Logo Logo
///  >

Fokus Indie-Film : Cyberpunk 2077 Phoenix Program -- Actionkamera ist eine Kunst für sich

von Mo, 22.Februar 2021 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Editing: jeder Fight wie ein Musikstück



Editing: jeder Fight wie ein Musikstück



Vi-Dan Tran, du hast ja auch die Kampfszenen selbst editiert. Hast du vorher schon im Kopf, wie du sie montieren möchtest oder verändern sich die Szenen nochmal, wenn du die tatsächlichen Aufnahmen vor dir hast? Wie entscheidest Du, welches Tempo, welchen Rhythmus ein Kampf bekommen soll?

Die Kampfszenen habe ich vor jedem Dreh bzw. während des Dreh schon im Kopf.

Was das Editing betrifft: Wenn ich choreografiere, achte ich als erstes auf den Rhythmus, und stelle mir die SoundFX und Melodie vor. Ich behandele eine Fightszene wie ein Stück Musik. Jeder Schlag oder Pistolenschuss, jedes Ausweichen, jede Pause hat eine eigene Melodie. Wenn es ständig dynamisch oder hektisch ist, wirkt auch der Kampf sehr störend. Es muss eine gute Balance haben. Es braucht Power, Schnelligkeit, aber auch mal eine Pause zum Atmen und sacken lassen.

Deswegen ist Sound Design ein super wichtiges Element für eine gute Action Szene.

Wenn‘s um Schnitt geht, muss ich aber ehrlich sagen: Ich fixe auch meine Fehler hier und dort ab und zu!
Ich würde sagen, zu 90% sind es die letzten Takes, die die Besten sind und gut im Schnitt funktionieren. Aber ja, es kann schon passieren, dass ich merke, dass Take 1 oder 3 besser ist.
Tempo und Rhythmus kommt auch meistens aus Gefühl. Ich versuche immer so schnell wie möglich die Szene fertig zu schneiden und schaue mir die Szenen 10000x im Loop an. Pausiere dann für ein paar Stunden oder Tage und schaue sie mir dann noch einmal an. Es kommt vor, dass ich danach Sachen sehe, die mir vorher im Fluss nicht aufgefallen sind. Ich bin aber erst dann zufrieden mit dem Cut, wenn ich nach längeren Nichtschauen merke:”ok, es funktioniert immer noch”. Oder wenn ich einfach keine bessere Lösung für das Problem finde. “It is what it is”.

Welche Software hast du für den Schnitt verwendet und warum?

DaVinci Resolve v16 / v17.
Ich liebe den Workflow und es ist super intuitiv: Schnell die VFX in Fusion bauen, um gleich daraufhin das Grading in der Color page zu machen, ohne die Programme ständig zu wechseln oder “dynamic linking”, was eh nicht so bombe funktioniert.
Des Weiteren sind Tools wie Motion Blur, 3 Bildstabis, 3 verschiedene Noise Reductions, Mask tracking, Skintone, Face beauty effects etc. von Haus aus schon dabei!

Wie lange habt ihr für die verschiedenen Phasen der Postpro gebraucht? Bei den brutalen Schießereien gibt es ja einiges, was an VFX hinzugefügt werden muss (Mündungsfeuer, Verletzungen etc)...

(Vi-Dan:) VFX war eine RIESEN Baustelle, aber dank der genialen VFX Artists haben wir die ganze Postpro von August bis Ende November knallhart durchgezogen.
Ich würde sagen, der finale Gitarren-Shot hat mir am meisten Bauchschmerzen bereitet. Einige VFX Artists haben sich die Finger an dem Shot verbrannt :D

BTS Cyberpunk 2077 Phoenix Program



Gibt es auch interessante VFX-Einsätze, die nicht so leicht zu entdecken sind?

Hmm, kleine VFX die man so nicht sieht, haben wir echt hier und dort versteckt. Zb. Exit-Schilder entfernt, Haarfarben geändert, hier und dort Türklinken entfernt oder eine Wunde von Johnny entfernt (wegen Continuity).

Die Flashback Szene mit Alteria ist mit Abstand auch einer meiner Lieblings-VFX Shots, da die Welt komplett 3D ist und wir die Aufnahmen in meinem Vorhof mit 20 Tracking marks gefilmt haben.

Welche VFX-Software kam zum Einsatz?

Michael Hilli: Viele Effekte wurden direkt im Edit bei Davinci Resolve 17, im integrierten Fusion, gemacht. Z.B. V´s leuchtende Augen, ein paar Muzzle Flashes, Glow usw. Sonst wurde mit den unterschiedlichsten Programmen gearbeitet, da sehr viele VFX Artists aus der ganzen Welt am Projekt beteiligt waren. Blender, Houdini, Nuke, After Effects uvm. kamen zum Einsatz. Da diese Programme nicht immer miteinander kompatibel sind, kam es zu vielen Problemen und Verzögerungen. Plugins wie Autokroma BRAW Studio haben hierbei geholfen. Zusammengefügt wurde am Ende dann alles in Davinci Resolve 17.

Still aus Cyberpunk 2077 Phoenix Program



Ihr filmt sehr professionell und bekommt viele Zuschauer auf YouTube - "Darth Maul: Apprentice" hat unglaubliche 27 Mio. Views, „Cyberpunk 2077 Phoenix Program“ hat momentan über 400.000 Aufrufe. Das liegt neben der hohen Qualität natürlich auch daran, dass es Fanfilme sind, die an bestehende Film- bzw. Game-Universen andocken. Aber das bedeutet wohl auch, dass ihr eure Arbeit trotz des enormen Aufwands nicht vermarkten dürft, oder? Was ist für euch der Reiz der Fanfilme?

Michael Hilli: Der Reiz in solch einem Fanfilm liegt darin, dass wir viel weitsichtiger Denken als nur in einem Projekt. Der Film ist eine großartige Visitenkarte, die zeigt, was wir alles können. Nicht nur einzelne Actionszenen – nein, wir können einen ganzen Feature-Film als Team verwirklichen. Die gesamte Produktion übernehmen. Dies ist etwas, was wir nicht nur uns beweisen wollten.

Natürlich erhoffen wir uns einen Vorteil bezüglich zukünftiger Projekte bzw. Aufträge über diesen Film! Klar. Dies zu leugnen wäre einfach nicht ehrlich. Wir hatten auch schon unseren ersten Erfolg diesbezüglich, mit unserem Kurzfilm “Assassins Creed Valhalla The Hunt” für Ubisoft. Dort haben wir auch unter Beweis gestellt, dass wir auf Auftragsbasis ein gut funktionierendes Team sind. Und mit solchen Projekten wie “Cyberpunk 2077 - Phoenix Program” wird das Team immer größer und somit wächst auch die Möglichkeit, noch größere Projekte zu realisieren.

Es ist für uns auch wichtig, dass wir talentierte Menschen zusammenbringen, ihnen eine Chance geben, mit Industry Professionals zusammenzuarbeiten und auch selber neue Leute dabei kennenlernen.



Aber dieser Film ist im Grunde genommen auch aus purer Leidenschaft entstanden. Oder anders gesagt aus Frustration von vielen, die in der Filmbranche arbeiten. In Deutschland wird so gut wie gar keine handfeste Action gedreht und schon gar nicht in einem Sci-Fi Setting. Davon abgesehen wollten wir auch einfach mal wieder etwas machen. Selbst wenn es sich im Cyberpunk 2077 Universum abspielt, ist die Story und natürlich auch die Action, komplett losgelöst vom Geschehen des Videospiels.

Wenn man sich den Film anschaut, wird man sehen, wieviel Liebe zu Cyberpunk, Keanu Reeves, Videospielen und CDProject und noch so viel mehr drin steckt – er ist von Film- und Videospiel-Liebhabern für Film- und Videospiel-Liebhaber gemacht worden.

Der Film soll gut Entertainen und ein Zeichen setzen! Wenn man es wagt zu träumen, sich ein klares Ziel setzt und einfach nie aufgibt, kann man alles ermöglichen beim Film. Egal mit welchen Mitteln. Aus Kleinem etwas Großes erschaffen! Und diese Botschaft ist uns viel wichtiger als alles andere.

///////////

Cyberpunk 2077 - Phoenix Program

eine T7production

Written, filmed, directed, produced by:
Vi-Dan Tran | Instagram

Main character:
Johnny Silverhand - Maul Cosplay | Instagram

Producers:
Michael J. | Hilli Instagram
Darc Mavid | Instagram
Markus Hiller | Instagram

Music by:
Vincent Lee Instagram

Sound Design:
Darc Mavid
Falk Bittner

Production Designer:
Benedikt Marcowka | Instagram

complete Credits


///////////

Du hast auch einen Film gedreht und würdest ihn gern auf slashCAM vorstellen?

Dann schick uns einen Vimeo- oder YouTube-Link mit ein Paar Stichworten zur Produktion (an film at slashcam.de) – wir freuen uns auf spannende, verrückte, kreative, technisch interessante Projekte.


Action-Choreographie, tanzende Kamera und das Setup


5 Seiten:
Einleitung
Gute Action ist eine Herausforderung - und teuer
Action-Choreographie, tanzende Kamera und das Setup
Editing: jeder Fight wie ein Musikstück
  

[2 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
lensoperator    09:55 am 25.2.2021
Hab es jetzt auch geschafft den Film mal zu schauen. Auf jedenfall schon mal Respekt an das Team für die Leistung. Einen 30min Film ohne nennenswertes Budget und mit sovielen...weiterlesen
teichomad    13:28 am 23.2.2021
Bischen unrund hier und da aber ganz ok.
[Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


Fokus Indie-Film: Mini-Doku-Serie JUGENDLAND - Produzent C. Heymann über Authentizität und Technik Do, 11.März 2021
JUGENDLAND von Christoph Heymann porträtiert in einem Niedersächsischen Dorf junge Menschen, die nicht mehr zur Schule gehen, aber auch keine Aus- oder Fortbildung machen. Wir haben uns mit Christoph Heymann etwas über die Produktion unterhalten...
Fokus Indie-Film: Horror/Mystery Kurzfilm Blinder Himmel -- (fast) alles aus einer Hand Mi, 13.Januar 2021
In unserer Behind-the-Scenes Reihe nehmen wir diesmal die Enstehung eines Low-Budget Horror/Mystery Kurzfilms unter die Lupe. Wie "Blinder Himmel" quasi im Alleingang entstand, welche Technik verwendet wurde, wie der Dreh mit der lokalen Feuerwehr ablief und vieles mehr erzählt Markus Baumeister.
Fokus Indie-Film: From North to South - Dreherfahrungen mit der Sony A7S II entlang eines Längengrades Di, 4.August 2020
Zwar dreht sich bei slashCAM vieles um die Filmtechnik, doch noch spannender ist ja eigentlich, was man damit anstellen kann. Diesmal sprechen wir mit Alessandro Rovere, dessen Film From North to South aktuell im Rahmen einer Ausstellung zu sehen ist -- über das Drehen mit der Sony Alpha 7S II, über Drohnenaufnahmen, Software-Abomodelle, Sound Design, und vieles mehr.
Fokus Indie-Film: Märchen statt Realismus - Interview zur Entstehung von O Beautiful Night (Regie / Kamera) Di, 18.Juni 2019
In Kürze kommt mit "O Beautiful Night" ein Debütfilm mit Seltenheitswert in die Kinos: eine deutsche Produktion, die beispielsweise Witz hat, ohne albern zu sein. Wir haben uns mit dem Regisseur Xaver Böhm und der Kamerafrau Jieun Yi über sehr neonlastige Bilder unterhalten, darüber wie man eine märchenhafte Stimmung erzeugt, wie sich die Produktion eines echt gedrehten Films von animierten Filmprojekten unterscheidet u.v.m.
Fokus Indie-Film: Sag dem Wind, dass ich bald komme -- Workflowstrategien und Kamera-Setup bei einer Langzeitdoku Mo, 6.August 2018
Fokus Indie-Film: Mystery-Thriller: INGENIUM -- Debüt von Steffen Hacker Di, 15.Mai 2018
Fokus Indie-Film: The strongest man of Berlin -- anamorphotisch gedrehtes Sportlerportrait (RED, Blackmagic, Iscorama) Mo, 23.April 2018
Fokus Indie-Film: "Phantomschmerz" - Produktion auf Kino-Niveau - gedreht auf Ursa Mini Pro und Sigma Cine Primes Mi, 14.März 2018
Fokus Indie-Film: Deichbullen - von YouTube zu Netflix Mo, 12.Februar 2018
Tips: 5 Licht-Tricks für ein gelungenes Interview Mo, 17.August 2020


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:

Specialsschraeg
1. April - 30. September / Düsseldorf
Young Film Lab
12-16. August / Weiterstadt
Open Air Filmfest Weiterstadt
15-19. September / Oldenburg
Internationales Filmfestival Oldenburg
6. Februar 2022/ Hanau
JUNG & ABGEDREHT – 10. Hanauer Jugend-Kurzfilmfestival
alle Termine und Einreichfristen


update am 28.Juli 2021 - 15:36
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*