akkus war ein Kamerabetrieb über mehrere Stunden möglich, obwohl wir ebenfalls den externen Viewfinder via D-Tab an die CION betrieben haben und die max. 91 Wh der Dionics nicht gerade zu den üppigen Batterieladungen zählen.

Das Herzstück der CION stellt ihr Super35mm 4K Sensor dar, bei dem es sich um den CMV12000 von Cmosis handeln dürfte, der ebenfalls in der URSA von BMD (noch) seinen Dienst verrichtet und vor allem auf Grund seiner Global Shutter Fähigkeit geschätzt wird – auch wenn er nicht als Wunder in Sachen Dynamikumfang gilt.

Wer glaubt nun ein vergleichbares Bild wie in der URSA vorzufinden, unterschätzt wie stark das jeweilige Debayering und die anschließende Signalverarbeitung noch Einfluß auf das Videobild haben: Das Bild der AJA CION weist ganz eigene Charakteristiken auf (und unterscheidet sich damit deutlich von dem der URSA) – doch hierzu in den Kapiteln „Das wahre Leben & Skintones“ und „Testlabor“ dann mehr.

Die CION ist in erster Linie eine ProRes Kamera und dies verwundert auch nicht weiter, wenn man sich die starke Ausrichtung von AJAs Produktprofil hinsichtlich ProRes betrachtet. Nichtsdestotrotz lässt sich auch RAW via externen Recorder im Verbund mit der AJA aufzeichnen und dies mit bis zu 120 fps bei 4K wenn man die CION bsp. an die Kona 4K aus gleichem Hause via 4 x 3G SDI hängt. Wer nicht ganz so viele fps benötigt erhält mit externen Rekordern bis zu 60 fps in 4k RAW.

Intern steht in 4K maximal ProRes 4444 bis zu 30 B/s zur Verfügung. Die 4K-Formate in 50 oder 60p werden intern in max ProRes 422HQ aufgezeichnet.

Wir haben unsere Hautton-Clips sowie die anderen Tageslichtaufnahmen im Praxis-Kapitel in ProRes 4444 aufgezeichnet und hatten auch bei kontrastreichen Motiven trotz des 4K 4:2:0 Chroma-Subsampling des Sensors genügend Spielraum, um bei nicht geklippten Highlights ausreichend Gradation in das Bild in der Post zurückzubringen.

Gamma Normal Expanded lautet unsere grundsätzliche Empfehlung bei der CION



In Sachen Gamma-Funktion stehen bei der CION insgesamt 4 Gamma-Modi zur Verfügung: Normal Gamma, Normal Expanded Gamma, Video und Disabled Gamma (keine Gamma Funktion). Eine echte Log-Gamma Funktion ist derzeit noch nicht darunter. Die besten Ergebnisse haben wir mit der Normal Expanded Gamma Funktion erzielt, die eine sanfte Kontrastminderung mit sich führt.

Wer größtmögliche Kontrolle über das Bild haben möchte, dem empfehlen wir grundsätzlich bei der CION mit Normal Expanded Gamma aufzunehmen.

Hier die CION Aufnahmeformate in der Übersicht:



Die Menüstruktur der CION ist sehr einfach gehalten und wird über ein klickbares Kontrollrad, fünf Menütasten und dem kleinen, seitlich eingelassenen Monitor bedient. Unsere Meinung zur Menünavigation der CION ist etwas zwiespältig: Einerseits begrüßen wir gerade auch bei Cine-Kameras reduzierte, einfache Menüs – andererseits empfinden wir die Aktivierung der einzelnen Menüpunkte über das Klickwheel zumindest gewöhnungsbedürftig und die Tatsache, dass man nicht die Gesamtmenüstruktur oder den gesamten Inhalt von Untermenüs zu sehen bekommt sondern jeweils nur einen Menüpunkt nicht optimal umgesetzt: Hier besteht noch Verbesserungspotential.

Schlanke Menüführung AJA CION mit wenig Überblick



Gut gefallen hat uns hingegen die Durchreichung des Kamerastatus an das SDI-Monitor-Out Signal, so dass im EVF alle relevanten Statusinfos stets parat waren. Apropos EVF: Bei der Wahl eines EVFs für die CION sollte man unbedingt auf einen guten, im EVF integrierten Waveformmonitor achten, weil die CION zumindest bislang nur ein Histogramm mitbringt. Uns hat das Histogramm bei unseren Testaufnahmen zwar gereicht, weil wir recht konservativ ETTR belichtet haben (hierzu später mehr) – doch für genauere Belichtungskontrolle halten wir einen Waveformmonitor für unerlässlich.

Die CION verfügt über zwei D-TAB Buchsen – hier versorgt eine den Cineroid EVF



Die Kühlung der CION arbeitet aktiv mit einem Lüfter und funktionierte während unserer Testaufnahmen problemlos. Allerdings ist der Lüfter im Stand-By seltsamer Weise deutlicher zu hören als während der Aufnahme. Völlig lautlos arbeitet die CION nicht. Da man jedoch in der Regel mit einer von der Kamera entfernten Mikrofonierung arbeiten dürfte, stellt dies kein Problem dar.

Die CION verfügt über 2 Audio-XLR-Eingänge, die sich in Line/Mic und 48V (Phantomspannung) schalten lassen. Die Audiopegel werden auf der linken Kameraseite über zwei versenkbare Drehregler gepegelt. Wir haben kurz in ein Paar XLR-Richtmikros hineingehört. Die Audioverstärkung arbeitet – wie bei AJA zu erwarten – auf gutem Niveau.

Auf der Schulter hat uns die CION gut gefallen. Das eingearbeitete Schulterpad liegt gut auf. Allerdings sollte man beim Arbeiten mit schweren (PL)-Optiken darauf achten, Gewicht nach hinten zu verteilen, weil die CION sonst (wie die meisten Kameras) zu frontlastig wird. Das bedeutet Batteriepacks und Drahtlosempfänger für Ton nach hinten packen. Für mehrstündiges mobiles Arbeiten empfehlen wir hier allerdings eine entsprechende Baseplate mit langem Verschiebebereich, um die optimale Schulterkonfiguration zu finden. In diesem Zusammenhang vielleicht auch wichtig zu erwähnen, dass die CION über zwei Lanc-Buchsen verfügt, mit deren Hilfe sich auch Remotefunktionen – zumindest jedoch Start/Stop auch in einen Handgriff legen lassen.

Und apropos PL-Mount: Wer die CION für Canon EF, Nikon G, B4 (2/3“) oder Panavision formschlüssig umbauen möchte, findet bei MTF die entsprechenden Umbaulösungen (inkl. Blendenkontrolle für Nikon G und Canon EF-Optiken (Elektronische Canon EF Optiken müssen allerdings mit der MTF Effect Unit für die elek. Blendensteerung gekoppelt werden).

formschlüssiger Canon EF-Mount für die CION von MTF



Die Preise liegen zwischen 400-500 £ für die hier genannten Mounts. Wir hatten bereits gute Erfahrungen mit der Qualität von MTF-Adaptern bei unserem Samyang Objektivworkshop gemacht. MTF baut komplett in Metal und auf gutem Niveau.

Einleitung
Schnittstellen / Aus dem Messlabor


AJA CIONim Vergleich mit:

Listenpreis: 5700 €
Markteinführung: Mai 2015
Sensorgrößen-Klasse:
Super35 / APS-C
Mount: PL-Mount

Platz 25 Wechseloptik-Camcorder / Cinema Kamera Bestenliste
Kinefinity Terra 4K
Listenpreis: 7733 €
Sensorgrößen-Klasse: Micro Four Thirds
Sony PXW-FS7
Listenpreis: 9409 €
Super35 / APS-C

5 Seiten:
Einleitung
Technische Daten / Bedienung
Schnittstellen / Aus dem Messlabor
Das wahre Leben und Skintones
Fazit
  

[20 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Angry_C    16:11 am 15.6.2015
Das Problem bei den Cmosis Sensoren ist, dass sie keine zusätzlichen Schwarzpixel für den Schwarzabgleich besitzen. Daher ist überhaupt erst ein so aufwändiger Noisepattern...weiterlesen
rudi    15:44 am 15.6.2015
Doch, es soll auch eine Mini 4K geben, die wahrscheinlich den CMOSIS-"Pattern-Generator" an Board hat ;) Aber anders gedreht: Jeder Sensor hat IMHO eine spezielle Noise-Pattern...weiterlesen
Angry_C    15:34 am 15.6.2015
BMD wird sich hüten, den Noisepattern Sensor von Cmosis in die Mini zu bauen. Der war übrigens schon immer kacke, nicht erst seit der URSA. Deshalb ja nun auch der...weiterlesen
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