Dass der Beruf des (Synchron-)Sprechers in Zeiten von generativer KI keine rosigen Zukunftsaussichten hat, liegt wohl auf der Hand - zu gut gelingt bereits jetzt das künstliche Nachahmen menschlicher Stimmen. Und weil die wirtschaftlichen Interessen von Produzenten oft stärker wiegen als der Qualitätsanspruch (von Solidarität ganz zu schweigen), ist es nur logisch, dass die menschliche Stimme vielfach von günstigeren Computerstimmen ersetzt werden wird. Dabei ist gutes Sprechen eine Kunst - sie steht allerdings seit Jahren schon unter Druck. Für wenig Geld soll möglichst viel und schnell eingesprochen werden; dem fertigen Resultat hört man es leider oft an.
Richtig viel Geld ließe sich also sparen, wenn Filme und Serien ganz automatisch synchronisiert werden können. Und so soll u.a. Netflix an einer eigenen, KI-gestützten Synchronisierung arbeiten, genannt DeepSpeak, welche die Originalstimme eines Schauspielers möglichst ähnlich synthetisiert und sie Dialoge in verschiedenen Sprachen "sprechen" lässt.

Wenn nun bekannt wird, dass der Streaming-Gigant in neuen Verträgen mit Synchronsprecher:innen verlangt, die Aufnahmen zu KI-Trainingszwecken nutzen zu dürfen, ist die Lunte kilometerweit zu riechen. Auch eine Vergütung wird dort wie es scheint nicht geregelt - ( laut DWDL greift allerdings grundsätzlich eine Abmachung zwischen der deutschen Schauspielgewerkschaft und Netflix, nach der für KI-Trainingsdaten nur dann gezahlt werden muss, wenn die KI danach auch verwendet wird.)
Wer nicht bereit ist, die Verträge mit der neuen Regelung zu akzeptieren, geht leer aus, ganz nach dem Motto "friss-oder-stirb". Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) pocht darauf, dass Kunstschaffende keine Datenquellen seinen und wer eine Technologie nicht fördern will, dürfe nicht dazu gezwungen werden.
Seit Beginn des Jahres weigern sich einige Sprecher aufgrund der genannten Klausel für Netflix zu arbeiten - künftig könnte daher eine deutsche Synchronspur bei manchen selbst produzierten Filmen oder Serien fehlen, sagt der Streaming-Dienst. Statt dessen müsse man dann auf Untertitel zurückgreifen; offensichtlich sieht sich Netflix bei diesem Konflikt am längeren Hebel.
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In Anbetracht der Tatsache, dass perspektivisch wohl geplant ist, Synchronsprecher mithilfe der erwähnten DeepSpeak-Technologie komplett zu ersetzen, kann man sich fragen, wozu deren Stimmen für ein Training eigentlich benötigt werden. Denn bei DeepSpeak sollen idealerweise ja die Original-Schauspielerstimmen für Synchronfassungen nachgebildet werden. Lernen könnte eine Netflix Synchronisierungs-KI natürlich dennoch anhand der echt eingesprochenen Dialoge, etwa in Punkto Betonungen, Sprachmelodie oder ähnliches.
Dass es vielleicht gar nicht mehr so lange dauert bis zur Maschinensynchronisierung, deutet folgender Tweet an - demnach wurden noch keine Verträge mit Synchronsprechern für die dritte Staffel von Wednesday abgeschlossen (um welche Sprache es sich dabei handelt bleibt allerdings offen). Grundsätzlich sollen bei Netflix bereits Tests laufen mit automatisch erstellten Synchronfassungen, wobei unklar ist, mit welchem Content und ob mit nachgebildeten Synchron- oder ursprünglichen Schauspielerstimmen (K-Dramen scheinen ein Genre zu sein, bei dem KI-Dubs eingesetzt werden).
A voice actress of Wednesday recently explained that Netflix hasn’t re-signed her and others for Season 3 yet.
— Jenny 2 🏳️🌈 (@jenna_ethereall) January 31, 2026
Because new dubbing contracts now allow companies like Netflix to use voices from their previous recordings to train their AI.. for free. Netflix, along with other… pic.twitter.com/kNLimszSiD
Andernorts hat es jedenfalls bisher noch nicht so gut geklappt mit der automatischen Synchronisierung - Amazon musste im Dezember zurückrudern, nachdem die Qualität von KI-synchronisierten Animes extrem schlecht war.


















