In den letzten Wochen häuften sich ein paar Meldungen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben – und doch ein gemeinsames Bild ergeben könnten: Sony veröffentlichte eine Liste offizieller E-Mount-Lizenzpartner, auf der kein einziger chinesischer Hersteller auftaucht. Nikon verliert in China seinen Patentprozess gegen Viltrox. Und Sony will Tamron übernehmen – für umgerechnet rund 1,2 Milliarden Dollar.

Die Legende vom offenen E-Mount
Jahrelang galt Sonys E-Mount als das offenste System am Markt. Jeder, der wollte, konnte Objektive dafür bauen – so zumindest der Eindruck. Die nun veröffentlichte offizielle Lizenzpartner-Liste stutzt diesen Mythos nun etwas zurecht. Nur neun Unternehmen sind jetzt offiziell als lizenzierte Partner gelistet:
Carl Zeiss, Cooke, Cosina (Voigtländer), Fujifilm, Kenko Tokina, Samyang, Sigma, Tamron sowie Thales LAS France.

Auffällig ist: Kein einziger chinesischer Hersteller ist darunter. Viltrox, Laowa, Sirui, Meike, Yongnuo, TTArtisan, 7Artisans – sie alle arbeiten offensichtlich mit Reverse Engineering und nicht auf Basis offizieller Spezifikationen.
Bisher hatte es den Anschein, Sony toleriere die Dritthersteller stillschweigend – und gerade dies galt auch als Wettbewerbsvorteil. Das riesige Objektiv-Angebot machte das E-Mount-System für viele Nutzer erst richtig attraktiv. Nun aber sagt Sony erstmals sehr deutlich: WIR entscheiden, wer dazugehört. Die Qualifikationskriterien für eine Lizenz bleiben wohl Betriebsgeheimnis.
Die Parallele zum Nikon Z-Mount ist kaum zu übersehen: Auch dort sind nur wenige lizenzierte Partner zugelassen. Die große Frage ist, wie Sony mit den unlizenzierten Herstellern umgehen wird. Bisher hielt man sich zurück – aber das kann sich jederzeit ändern. Ein Firmware-Update, das die Kommunikation mit nicht lizenzierten Objektiven einschränkt, wäre technisch sicherlich möglich. Bei unlizenzierten Akkus von Drittherstellern hat man ähnliches ja auch schon in der Vergangenheit erlebt.

















