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Fokus Indie-Film : THE BOND - James Bond Fan-Film mit professionellen Actionszenen

von Fr, 4.Dezember 2020 | 3 Seiten (Artikel auf einer Seite)


... und: Action!
100% In-Camera Effects, Sound, Kamera-Setup



Der Kinostart des nächsten großen James-Bond-Films (No Time to Die) ist zum wiederholten Mal verschoben, doch etwas Action à la Bond gibt es Dank des Fanfilms "The Bond" zum Glück trotzdem zu sehen. Gedreht hat den Kurzfilm, in dem es um die Frage des Bond-Nachfolgers (oder besser gesagt, Craig-Nachfolgers) geht, die Camcore-Crew. Sie hatten ihren Kinofilm Phantomschmerz ja auch schon hier auf slashCAM vorgestellt -- diesmal verraten sie uns unter anderem, wie die sehr professionell wirkende Kampfszene gedreht wurde.

Für den gut zwei Minuten langen "The Bond", in dem nicht gesprochen, dafür aber umso mehr gekämpft wird, haben sie sich tatkräftige Unterstützung von Claudia Ploy Heinz, die als Stuntfrau bei diversen Hollywood-Produktionen mitgewirkt hat (demnächst zB. in Fast & Furious 9 und Matrix 4) und Action-Designer / Stunt-Profi Vi-Dan Tran (Into the Badlands ua.) geholt -- mehr dazu gleich, doch zunächst Film ab:





... und: Action!



Kurz zum Einstieg: wie seid ihr auf die Idee für den Film gekommen -- seid ihr James Bond Fans?

Daniel Littau / Camcore: Wir sind schon immer große James Bond Fans gewesen. Der ständig neu verschobene Kinostart von "No Time To Die" und die vielen Diskussionen um den Nachfolger Daniel Craigs haben uns dann auf die Idee gebracht, selbst einen kurzen Fanfilm zu produzieren.


Wie lang war die Vorbereitungsphase, wie lange habt ihr gedreht?

Das ganze Ding ist relativ spontan entstanden. Wir haben uns einen Tag lang Hotels und weitere Locations rund um Berlin angeschaut und dann relativ schnell an einem Abend die Idee zur Geschichte ausgedacht. Gedreht haben wir an einem Drehtag von morgens bis in die Nacht.

Gab es ein Budget für den Kurzfilm oder wie habt ihr ihn finanziert?

Das Budget des Films betrug ca. 2.500€. Finanziert haben wir das aus eigener Kasse. Die größten Kosten, die dabei angefallen sind, waren die Location und die Anamorphoten von Hawk. Hierfür haben wir aber einen superguten Rabatt der Unternehmen erhalten.


Mit Vi-Dan Tran und Claudia Ploy Heinz habt ihr zwei richtige Action-Profis an Bord - kanntet ihr euch schon oder wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Claudia habe ich mal bei einem Job vor vielen Jahren in Berlin kennengelernt und seitdem immer wieder mal den Kontakt gehalten. Vi-Dan durfte ich dieses Jahr bei seinem Dreh zu "Cyberpunk - Phoenix Program" kennenlernen. Er hat bei Facebook eine Ausschreibung für Stuntmen veröffentlicht, woraufhin ich mich direkt beworben habe. Die Mentalität, das Know-How und der Spaß an der Sache haben mich sehr inspiriert, sodass ich mir sagte, dass ich unbedingt mal mit ihm zusammenarbeiten möchte. Als sich dann die Gelegenheit mit "The Bond" ergab, waren wir super glücklich darüber, dass Claudia und Vi-Dan Lust und Zeit hatten, dabei zu sein. Die beiden waren ein richtiges Upgrade für die Produktion.

Daniel, Du spielst neben (oder gegen ;) Claudia die zweite Hauptrolle - falls Du nicht auch Kampfsportler bist, wie hast Du dich auf die Action-Moves vorbereitet?

Seit meinem 7. Lebensjahr bin leidenschaftlicher Kampfsportler. Angefangen habe ich mit Tae Kwon Do und Akrobatik. Seitdem lässt es mich nicht los. Für einen Schauspieler mit Martial Arts Background ist es einfach das Größte, beides miteinander kombinieren zu dürfen und dadurch Geschichten erzählen zu können.


Im Grunde besteht ja der Film aus einer Kampfszene - die sehr gekonnt wirkt. Es wäre interessant zu hören, wie ihr die vorab geplant und dann am Set umgesetzt habt. Zum Beispiel: Gab es ein detailliertes Storyboard für jede Einstellung / jeden Move, wie lang waren die Takes, wie oft habt ihr wiederholt, wieviel habt ihr geübt etc.

Claudia und ich haben uns 1 1/2 Tage gemeinsam getroffen und geprobt. Einen weiteren Tag hatten wir dann mit Vi-Dan, Andreas Olenberg und Khoa Huynh (1.AC und Stuntkoordinator). Dieser Tag war sehr wertvoll, vor allem durch die Hilfe von Khoa - ein super talentierter und unglaublich sympathischer Filmemacher und Kampfsportler. Wir haben die Choreo vorab einstudiert und zeitlich gestoppt, sodass wir ungefähr wussten, was für einen Output wir haben werden. Vi-Dan wollte die Kampfszenen möglichst wenig zerschneiden, weshalb wir die Abfolgen möglichst an einem Stück aufgenommen haben. Dies hat meiner Meinung nach auch eine ganz andere Dynamik und Intensität. Oft sieht man, wie Actionszenen zu Tode geschnitten werden, sodass die Choreo komplett verloren geht. Dies haben wir versucht zu umgehen und wie ich finde auch weitestgehend geschafft.





100% In-Camera Effects, Sound, Kamera-Setup



Postpro: Womit habt ihr geschnitten? Wie viel Spielraum gab es nachher bei der Montage des Films bzw. der Actionsequenz? Und habt ihr noch irgendwie getrickst, etwa mit den Framerates? Wieviel VFX steckt im Film?

Das Editing sowie das Colorgrading erfolgten in DaVinci Resolve. Der Film ist, wenn man das so sagen kann, zu 100% In-Camera entstanden. VFX gab es keine, auch kein Upspeeden in der Post. Wir wollten alles möglichst natürlich halten.


Das zersplitternde Glas war also ein besonderes Special Effects Glas?

Ja, das Glas, das Claudia wirft, war aus SFX-Glas. Wir hatten einige Exemplare besorgt, um den Take mehrere Male wiederholen zu können. Ist eine Art Zuckerglas, das superleicht zerbrechlich ist.

Die Tonspur gibt dem Ganzen nochmal richtig Gewicht -- das ist komplett nachvertont oder..? Wie habt ihr da gearbeitet, ist das mit fertigen Soundeffekten in der Postpro unterlegt oder eigens "Foley-mäßig" gemacht?

Das freut mich sehr zu hören! Das war letztendlich auch die größte Arbeit in der Post. Wir haben alles komplett im Studio mit Claudia nachvertont. Die Schreie, das Atmen etc. Alles musste nochmal neu aufgenommen werden, da wir am Set keine Zeit mit dem Angeln verlieren wollten. Auch die Foleys wurden von "Kokelsound" Phillip Randt selbst eingespielt. Das war schon witzig zu sehen, was für Gegenstände sich eigentlich hinter den Schlägen verstecken.

Woher stammt der Soundtrack?

Der Soundtrack wurde von unserem langjährigen Komponisten Nicolai Retzlaff komponiert. Wir wollten dem typischen James Bond Theme nah kommen, aber nichts kopieren. Unsere Orientierung lag dann an Hans Zimmers "Inception" Theme und dem Soundtrack von "Tenet" von Ludwig Göransson.


Nochmal zurück zum Dreh, erzählt mal ein bißchen vom Kamera-Setup: ihr habt ja wieder mit einer URSA gedreht (wie schon bei Phantomschmerz), allerdings mit dem Nachfolger G2. Hattet ihr eine oder mehrere Kameras? Wie habt ihr die Kamera stabilisiert? In welchem Format habt ihr gedreht? Und weshalb habt ihr euch für die speziellen anamorphotischen Optiken entschieden?

Gedreht haben wir erneut mit Blackmagic, weil wir einfach vom Gesamtpaket überzeugt sind. Da gibt es nichts zu meckern. Unser Set-Up hat sich je nach Einstellung von Handheld zu Gimbal + Tilta Armor Man 3 gewechselt. Da waren wir relativ flexibel und brauchten auch nur eine Kamera. Wir haben in Blackmagic RAW 5:1 in 4.6K mit 16:9 und 1.3x Anamorphic aufgenommen.
Der Dreh mit anamorphotischen Linsen war für jeden an unserem Set etwas Neues. Wir wollten einen ganz speziellen Look kereieren und dem Film etwas "Charakter" verschaffen.

Wie sah das Lichtkonzept aus und wieviel vom Look ist beim Grading entstanden?

Für die Ausleuchtung hat unser Gaffer Lars Elliger lediglich eine Kinoflo an das große Fenster hinter die Vorhänge gestellt. Somit könnten wir den ganzn Tag über ein gleich bleibendes Licht sicherstellen. Bei den näheren Shots haben wir dann teilweisen mit Astera Titan Tubes die Gesichter ausgeleuchtet. Ein wesentlicher Bestandteil des Lichtkonzepts war es auch, den Hazer durchgängig einzusetzen und mit Floppys hier und da etwas Licht zu klauen (Negative Fill).


Zum Abschluss: was wäre euer Tipp für den Dreh einer gelungenen Kampfszene?

Sich viele gute Kampfszenen immer wieder anzuschauen und zu analysieren. In unserem Fall war es natürlich der Jackpot, dass wir so talentierte Profis wie Claudia, Vi-Dan und Khoa dabei hatten.

Daniel, vielen Dank für die Infos!


///////////

The Bond - A James Bond Fanfilm

Starring: Claudia Ploy Heinz, Daniel Littau
Director & Editor: Andreas Olenberg
DoP & Action Designer: Vi-dan Tran
Music by: Nicolai Retzlaff
Written & produced by: Daniel Littau
volle Credits auf YouTube

Camcore Filmproduktion

///////////

Du hast auch einen Film gedreht und würdest ihn gern auf slashCAM vorstellen?

Dann schick uns einen Vimeo- oder YouTube-Link mit ein Paar Stichworten zur Produktion (an film at slashcam.de) – wir freuen uns auf spannende, verrückte, kreative, technisch interessante Projekte.


  

[81 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
iasi    23:08 am 8.12.2020
Wenn schon Geballer, dann aber richtig: https://www.youtube.com/watch?v=mx15l4L4Zlk https://www.youtube.com/watch?v=_ysVoV3x5Zo
Darth Schneider    21:04 am 8.12.2020
Cool gemacht, hab’s gestern geschaut. Aber für meinen Geschmack sind die Kampfszenen zu wenig ästhetisch, nicht filmisch genug für das Thema. Irgendwie zu schnell für Film,...weiterlesen
roki100    20:37 am 8.12.2020
UMP G2 + SLRMAGIC apo hyperprime https://youtu.be/JJdtkKNQKJ4?t=374
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update am 20.Januar 2021 - 15:02
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