Flux statt Stift Martin Scorsese sieht KI-Storyboards als "kreativ befreiend"

// 14:34 Do, 4. Jun 2026von

Der Einsatz von KI spaltet (nicht nur) in Hollywood die Gemüter - mit Martin Scorsese hat das deutsche KI-Startup Black Forest Labs nun einen prominenten Fürsprecher gewonnen. Wie gerade bekannt wurde, steht der Regisseur den Entwicklern des generativen KI-Modells Flux als Berater zur Seite, um dessen "visuelle Intelligenz" weiter zu gestalten und nutzt das Tool angeblich sogar selbst, allerdings "nur" um Storyboards zu entwerfen, also als Hilfe bei der Pre-Produktion.

 Martin Scorsese in front of Flux AI output
Martin Scorsese vor Flux KI-Output



Allerdings sprechen wir hier von Scorsese, der seit seiner Kindheit eigene Storyboards gezeichnet und sie als "essenziell" für sein Filmemachen bezeichnet hat:



"Ich begann, Bilder zu zeichnen und mir Geschichten auszudenken und solche Dinge. Der Prozess, eine Szene allein in einem kleinen Raum zu visualisieren und kleine Bilder zu zeichnen – in manchen Fällen sind diese Bilder sehr ausgearbeitet, in anderen sind es nur kleine Strichfiguren, vielleicht auch nur ein Auge und ein Pfeil –, das ist gewissermaßen der wesentlichste Prozess beim Filmemachen, selbst wenn ich am Ende nicht alle diese Einstellungen tatsächlich verwende.



Denn es ist ein Prozess: Ich habe das Bild in meinem Kopf auf eine bestimmte Weise interpretiert und weiß dadurch irgendwie, wie ich es sehen muss."



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Auf diesem Weg hat Scorsese berühmte Filme wie Taxi Driver, Raging Bull, Goodfellas und The Departed geschaffen - und nun will der 83-Jährige also den Stift zur Seite legen und eine KI zur Visualisierung nutzen?



Gut möglich, dass er schon seit Jahren nicht mehr selbst zeichnet - wie folgt lässt er sich jedenfalls von den Flux-Machern zitieren:


"Seit 70 Jahren erstelle ich meine eigenen Storyboards. Dabei gab es immer dieses Problem: Wie vermittelt man dem Cast und der Crew das, was man im Kopf sieht? Manche Dinge muss man sehen und fühlen.



Mich interessiert die Schnittstelle zwischen Technologie und Erzählen – und die Frage, wie sie die Grenzen der Kreativität erweitern kann, um für das Publikum tiefere und reichere Erfahrungen zu schaffen. Man darf nicht vergessen: Das Kino ist ein junges Medium, erst etwa 125 Jahre alt. Deshalb müssen wir offen dafür bleiben, wie es sich weiterentwickeln kann.



Ich habe 3D bei „Hugo“ eingesetzt und De-Aging-Technologie bei „The Irishman“. Mit diesem neuen Werkzeug kann ich nun das, was ich visualisiere, klarer und effizienter mit meinem Kreativteam teilen – mit dem Production Designer, dem Art Director und dem Kameramann –, damit sie darauf aufbauen und die filmische Intelligenz bereichern können.



Ich habe dies kürzlich bei einer Szene getestet, und die Möglichkeit, das Storyboard zu visualisieren und sofort zu teilen, war kreativ befreiend. Während der Pre-Production kostet Zeit Geld, und dieses Werkzeug ermöglichte es uns, schneller voranzukommen, ohne Qualität oder handwerklichen Anspruch zu opfern."



"Zeit ist Geld" dürfte hier natürlich das Hauptargument sein. Es gibt sogar ein (recht inszeniert wirkendes) Video, in dem der Altmeister Promp-Jockeys anleitet, damit die Flux-KI dem Bild in seinem Kopf konkrete Gestalt gibt.



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Die Reaktionen auf das Video sind vielfach negativ und die Angelegenheit hat zudem auch ein kleines Geschmäckle, denn unter den Investoren von Blackforest Labs findet sich BroadLight Capital, ein Unternehmen, das wiederum von Scorseses Manager Rick Yorn mitgegründet wurde. Hier sind also ganz klar auch finanzielle Interessen im Spiel - wie letztlich fast immer bei der neuen, disruptiven KI-Technologie.


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