Wieder Tech-Pionier Warum Steven Soderbergh bei den nächsten Filmprojekten (auch) KI nutzt

// 10:05 Sa, 11. Apr 2026von

Während viele Hollywood-Regisseure einen großen Bogen um die generative KI machen, zeigt sich Steven Soderbergh auch dieser neuen Technolgie wieder sehr aufgeschlossenen - was wenig überrascht, er war zu Anfang seiner Karriere ja schon einer der ersten, die auf günstige DV-Kameras zurückgriffen, und hat zuletzt einige seiner Filme u.a. mit iPhones umgesetzt.


Nun hat Soderbergh in einem Interview mit dem Filmmaker Magazine erwähnt, dass in seiner demnächst fertiggestellten Dokumentation über das letzte John Lennon Interview teilweise auch per KI generierte Bilder zu sehen sein werden, ebenso will er für sein nächstes Filmprojekt, das während des Spanisch-Amerikanischen Kriegs 1898 spielt, jede Menge Kriegsschiffe und ähnliches von KI generieren lassen.


 Neither Soderbergh, nor surreal—but AI-generated...
Weder Soderbergh, noch surreal - aber KI-generiert...

Bei letzterem geht es dabei knallhart um das Budget - "it’s all about how much I can do it for". Während Christopher Nolan es sich leisten kann, für seine Odyssee-Verfilmung mit nachgebauten Wikinger-Schiffen zu drehen, fehlt bei Indie-Projekten schlicht das Geld für eine reale Umsetzung solcher Bilder (ganz zu schweigen von aufwendigem CGI). Je einfacher und günstiger sich ein Film realisieren lässt, umso wahrscheinlicher kommt die Produktion überhaupt erst zustande. Aus diesem Grund spielen entsprechende Filme mit kleinem Budget oft in der Jetzt-Zeit und in vertrauten, überschaubaren Umgebungen, sofern keine Trash-Ästhetik angestrebt wird.



Doch nun haben auch Indie-Filmer zunehmend hochklassige Bilder in greifbarer Nähe - per generativer KI, die schrittweise auch mehr kreative Kontrolle erlaubt. Allerdings liegt die Chance unserer Meinung nach nicht darin, ganze Filme komplett künstlich zu erstellen in naturalistischem Look (wie wenig reizvoll das Resultat werden kann, zeigte unlängst ein historisierendes Projekt von Aronofsky). Viel eher lässt sich KI ergänzend einsetzen, wie es Soderberg offensichtlich plant. Zumindest in diesem Bereich erweitern KI-Tools dann die filmischen Möglichkeiten, welche bisher von Budgets stark limitiert waren - Soderbergh bildet hier vermutlich wieder die Vorhut, andere werden seinem Beispiel folgen.



Interessant ist auch, was er wiederum über den Einsatz von KI bei der Lennon-Doku sagt:



"Man sollte mal darüber sprechen, wofür diese Technologie eigentlich gut geeignet sein könnte. Ich habe zuletzt mit KI an der Dokumentation über John Lennon und Yoko Ono gearbeitet, die wir fast fertiggestellt haben. Die KI war dabei hilfreich, thematisch surreale Bilder zu erzeugen, die eher eine Traumwelt als einen realen Raum darstellen. Das hat großen Spaß gemacht, denn man braucht quasi einen Doktortitel in Literatur, um ihr genau zu sagen, was sie tun soll. Aber wie jede andere Technologie erfordert sie unbedingt eine sehr enge menschliche Kontrolle. (…) Neunzig Prozent der visuellen Inhalte bestehen aus archivierten Standbildern, und etwa zehn Minuten – verteilt über den 90-minütigen Film – bestehen aus diesen kleinen Bildsequenzen, die wir immer dann erstellt haben, wenn sie beginnen, philosophisch zu sprechen. Wenn das Gesagte keinen wörtlichen, konkreten Bezug mehr hat, erschaffe ich diese Bilder, die gewissermaßen eine surreale Entsprechung dessen sind, was ihre Worte zu vermitteln versuchen."



Demnach wurden nur bei schwer zu bebildernden Sequenzen surreal anmutende Bilder generiert und diese der Maschine zu entlocken, war offensichtlich auch nicht sonderlich trivial. (Wer selbst versucht hat, per Prompt Bewegtbilder errechnen zu lassen, die der eigenen Vorstellung nah entsprechen, weiß, wie frustrierend das sein kann.) Automatisch auf Knopfdruck kommt wenig brauchbares heraus, wenn die Ansprüche hoch sind, weshalb generative KI für Soderbergh ein weiteres Tool im filmischen Werkzeugkasten ist - wenn auch eines mit viel Potential.



Wie seine surrealen KI-Bilder allerdings tatsächlich aussehen, erfährt man leider noch nicht - grundsätzlich halten wir es jedenfalls für den spannenderen Ansatz, KI-Bilder von Dingen oder Welten zu erstellen, die es real gar nicht gibt, als die Generatoren als platten Kameraersatz zu nutzen.



Das Interview selbst dreht sich übrigens eigentlich um Soderberghs aktuellen Spielfilm The Christophers, welcher ab April in den USA in Kinos spielt (hierzulande jedoch noch keinen Vertrieb hat.) Er hat wie so oft die Kamera selbst geführt (diesmal kein iPhone) und auch den Schnitt gemacht.





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