Nikon verliert
Parallel dazu ein scheinbarer Widerspruch: Nikon, das seine Z-Mount-Patente noch rigoroser verteidigt als Sony seine E-Mount-Lizenzpolitik, hat in China gegen Viltrox einen Rechtstreit verloren. Die zuständige Behörde erklärte Nikons Z-Mount-Patent für elektronische Kommunikationsprotokolle für ungültig – mangels Erfindungshöhe. Das klingt nach einem Sieg für die Dritthersteller – ist es aber nur bedingt.
Zum einen hat Nikon drei Monate Zeit für einen Einspruch. Und außerdem ist das Urteil auf China beschränkt. Nikon könnte also noch in vielen anderen Jurisdiktionen weiterkämpfen. Und schließlich: Selbst wenn die Patente fallen, könnte auch Nikon per Firmware-Update die Funktionalität unlizenzierter Objektive einschränken. Das wäre der ultimative Hebel – und eine klare Ansage: Du darfst bauen, aber wir entscheiden, ob es nachher funktioniert.
Früher ging es um mechanische Bajonette – heute geht es um elektronische Protokolle, also eigentlich um kompatible Software. Letzteres könnte nun das Druckmittel der Wahl werden - anstatt langwierige juristische Prozesse mit unsicherem Ausgang führen zu müssen. Allerdings kann man sicher hiermit auch leicht den Zorn einiger Anwender zuziehen - darum will dieser Ball mit Bedacht gespielt werden.
Droht die Objektivsperre?
Als ausgesprochenes Druckmittel für Lizenz-Verhandlungen dürfte die Drohung alleine sicher deutlich mehr nutzen, als die tatsächliche Sperre der Objektive. Außerdem kann eine Sperre auch ein Katz und Maus Spiel anfeuern, bei dem die Objektivhersteller immer wieder mit frischer Firmware versuchen, die Kompatibilität zu einer Kamera wiederherzustellen. Tintenpatronen-Dritthersteller haben solche Spielchen im letzten Jahrzehnt bereits durchgespielt und konnten die Kopierschutz-Chips der Originalpatronen letztlich immer wieder simulieren.
Seltsamerweise hat es sich in der Vergangenheit trotz technischer Möglichkeiten nicht etabliert, ein Objektiv mit einem kryptografischen Schlüssel zu versehen, um sich als original oder lizenziertes Objektiv "auszuweisen" zu können. Dies belegt zugleich auch, dass die Duldung von Fremdherstellern grundsätzlich auch ein Baustein vieler Kamerahersteller-Strategien war, um einer Mount zu einem größeren Marktanteil zu verhelfen. Und das bedeutet leider auch, dass Hersteller ihre Sicht der Dinge zu diesem Thema über die Zeit verändern können. Je dominanter eine Mount im Markt vertreten ist, desto weniger braucht man die Hilfe von Fremdherstellern. Doch die gegenseitige Abhängigkeit kann sich auch in eine unerwartet andere Richtung entwickeln:

















