Logo Logo
///  >

Interviews : Licht hat seine eigene Logik / Teil 2: Arbeiten mit Licht

von Mi, 2.Mai 2007 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Film und Video – der Kontrast...



Film und Video – der Kontrast...



// Apropos Film und Kontrast – man hört ja ab und zu von Kameraleuten, daß es ja viel schwieriger sei, für Video zu leuchten, aufgrund des geringeren Kontrastumfangs. Wie siehst Du das?

Korn hat natürlich einen größeren Dynamikumfang. Wenn du bei Video eine weiße Fläche hast, mußt du aufpassen, daß du die nicht überlechtest, denn dann verliert sie jede Bildinformation. Im Korn hast du dann eher noch eine Information drin. Bei Video hast du natürlich den Vorteil, wenn du einen guten, kalibrierten Monitor am Set hast, daß du das eins zu eins überprüfen kannst. Die Schwierigkeiten die auftreten, kannst du auch besser kontrollieren. Bei Film hast du heutzutage an der Kamera zwar auch eine Videoausspielung, aber die sagt nichts über die technische Qualität des Bildes aus, das ist mehr für den Regisseur um die darstellerischen Leistungen zu prüfen, oder die Kameraführung.
Bei Video ist das schon anders, und über ein Histogramm kannst du schnell erfassen, ob es Bereiche gibt, die total ins Weiße wegbrechen, sodaß man am Licht etwas zurücknehmen muß.

// Hier darf man sich also noch weniger auf das Auge verlassen.

Das kommt auch ein bißchen auf die Erfahrung des Kameramanns oder des Beleuchters an.
Von meiner Erfahrung mit Video her ist die Lichttechnik im groben die gleiche, wie bei einem Filmdreh, also dieselben Lampen, dieselbe Art der Lichtformung mit Reflektoren, Abdeckfahnen und so, höchstens vom Lichtgleichgewicht ist das anders, das man in der Relation anders arbeitet.

// Ein anderes Merkmal von Video ist die sehr große und meist unerwünschte Schärfentiefe. Wie läßt sich Licht unter diesem Gesichtspunkt als gestalterisches Hilfsmittel einsetzen?

Da muß man versuchen, das über das Licht-Gleichgewicht zu regeln, bei einem Interview zum Beispiel die Person gut ausleuchten, und den Hintergrund dunkler machen, damit die Person sich davon abhebt, sodaß man da eine Stufung erreicht. Aber das ist natürlich immer ein großes Problem mit der Schärfentiefe, die fehlende Gestaltungmöglichkeit der Unschärfe bei Video. Daher versuchen ja Kameramänner möglichst immer mit diesem 35mm-Vorsatz zu drehen.

// Wäre das nicht mal eine schöne Herausforderung, zu sagen: wir drehen jetzt Video, ohne Adapter, aber machen so eine ausgefuchste Lichtsetzung, und modulieren unsere Schatten so, daß wir so eine gewisse Bildtiefe herstellen oder simulieren können?

Das ist doch aber eigentlich ein grundsätzliches, filmisches Prinzip, daß man schon immer bestrebt ist, gewisse hervorzuhebende Dinge im Bild zu unterstützen durch ein Freistellen, entweder über die Schärfentiefe, Vordergrund scharf / Hintergrund unscharf oder umgekehrt, oder ein Lichtungleichgewicht. Das kann ja beides gut aussehen, und ist Teil des visuellen Konzepts. Da geht es darüberhinaus auch darum, welche Farbe haben Wände am Set zum Beispiel, oder wie sehen die Kostüme aus und so.
Manchmal sind einem da auch die Hände gebunden, wenn es Figuren gibt, die aus irgendeinem Grund immer schwarz tragen müssen, weil sie in Trauer sind, oder -- um ein extremes Beispiel zu nennen -- bei Gothics, die sich dann auch noch in einem schwarzen Motiv bewegen. Da mußt du dann über das Setzen von Konturen und Kanten versuchen, daß die Figuren sich vom Hintergrund trennen. Daß die schwarze Kleidung von schräg hinten so viel Licht bekommt, daß sie sich vom schwarzen Hintergrund trennt, oder daß der Hintergrund an der Stelle mit einem kleinen Licht-Kicker aufgehellt wird, damit sich das differenziert. Das kann natürlich auch über Requisiten passieren, etwa eine Prop-Lampe, die im Bild steht und ein bißchen Licht wirft.
Man muß sich ja auch darüber im Klaren sein, zumindest wenn man auf Film dreht: Ist das in der Einstellung eigentlich scharf im Hintergrund? Weil das, was für das Auge am Drehort zu viel aussieht, ist auf dem Film nachher oft etwas reduzierter, man muß also immer ein bißchen übertreiben.



Das versendet sich...
Das gebeugte Licht


5 Seiten:
Einleitung
Das versendet sich...
Film und Video – der Kontrast...
Das gebeugte Licht
  

[2 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Anonymous    23:33 am 6.5.2007
Ja, wirklich ein ausgesprochen fundierter und sympathischer Artikel, hat Spaß gemacht, das zu lesen - obwohl oder weil ich mich selbst ganz gut auskenne. (Eine winzige...weiterlesen
Anonymous    20:57 am 5.5.2007
interessanter artikel, sehr angenehm auch, wie unprätentiös und gut verständlich götz holborn berichtet, eine seltenheit in unserem metier, vielen dank...weiterlesen
[Kommentare ganz lesen]

Artikel zum selben Thema:

Interviews: Licht hat seine eigene Logik / Teil 1: Professionell am Set Sa, 28.April 2007

Weitere Artikel:


Interviews: Neuer Atomos CEO Estelle McGechie - Was war, was ist und was werden könnte... Do, 9.Dezember 2021
Estelle McGechie hat eine bewegte Vergangenheit in der Branche (u.a. bei Apple) und ist seit drei Monaten der neue CEO von Atomos. Wir konnten uns mit ihr über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft von Atomos unterhalten...
Interviews: Carmina Burana trifft auf Motion Control -- über die Produktion von MeTube 2 Mi, 15.Juni 2016
Höchst skurril und wahnsinnig aufwendig gemacht ist der in Kooperation mit der Bayerischen Staatsoper entstandene Clip MeTube 2 -- wir haben die Filmemacher nach dem Produktionsablauf gefragt, welches die besonderen Herausforderungen beim Dreh und in der Postproduktion waren, aber zB. auch wie man RED-Material nach schäbigem MiniDV aussehen läßt...
Interviews: slashCAM Messevideos IBC und Photokina 2014 Mo, 6.Oktober 2014
Anbei die slashCAM Messevideos zu IBC und Photokina in der Übersicht, in der sich eine Reihe von Messeneuheiten anlässlich der IBC und Photokina wiederfinden wie bsp. Sony FS 7, AJA Cion, Blackmagic URSA, Nikon D750, Panasonic LX 100, Samsung NX1, Canon EOS 7D MK II und andere.
Interviews: Berlinale Nachlese -- Video-DSLR Produktionen (Highway, Sleepless Knights) Di, 28.Februar 2012
Unter den vielen digital gedrehten Filmen im diesjährigen Berlinale-Programm fanden sich natürlich auch einige Produktionen, bei denen mit einer Video-DSLR gefilmt wurde. Bei zwei von ihnen -- dem nepalesischen Roadmovie Highway sowie dem in Spanien gedrehten Sleepless Knights, beide übrigens mit der Canon 5D gedreht -- konnten wir per Mail nachfragen, wie und warum...
Interviews: Gemälde in Zeitlupe -- Erfahrungen mit der WEISSCAM HS2 MK2 Mo, 20.Februar 2012
Interviews: Berlinale 2012 -- mit der EX3 durch den Schnee (Hiver nomade) Di, 14.Februar 2012
Interviews: Fernseh-Doku mit der Canon EOS 60D: Vergiftet von C. v. Brockhausen u. P.-L. Lenz Di, 15.November 2011
Interviews: Fernseh-Doku mit der Panasonic GH2: Nachtschicht von Timo Großpietsch Mo, 17.Oktober 2011
Interviews: Die Huberbuam: 3D extrem -- Stereografie an der Steilwand Do, 13.Oktober 2011
Interviews: Wie wurden die Clips gemacht? -- Platz 1 bis 10 des Shot-transit Wettbewerbs /Teil II Do, 14.April 2011


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 24.Januar 2022 - 15:02
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*