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News : Die Panasonic Lumix S1H - Erste 6K-FullFrame Kamera unter 4.000 Euro

von Di, 27.August 2019 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


6K intern - mit 10 Bit 4:2:0 LongGop
Für wen?
Formate
Mini-Varicam?
Display, Sucher und Audio
USB-C universell
Details
Unsere Einschätzung



Panasonic stellt die dritte Vollformat Lumix vor, namentlich die S1H. Im Gegensatz zur schon länger erhältlichen S1 wurde dieses Modell noch mehr an den speziellen Bedürfnisse von Filmern ausgerichtet. Nachdem V-Log schon seit ein paar Wochen für die S1 verfügbar ist, fragt man sich natürlich, was man hier jetzt für 1.500 Euro Aufpreis noch mehr erwarten darf.



6K intern - mit 10 Bit 4:2:0 LongGop



Auf dem Papier ist sicherlich die interne 6K Aufzeichnung am auffälligsten. Diese ist allerdings nicht in 10 Bit 4:2:2 möglich, was auf den ersten Blick den einen oder anderen Anwender enttäuschen könnte. Bei genauerer Betrachtung wäre eine 4:2:2 Aufzeichnung jedoch überhaupt nicht sinnvoll, da aufgrund der Bayerstruktur des Sensors ja gar nicht jeder zweite Pixel in der 6K-Aufzeichnung mit unterschiedlicher Farbinformation versorgt werden kann. So gesehen ist 4:2:0 schon aufgrund des geringeren Datendurchsatzes in der Tat eine rationale Entscheidung für die Aufzeichnung.



Außerdem sollten zumindest in der Theorie 6K 4:2:0 auch für ein Downscaling nach 4K 4:2:2 vollkommen ausreichend sein. Die Ergebnisse in der Post dürften von einer nativen 4K 4:2:2-Aufzeichnung kaum zu unterscheiden sein. Doch wer so denkt, dem sollte die 4K-Aufzeichnung einer kleineren S1 ebenso genügen. Für die praktische Anwendung hat die neue S1H somit allenfalls einen leichten 6K-Vorteil in der Luminanz gegenüber der viel günstigeren S1 mit V-Log Update.



Für wen?



Auf einer Panasonic Präsentation wurden als Schwerpunkte für S1H -nicht unbedingt bescheiden- Kinoproduktion, Werbung und Reportage genannt. Ob dies mit interner, stark komprimierter MOV-Aufzeichnung auf nun 2 SD-Karten Slots im absolut professionellen Film Umfeld Anklang findet, dürfte spannend werden.



Praktisch ist es allemal, nicht zwei verschiedene Kartenformate -wie bei der S1- nutzen zu müssen, wenn man die Zweislot-Funktionalität benötigt. Die S1H unterstützt dabei auch sämtliche Spielarten der Dual Slot Aufzeichnung (Relay, Kopie etc.). Neu ist zudem das optionale automatische Splitting in Dateien von einer Minute Länge. Sollte beispielsweise die Kamera während der Aufzeichnung herunterfallen und die Datei nicht abgeschlossen geschrieben werden, verliert man im Falle eines aktiven File-Splittings immer höchstens die letzte Minute.



Formate



Die Aufzeichnung eines vollen 6K Readouts erfolgt übrigens intern immer zwingend in HEVC mit Datenraten bis maximal 200 MBit als LogGOP-Format. Dabei darf man ruhig auch zu Bedenken geben, dass bei einem Herunterskalieren in der Postproduktion die eventuelle Kompressionsartefakte noch einmal verkleinert und interpoliert werden. Es wäre daher durchaus denkbar, dass herunterskaliertes 6K-V-Log Material in der Postproduktion kaum schlechtere Eigenschaften aufweist, als 4K RAW Material. Doch ob dem tatsächlich so ist, werden erst Praxistests an Licht bringen können.

Alternativ bietet die neue S1H (wie auch schon die alte S1) ein internes Downsampling des vollen 6K-Sensors auf 4K, das dann auch sinnvollerweise in 10 Bit 4:2:2 aufgezeichnet werden kann. Bei der S1H kann sogar eine 400 MBit I-Frame Codierung zum Einsatz kommen, die auf H.264 basiert. Allerdings lässt sich die komplette Sensorfläche in 6K/4K nur mit maximal 30fps auslesen. Mit Binning/Lineskipping kann die volle Sensorfläche zusätzlich mit bis zu 120fps in FullHD ausgelesen werden. Außerdem sind noch native 4K mit bis zu 60p im S35-Sensor-Crop Modus möglich.

Als weiterer Unique Selling Point der S1H wird von Panasonic die breite Unterstützung von anamorphotischen Objektiven genannt. Allerdings listen die technischen Daten im aktuellen Stand der Firmware nur anamorphe Formate im S35-Sensorcrop auf. Eine anamorphe Vollformat-Produktion ist also mit der S1H bis auf weiteres nicht möglich.

In der Präsentation wurde herausgestellt, dass die S1H einen Dual ISO-Modus besitzt und damit 2 native ISOs nutzen kann. In V-Log liegt dabei die Base ISO bei 640 und bei 4000. Entweder setzt man hierfür die Kamera manuell in einen Low- oder High-ISO Modus oder man wählt einen durchgehenden ISO-Bereich mit Sprungstelle. Wir vermuten übrigens stark, dass auch die S1 schon eine -unbeworbene Dual ISO Funktion- besitzt. Zumindest legt dies eine deutliche Sprungstelle in der S1-Dynamikkurve nahe.



Mini-Varicam?



Ein Killerargument dürfte die Varicam Color Science sein. So wirbt Panasonic explizit damit, dass man hier die gleichen Farben und die gleiche Dynamik (14+ Blenden) wie bei der großen Varicam bekommt. Und mit letzterer sind durchaus schon einige ansehnliche Produktionen entstanden. Natürlich steht einem direkten Vergleich die stark komprimierte, interne Aufzeichnung entgegen. Doch auch hier gibt es wichtige Veränderungen gegenüber der S1. So gibt es nun für den 4K-Sensor Downscale eine 10 Bit 4:2:2 All-Intra Aufzeichnung mit bis zu 400 Mbit/s. Wem jetzt der Kopf raucht, hier mal alle Formate der S1H in einer Übersicht:

Alle internen Aufzeichnungsformate der Panasonic S1H (MOV)



Das letzte Quäntchen Qualität kann man optional mit einer externen Aufzeichnung aus der Kamera kitzeln. So verfügt die S1H via HDMI ebenfalls über 10 Bit 4:2:2 4K-Ausgabe. Außerdem wird ein spezieller HDMI Kabelhalter mitgeliefert, der vor versehentlichem Herausziehen schützen soll:



Einen echten Killervorteil aus dem eigenen Firmware-Baukasten spart sich Panasonic dagegen bis auf weiteres auf: Die ProRES RAW taugliche Ausgabe des 6K-Sensors. In der hauseigenen EVA1 gibt es dieses Feature ja schon seit 18 Monaten (allerdings via SDI) und sicherlich hätte dieses Feature der S1H ebenfalls prächtig gestanden.



Display, Sucher und Audio



Ebenfalls neu gedacht wurde das Display, das nun nicht nur nach oben und und unten kippbar sondern jetzt auch seitlich klappbar ist. Die neue Konstruktion geht dabei sogar noch einen Schritt weiter und kann das Display nach hinten abstehen lassen, damit seitlich mehr Platz für die Anschlüsse (HDMI, USB-C und Audio) ist.



Auch nicht zu verachten ist der OLED-Sucher, der zwar gegenüber der S1 gleich geblieben ist, jedoch mit 5,8 MPixel eine enorm hohe Auflösung bietet.

Audio ist wie bei der S1 "nur" als Miniklinke für Mikrofon und Kopfhörer ausgelegt. Allerdings unterstützt auch der Miniklinken-Eingang optionalen Line-Pegel und Phantomspannung. Neu ist nun eine verfeinerte, manuelle Aussteuerung mit 32 Stufen und eine abgesenkte Gain-Stufe (LOW, -12dB) zur Aufzeichnung besonders lauter Audio-Quellen. Auch kann der Audiokanal nun mit Mute komplett stumm geschaltet werden. Die interne Aufzeichnung kann dazu einen neuen Multiband Kompressor/Limiter nutzen, der nur bestimmte Frequenzen im Signal dämpft, um eine insgesamt höhere Aussteuerung zu ermöglichen. Und nicht zuletzt lässt sich natürlich auch mit der S1H das optionale XLR-Terminal DMW-XLR1 betreiben. Außerdem unterstützt die S1H Timecode-System in allen gängigen Nuancen (u.a. Rec Run / Free Run und Drop Frame / Non-Drop Frame).



USB-C universell



Auch die USB-C-Buchse klingt sehr spannend. Denn über sie kann die Kamera nicht nur geladen, sondern auch im Betrieb mit Strom versorgt werden. Laut Datenblatt ist sogar beides zur gleichen Zeit möglich. Damit kann man die sowieso schon sehr langen Laufzeiten des Akkus (angeblich nun fast 2 Stunden) mit einer einfachen USB-Powerbank noch einmal deutlich verlängern. Diese ist solange der Akku noch etwas Restladung besitzt dann sogar Hot-Plugging-fähig.



Details



Abseits von den neuen Formaten und Anschlüssen hat Panasonic bei der S1H viele kleine Details für Videoaufnahmen verbessert bzw. hinzugefügt. So gibt es z.B. Farbbalken & 1kHz Testton (SMPTE, EBU und ARIB), Blacklevel- und Knee Control oder auch eine Luminanz-Spotmessung um für V-Log die 18 Prozent Grau zuverlässig zu treffen. Neben einem Vektorskop kann nun der Waverform-Monitor weitaus größer dargestellt werden und sogar den unteren Bildschirmrand einnehmen.

Die Zebra-Funktion kann nun nicht nur Überbelichtungen signalisieren, sondern auch Bereiche abdecken. So kann man z.B. einen Zebra-Helligkeitsbereich von 75-85% einstellen, um Hauttöne immer in diesem Bereich zu belichten.

Schön gefällt uns auch das flexible, zusätzliche Display auf der Oberseite des Kameragehäuses. Dieses kann auch viele Filmer-relevanten Informationen (wie z.B. Audiopegel) darstellen, womit die Vorschau im Display oder Sucher weniger blockiert wird.



Die S1H ist übrigens die erste Lumix, die mit einem integrierten Lüfter arbeitet. Dieser kann sich optional auch erst zuschalten, wenn es wirklich notwendig sein sollte. Dabei soll er nahezu lautlos arbeiten. Hiermit soll immerwährend garantiert sein, dass sich die Kamera niemals wegen Überhitzung abschaltet. Dennoch ist das Gehäuse weiterhin spritzwasser- und staubresistent. Dazu spezifiziert Panasonic auch den Einsatz bei Minusgraden (bis zu -10 Grad Celsius).

Die Kamera bietet nun optionale rote Tally Lichter vorne und hinten, um eine Schauspielern oder Interviewten die laufende Aufzeichnung zu signalisieren.

Ach ja: Die unverbindliche Preisempfehlung für das S1H Gehäuse liegt bei 3.999 Euro und die Kamera soll ab Ende September 2019 im Handel erhältlich sein. Gleichzeitig hat Panasonic auch noch ein neues L-Mount LUMIX S PRO 24-70mm/ F2.8 Objektiv mit durchgehender Blende angekündigt. Es besitzt keine interne Stabilisation und soll 2.500 Euro kosten. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass man auch viele bestehende Objektive über diverse Adapter sehr günstig an der S1(H) nutzen kann.





Unsere Einschätzung



Die neue S1H darf wohl momentan ohne Übertreibung als die mit Abstand interessanteste SLR-Kamera für Filmer bezeichnet werden. Auch wenn der Preis von 4.000 Euro kein Pappenstiel ist, bekommt man hier schon eine Menge Funktionalität in einem bemerkenswert runden Gesamtpaket angeboten. Gegenüber einer Blackmagic Pocket 6K gibt es es hier neben mehr Dynamik auch einen stabilisierten, größeren Sensor, sehr lange, verlässliche Akkulaufzeiten, (die sich zudem per günstiger USB-Powerbank noch pragmatisch verlängern lassen), ein Klappdisplay, einen Spitzensucher sowie einen guten Autofokus mit Objektverfolgung. Gegenüber anderen SRLs sticht vor allem die Varicam Color Science mit V-Log, interne 10 Bit 4:2:2 Aufzeichnung sowie die nutzbare 6K Auflösung heraus. Auch die externe Aufzeichnung über HDMI dürfte tadellose Ergebnisse liefern.

Blackmagic kann neben dem etwas günstigeren Preis dagegen "nur" volle 6K RAW Aufnahmen mit 50/60p sowie eine Resolve Studio Lizenz ins Feld führen. Gleichzeitig erinnert die Vorstellung der S1H auch daran, dass bereits die S1 mit V-Log ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis bietet und für viele Filmer schon mehr als ausreichend ausgestattet sein könnte. Nicht umsonst führt letztere mit dem V-Log-Update aktuell unsere Bestenliste DSLR/DSLM an.

Um zum Schluss nicht komplett den Überblick zu verlieren hier noch einmal eine Übersicht über die Unterschiede zwischen der S1 und der S1H (inkl. GH5(S)):



sowie




  

[97 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Mediamind    18:28 am 20.9.2019
Heute kam der Upgradekey für V-Log. Gleich freigeschaltet und ausprobiert. Fand ich die Aufnahem mit 100 mbit/s schon gut, mit 150 sind sie noch mal anders. Ich hatte gehofft,...weiterlesen
nic    12:50 am 17.9.2019
Oha! Wer produziert denn dann den Varicam-Sensor?
Jan    22:30 am 16.9.2019
Noch mal das Thema mit dem Tiefpassfilter, Panasonic sagt das selbe wie ich am Anfang des Threads. Man hat sich bei dieser Videoversion für den Tiefpassfilter und gegen etwas mehr...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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update am 4.Juli 2020 - 18:02
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