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Fokus Indie-Film : Deichbullen - von YouTube zu Netflix

von Mo, 12.Februar 2018 | 3 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Drehbuch mit Spielraum / keine Geldgeber / Crowdfunding
  Netflix / eine Serie schreiben / GH5



Netflix / eine Serie schreiben / GH5



// Nachdem ihr recht schnell auf YouTube ein Publikum und auch Preise gewonnen hattet, wart ihr auf Watchever zu sehen, bis der Dienst pleite ging. Wie seid ihr danach bei Netflix gelandet, sind die auf euch zugegangen oder wie lief das?

Dank Studio Hamburg Enterprises ging dann alles sehr schnell – wir standen zu dem Zeitpunkt der ersten Kontaktaufnahme noch völlig ohne Geld zur Produktion der weiteren Folgen da. Studio HH mochte das Konzept und die Art und Weise, wie wir die Deichbullen produziert hatten. Außerdem sah man das Potential. Also boten die uns eine Co-Produktion an. Mir war Studio HH natürlich bekannt. Mit z.B. Tatortreiniger hatten die es ja auch zu Netflix geschafft. Uns ging es also weniger um das Geld, als um das Netzwerk, welches dahinter steckte. Als „Normalsterblicher“ an Netflix heranzukommen, ist fast unmöglich. Durch diese Partnerschaft standen uns die Türen offen.

Dreharbeiten 2017


// Ihr habt daraufhin neues Material gedreht -- gab es denn diesmal Gage oder decken die neuen Deals immer noch nur das Nötigste ab?

Es deckt nur das Nötigste. Aber uns ging es ja um das Netzwerk und die Möglichkeit weiter zu machen. Wir wollten die Deichbullen nicht einfach sterben lassen.

Wenn man so ein Projekt - wir sprechen hier von 150 Minuten - real kalkuliert, kannst Du gleich das Drehbuch zum Kamin anzünden verwenden. Zumindest, wenn man noch so unbekannt ist. An Geld darfst Du bei solch einem Projekt nicht als erstes denken. Viele Filmemacher reden von Leidenschaft, die in ihnen steckt. Oft kostet diese Leidenschaft bei denen aber viel Geld. Dann machen die lieber gar nichts. Ich habe Leute, die wirklich für das Projekt Deichbullen brennen. Wir alle haben investiert in ein Projekt, an welches wir glauben. Das bekommt man in der heutigen Zeit nicht mehr vergütet. Aber als Filmemacher ist es doch das grösste Ziel, seine Filme einer möglichst breiten Masse präsentieren zu können. Diese Chance hatten wir und haben sie genutzt.
Die realen Kosten konnten wir decken und es blieb für jeden auch etwas Handgeld übrig. Das Team wurde nach Tarif bezahlt.

// Zusätzlich wurden die kurzen 5-Minüter von damals nachträglich zu zwei längeren Folgen à 25 Minuten neu montiert. Das ist ja erzählerisch etwas völlig anderes, etwa vom Spannungsbogen her -- wie bist du da rangegangen?

Die Grundstory war ja für einen 90 Minüter geschrieben. Eine Serie zu schreiben, ist etwas ganz anderes. Da bin ich selbst auch noch mitten im Lernvorgang. Man merkt das der ersten Staffel auch an. Was Du beim Langfilm bereits nach 10 Minuten erzählt haben solltest, hat bei einer Serie noch 2 Folgen Zeit. Oder auch nicht! Das ist das Schwierige.

Aber das schwerste ist es, daß Du nicht weißt, wann es zu Ende ist. Woher weißt Du, wie schnell Du eine Geschichte zu Ende erzählen sollst, wenn Du nicht weißt, ob es 2, 3 oder 6 Staffeln Zeit hat? Die Deichbullen - Staffel 1 ist wie das erste Drittel eines Buches. Man muß da durch, bevor die wahre Geschichte beginnt. Jetzt hoffen wir, daß wir die Chance bekommen diese Geschichte auch wirklich zu erzählen.


// Gedreht wurde auf der Panasonic GH5, bzw. die ersten Aufnahmen waren wahrscheinlich mit dem Vorgänger..?

Die Wahl für die Panasonic GH4 bzw. GH5 ist einfach: Die Geräte waren einfach da. Und wenn man kein oder fast kein Budget hat, ist eine Varicam oder ähnliches einfach nicht machbar. Man hat für kleines Geld schnell mal 2-3 Kameras am Set, die ein ordentliches Bild liefern. Besser geht immer, aber für unser Projekt war es ideal.

// Für welche Objektive habt ihr euch entschieden, hattet ihr auch einen Speedbooster im Set-up? Wie wurde das Bild stabilisiert?

Wir haben mit der GH5 in einem Ronin M gedreht. Das funktionierte super.
Optiken waren diese hier: ZEISS ZF.2 (21/28/35/50/85mm) + Metabones Speedbooster

// Schätzungsweise habt ihr ja in 10bit gedreht -- in V-Log? Wenn ja, welche LUT kam nachher zu Einsatz? Wie sah der Workflow da genau aus, auch in der Post / beim Grading?

Wir hatten die Webserie mit der GH4 in CineD gedreht, denn in 2015 hatten wir kein V-Log. Deshalb haben wir uns beim Dreh in 2017 mit der GH5 ebenfalls für Cine D entschieden. Ich habe den Film mit Final Cut X geschnitten. Das Grading hat mein Kameramann Hannes Gorrissen mit Premiere gemacht.


// Derzeit geht es darum, ob Deichbullen auch bei einem normalen Sender laufen wird - geht das denn überhaupt, wenn die Serie bei Netflix zu sehen ist (sowie Amazon Prime, iTunes und auch als DVD)?

Wusste ich auch nicht, daß es geht. Ja, man kann alles zeitgleich anbieten.

// Und natürlich, last but not least: Wie sieht es denn mit einer zweiten Staffel aus? Ist da schon etwas entschieden?

Die ersten 3 Monate in 2018 werden entscheiden, ob es mit den Deichbullen weitergeht. Die Story steht. Das Drehbuch ist in Arbeit. Wir haben alle Bock. An uns soll es nicht scheitern.

// Wir drücken die Daumen… Vielen Dank!


Hier geht es zur Deichbullen-Webseite mit weiteren Infos



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Dann schick uns einen Vimeo- oder YouTube-Link mit ein Paar Stichworten zur Produktion an: film at slashcam.de – wir freuen uns auf spannende, verrückte, kreative, technisch interessante Projekte.



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[4 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
j.t.jefferson    11:58 am 1.3.2018
hab gestern direkt 4 Folgen geschaut mit der Frau geschaut...am Anfang dachte ich wasn das fürn Amateurscheiss und dann haben wir nur noch gelacht----die zwei Hauptakteure sind...weiterlesen
rakzak    13:01 am 13.2.2018
Ich hab gestern die ersten zwei Folgen auf Netflix geguckt und war ganz positiv überrascht. Mystery ist nicht so meins, aber dafür das lakonische und die beiden "Jungs" finde ich...weiterlesen
rdcl    12:44 am 13.2.2018
Genauso zusammenhangslos ist auch der Trailer.
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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