Bevor wir unsere Praxiserfahungen mit den RED LUTs für die Nikon ZR teilen, lohnt ein kurzer Blick darauf, woher diese LUTs eigentlich stammen.
RED Legacy
Und hier stößt man bereits auf einen ersten Hinweis, der als Erklärung für die hohe Qualität der RED LUTs dienen kann: Denn RED verfügt schlicht über die meiste Erfahrung aller Kamerahersteller beim Wandeln von RAW-Sensordaten in REC 709 konformen Output - zumindest im Bewegtbildbereich: Schließlich war die legendäre RED ONE die ersten rawfähige Cine-Kamera am Markt.

RED hatte somit nicht nur viel Zeit, technisch seine Colorscience in rawfähigen Kameras zu implementieren, sondern auch User- und Publikumsfeedback in die individuelle Ausgestaltung seines „Cine“-Looks mit aufzunehmen und genau diese Expertise zeigt sich in der RED-basierten Colorscience der Nikon ZR, die sich im Dreiklang aus R3D NE RAW, RED Log3G10 und den RED Creative LUTs zeigt.

Und apropos RED Colorscience: Diese sorgt ebenfalls dafür, dass sich das R3D NE RAW / RED Log3G10 Material der Nikon ZR recht problemlos mit Clips von aktuellen RED-Kameras mischen und farbkorrigieren lässt.
Bevor wir unsere Praxiserfahungen mit den RED LUTs für die Nikon ZR teilen, lohnt ein kurzer Blick darauf, woher diese LUTs eigentlich stammen.
Einfache Anwendung
Betrachtet man die am Markt befindlichen offiziellen LOG-LUT Workflows, die herstellerseitig zur Verfügung gestellt werden, sind LUTs, die ohne aufwendigere Korrekturen auskommen leider immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Entsprechend werden zig Fremdhersteller-LUTs - meist kostenpflichtig - angeboten, die meist mehr oder weniger gut die Nachfrage nach schnell produzierten, qualitativ hochwertigen Looks befriedigen.

Die RED Creative LUTs bilden hingegen eine Ausnahme von dieser Regel, weil sie sowohl eine Art bestmöglichen Startpunkt als auch einfache Individualisierungs-Optionen für die Farbkorrektur zur Verfügung stellen und damit - gerade auch im Vergleich - eine bemerkenswert hohe Qualität erzeugen.
Weshalb diese RED Creative LUTs so einfach zu nutzen sind (das gilt auch für die Standard RED LOG3G10 to REC709_BT1886 LUTs) und weshalb sie ein recht hohes „cinematisches“ Potential besitzen (und was das bedeutet), wollen wir uns im Folgenden anhand der RED FILM BIAS LUTs genauer anschauen:
Hier zunächst kurz das LOG-Still aus einem R3D NE RAW RED Log3G10 Clip der Nikon ZR:

Und hier in Kombination mit der RED_FilmBias_to_Rec709_BT1886 LUT – ohne weitere Nachbearbeitung:

Gleich auf den ersten Blick lassen sich ein paar charakteristische/zentrale Merkmale festmachen: Die Hauttöne scheinen auch ohne weitere Bearbeitung „zu sitzen“ - was auch ein Blick auf den Skintone-Indikator des Vectorskops bestätigt.

Zum anderen fällt auf, dass es keine clippenden Farb-Bildelemente gibt - vor allem auch nicht bei den „schwierigen“ Rottönen im Haar. Insgesamt macht das Bild einen farblich ausgewogenen, minimal entsättigten sowie leicht kontrast-reduzierten Eindruck.
Diese Kombination aus kontrollierten Rottönen und leicht zurückgenommen Farben und Kontrasten ergibt eine hervorragende Ausgangsbasis für eine einfache Farbanpassung, weil hier lediglich die Sättigung und der Kontrast noch nach individuellem Wunsch angepasst werden müssen – ohne dass sich andere Farbwerte in einer Weise verschieben, Hauttöne nicht mehr stimmen, plötzlich eine Farbe anfängt zu clippen oder andere Farbelemente gegen-korrigiert werden müssten.
Hier der gleiche Frame mit etwas stärkerer Sättigung und leicht erhöhtem Kontrast:

Wohlgemerkt geht es hier nicht darum, wer wieviel Kontrast und Sättigung individuell bevorzugt, sondern darum, dass hier keine weitere Korrektur einzelner Farbwerte nötig ist.
Um zu verstehen, was an diesem Bild „besonders“ oder am Workflow bemerkenswert „einfach“ ist, lohnt sich auch das Hinzuziehen der Erfahrung im Umgang mit LUT-Angeboten anderer Hersteller. Meistens finden sich hier ein Paar REC-709 LUTs, die mit knalligen Farben und starken Kontrasten operieren und die damit deutlich mehr „Video-“ als „Filmlook“ produzieren.
Wenn man Glück hat, werden zusätzlich Low-Contrast REC709 LUTs mit etwas höherem Dynamikumfang angeboten - doch hier liegt der Teufel häufig im Detail, weil hier beispielsweise einzelne Farbwerte mit einer zu hohen Grundsättigung versehen sein können oder es zu bestimmten Farbstichen kommen kann - um nur zwei von einer Reihe von möglichen Problemen zu nennen.
Diese sind zwar in der Regel mit relativ geringem Aufwand lösbar – benötigen jedoch meist mehr Zeit in der Postproduktion als die hier besprochenen RED-LUTs.



















