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News : Digitale Bilder mit Herkunftgarantie? Nikon und Leica implementieren Content-Authentifizierung in

von Do, 27.Oktober 2022 | 3 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Bilder bald mit Herkunftsgerantie?
Viele offene Fragen



Wer die Nachrichten rund um KI-Tools in der Bildbearbeitung mitverfolgt, weiß mit welch atemberaubender Geschwindigkeit hier neue Technologien entstehen. Schneller als gedacht werden verschiedene, Deep Learning-gestützte Facetten der Bildbearbeitung und auch Bilderstellung möglich und zunehmend perfektioniert (Stichwort DALL-E 2). Das ist aufregend, aber es darf einem durchaus auch etwas mulmig dabei werden, denkt man an die Implikationen. Denn zwar gibt es bereits ein gewisses Mißtrauen in das - immer schon - manipulierbare, digitale Bild, doch wenn wir erst mitten im Ozean aller automatisch generierten oder per KI-Tools modifizierten Bilder schwimmen, wie soll sich überhaupt noch sagen lassen, welche davon authentisch sind?

Die Bilder-KI DALL-E 2 macht flux aus einem Reiher einen Elefanten


Wenn wir aber in den letzten Jahren eines gesehen haben, dann wie wichtig es für eine funktionierende, offene Gesellschaft ist, eine gemeinsame Basis an Fakten und Wissen zu haben, über deren Folgerungen man sich streiten mag, ihre Gültigkeit jedoch nicht in Frage stellt. Manipulationen und Fehlinformationen dagegen stiften Chaos und begünstigen Verschwörungstheorien; die Grenzen zwischen Glauben und Wissen scheinen durchlässig zu werden.

Mit KI-Tools lassen sich nun per einfachem Knopfdruck Menschen oder Gegenstände nahtlos in Fotos und Videos einfügen oder entfernen, die Umgebung verändern, ja ganze Szenerien frei ins Bild diktieren. Es drängt sich dabei die große Frage auf: wie können wir Vertrauen in Bilder behalten, also dass das, was wir sehen, sich tatsächlich ungefähr so zugetragen hat und nicht nur eine Phantasie oder Lüge ist? Sollte uns dies nicht gelingen, blicken wir womöglich in den Strudel der entgültigen gesellschaftlichen Fragmentierung. Alles kann echt sein, alles fake, jede Entscheidungsgrundlage ist dahin.



Bilder bald mit Herkunftsgerantie?



Parallel zu den "kreativen" KIs werden tatsächlich längst auch gegenläufige Systeme trainiert, welche von KI generierte oder veränderte Bilder erkennen sollen; ein typischer Wettlauf bahnt sich an. Eine andere Herangehensweise, um künftig vertrauenswürdige Bilder identifizieren zu können, stellt die Content Authenticity Initiative (CAI) dar, welche von Adobe geleitet wird. Sie zielt auf eine Art Herkunftsgarantie für Fotos und Videos - von der Aufnahme bis zur Veröffentlichung soll jede Änderung an einem Bild per kryptografisch erstelltem Hashwert nachvollziehbar werden. Das Verfahren setzt dabei auf Trustlists, nicht auf die Blockchain. Das Zertifikat oder Log-File in Form einer Metadaten-Signatur soll im Bild eingebettet, aber auch über einen zentralen Server abrufbar sein. Es soll angeblich nicht manipulierbar sein.

Über 800 Unternehmen, darunter wichtige Nachrichtenorganisationen wie die BBC, dpa oder Reuters haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Nun haben Nikon und Leica, welche als bislang einzige Kamerahersteller an Bord sind, bekanntgegeben, eine konkrete Implementation der Content Authenticity-Technologie für ihre Kameras zu entwickeln. Beispielhaft werden die Modelle Nikon Z 9 und Leica M11 genannt (dies bedeutet laut Nikon jedoch nicht zwingend, dass genau dieses Modell (Z 9) künftig mit der Funktion ausgestattet wird). Leica wird voraussichtlich in 2023 eine Kamera mit einer CAI-konformen Signatur-Funktion ausliefern.

Kameraherstellern (also auch Smartphone-Herstellern) kommt aus unserer Sicht eine entscheidende Rolle zu, denn nur wenn schon im Aufnahmegerät gewisse Schlüsselinformationen mit der Bilddatei verknüft werden, kann es überhaupt eine lückenlose Dokumentation der Herkunftsdaten (Provenienz) geben. Die sogenannten "content credentials" können aus verschiedenen Datenkategorien bestehen, etwa zu Bearbeitungsaktionen, von wem ein Bild produziert wurde und welche Accounts mit einem Bild verknüpt sind. Werden diese Daten erfaßt, sind sie nachher für jeden öffentlich einsehbar - das ist Sinn der Sache, birgt jedoch auch Sicherheitsrisiken, etwa für (foto)journalistische Einsätze in heiklen Bereichen. Die Attribution kann daher auch nicht namentlich erfolgen.

Wird ein Bild mit einer solchen verifizierten Signatur in einem Programm wie Photoshop bearbeitet, bleiben die Metadaten erhalten bzw. werden um jede vorgenommene Veränderung ergänzt. Da die Metadaten-Signatur im Bild einbettet ist, sollte sie idealerweise künftig überall dort abrufbar sein, wo sie angezeigt werden, etwa in einem Browser, in Apps oder auf Social Media-Plattformen oä. Auf einer speziellen Verify-Webseite kann sich jeder den Inhaltsurhebernachweis einer JPG- oder PNG-Datei anzeigen lassen, sofern es ihn gibt.




Viele offene Fragen



Inwieweit das System sich in der Praxis bewährt, bleibt abzuwarten - zunächst muss es überhaupt auf breiter Basis implementiert werden. Ob es dann so fälschungssicher oder in Software unumgehbar ist, wie von der Initiative dargestellt, wird zu testen sein.

Und was für Fotos noch einigermaßen übersichtlich erscheint, dürfte im Videobereich eine deutlich größere Herausforderung darstellen, denn es wird beispielsweise für eine fertige News-Doku ja eigentlich nicht nur ein Inhaltsurhebernachweis benötigt, sondern die Herkunft jedes Videoschnipsels, der im Film auftaucht, müsste nachvollziehbar sein.

Ein Allheilmittel kann ein solches Verfahren für das anfangs skizzierte Problem ohnehin wohl leider nie werden. Denn zwar kann es bestenfalls dazubeitragen, ein bestimmtes Bild mit Signatur als authentisch oder als nachträglich manipuliert einschätzen zu können (so willkommen dies auch wäre). Ein gefaktes Bild ohne Signatur als solches zu entlarven, dürfte nicht mit 100% Sicherheit möglich sein, solange auch das Ausgangsbild keine hatte. Und zu guter Letzt darf man auch eines nicht vergessen: wie man jeden Tag im Internet erleben kann, interessiert es viele Menschen im Grunde sogar nicht, ob etwas wirklich authentisch ist (eine Information, ein O-Ton, ein Bild), solange es echt wirkt und irgendwie in ihr Weltbild passt.


  

[68 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
dienstag_01    08:03 am 30.10.2022
Wie belegst du denn die Beziehung zu 100%? Mir ist schon klar, dass man viele Daten mit nur einem Namen (und vielleicht dem Geburtstag) recherchieren kann. Funktioniert ja schon...weiterlesen
Darth Schneider    04:10 am 30.10.2022
Ich denke wenn der Namen plus unser Gesicht, aus Fleisch und Blut, alleine reichen würde, ja dann bräuchten wir gar keine Passe. Wir brauchen aber Pässe, weil der Name alleine,...weiterlesen
DKPost    03:40 am 30.10.2022
Ich wusste auch nicht, dass Kinder gar keine Ausweisdokumente haben. Dass sie keinen Perso haben war mit schon klar, aber ich dachte den Kinderausweis hätte jeder. Ich hatte den...weiterlesen
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update am 9.Dezember 2022 - 15:02
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