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Essays : Das gute Kino

von Sa, 8.März 2008


Zum "Erlebnis Film" - ganz gleich ob digital oder analog produziert - trägt der Ort seiner Projektion ganz wesentlich bei. Auch wenn immer mehr Wohnzimmer in "Home-Cinema-Center" morphen - das (gute) Kino wird stets das größere Filmerlebnis bieten, die eigenen vier Wände eine mal bessere mal schlechtere Kopie. Aber was macht eigentlich ein gutes Kino aus ?

Kein rotes Tuch: Das Cinestar 8



Anhand von drei ausgewählten Kinos wollen wir jener seltenen Spezies "gutes Kino" auf die Spur kommen - 3 Kinos in Berlin, die sich ähnlich vielleicht auch in anderen Städten finden lassen. "Ähnlich" weil jedes Kino natürlich seine eigene Geschichte hat, und gerade dies auch, also der "geschichtsträchtige" Ort häufig auch ein guter Ort für das Erzählen von Geschichten zu sein scheint. Im besten Fall findet sich hier also Allgemeingültiges in Sachen gutes Kino wieder. Streng subjektiv versteht sich - aber begründet ...

Der Auswahl vorangestellt sei jedoch eine Warnung. Wir wollen hier nicht in die "Kino-Magie"-Falle tappen: Ein altes, baufälliges Kino mit unbequemen Sitzen und feuchtkalter Luft mag viel "pittoresken Charme" und/oder "Geschichte" besitzen. Wenn das erinnerungswürdige Kino-Erlebnis sich dann nur in Form entzündeter Augen und schiefem Rücken einstellt - nein Danke - "gutes Kino" geht anders.

Bester Beweis dafür ist das beste Kino jedes Jahr auf der Berlinale: Das Cinestar 8 am Potsdamer Platz. Ohje werden jetzt viele stöhnen - eines jener Multiplex-Kinos mit dem Charme eines Seziertisches ? Ja genau eines jener fiesen Multiplex-Kinos gehört zu den besten Kinos Berlins - doch steriler Massenbetrieb? - weit gefehlt und das hat seine Gründe.

Augen auf - hier gehts zum Film



Zunächst mal bietet es während des normalen Kinobetriebes außerhalb der Berlinale strikt alle Filme nur als OV (Originalfassung)-Version an. Wer hierherkommt, will also Film pur sehen, nicht durch deutsche Synchronkünste verstelltes Kino, sondern das Original - das allein ist schon ein wichtiger Garant für Atmosphäre und hat im Laufe der Zeit einen Spielort etabliert, der für besondere Qualität einsteht - doch es gibt noch mehr ...

Der Publikumsraum verdient im Gegensatz zu vielen anderen Kinos tatsächlich Saal genannt zu werden. Es gibt zwei Eingänge, die sich in Treppen verlängern , die sich durch das gesamte Kino ziehen und die den Saal in 3 Segmente teilen: Links, Rechts und Mitte. Während die Sitzreihen der Mitte den besten Blick auf die enorme Leinwand bieten, halten die Sitzreihen links und rechts Doppelsofas zum bequemen Lümmeln oder eng umschlungenen Kinoerlebnis parat. Es lässt sich also wählen, was wichtiger ist: Traute Zweisamkeit oder Zentralperspektivik. Für alle Kinosessel des Cinestars 8 gilt: extrem bequem und mit sehr guter Sicht nach vorn. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Die gute Sicht verdankt sich der steilen Gesamtkonstruktion, die genügend Höhenunterschied von Sitzreihe zu Sitzreihe ermöglicht. Selbst wenn größere Zeitgenossen vor einem sitzen, bleibt der Blick nach vorne frei. Womit wir zur Leinwand kommen.

Besser lässt sich kaum sitzen



130 m2 Leinwand sind großartig. Sicher gibt es irgendwo noch größere - aber diese Leinwand hat in Verbindung zum Kinosaal mit seinen 519 Sitzplätzen genau die richtigen Dimensionen: überwältigend aber nicht erschlagend: Großes Kino. Wohlgemerkt ist hier nur vom Cinestar 8 die Rede - die anderen Cinestars unterscheiden sich leider nur wenig vom Einerlei der Multiplexe.

Zum Gelingen des Cinestar 8 trägt darüber hinaus dieser eigenwillige Ort im Keller des Potsdamer Platzes bei. Der Potsdamer Platz selbst ist unwirtlich und irreal. Am besten man begibt sich also unter die Erde. Das Cinestar 8 bietet hier fast so etwas wie Geborgenheit. Durch die Dachfenster sieht man die Kuppel des Platzes und das Ganze mutet dermaßen unwirklich an, dass der Weg zum Traum, bzw. Film nur ein kurzer sein kann. Ideale Bedingungen also.

Seine Sternstunden hat das Cinestar 8 ganz klar während der Berlinale. Anstatt die Hollywood-Produktionen zu zeigen, die ein Paar Wochen später in jedem Multiplex rauf und runter genudelt werden, zeigt das Cinestar 8 das Programm des Internationalen Forum des jungen Films. Für viele Filmemacher wird dies das erste (und manchmal auch einzige) Mal sein, dass ihre auf DV gedrehten Filme in einem Kino von solchen Ausmaßen gezeigt werden. Die Projektionstechnik ist mittlerweile auf solch hohem Niveau, dass HDVHDV im Glossar erklärt als Produktionsformat kaum negativ auffällt, vorausgesetzt der Film ist gut. Zum Erlebnis werden dann Filme wie La Frontera Infinita, die auf einer JVC HDVHDV im Glossar erklärt CAM gedreht wurden und die in der Weite des Kinos keineswegs verloren wirken, sondern vielmehr an dem ihnen gebührenden Platz. Das Cinestar 8 ist ein Multiplex aber wer würde auf solche Filmerlebnisse verzichten wollen? Gut, dass es das Cinestar 8 gibt.

Es überzeugt durch sein Programm, seine Größe und vermag trotz des vermeintlichen Makels "Multiplex" Atmosphäre herzustellen.

Wer hätte das gedacht ?

Ebenfalls gut, dass es das Delphi und das International gibt - doch dazu ein anderes Mal mehr ...

Rob


    

[4 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
B.DeKid    06:56 am 11.3.2008
Das gute Kino .....hmmm...das muss auf jeden Fall frisches POPCORN haben. ;-) Wenn ich mal wieder Geld übrig habe, muss ich mir mal für daheim so ein Gerät kaufen , das hab ich...weiterlesen
BjörnF    21:52 am 10.3.2008
Das Cinestar am Potsdamer Platz liegt schon deutlich über dem üblichen Multiplex-Standard - aber wenn ihr vom besten Kino in Berlin (in der Kombi Technik und Charme) sprecht,...weiterlesen
Udo Schröer    20:00 am 9.3.2008
Zugegeben, mein Kino ist etwas kleiner (Leinwand 2,40m), dafür sitze ich ja auch drei Meter vor der Leinwand. Das erbibt fast den gleichen Blickwinkel wie im Kino. Ich habe eine...weiterlesen
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